Kirchliche Dogmatik I S. 419 § 11 Gott der Sohn

„Der eine Gott offenbart sich in der Schrift als der Versöhner, d.h. als der Herr mitten in unserer Feinschaft gegen ihn. Er ist als solcher der zu uns gekommene Sohn oder das uns gesagte Wort Gottes, weil er es als der Sohn oder das Wort Gottes des Vaters zuvor in sich selber ist“

Anmerkung dazu: Ich habe den § 11 der KD gelesen, weil ich mich zu Beginn der Passionszeit mit dem Thema „Versöhnung durch Christus“ auseinandersetzen wollte. Wie kann ich der Kritik begegnen, das Kreuz Jesu sei heute unverständlich, weil man damit von Gott behaupte, er habe ein blutiges Opfer nötig? Leider hat mich der Paragraph im Bezug auf diese Fragestellung enttäuscht. Karl Barth legt nicht den Begriff „Versöhner“ aus, den er für Jesus gebraucht. Sondern er verteidigt die „immanente Trinitätslehre“. Er betont, wie wichtig es ist, dass Jesus nicht nur in dem Sinne Sohn Gottes ist, dass wir ihm diesen Begriff in einer Art „Werturteil“ beilegen, sondern, dass er es „zuvor in sich selber ist“. Das ist zweifellos ein berechtigtes Anliegen – nur: was hilft’s? Bezeichnend, dass er in diesem Zusammenhang auch meinen Lieblingssatz von Philipp Melanchthon kritisiert – „Christus erkennen heißt: seine Wohltaten erkennen.“ Trotzdem werde ich bei Barth weiter danach suchen, ob er uns Heutigen nicht doch noch helfen kann, das Kreuz zu verstehen – die Formulierung, der Versöhner sei „der Herr mitten in unserer Feindschaft gegen ihn“ finde ich da schon recht verheißungsvoll, auch wenn sie im § 11 eben leider (noch?) nicht erklärt wird …

P.S.: Was Karl Barth nicht geschafft hat (hier jedenfalls nicht), ist 1990 einem „Heidenkind“ gelungen, dem ich meine Kirche gezeigt habe – guckst Du im nächsten Beitrag: https://kraftwort.wordpress.com/2011/03/10/kleine-karfreitagspredigt-ein-%e2%80%9eheidenkind-erklart-das-kreuz/

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