Musik


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Wo die FAZ recht hat, hat sie recht. Hier zum Beispiel: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/evangelischer-kirchentag-genderwahn-verunstaltet-liederbuch-15036612.html

Ich war leider nicht auf dem Kirchentag. Wurden die Liedfassungen in „gerechter Sprache“ (bzw. „sehrschlechter Sprache“) wirklich gesungen?

Zwei Überraschungen: Salvador Sobral-Amar aus Portugal hat den ESC gewonnen, Armin Laschet die Wahl in Nordrhein-Westfalen. Wie war das möglich? Welche Trends lassen sich entdecken?

Trend 1: Die Zeit ist reif für die leisen Töne. Das Lied „Amar Pelos Dois“ war das leiseste im ESC-Finale und stach gerade dadurch besonders heraus. Armin Laschet wurde oft als „Leisetreter“ bezeichnet, weil er auch im Wahlkampf gerade nicht polemisch wurde. Insofern greift es m.E. zu kurz, seinen Wahlsieg vor allem Angela Merkels Beliebtheit zuzuschreiben – ich vermute, er hat gerade mit seiner Art einen eigenen nicht unwesentlichen Anteil daran. Die Menschen wollen nicht mehr angeschrien werden, sie wissen, dass es in der Politik nur ein besser oder schlechter und natürlich manchmal auhc ein „auf alle Fälle falsch“ gibt – aber niemals ein „einzig wahres und richtiges“. Diesen Politikertyp verkörpert Armin Laschet sehr. Das Tragische: Auch Hannelore Kraft verkörpert ihn zum Beispiel mehr als Martin Schulz. Aber dazu mehr unter Punkt drei!

Trend 2: Die Zeit ist reif für eine im positiven Sinne provinzielle Authentizität. Portugal ist ein kleines Land, von dem gerade keine großen Konflikte nach außen dringen. es hat das Image einer sanften Melancholie und eines Ortes, an dem auch das Zusammenleben verschiedener Religionen vor langer Zeit einmal erstaunlich gut möglich war. Und  diese Bilder – „Klischees“ kann man sie ruhig nennen – hat Salvador Sobral-Amar gekonnt und glaubwürdig bedient. Auch sonst wurde ja häufiger als früher in der jeweiligen Landessprache gesungen. Trotz des relativ guten textes und der sympathischen Ausstrahlung unserer deutschen kandidatin war ihr Lied ein tyipischer Four-Chord-Song im Mainstream-Englisch und hatte mit Deutschland so wenig zu tun wie ein in China hergestelltes Handy eines amerikanischen Konzerns. Das brauchen wir nicht und das will keiner – jedenfalls kein ESC-Fan auf der Suche nach dem besonderen, was nicht ohnehin jeden Morgen im Autoradio zu hören ist. Auch Armin Laschet hat eine provinzielle Authentizität, katholisch aus dem Rheinland, der Vater hat noch in der Zeche gearbeitet – die dürfte ihm zugute gekommen sein. Das tragische: die hat Martin Schulz auch und das erklärt auch den kurzfristigen Hype um ihn teilweise. Deshalb ist jetzt endlich Zeit für Punkt drei:

Trend 3: Die Zeit ist reif für die Erkenntnis, dass der Wähler undankbar ist. Er belohnt niemals, aber er bestraft, was er für schlecht hält oder wenn er etwas, worüber er sich ärgert, dem Versagen bestimmter Politiker oder Parteien zurechnet. Vor allem aber wählt er Hoffnuhgen, nicht Tatsachen. Das ist eigenlich kein Trend, sondern etwas, was vermutlich schon immer wahlentscheidend war. In Zeiten, in denen die Bereitschaft zum Wechseln immer größer wird, traditionelle Parteibindungen unwichtiger werden, spielt diese Realität aber eine besonders große Rolle. Wenn das Bestrafungsmotiv stark im Vordergrund steht, dann haben Protestparteien, gerne auch populistischer Natur leichtes Spiel (sowohl von rechts als auch von links). Übrigens hat die AfD in Zeiten ihres allmählich zu Ende gehenden Aufschwungs weniger die Flüchtlingspolitik abgestraft als das Gefühl, die Politikerkaste würde alles, was sie tut für „alternativlos“ halten (dieser geradezu verfassungsfeinliche, jedenfalls undemokratische Begriff wurde lange Zeit sowhl von Gerhard Schröder als auch von Angela Merkel gerne gebraucht – deshalb war die Namenswahl der AfD ja auch genial und machte einen Teil ihres Erfolges aus). Dass die Menschen vor allem eine Hoffnung gewählt haben, war am deutlichsten bei der Wahl Willy Brandts der Fall, auch bei der ersten Bundestagswahl nach der Wende – vor allem im Osten. Hätte man die „Helden“ belohnen wollen (wie gesagt: das tut der Wähler aber nie!), hätten die Bürgerrechtsgruppen einen fulminanten Sieg einfahren müssen. Man hoffte aber inwischen schon vor allem auf den Segen der D-Mark, und deshalb wählte man lieber den Kassenwart zum Klassensprecher … In NRW waren die Menschen durch die Kölner Silvesternacht und die Sicherheitsversagen im „Bestrafungsmodus“, da es ihnen aber ansonsten nicht so furchtbar schlecht geht (nur eben auch nicht gerade besser als bei der letzten Wahl) und das Erschrecken über Trump schon seit der österreichischen Bundestagswahl die Lust auf die radikale Form des Denkzettels gebremst hat, erschien es den meisten am ungefährlichsten und passendsten, den „relativ linken“, arbeiternahen und somit eben (auch) „provinziell authentischen“ Armin Laschet zu wählen. Oder eben als inzwischen wieder „neue“ Partei die FDP, von der man hoffte (das zweite Motiv), dass sie die Gefahr, eine „alternativlos“ agierende GroKo ertragen zu müssen, bannen kann.

