Philosophie


Wie die neuen Autos unsere Städte verändern werden:

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BTW: 48 Personen würden auch bequem in einen Omnibus passen …

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Warum schmiert die SPD im Bund ab und gewinnt in Niedersachsen? Warum waren die Reformationsgottesdienste so gut besucht? Aber auch: Warum wählen Menschen AfD oder Herrn Kurz in Österreich?

Das Trend-Schlüsselwort heißt „Selbstwirksamkeit“. Psychologen sagen uns, dass es extrem wichtig ist für Menschen, dass sie die Erfahrung machen, selbst etwas bewirken zu können. Der Trendscout sagt, dass diese Erfahrung für viele Menschen immer schwieriger wird – vor allem in prekären Lebensverhältnissen, in „abgehängten“ Regionen wie Meck-Pomm, aber auch allgemein. Alles ist geregelt, alles ist vorgegeben und wen ich im Bund wähle ist fast egal, weil in jedem Fall Merkel weiterregiert.

Die einfachste Art, fehlende „Selbstwirksamkeit“ zurückzugewinnen ist die Destruktion, etwas kaputtmachen geht immer.
Und wer sein Kreuzchen bei der AfD macht, macht wenigstens das traditionelle „Lager-Parteiensystem“ kaputt. bekommt Aufmerksamkeit in Form von Aufregung in den Medien, und hat also ein bisschen etwas mit-„bewirkt“.
Was ist zu tun? Abwarten, bis sich dieser Effekt abnutzt? Das wird er so schnell nicht tun, es sei denn, die AfD würde tatsächlich eines Tages als konservative Partei ins System integriert – aber dann würde eine neue „Bäh“-Partei an ihre Stelle treten können.
Besser ist es, zu überlegen, wie in unserer Gesellschaft wieder mehr (positive) Selbstwirksamkeitserfahrungen möglich werden. Dazu könnten m.E. beitragen:
Eine Wiederentdeckung des Subsidiaritätsprinzips, des „Small is beautiful“ und ein Ende der Gigantomanie und der Fusionitis auf allen Ebenenen (auch in der Kirche übrigens!). Die Flüchtlingshilfe funktioniert übrigens genau so und hat gerade deshalb dazu beigetragen, dass sich Merkels „Wir schaffen das“ ja weitgehend erfüllt hat! Da arbeiten viele einzelne, kleine Initiativen, Vereine, Kirchengemeinden gemeinsam und die „Offiziellen“ machen nur das Nötigste (manhcmal leider nicht mal dass …) – mehr könnte der Staat auch gar nicht bezahlen.
Auch meine Uralt-Idee einer Abschaffung (oder wenigstens Absenkung) der Fünf-Prozent-Hürde muss ich hier noch einmal einbringen. Sie schützt ja, wenn’s hart kommt sowieso nicht vor Nazis. Dann ist es doch besser, man kann als Protestwähler auch mit „Wirksamkeitschance“ eine nicht-extremistische Kleinpartei wählen. Oder hat dem Europaparlament etwa bisher die Tatsache geschadet, dass dort auf Grund der für Europa abgeschafften Hürde jetzt auch Piraten und ÖDP vertreten sind? Wohl kaum. (Übrigens ist auch die FDP nur aus diesem Grund im EP vertreten …)

Positive Selbstwirksamkeit war wohl auch zumindest ein Motiv dafür, dass in diesem Jahr so viele Menschen die Reformationsgottesdienste mitgefeiert haben. Selbsst (oder gerade?) Kirchenleitende waren darüber sehr erstaunt, nachdem bei den Großveranstaltungen die Zahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Aber ist das so erstaunlich? Bei einem Großereignis (das vielleicht ja sogar Ziel von Terrorattacken werden könnte) – da gehe ich als Einzelner unter, da kommt es auf mich nicht an. Trotzdem hat ja der plötzlich vorhandene staatliche Feiertag am 31.10. den Protestanten das Gefühl gegeben, dass sie doch eine eigene gesellschaftswirksame Kraft sein könnten. Und da es ohnehin keine anderen feiertagsspezifischen Sitten am Reformationstag gibt (das gutgemeinte „Reformationsbrötchen“ der Bäckerinnung mit ökumenischer Charity-Komponente: 20 ct für das katholische misereor und die evangelische Aktion „Brot für dei Welt“ – war ja eher ein Flop), erschien der Gottesdienstbesuch an diesem Tag plötzlich als der naheliegende „Normalfall“ – mit dem man sogar dazu beitragen konnte, dass in diesem Jahr das Derby „Reformation“ gegen „Halloween“ endlich mal die Reformation für sich entscheiden konnte: positive Selbstwirksamkeit also!

