„Kennen Sie Schnipp-Schnapp?“ „Dann hab ich was eigenes“ – „Sie lassen sofort die Ente zu Wasser!“ – „Das Ei ist hart“ – „In Bozen sind die Waschräume separat“ „Dafür hatten wir im Mai ein paar schöne Tage“ „Abgezapft und Original-verkorkt von Pahlhuber und Söhne“ … oder schlicht „Ein Klavier, ein Klavier!“ – das sind nur ein paar Zitate, bei denen in meiner Familie und in meiner Umgebung bei jedem ganze Bilder und Geschichten sofort präsent sind und die sich bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten anbringen lassen – und verstanden werden. Erstaunlich, dass der, der darauf spezialisiert war, Kommunikationsstörungen humorvoll bewusst zu machen, gerade dazu beiträgt, dass Kommunikation zwischen Menschen verschiedenster Generationen, Szenen und Milieus gelingt – im Zitieren von Loriot haben oft ganz unterschiedliche Menschen plötzlich – nein, nicht mehr „etwas eigenes“, sondern gerade etwas Gemeinsames.

Inzwischen gab es schon eine Menge Nachrufe auf Vicco von Bülow. Was mir in den Fernseh- und Zeitungsnachrufen allerdings fehlte: Loriot war auch abseits der Komik künstlerisch tätig – als Dirigent, Opernregisseur und als Schauspieler. Und er hat sich im Alter engagiert für den kirchlichen Denkmalschutz – und zwar für den Wiederaufbau des Doms seiner Heimatstadt Brandenburg. Ich erinnere mich noch gut an eine diesbezügliche Spendenbitte von ihm, die irgendwann nach der Wende in unser Pfarrhaus flatterte …

Schließlich finde ich folgendes Zitat von ihm erwähnenswert: In einem Interview wurde er gefragt, ob er im Zweiten Weltkrieg ein guter Offizier gewesen sei.  Seine Antwort lautete: „Nicht gut genug, sonst hätte ich am  20. Juli 1944 zum Widerstand gehört. Aber für den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich schämen bis an mein Lebensende.“

Zum Schluss zwei Lesetipps für die, die sich weiter mit den Seiten von Loriot befassen wollen, die in den üblichen Nachrufen fehlen:

1. Lohnend ist der Wikipedia-Artikel „Loriot“, aus dem ich auch das Interview-Zitat übernommen habe

2. Ein Interview, das die „Zeit“ mit Loriot geführt hat, findet man hier:

http://www.a-e-m-gmbh.com/andremuller/interview%20mit%20loriot.html

P.S.: Zwei dringende Fragen habe ich noch:

1. Warum fehlt eigentlich auf der nahezu kompletten DVD-Sammlung der Sketch mit der Konversationsschulung, aus dem die berühmten Bozener Waschräume stammen?

2. Gibt es eigentlich ein Rezept für den „Kosakenzipfel“?

Fragen, die zeigen: Deutschlands Geschichte mit Loriot ist noch nicht zu Ende …

P.P.S.  Einen Loriot-Test für Fans gibt es hier: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/unterhaltung/film/loriot/index,page=4502924.html

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