In diesem Monat kommt das Barth-Zitat einmal nicht aus seiner Kirchlichen Dogmatik, sondern aus dem etwas dünneren Büchlein „Christengemeinde und Bürgergemeinde“ (das ich, anders als die KD, komplett gelesen habe …). Was mich daran fasziniert, ist, dass Barth ein „Gefälle“ vom christlichen Glauben hin zur Demokratie entdeckt. Leider wurde zu lange in der Kirchengeschichte dieses Gefälle nicht gesehen, und noch bei meinem 1. Theologischen Examen, in dem ich das Thema „Demokratie“ im Fach Ethik gewählt hatte, wurde mir von einem Mitglied meiner Prüfungskommission entgegengehalten: „Was wollen Sie dazu eine Viertelstunde lang erzählen? Man kann in jeder Staatsform Christsein. Mehr gibt es dazu doch wohl nicht zu sagen.“  Irrtum! Auch wenn Barths Schrift für seine Verhältnbisse relativ kurz ist, mehr (und auch noch anderes) als diesen einen Satz enthält sie schon. Karl Barth schreibt  unter Punkt 24:

„In der Christengemeinde wird in der Nachfolge Christi .. nicht geherrscht, sondern gedient. Sie kann darum auch in der Bürgergemeinde alles Herrschen, das nicht als solches ein Dienen ist, nur als einen Krankheits- und nie und nimmer als den Normalzustand anerkennen. Es gibt keinen Staat ohne Staatsgewalt. Aber die Gewalt des rechten Staates unterschiedet sich von  der des unrechten wie potestas und potentia. Potestas ist die dem Recht folgende und dienende, potentia ist die dem Recht vorangehende, das Recht beugende und brechende Gewalt, die „Macht an sich“, die als solche schlechthin böse ist. Bismarck – von Hitler gar nicht zu reden – war (trotz des Losungsbüchleins auf seinem Nachttisch) kein vorbildlicher Staatsmann, weil er den Staat grundsätzlich von oben nach unten, weil er sein Werk auf die „Macht an sich“ aufbauen und begründen wollte. … Hier gilt: „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen“ Die christliche Staatsraison weist genau in die entgegengesetzte Richtung“

(zitiert nach: Theologische Studien Bd. 104, Zürich 1970 (2. Aufl.) – S. 72)

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