Die „offizielle Linie“ der EKD zum Themenjahr Reformation und Toleranz habe ich mehrfach kritisiert – weil ich nicht der Meinung war (und bin), man könne oder müsse sich dafür entschuldigen, dass Luther nicht offensiv den Toleranzbegriff der Aufklärung gepredigt hat. (Meine Kritik findet man hier: https://kraftwort.wordpress.com/2012/10/30/nachdenklicher-brief-an-einen-vordenker/)

Schön, dass auch weit kompetentere Theologen als ich in ähnlicher Weise das EKD-Themenheft kritisieren. Der Berliner Historiker Heinz Schilling, Auor einer lesenswerten neuen Lutherbiografie, sagt in einem Interview:

„Luther kann nicht am Toleranzbegriff des 21. Jahrhunderts gemessen werden. Der Toleranzbegriff nach der Aufklärung ist ein anderer als zur Zeit Luthers. Die Religion war damals die Zentralachse des öffentlichen wie des privaten Lebens. Da war Toleranz im heutigen Sinne nicht möglich. Es ist daher völlig unhistorisch – wie es in einer Broschüre der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geschieht – die Untoleranz Luthers herauszustellen oder sich gar für diese historische Position Luthers zu entschuldigen. Es geht vielmehr darum herauszuarbeiten, warum Luther hier eine andere Einstellung hatte als wir heute und wie er dennoch mit dazu beigetragen hat, dass sich der moderne Toleranzbegriff entfalten konnte.“

(Fundort: http://www.petrus-giesensdorf.de/themen/2013/03/luther-toleranz.htm, abgerufen am 10.12.2013)

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