Wenn der Bund (der Taufe) nicht wäre und Gott nicht barmherzig durch die Finger sähe, so wäre keine Sünde zu klein, dass sie uns nicht verdammte; denn Gottes Gericht kann keine Sünde leiden. Darum ist kein größerer Trost auf der Erde als die Taufe, durch die wir in das Urteil der Gnade und Barmherzigkeit treten. Die Taufe richtet die Sünden nicht, sondern treibt sie mit vielen Übungen aus. So spricht St. Augustin einen feinen Spruch: Die Sünde wird in der Taufe ganz vergeben – doch nicht so, dass sie nicht mehr da ist, sondern so, dass sie nicht zugerechnet wird. Als wollte er sagen: Die Sünde bleibt wohl bis in den Tod in unserem Fleisch und regt sich ohne Unterlass. Aber solange wir nicht in sie einwilligen oder in ihr bleiben, so ist sie in der Taufe dazu bestimmt, dass sie nicht verdammt noch schädlich ist, sondern täglich mehr und mehr ausgetilgt wird bis in den Tod. Deshalb soll niemand erschrecken, wenn er auch böse Lust und Sucht fühlt, und auch nicht verzagen, ob er schon fällt. Sondern er soll an seine Taufe denken und sich ihrer fröhlich trösten, dass Gott sich da verpflichtet hat, ihm seine Sünde zu töten und nicht zur Verdammnis anzurechnen, sofern er nicht einwilligt oder in ihr bleibt. Auch soll man wütende Gedanken oder Begierden, selbst das Fallen, nicht zum Anlass nehmen, zu verzagen, sondern als eine Ermahnung von Gott, dass der Mensch an seine Taufe gedenke, was Gott da geredet hat, damit er Gottes Gnade anrufe und sich übe, gegen die Sünde zu streiten, ja auch zu sterben begehre, um die Sünde loswerden zu können.

(Ein Sermon von dem heiligen hochwürdigen Sakrament der Taufe – Kap. 11)

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