Europa


Am 29. Mai 1934 wurde in Wuppertal die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet und damit die Bekennende Kirche gegründet. Sie gilt zwar bis heute noch nicht als lutherische Bekenntnisschrift – aber ich habe sie mir in meinen Band der „Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche“ eingeklebt, weil sie für mich genauso wichtig sind wie die „Confessio Augustana“ (das Augsburger Bekenntnis von 1530).

Hier sind die sechs Thesen im Wortlaut:

1.

„Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Joh 14,6 LUT

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden.“

Joh 10,1.9 LUT

„Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“

2.

„Durch Gott seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.“

1 Kor 1,30 LUT

„Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.“

3.

„Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist.“

Eph 4,15–16 LUT

„Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als die Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.“

4.

„Jesus Christus spricht: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener.“

Mt 20,25–26 LUT

„Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete Führer geben und geben lassen.“

5.

„Fürchtet Gott, ehrt den König.“

1 Petr 2,17 LUT

„Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.“

6.

„Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Mt 28,20 LUT

„Gottes Wort ist nicht gebunden.“

2 Tim 2,9 LUT

„Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.“

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Drei Grundgesetz-Irrtümer:

1. Richtig ist, dass das Grundgesetz Meinungsfreiheit garantiert. Falsch ist jedoch, die „Meinungsfreiheit“ als „Freiheit von einer Meinung“ zu verstehen. Sag deine Meinung!

2. Richtig ist, dass das Grundgesetz Gewissensfreiheit garantiert. Falsch ist jedoch, die „Gewissensfreiheit“ als „Freiheit vom Gewissen“ also als Gewissenlosigkeit zu verstehen. Folge deinem Gewissen!

3. Richtig ist, dass das Grundgesetz Religionsfreiheit garantiert. Falsch ist jedoch, die „Religionsfreiheit“ als „Freiheit von jeder Religion“ zu verstehen. Praktiziere deine Religion!

Zusammengefasst: Die Freiheit nützt nur was, wenn du sie nutzt! Sonst merkst du’s vielleicht gar nicht wenn  Dir irgendjemafd sie plötzlich wegnimmt.

Kleiner Nachtrag: Auch die Gleichheit, die das GG garantiert, kann man missverstehen: Sie zwingt uns nicht in eine Uniform, in der wir herumzulaufen hätten. Gleich sind wir vor allem darin, dass wir alle unterschiedslos völlig verschieden sein dürfen!

Ansonsten: Herzlichen Glückwunshc dem Grundgesetz und dem von ihm geprägten Gemeinwesen zum 70. Geburtstag unserer Verfassung!

Kann man das Grundgesetz verfilmen? Ja – jedenfalls den wichtigen Grundrechtsteil der Artikel 1 bis 20 (in Auswahl und geänderter Reihenfolge) – Guckst Du HIER

https://www.abendblatt.de/hamburg/article218363201/Das-Grundgesetz-Der-Film.html

Einem Ondit zufolge will die AfD eine weitere Pflichtimpfung einführen – die gegen Empathie. Sie möchten gerne, dass alle Menschen gegen Mitgefühl so immun sind wie sie …

Rabbiner Ludwig Philippson hat im 19 Jahrhundert die hebräische Bibel ins Deustche übersetzt, die Übersetzung wurde in den letzten jahren revidiert und neu veröffentlicht. Auf die beiden ersten Bände, Thora und Propheten, habe ich bereits hingewiesen, jetzt ist auch der dritte Teil erschienen, der die Psalmen, das Buch Hiob, die Sprüche Salomos, das Lied der Lieder, Rut, die Klagelieder, Kohelet (Prediger), Daniel, Esra, Nehemia und die beiden Chronikbücher enthält – wieder mit dem hebräischen Text auf der einen Seite und der Übersetzung auf der danebenliegenden Seite sowie mit einer Einführung in die „Ketuvim“ von Deborah Kahn-Harris. Damit ist die Übersetzung der hebräischen Bibel nun komplett verfügbar.

Hier sind die bibliografischen Angaben:  Die Schriften (hebräisch-deutsch) in der Übersetzung von Rabbiner Ludwig Philippson revidiert und herausgegeben von Walter Homolka, Hanna Liss und Rüdiger Liwak unter Mitarbeit von Susanne Gräbner und Zofia H. Nowak Herder-Verlag Freiburg / Breisgau bzw. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt (Lizenzausgabe) 2018
ISBN 978-3-534-27063-7

Und hier ist ein Beispieltext – der 23. Psalm:
„Der Ewige ist mein Hirt“
Ein Psalm Davids. – Der Ewige ist mein Hirt, mir mangelt’s nicht. Auf grünen Auen lässt er mich lagern, zu Wassern der Ruhe leitet er mich. Mein Leben erquickt er: Er führt mich auf rechter Bahn, um seines Namens willen. – Auch wenn ich geh im Tal des Todesschattens, fürcht‘ ich kein Leid, denn du bist bei mir: Dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor einen Tisch im Angesicht meiner Bedränger, selbst mit Öl mein Haupt, mein Becher fließt über. Nur Güte und Gnade folgen mir all meine Lebenstage, ich werde bleiben in des ewigen Haus mein Leben lang.
(a.a.O. S. 61)

