Literatur


Rabbiner Ludwig Philippson hat im 19 Jahrhundert die hebräische Bibel ins Deustche übersetzt, die Übersetzung wurde in den letzten jahren revidiert und neu veröffentlicht. Auf die beiden ersten Bände, Thora und Propheten, habe ich bereits hingewiesen, jetzt ist auch der dritte Teil erschienen, der die Psalmen, das Buch Hiob, die Sprüche Salomos, das Lied der Lieder, Rut, die Klagelieder, Kohelet (Prediger), Daniel, Esra, Nehemia und die beiden Chronikbücher enthält – wieder mit dem hebräischen Text auf der einen Seite und der Übersetzung auf der danebenliegenden Seite sowie mit einer Einführung in die „Ketuvim“ von Deborah Kahn-Harris. Damit ist die Übersetzung der hebräischen Bibel nun komplett verfügbar.

Hier sind die bibliografischen Angaben:  Die Schriften (hebräisch-deutsch) in der Übersetzung von Rabbiner Ludwig Philippson revidiert und herausgegeben von Walter Homolka, Hanna Liss und Rüdiger Liwak unter Mitarbeit von Susanne Gräbner und Zofia H. Nowak Herder-Verlag Freiburg / Breisgau bzw. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt (Lizenzausgabe) 2018
ISBN 978-3-534-27063-7

Und hier ist ein Beispieltext – der 23. Psalm:
„Der Ewige ist mein Hirt“
Ein Psalm Davids. – Der Ewige ist mein Hirt, mir mangelt’s nicht. Auf grünen Auen lässt er mich lagern, zu Wassern der Ruhe leitet er mich. Mein Leben erquickt er: Er führt mich auf rechter Bahn, um seines Namens willen. – Auch wenn ich geh im Tal des Todesschattens, fürcht‘ ich kein Leid, denn du bist bei mir: Dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor einen Tisch im Angesicht meiner Bedränger, selbst mit Öl mein Haupt, mein Becher fließt über. Nur Güte und Gnade folgen mir all meine Lebenstage, ich werde bleiben in des ewigen Haus mein Leben lang.
(a.a.O. S. 61)

 

Unglaublich: Es liegt schon 110 Jahre zurück, dass Astrid Lindgren geboren wurde – aber wenn Kinder heute ihre Geschichten lesen (das tun sie!), dann sind die genauso frisch wie immer. Bei  mir steht „Astrid“ jedenfalls im persönlichen „Heiligenkalender“ …

File:Astrid Lindgren Grabstein.jpg

Was ich nicht habe – Was ich habe, aber nicht will – Was ich habe: Das sind die drei Teile des Textes von Poetry Slammerin Julia Engelmann. Die ersten beiden Teile entsprechen dem, was in der Liturgie des Gottesdienstes mit dem Kyrie eleison gemeint ist: Ich darf meine Defizite aussprechen, und damit verlieren sie ihre Macht. Danach bin ich frei, auch dankbar Gott zu loben für das, was er mir geschenkt hat (das entspricht in der Liturgie dem Lobgesang des Gloria) … Gut gemacht, Julia!

Nachlesen (oder mitlesen) kann man den Text übrigens hier

Habe gerade bei Zeit-online etwas erstaunliches und Gutes entdeckt: Ein Kabarettist schreibt ein Gedicht, in dem das Wort „Demut“ positiv besetzt ist – guckst Du hier

 

… ist Mulla Nasrudin. Man findet seine Geschichten in folgendem Buch, auf das ich hier gerne empfehlend hinweise: Idries Shah Die fabelhaften Heldentaten des weisen Narren Mullah Nasrudin Herder Verlag 1984. Hier eine kleine Leseprobe, um auf den Geschmack zu kommen – übrigens eine Geschichte, die zur Epistel des bevorstehenden Buß- und Bettages passt; denn darin heißt es : „Bei Gott gilt kein Ansehen der Person“ (Römer 2,11)

