Bisweilen wird im Babylonischen Talmud von der Rabbinerin Brurja erzählt, obwohl es bis ins 20 Jahrhundert eigentlich gar nicht vorgesehen war, dass Frauen Rabbinerinnen wurden. Brurja war oft sogar klüger als die männlichen Schriftgelehrten, auch als ihr Mann, Rabbi Meir. Von Brurja und Meir wird also erzählt:

In der Nachbarschaft von Meir und Brurja gab es sittenlose Gesellen, über die sich Meir sehr ärgerte. Deshalb betete er darum, dass Gott diese bösen Nachbarn verflucht und sterben lässt. Er denkt dabei an einen Psalmvers, in dem es heißt, dass die Frevler von der Erde verschwinden sollen. Brurja aber sagt ihm: „Bete nicht, dass sie sterben, bete nicht gegen sie, sondern bete für sie, bete darum, dass sie sich bekehren. Denn so ist es gemeint, wenn der Psalm sagt: Die Frevler sollen verschwinden von der Erde.“ Da betete Meir für sie und sie kehrten in Reue um. (nach Berachot 10a)

Der Bibelvers, über den Meir und Brurja diskutieren, steht in Psalm 104,35. In der Lutherübersetzung heißt er:  „Die Sünder sollen ein Ende nehmen auf Erden und die Gottlosen nicht mehr sein.“

Kleiner Nachtrag: Ehrlicherweise sei gesagt: Ob man Brurja tatsächlich als „Rabbinerin“ bezeichnen kann, ist strittig – Näheres dazu in den Kommentaren! Entscheidend ist natürlich, was Brurja sagt, Rabbinerin oder nicht; dass sie inhaltlich ganz nahe bei Jesus ist und dass auch „schwierige“ Bibelstellen (das Vernichten von Frevlern klingt ja erstmal nicht so sympathisch) verschieden ausgelegt werden können und im richtigen Kontext einer gelebten Gottes- und Nächstenliebe oft ganz anders aussehen als auf den ersten Blick (oder als durch die Brille von Fundamentalisten, seien es religiöse oder auch atheistische Fundis)

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