Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht Fruststadt betreffend:

Zuerst die gute: Fruststadt hat mir als Blogger ganz neue Erfahrungen beschert. Seit ein paar Monaten schreibe ich hier und habe, wenn’s hochkommt, mal einen Tag mit fünf oder acht Besuchern der Seite – am ehesten, wenn jemand wissen wollte, was der Unterschied zwischen „Logos und Dabar“ ist oder irgendwie auf Luthers Text über die Musik gestoßen ist. Dann setze ich eine Satire über eine Kirchenmusikerstelle in Fruststadt hinein, die ich in alten Unterlagen auf einer schlechten Kopie wiedergefunden habe (ja, es ist wahr: ich habe den Text nur bearbeitet und nicht selber verfasst! Lediglich die Fortsetzung stammt gänzlich von mir) und erreiche damit bis zu 296 Besucher an einem Tag. So weit, so erfreulich – immerhin haben manche auch meine „Über mich“- Seite besucht oder sich sonst mal umgeschaut. Und, prinzipiell auch erfreulich: es hagelt Kommentare: Eine ebenfalls neue Erfahrung für mich wenn mein Emailprogramm mir fast täglich meldet: „Bitte moderieren!“

Die schlechte Nachricht: Manche Kommentare sind beängstigend. Offensichtlich kann der Text tatsächlich – auch das wurde mir zugetragen – Vorurteile und Ressentiments bestätigen und eine pauschale Pfarrerschelte begünstigen, die unter Kirchenmusikern leider weit verbreitet zu sein scheint. Die Kommunikation unter Pfarrern und Kimus ist oft schwierig genug und ich freue mich daran, dass es in meiner eigenen Umgebung komplett anders ist – weil ich weiß, wie wenig selbstverständlich das ist. Es wäre natürlich albern zu behaupten, dass an den Problemen immer nur die Pfarrer schuld sind. Und wenn ein Kirchenmusiker ohnehin schon immer „weiß“, dass Pfarrer alle doof und im Vergleich zu ihnen faul und überbezahlt sind, dann kann es nicht gut gehen, egal wie groß sein Stellenumfang ist. Das Aufdecken dieses „Ressentiment-Milieus“ hat mich also doch etwas traurig gemacht.

Was ist zu tun?

Möglichkeit eins: Sintflut über Fruststadt – die Texte werden gelöscht. Das wäre das einfachste, löst das Problem der vorhandenen Ressentiments aber nicht (erspart mir höchstens das Gefühl, an Bedienen derselben mitschuld zu sein)

Möglichkeit zwei: Ich versuche eine vergleichbare Satire über die übermenschlichen Erwartungen an Pfarrer zu schreiben – das wäre vom Erleben her ohne weiteres möglich, aber ob ich die, wenn ich sie selber schreiben muss, genausogut hinbekomme, ist fraglich

Möglichkeit drei: Ich versuche einmal die „strukturellen Kommunikationsprobleme“ zwischen den kirchlichen Berufsgruppen aufzuarbeiten und dazu einen Text zu bloggen. Auch wenn ihn keine 296 Kimus am Tag lesen werden – dann steht das ganze in einem anderen Kontext und das Nachdenken über die innerkirchliche Kommunikation, das die Satire positiv wie negativ anstoßen kann, wäre sinnvoll weitergeführt.

Ich neige natürlich zur dritten Möglichkeit, bin aber selber mal gespannt, was tatsächlich passiert – denn erstmal ist jetzt mein Urlaub vorbei und ich habe anderes zu tun (ich sitze nämlich auch nur auf einer ha-ha-halben Pfarrstelle, erfahre nur über die regelmäßigen Mieterhöhungen, dass ich angeblich auch eine Gehaltserhöhung bekommen habe und habe trotz des geringen Stellenumfangs und Salärs selten Langeweile …)

Advertisements