Nahrung fürs Gewand

Nasrudin hörte, dass in der nahegelegenen Stadt ein Bankett stattfinde und jedermann dazu eingeladen sei. Er eilte dorthin, so schnell er konnte. Als der Zeremonienmiester ihn in seinem zerlumpten gewande sah, setzte er ihn an den unauffälligsten Platz, weit weg von der Festtafel, an der die vornehmen Gäste bedient wurden. Nasrudin sah, dass es mindestens eine Studne dauern würde, bis die Diener zu dem Platz kämen, an dem er saß. So stand er auf und ging heim.
Er kleidete sich in einen prächtigen mantel und Turban aus Zobvelpelz und ging wieder aufd as Fest. Sobald die Herolde des Emirs, des Hausherrn, diesen prächtigen Auftritt sahen, schluigen sie die Trommen zum Willkommen und ließen die Trompeten erschallen, so wie es einem Besucher von hohem Range gebührt.
Der Hofmeister kam selbsta us dem palast und führten den kostbar gekleideten Nasrudin zu einem Platz in nächster Nähe des Emirs. Sogleich wurde ihm eine Schüssel mit einem erlesenen Gericht vorgesetzt. Ohne zu zögern machte Nasrudin sichd aran, Händevoll Essen in seinem Turban udn in sein Gewand zu stopfen.
„Eminenz“ sagte de rPrinz „ich wüsste gerne , was es mit Euren Essgewohnheiten auf sich hat, sie sind mir neu.“
„Nichts besonderes“, sagte Nasrudin, „das Gewand hat mich hier an Eure Seite gebrahct und verschaffte mir das gute Essen – hat es da nicht seinen Anteil verdient?“

(aus Idries Shah Die fabelhaften Heldentaten des weisen Narren Mullah Nasrudin – S. 94)

Der Mensch fiel, aber Gott stieg herab.
Erbärmlich ist der Mensch,
aber voll Erbarmen kam Gott hernieder.
Der Mensch fiel durch Stolz.
Gott kam herab in Gnaden
Aurelius Augustinus

Eine erstaunliche Erfahrung: Wenn ich Konfirmandinnen und Konfirmanden, also Jugendliche von ca 14 Jahren frage, welches der Zehn Gebote sie am Wichtigsten finden, dann kommt erstaunlicherweise häufig das vierte Gebot auf Platz eins – zur Erinnerung: Es lautet „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden“. Das fiel mir wieder ein, als ich auf dieses Video der „Kult-Slammerin“ Julia Engelmann gestoßen bin.
BTW: An der Diskussion, ob ihre Texte „Ihr Leben verändern können“ (Der Stern über ihr Video „One day“ http://www.youtube.com/watch?v=DoxqZWvt7g8) oder „Kitsch“ sind, beteilige ich mich mal nicht. Die Frage ist m.E. falsch gestellt. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es (leider) nichts uncooleres gab als Gedichte und finde es gut, dass es heute so etwas wie „Pop-Poesie“ gibt. Und dafür ist Julia Engelmann sicher eine gute Protagonistin.

Heute wird viel davon gesprochen, man müsse das Evangelium milieusensibel in bestimmte Kontexte hineinsprechen. Solche Versuche gab es auch schon vor über 1000 Jahren: Der „Heliand“ versuchte das Evangelium den Germanen verständlich zu machen.  Hier, passend zur Jahreszeit, ein Beispiel:

Die Weihnachtsgeschichte aus dem Epos „Heliand“ aus dem 9. Jahrhundert

Da kam an der Menschen Licht. Da ward das alles wahr,
Was spähende Männer vordem gesprochen, Wie er in
Niedrigkeit hernieder auf Erden durch Seine einige Kraft
Zu kommen gedächte, der Menschen Mundherr.

                        Da Ihn
Die Mutter nahm, mit Gewand bewand Ihn der Weiber
Schönste, zierlichen Zeugen, und mit den zweien Händen
Legte sie liebreich den lieben kleinen Mann, das Kind,
In eine Krippe, das doch Gottes Kraft besaß,
Der Menschen Mächtigster.

