Ehrenamtliche:  Der populäre Irrtum lautet: „Man kann die Wirkung kirchlicher Sparmaßnahmen wenigstens teilweise dadurch abmildern, dass mehr Aufgaben von Ehrenamtlichen übernommen werden.“

Im Bild gesprochen bleiben dann die „Angebote“ der Kirche gleich, sie werden nur nicht mehr von bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern von unbezahlten durchgeführt. Gottesdienste werden nicht mehr von Pfarrern, sondern von Laienpredigern gehalten, Jugendgruppen nicht mehr vom Gemeindepädagogen oder der Diakonin geleitet, sondern von einigen älteren Jugendlichen, die eine „Juleica“ haben. All das ist gut und schön und all das gibt es ja auch – gab es auch schon vor Einsetzen der ständigen Sparrunden bei der Kirche.  Nur: das Verhältnis von ehrenamtlicher zu hauptamtlicher Arbeit ist nicht beliebig veränderbar, schon gar nicht unter dem Druck eines Personallabbaus. „Ehrenamtliche machen Arbeit“: Dieser Satz ist doppeldeutig. Ehrenamtliche arbeiten und leisten viel Gutes in unserer Kirche, schon jetzt. Aber sie brauchen auch Betreuung, Anleitung, Fortbildung und – nicht zuletzt! – Seelsorge. Sie verursachen also auch Arbeit für die Hauptamtlichen und reduzieren deren Arbeit nicht (nur). Vermutlich gibt es einen „Schlüssel“ im Verhältnis von Haupt- und Ehrenamtlichen, der – je nachdem, was man alles zur ehrenamtlichen Arbeit dazuzählt – in der Größenordnung 1 zu 30 bis 1 zu 50 (wenn man nur „verantwortlich leitende“ Ehrenamtliche rechnet) oder bei 1 zu 100 bis 1 zu 150 liegen dürfte (wenn auch Gemeindebriefverteiler u.ä. mitgezählt werden). Das bedeutet: Sinkt die Zahl der Hauptamtlichen in einer Gemeinde, einem Dekanat, einem Kirchenkreis usw., so wird auch die Zahl der Ehrenamtlichen in diesem Bereich zurückgehen.

Sicher wird nicht in allen Bereichen das optimale mögliche Verhältnis von Ehrenamtlichen zu Hauptamtlichen erreicht und es ist wichtig, in die Ausbildung von Pfarrern und anderen kirchlichen Mitarbeitern die Gewinnung und Betreuung von Ehrenamtlichen und die Kompetenz zur Zusammenarbeit mit ihnen stärker zu berücksichtigen, um den ehrenamtlichen Bereich zu stärken. Aber die Hoffnung, Einsparungen durch das Ehrenamt aufzufangen, wird trügerisch bleiben und sowohl auf Haupt- und Ehrenamtliche einen unzulässigen und demotivierenden Druck ausüben, der alles noch schlimmer macht. Wenn gespart wird, müssen sich alle auf schmerzhafte Abschiede einstellen, alles andere ist Augenwischerei.

Verschärft wird die Problematik durch ein weiteres Problem: Auch die Menschen, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren, und die es auch tun, erleben ja in ihrem jeweiligen Beruf ebenfalls Personalabbau und Arbeitsverdichtung und sind oft dazu gezwungen, den Umfang ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit eher zu reduzieren als ihn auszubauen. Das bedeutet: Auch die ehrenamtliche Arbeit, die schon geschieht, muss künftig auf viel mehr Schultern verteilt werden. Das macht tendenziell eher mehr Hauptamtliche zu deren Betreuung notwendig als weniger.

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