Konsequenzen für die Bundestagswahl: Die Trends erklären, warum Merkel mit ihrer Indifferenz durchkommt, Schulz aber nicht. Bei Frau Merkel kann die Indifferenz die Hoffnung nähren, dass es uns Deutschen in einer immer chaotischer werdenden Welt weiterhin so gut geht wie bisher – und zwar um so mehr, je weniger sie mit konkreten Aussagen jemanden verschreckt. Bei Schulz kann die Indifferenz dagegen keine Hoffnung transportieren. Im Gegenteil: Er wurde schon jetzt dafür bestraft, dass sich die auf ihn gesetzten Hoffnungen noch nicht erfüllt haben (was sie selbst dann nicht könnten, wenn er mehr Konkretes gesagt hätte. Aber eine deutlichere Profilbildung hätte evtl. den Hoffnungsmodus verlängert). Wenn nichts aufsehenerregendes mehr passiert, wird das Bundestagswahlergebnis so ähnlich aussehen wie das nordrhein-westfäische. Wenn irgendetwas passiert, was den Wähler wieder in den Bestrafungsmodus versetzt, dann ist vieles möglich. Eine Umweltkatastrophe würde den Grünen nützen können (und zu Schwarz-Grün führen, weil die SPD davon nicht profitieren würde), ein Terror-Anschlag der AfD. „Sozialkatastrophen“ passieren schleichend und bewirken selten eine breite gesamtgesellschaftliche Gefühlswallung, jedenfalls fiele mir dazu kein Beispiel ein. Sonst wäre das etwas, was der SPD und der Linkspartei Stimmen zutreiben würde. Ein „Hoffnungsprojekt“. mit dem Schulz die Menschen begeistern könnte, sehe ich im Moment nicht, auch wenn Macron in Frankreich das erstaunlicherweise mit einer positiven Besetzung des Themas Europa gelungen ist (was eigentlich auch Schulz könnte). Wäre ich sein Berater, würd eich troitzdem am ehesten auf dieses Pferd setzen – „Make Europe great again“ …

Nette Idee zum Reformationsjubiläum:

Ein Lied für Karfreitag und einen Kanon für Ostersonntag findet man HIER

Gleich zwei Musicals zum Reformationsjubiläum hat die Theologin und Gospelmusikerin Nicole Chibici-Revneanu komponiert. Mit ihrer Musicalcompany „Pommersche Engelspierken“ ist sie damit in Deutschland (vor allem im Norden und Osten) auf Tournee.
Das neue Musical der Gruppe  handelt von Johannes Bugenhagen, Luthers freund udn Beichtvater, dem Stadtpastor von Wittenberg. Seine Bedeutung für die Reformation wurde lange unterschätzt, war er doch der „Organisator“ der neuen Bewegung, ohne den die Reformation kaum nach ganz Europa hätte „exportiert“ werden können. Dieses Musical wird ab Juni zu sehen sein. Hier sind die Termine:
10. Juni 2017, 17 Uhr, Johanneskirche Greifswald
11. Juni 2017, 17 Uhr, Kirche Nehringen
29. Juni 2017, 19.15 Uhr, Stralsund: Nordkirchenschiff am Ozeaneum
30. Juni 2017, 19.00 Uhr, Altefähr/Rambin
15. Oktober 2017, (voraussichtlich) 17.00 Uhr  Kirche Starkow
25. Oktober 2017, 17.00 Uhr, Lukaskirche Hamburg-Fuhlsbüttel
26. Oktober 2017, 17.00, Dom Schleswig
Auch das Musical aus dem Vorjahr, „Katharina Lutherin“ wird die Gruppe in diesem Jahr noch viermal aufführen. Die Termine:
16. September 2017, 13.30 Uhr, Dom Greifswald (im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages)
17. September 2017, voraussichtlich 17.00, Schlosskapelle Griebenow
27. Oktober 2017, 18.00 Uhr, St. Matthäi-Kirche Gronau an der Leine
29. Oktober 2017, 9.30 Uhr, Versöhnungskirche Dresden (Dernière)

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