        Da ward es manchem kund über die weite
Welt. Wächter erst erfuhren’s, die bei den Pferden im
Freien waren, hütende Hirten, die bei den Rossen hielten
Und dem Vieh auf dem Felde. Die sahn, wie die
Finsternis in der Luft sich zerließ und das Licht Gottes
Brach wonnig durch die Wolken, die Wärter dort im
Felde befangend. Da fürchteten sich in ihrem Mut die
Männer. Sie sahen den mächtigen Gottesengel kommen,
Und gegen sie gewandt, befahl er den Feldhirten:
»Fürchtet nicht für euch ein Leid von dem Lichte!
Liebes«, sprach er, »soll ich euch in Wahrheit sagen und
Sehr Erwünschtes künden, von mächtiger Kraft:

Christ ist geboren in dieser selben Nacht, der selige
Gottessohn, hier in Davids Burg, der Herr der gute, des
Mag sich freuen das Menschengeschlecht; es frommt
Allen Völkern. Dort mögt ihr Ihn finden in der
Bethlehemsburg, der Geborenen Mächtigsten.« Die
Wärter hörten, wie der Engel Schar den allmächtigen
Gott mit wahrhaften Worten priesen: »Lob sei«, lautete
Das Lied, »dem Herrn hoch im höchsten Reiche der
Himmel und Friede auf Erden den Völkern allen, den
Gutwilligen, die Gott erkennen mit lauterm Herzen.«

Zu den beliebtesten Texten in diesem Blog gehört schon lange das Gespräch des Hieronymus mit dem Kind in der Krippe (https://kraftwort.wordpress.com/2012/12/24/weihnachtsmeditation-gesprach-des-hieronymus-mit-dem-kind-in-der-krippe/)

Für manche liegt der Reiz dieses Textes sicher auch in seiner altertümlichen Sprache. Um ihn aber heute auch in Andachten guten Gewissens verwenden zu können, habe ich ihn sprachlich einmal ganz vorsichtig geglättet und einzelne Sätze etwas paraphrasiert. Hier ist meine neue Version:

So oft ich diesen Ort anschaue, hat mein Herz ein süßes Gespräch mit dem Kindlein Jesus.
Ich sage: „Ach, mein HERR JESUS, wie zitterst du, wie hart liegst du da in der Krippe, um mich selig zu machen! Was kann ich dir dafür geben?“
Da kommt es mir vor, als ob mir das Kindlein antwortet: „Nichts will ich haben, lieber Hieronymus, nur dass du gemeinsam mit den Engeln singst: EHRE sei GOTT in der Höhe!“
Ich spreche weiter: „Liebes Jesulein, ich will dir aber etwas geben, ich will dir all mein Geld geben.“
Das Kindlein antwortet: „Mir gehört doch schon die ganze Welt, Himmel und Erde – da brauche ich dein Geld nicht, gib es armen Leuten. Das will ich annehmen, als hättest du es mir gegeben“
Ich rede weiter: „Liebes Jesulein, das will ich gerne tun, aber ich muss dir auch für deine Person etwas geben oder muß vor Leid sterben.“
Das Kindlein antwortet: „Lieber Hieronymus, weil du ja so gerne gibst, so will ich dir sagen, was du mir geben sollst. Gib mir deine Sünde – gib mir alles, was du falsch gemacht oder versäumt hast, gib mir dein schlechtes  Gewissen und, dass du Gott so oft vergessen hast und so weit weg von ihm bist – das gib mir auch“
Ich spreche: „Meine Sünde willst du haben? Was willst du damit machen?“ Das Jesuskind sagt: „Ich will sie auf meine Schultern nehmen, das soll meine Herrschaft und herrliche Tat sein, wie es der Prophet Jesaja schon vor so langer Zeit gesagt hat, dass ich deine Sünde tragen will und wegtragen.“
Da fange ich an bitterlich zu weinen und sage: „Kindlein, liebes Kindlein, wie hast du mir das Herz gerührt! Ich dachte, du wolltest etwas Gutes haben, so willst du alles, was bei mir schlecht ist haben. Nimm hin, was mein ist! Gib mir, was dein ist! So bin ich von der Sünde frei und  des ewigen Lebens gewiss!“

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