 

Im Wahl-O-Mat für Bayern wird u.a. danach gefragt, was die Parteien vom Kirchenasyl halten. Eine wichtige Frage, wie ich finde, denn gerade bei meinen bayrischen Nachbarn müssen Engagierte in diesem Bereich ja inzwischen fürchten, kriminalisiert zu werden.
Die entsprechende These lautet: „Es sollen keine abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerber abgeschoben werden, solange ihnen in einer Kirche Schutz gewährt wird.“
Dazu gab es Zustimmung von folgenden Parteien (Text und Begründung sind aus dem Wahlomat-Texten entnommen):
ÖDP: Die ÖDP stimmt der These „Es sollen keine abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerber abgeschoben werden, solange ihnen in einer Kirche Schutz gewährt wird.“ zu. Begründung der Partei: „Das Kirchenasyl ist Teil unserer christlich-abendländischen Kultur.”
GRÜNE Die Partei „GRÜNE“ stimmt der These „Es sollen keine abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerber abgeschoben werden, solange ihnen in einer Kirche Schutz gewährt wird.“ zu. – Begründung der Partei: „Wir achten das Kirchenasyl und wollen den bayerischen Sonderweg beenden, der dieses faktisch abschaffen möchte. Wir fordern in diesem Zusammenhang die Einstellung aller Strafverfahren gegen Geflüchtete, Haupt- und Ehrenamtliche.”
SPD: Die SPD stimmt der These „Es sollen keine abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerber abgeschoben werden, solange ihnen in einer Kirche Schutz gewährt wird.“ zu. – Begründung der Partei: „Wir schätzen die soziale Verantwortung, die die Kirchen übernehmen. Ihre Eigenständigkeit und ihre Möglichkeit, Kirchenasyl zu gewähren, halten wir für wichtig.”
FREIE WÄHLER: Die Partei „FREIE WÄHLER“ stimmt der These „Es sollen keine abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerber abgeschoben werden, solange ihnen in einer Kirche Schutz gewährt wird.“ zu. – Begründung der Partei: „Als FREIE WÄHLER bekennen wir uns zum Kirchenasyl. Es stellt ein wichtiges Institut dar, das es den Behörden ermöglicht, in speziellen Einzelfällen die Rechtslage und bestehende Ermessenspielräume noch einmal auszuloten und humanitäre Härten zu vermeiden. Das Kirchenasyl findet in unserer Rechtsordnung keine Anerkennung, gleichwohl wird mit Rücksicht auf die besondere Stellung der Kirchen in unserem Staat von Vollzugsmaßnahmen in Räumen der Kirche abgesehen. Auch das ist gelebtes Christentum.”

Ablehnung des Kirchenasyls:
PIRATEN Die Partei „PIRATEN“ stimmt der These „Es sollen keine abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerber abgeschoben werden, solange ihnen in einer Kirche Schutz gewährt wird.“ nicht zu. – Begründung der Partei: „Die PIRATEN treten für eine strikte Trennung von Kirche und Staat ein. Deshalb darf keine Gruppe Sonderrechte erhalten”
FDP Die FDP stimmt der These „Es sollen keine abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerber abgeschoben werden, solange ihnen in einer Kirche Schutz gewährt wird.“ nicht zu. – Begründung der Partei: „Wir Freie Demokraten schätzen die Rolle der Kirchen in sozialen Fragen, insbesondere bei der Integration von politisch oder religiös Verfolgten, Kriegsflüchtlingen und Einwanderern. Wir treten jedoch für eine strikte Trennung von Kirche und Staat ein. Deshalb sind bei Asylfragen ausschließlich staatliche Stellen, wie etwa das BAMF, zuständig.”
AfD Die AfD stimmt der These „Es sollen keine abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerber abgeschoben werden, solange ihnen in einer Kirche Schutz gewährt wird.“ nicht zu. – Begründung der Partei: „Kirchenasyl ist zu unterbinden und die für die eventuelle Gewährung von Kirchenasyl Verantwortlichen sind konsequent strafrechtlich zu verfolgen.”
„Neutrale“ Position (bei Licht besehen eher eine Ablehnung …)
CSU: Die CSU steht neutral zur These „Es sollen keine abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerber abgeschoben werden, solange ihnen in einer Kirche Schutz gewährt wird.“. – Begründung der Partei: „Wir achten das Kirchenasyl. Gleichzeitig muss aber klar sein, dass das Kirchenasyl nicht im rechtsfreien Raum stattfindet. Das Kirchenasyl darf nicht zu einer Missachtung rechtsstaatlicher Entscheidungen missbraucht werden und kann rechtsstaatliche Entscheidungen auch nicht ersetzen. Die Leitlinien der Kirche sehen für Kirchenasyl enge Voraussetzungen vor. Für rechtsstaatlich abgelehnte Asylbewerber ist Kirchenasyl in der Regel nicht vorgesehen.”

CSU Plakat für Flüchtlinge DgOeq1VX4AE45OK

Wie sich die Zeiten ändern: Wahlplakat der CSU von 1946 …

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