Eigentlich hatte ich mir „Sieben Wochen ohne Talkshows“ vorgenommen; denn manchmal bleibe ich vor dem Fernseher hängen und frage mich nach einer solchen Sendung: „Was war da jetzt eigentlich interessant?“ – und muss gestehen: Praktisch nichts oder allenfalls die Minute mit der gnädig zugelassenen Meinungäußerung eines Nicht-Promi-Experten aus dem Volk, der in der ersten Reihe oder an Anne Wills Katzentisch interviewt wird, aber natürlich nicht richtig bei den Großen mitessen äh mitdiskutieren darf. Der Verzicht hat dann irgendwie nicht geklappt. Manchmal ist das Weinglas noch nicht alle und ich denke: „Ein paar Minuten reinschauen …“ Oder man bekam in diesen Tagen mit erstaunten Augen mit, dass ein FDP-Politiker tatsächlich sagt, als wäre es für ihn das selbstverständlichste von der Welt, „natürlich wird die Bremsspur der Atomkraft jetzt viel kürzer werden müssen“. Im Moment versuche ich es mit einer abgespeckten Variante meines Voratzes: Ich schaue mir nur Talkshows an, in denen ich mindestens zwei der Diskussionsteilnehmer noch nicht kenne – dann bleibt auch kaum noch was übrig … Vielleicht muss man sich auch einfach damit abfinden, dass dieses Sendeformat mit Politik nichts zu tun hat, sondern dass es sich um ein reine Unterhaltungssendungen handelt, genauso wie „Verbotene Liebe“ oder „Das perfekte Promi-Dinner“. Eigentlich wollte ich an dieser Stelle „Kasperletheater“ schreiben, aber an gut gemachtes Kaspertheater habe ich zu gute Erinnerungen – da gibt es meistens was zu lachen und am Schluss ist nicht alles noch genauso wie vorher, denn das böse Krokodil ist tatsächlich besiegt und Großmutter hat ihre Kaffemaschine wieder oder die Prinzessin ist befreit. Diese Kunstform möchte ich nicht durch den Vergleich mit einer Talkshow abwerten.

Wäre das Programm in anderen Sendern besser, ließen sich bestimmt auch 52 Wochen ohne Talkshow leicht durchhalten …

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