Warum hat aber nun die SPD kurz nach der BTW in Niedersachsen plötzlich gewonnen? Hier ist der bundesrepublikanische Normalfall eingetreten:
Der deutsche Michel will nicht, dass eine Regierung „durchregieren“ kann. Regiert im Bund die CDU, müssen im Bundesrat SPD-geführte Länder die Mehrheit haben, regiert die SPD im Bund, müssen unionsgeführte Länder den Bundesrat bestimmen; so will das „der Wähler“ traditionell, das ist zwar manchmal doof (und spült manchen Ländern Extra-Geld in die Kasse, weil die Zustimmung im Bundesrat ja manchmal „erkauft“ wird …) kommt aber dem harmoniesüchtigen und „Absolute-Mehrheit-feindlichen“ Deutschen sehr entgegen. In Wahrheit will er nämlich (und hatte er fast immer!) eine „Große Koalition“ – und das Gleichgewicht zwischen Bundestag und -rat ist eben eine „Groko der höheren Ordnung“ …
Ein weiterer Grund für Weills Sieg ist natürlich Weill selbst. Auch er ist, wie Laschet und Kramp-Karrenbauer, die anderen Wahlsieger dieses Jahres, vergleichsweise „langweilig“, gerade nicht „laut“ und polternd wie Seehofer oder manchmal auch Schulz. Und er ist gerade kein bundespolitischer Promi, sondern – ebenso wie Laschet – „provinziell“ (was beim Deutschen Michel eben positiv besetzt ist, aus Gründen der vermuteten oder tatsächlichen größeren Selbstwirksamkeit in der kleinen Einheit!) Insofern bestätigen sich auch die Trends, die der Trendscout im vorigen entsprechenden Beitrag entdeckt hat!

„Die Erde hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier“ (Mahatma Ghandi)

Guckst Du HIER …

„Kurzfilme (neudeutsch: Short Cuts) zum Thema Gnade“ waren mir angekündigt, als ich die Seite öffnete meriket ich,d ass es sich nur um gefilmte Statements einzelner Personen handelt (die dabei immer eine Tasse Kaffee trinken, soviel handlung immerhin) Das hat mich zunächst etwas enttäuscht, weil ihc mir unter einem Film mehr Action vorgestellt hatte. Aber einzelne Beispiele davon haben mich doch sehr angesprochen – zum Beispiel diese Gedanken eines jungen Unternehmers, Dominik Hoffmann:

Auch der Bericht der syrischen Studentin Maream Kazah lässt „Gnade“ lebendig werden:

Zu allen Videos kommt man über die Seite der EKHN „Gott neu entdecken“

 

Zwei Überraschungen: Salvador Sobral-Amar aus Portugal hat den ESC gewonnen, Armin Laschet die Wahl in Nordrhein-Westfalen. Wie war das möglich? Welche Trends lassen sich entdecken?

Trend 1: Die Zeit ist reif für die leisen Töne. Das Lied „Amar Pelos Dois“ war das leiseste im ESC-Finale und stach gerade dadurch besonders heraus. Armin Laschet wurde oft als „Leisetreter“ bezeichnet, weil er auch im Wahlkampf gerade nicht polemisch wurde. Insofern greift es m.E. zu kurz, seinen Wahlsieg vor allem Angela Merkels Beliebtheit zuzuschreiben – ich vermute, er hat gerade mit seiner Art einen eigenen nicht unwesentlichen Anteil daran. Die Menschen wollen nicht mehr angeschrien werden, sie wissen, dass es in der Politik nur ein besser oder schlechter und natürlich manchmal auhc ein „auf alle Fälle falsch“ gibt – aber niemals ein „einzig wahres und richtiges“. Diesen Politikertyp verkörpert Armin Laschet sehr. Das Tragische: Auch Hannelore Kraft verkörpert ihn zum Beispiel mehr als Martin Schulz. Aber dazu mehr unter Punkt drei!

