Ich zitiere zunächst aus der Evangelischen Zeitung vom 5. Januar 2014:

Gelöschte Göttinnen
Von Jochen Rudolphsen (Redakteur der Evangelischen Zeitung)

„Ich bin Göttin“
Köln „I am God“ – „Ich bin Gott“ hatte die Femen-Protestlerin Josephine Witt auf ihrem Körper stehen, als sie in einer umstrittenen Aktion barbusig den Weihnachtsgottesdienst im Kölner Dom störte. Tatsächlich gab es einmal eine Göttin. Doch die ist wie vieles andere weibliche in der Religionsgeschichte verdrängt worden.

Wie hieß sie doch gleich, die Frau Gottes? Vergessen? – Nein, grübeln Sie nicht weiter, Sie sind nicht vergesslich. Vor mehr als 2600 Jahren haben andere dafür gesorgt, dass Sie den Namen der Gattin des JHWH nicht parat haben. Aschera, der Name der Ehefrau des Herrn, war über Jahrhunderte hinweg im alten Israel jedem geläufig, bis sich im siebten vorchristlichen Jahrhundert eine Gruppe schriftkundiger Priester daran machte, die alten Geschichten auf- und damit umzuschreiben. Nach dem Motto: ein Volk, ein Gott! erklärten sie den Volksglauben für obsolet, machten JHWH zum Single und kehrten Aschera gleich mit aus. …“

(Es folgen Hinweise auf diverse biblische Frauen, deren Name verschwiegen oder deren Rolle lange vergessen wurde)

Junia, die in Römer 16,7 erwähnt wird … war, darin sind sich noch tausend Jahre lang alle Kirchenväter einig, eine Apostelin. Erst der Augustiner-Mönch Aegidius Romanus machte aus ihr im 13. Jahrhundert einen Mann. Augustiner-Kollege Martin Luther tat es ihm 300 Jahre später gleich – und schrieb Junia zu Junias um. …“

(Es folgt eine pauschale Abrechnung mit den Männern, die – in Nachfolge des Römers Cato – Frauen stets mit Gewalt oder unter Zuhilfenahme des „Rechts“ unterdrückt hätten. Einziger Lichtblick war anscheinend John Stuart Mill, der schon 1869 gesagt hat, die Unterdrückung der Frau habe keine natürliche Ursache …)

Was würde Junia dazu sagen?
Vielleicht dies:
„Lieber Herr Rudolphsen,
es ist ja nett, dass Sie mich erwähnen und in Erinnerung rufen, dass ich Apostelin war.
Aber davon abgesehen tun Sie mir mit Ihrem Artikel – ehrlich gesagt – keinen Gefallen.
Wissen Sie, was ich als Apostelin getan habe?
Ich habe – genauso wie Petrus, Priska, Paulus, Phöbe und viele andere – verkündigt, dass Jesus der Herr ist. Denn das ist der Kern des Glaubensbekenntnisses, das in Ihrer Zeit (und schon seit dem 4. Jahrhundert nach dem Kommen Jesu) noch um einiges länger geworden ist. Aber dieser eine Satz – der steht von Anfang an fest: Jesus ist der Herr. Von dem, was mir am Wichtigsten war, schreiben Sie leider überhaupt nichts, ja, der Name Jesus kommt kein einziges Mal vor, und deshalb fühle ich mich als Apostelin Jesu Christi  auch nicht so wirklich ernst genommen.
Wie meinen Sie das eigentlich, wenn Sie sagen, Gott habe eine Frau, die sei nur von Priestern zum Verschwinden gebracht worden? Kann man eine Gottheit zum Verschwinden bringen, die es gibt? Heißt das, dass es sie einmal gab, aber nicht mehr gibt? Oder heißt es dass sie nur vergessen wurde, aber eigentlich lebt? Wenn das so ist – und nur so gibt es einen Sinn – beten Sie dann eigentlich zu Aschera? Und was antwortet sie Ihnen dann?
Ich verstehe das ganz anders. In meiner Bibel heißt es ganz am Anfang, Gott hat den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen – als Mann und Frau. Wenn aber Mann und Frau, beide, gemeinsam, Gottes Ebenbild sind, dann ist Gott selber doch sowohl Mann als auch Frau bzw. keines von beiden. Dann kann „er“ doch keine Frau haben, wenn „er“ das Weibliche doch genauso in sich hat wie das Männliche. Und auch noch an viel späterer Stelle der Bibel, am Schluss des Jesajabuches  (als die von ihnen behaupteten bösen frauenfreindlichen Priester schon längst am Werk gewesen sein müssten) sagt Gott: „Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet“. Gott hat und hatte keine Frau – dazu ist er selber Frau genug! (Vielleicht wissen Sie, dass das hebräishe Wort „Ruach“ meistens weiblich ist – es heißt übersetzt „Geist“. Gottes Geist ist also weiblich, wenn Sie darauf Wert legen …)
Löblich finde ich, dass Sie in der Online-Version Ihres Artikels die Einleitung der Printversion weggelassen haben. offensichtlich haben Sie selber schon gemerkt,. dass es eine Verniedlichung ist, von einer „umstrittenen Aktion“ zu sprechen, wenn ein Mensch sich selbst auf einen Altar stellt und behauptet „Ich bin Gott“. Selbst Jesus, der einzige Mensch, der das von sich hätte sagen dürfen, hat das nie selber gesagt, sondern gewartet, bis Menschen von selbst auf die Idee kommen, er könnte es sein. (Übrigens gab es nur zwei Menschen, die schon vor Jesu Auferstehung dieses Bekenntnis abgelegt haben: „Du bist der Christus“: Simon Petrus und meine Freundin Martha, die Sie in Ihrer Aufzählung biblischer Frauen leider vergessen haben …). Da steht eine keifende Person auf dem Altar und viel weiter unten liegt Jesus. der Gottessohn, als Kind in der Krippe und er trägt stolz die Aufschrift „Ich bin Mensch“. Ich stehe auf der Seite von Jesus und seiner Mutter Maria, die im Herzen bewahrte, was ihr von Jesus gesagt war – und Josefine Witt kann ich nur wünschen, dass sie sich bekehrt von ihrem Götzendienst zu dem wahren Gott. Das wäre jedenfalls mein Bestreben und meine apostolische Aufgabe. Helfen Sie mir dabei?

Freundliche Grüße
Junia, Apostelin“

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