HIER habe ich schon einmal auf die Bibelübersetzung von Rabbiner Ludwig Philippson hingewiesen, die bearbeitet und neu aufgelegt worden ist – damals war gerade der erste Band erschienen, der die Thora und die prophetischen Sabbat- und Festtagslesungen (Haftarot) enthält. Jetzt gibt es den zweiten Band, in dem – wieder auf hebräisch und deutsch – die Prophetenbücher zu finden sind. Das sind nach jüdischem Verständis sowohl die „vorderen Propheten“ Josua, Richter, Samuel und Könige (die in der christlichen Tradition den „Geschichtsbüchern“ zugerechnet werden) als auch die „hinteren Propheten“ Jesaja, Jeremia und Ezechiel sowie das Zwölfprophetenbuch (die „kleinen“ Propheten von Hosea bis Haggai).  Für alle Theologen, die ihre Hebräischkenntnisse ab und zu etwas auffrischen wollen, aber auch für alle, die für ihre Predigtarbeit oder ihr Glaubensleben die Bibel möglichst gut verstehen wollen, ist diese Ausgabe m.E. eine große Hilfe. Übrigens hat – das habe ich gerade gelesen – auch Martin Luther sich bei seiner Übersetzung des Alten Testaments Rat bei Rabbinern und jüdischen Exegeten geholt, weil er in ihnen – bei allen Glaubensunterschieden – die „Experten“ für die hebräische Bibel sah. Diese Einstellung dürfte auch dazu geführt haben, dass er die nachchristliche (!) jüdische Kanonentscheidung anerkannte und die nicht auf hebräisch verfassten Bücher des AT (Jesus Sirach, Tobit usw..) als „Apokryphen“ verstand, also nicht als gleichwertige Teile des AT. Deshalb unterscheidet sich Inhalt und Aufbau einer evangelischen Bibel (z.B. der Luterhübersetzung) sich bis heute von einer katholischen Ausgabe (z.B. der Einheitsübersetzung). Auch dass wir im evangelischen Gottesdienst in der Regel den aaronitischen Segen aus 4. Mose 6 verwenden (wie im jüdischen Gottesdienst), dürfte mit diesem oft übersehenen Philosemitismus des „frühen“ Luther (der in der Wahrnehmung vom Antijudaismus des alten Luther nahezu verschluckt wurde) zu tun haben.

Hier nun die bibliographischen Angaben:

Die Propheten (hebräisch-deutsch) in der Übersetzung von Rabbiner Ludwig Philippson revidiert und herausgegeben von Walter Homolka, Hanna Liss und Rüdiger Liwak Herder-Verlag Freiburg im Breisgau 2016 bzw. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2016 ISBN 978-3-534-26889-4

 

Advertisements