Einem Ondit zufolge hat es tatsächlich inzwischen einen ersten Interessenten für die Kirchenmusikerstelle in Fruststadt gegeben. Das Informationstelefonat mit Herrn RA Dr. Gutverdien, dem KV-Vorsitzenden, verlief so:
Dr. Gutverdien: Das hätte ich nicht geglaubt, dass sich jemand bei uns bewirbt – 49,3 % Stellenumfang sind doch eigentlich eine Schande, ich habe in der Sitzung gesagt, wer soll davon leben? Für die Kirchenmusik müsste viel mehr Geld da sein! Womit sonst bekommen wir denn die Leute noch in die Kirche!
Bewerber (denkt: Immerhin jemand, der Verständnis hat)
Dr. Gutverdien (fährt ohne Pause fort) Und wissen Sie, deshalb habe ich auch eine Idee – wir beide gründen einen „Förderkreis Kirchenmusik“ – die Satzung habe ich schon ausgearbeitet, ich kenne mich mit so etwas ja aus, können wir gleich morgen als e.V. anmelden. Ja, natürlich macht das auch für Sie am Anfang noch etwas mehr Arbeit, aber denken Sie mal an die Möglichkeiten, die sich uns erschließen! Die Orgel ist seit 1999 nicht mehr gestimmt worden, das muss ja von irgendwas bezahlt werden, da könnte der Förderkreis einspringen, für Orgeln spenden die Leute gerne, sagt der Fundraiser, den unser Dekanat gerade eingestellt hat – der könnte Ihnen übrigens einen Teil der Arbeit mit den Werbebriefen für den Förderkreis abnehmen …
(Bewerber möchte zur Frage ansetzen, ob der Förderkreis auch den Stellenumfang aufstocken könnte)
Dr. Gutverdien (spricht ohne Unterbrechung weiter, kann aber offensichtlich Gedanken lesen): Natürlich kann so ein Förderkreis die Stellenkürzung von 75 auf 49,3 % nicht rückgängig machen, auch nicht teilweise, aber man könnte mal für besondere Konzerte, die Sie ja sicher vorhaben, Weihnachtskrematorium oder so, die Solisten bezahlen, die sind ja immer sündhaft teuer – obwohl, es geht auch günstiger, meine Tochter zum Beispiel heißt nicht nur Viola, sie spielt auch eine, Viola da Gamba, herrliches Intrument. Sie hatte ja schon am Robert-Overstolz-Gymnasium immer die Solopartien im Schulorchester und studiert jetzt in Berlin, Betriebswirtschaft. Neulich hat sie „Hair“ bei einer Hochzeit gespielt, alle haben geheult
(Bewerber stutzt: „Hair“ auf einer Viola da Gamba?)
Dr. Gutverdien (fährt ohne Pause fort): Sie kennen doch das Hair von Bach, oder wie das heißt, wuuunderschön, – also, meine Tochter könnten wir auch mal verpflichten, die würde es auch für die Fahrtkosten und eine kleine Aufwandsentschädigung machen, vielleicht an Heiligabend, da ist sie sowieso zuhause, was halten Sie davon?
(Bewerber sucht noch nach einer Antwort, doch:)
Dr. Gutverdien (spricht ohne Pause weiter) jedenfalls, das freut mich, dass Sie die Idee mit dem Förderverein auch gut finden, unser Dekan hält da nämlich nicht so viel davon, das entzieht sich wohl seiner kirchenobrigkeitlichen Kontrolle, haha. Und, wie gesagt, die Orgelstimmung muss ja einfach sein, ich meine, so ein paar Heuler, die werden Sie ja selber beseitigen können, da kann man natürlich nicht immer den Orgelbauer, aber seit 1999 nicht gestimmt, ich bitte Sie, also wirklich, ich finde, da muss sich in unserer Kirche noch einiges ändern, dass man den Wert der Kirchenmusik wieder; jedenfalls vielen Dank, dass Sie angerufen haben, ich denke, Ihre Chancen stehen nicht schlecht, so patent wie Sie zu sein scheinen! Ich melde mich wieder, muss jetzt gerade zum Golfspielen, Sie verstehen. Auf Wiederhören! (legt auf)

Fortsetzung gefällig? Guckst Du hier: https://kraftwort.wordpress.com/2009/10/19/fruststadt-die-soap/

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