Trend 2: Die Zeit ist reif für eine im positiven Sinne provinzielle Authentizität. Portugal ist ein kleines Land, von dem gerade keine großen Konflikte nach außen dringen. es hat das Image einer sanften Melancholie und eines Ortes, an dem auch das Zusammenleben verschiedener Religionen vor langer Zeit einmal erstaunlich gut möglich war. Und  diese Bilder – „Klischees“ kann man sie ruhig nennen – hat Salvador Sobral-Amar gekonnt und glaubwürdig bedient. Auch sonst wurde ja häufiger als früher in der jeweiligen Landessprache gesungen. Trotz des relativ guten textes und der sympathischen Ausstrahlung unserer deutschen kandidatin war ihr Lied ein tyipischer Four-Chord-Song im Mainstream-Englisch und hatte mit Deutschland so wenig zu tun wie ein in China hergestelltes Handy eines amerikanischen Konzerns. Das brauchen wir nicht und das will keiner – jedenfalls kein ESC-Fan auf der Suche nach dem besonderen, was nicht ohnehin jeden Morgen im Autoradio zu hören ist. Auch Armin Laschet hat eine provinzielle Authentizität, katholisch aus dem Rheinland, der Vater hat noch in der Zeche gearbeitet – die dürfte ihm zugute gekommen sein. Das tragische: die hat Martin Schulz auch und das erklärt auch den kurzfristigen Hype um ihn teilweise. Deshalb ist jetzt endlich Zeit für Punkt drei:

Trend 3: Die Zeit ist reif für die Erkenntnis, dass der Wähler undankbar ist. Er belohnt niemals, aber er bestraft, was er für schlecht hält oder wenn er etwas, worüber er sich ärgert, dem Versagen bestimmter Politiker oder Parteien zurechnet. Vor allem aber wählt er Hoffnuhgen, nicht Tatsachen. Das ist eigenlich kein Trend, sondern etwas, was vermutlich schon immer wahlentscheidend war. In Zeiten, in denen die Bereitschaft zum Wechseln immer größer wird, traditionelle Parteibindungen unwichtiger werden, spielt diese Realität aber eine besonders große Rolle. Wenn das Bestrafungsmotiv stark im Vordergrund steht, dann haben Protestparteien, gerne auch populistischer Natur leichtes Spiel (sowohl von rechts als auch von links). Übrigens hat die AfD in Zeiten ihres allmählich zu Ende gehenden Aufschwungs weniger die Flüchtlingspolitik abgestraft als das Gefühl, die Politikerkaste würde alles, was sie tut für „alternativlos“ halten (dieser geradezu verfassungsfeinliche, jedenfalls undemokratische Begriff wurde lange Zeit sowhl von Gerhard Schröder als auch von Angela Merkel gerne gebraucht – deshalb war die Namenswahl der AfD ja auch genial und machte einen Teil ihres Erfolges aus). Dass die Menschen vor allem eine Hoffnung gewählt haben, war am deutlichsten bei der Wahl Willy Brandts der Fall, auch bei der ersten Bundestagswahl nach der Wende – vor allem im Osten. Hätte man die „Helden“ belohnen wollen (wie gesagt: das tut der Wähler aber nie!), hätten die Bürgerrechtsgruppen einen fulminanten Sieg einfahren müssen. Man hoffte aber inwischen schon vor allem auf den Segen der D-Mark, und deshalb wählte man lieber den Kassenwart zum Klassensprecher … In NRW waren die Menschen durch die Kölner Silvesternacht und die Sicherheitsversagen im „Bestrafungsmodus“, da es ihnen aber ansonsten nicht so furchtbar schlecht geht (nur eben auch nicht gerade besser als bei der letzten Wahl) und das Erschrecken über Trump schon seit der österreichischen Bundestagswahl die Lust auf die radikale Form des Denkzettels gebremst hat, erschien es den meisten am ungefährlichsten und passendsten, den „relativ linken“, arbeiternahen und somit eben (auch) „provinziell authentischen“ Armin Laschet zu wählen. Oder eben als inzwischen wieder „neue“ Partei die FDP, von der man hoffte (das zweite Motiv), dass sie die Gefahr, eine „alternativlos“ agierende GroKo ertragen zu müssen, bannen kann.

Konsequenzen für die Bundestagswahl: Die Trends erklären, warum Merkel mit ihrer Indifferenz durchkommt, Schulz aber nicht. Bei Frau Merkel kann die Indifferenz die Hoffnung nähren, dass es uns Deutschen in einer immer chaotischer werdenden Welt weiterhin so gut geht wie bisher – und zwar um so mehr, je weniger sie mit konkreten Aussagen jemanden verschreckt. Bei Schulz kann die Indifferenz dagegen keine Hoffnung transportieren. Im Gegenteil: Er wurde schon jetzt dafür bestraft, dass sich die auf ihn gesetzten Hoffnungen noch nicht erfüllt haben (was sie selbst dann nicht könnten, wenn er mehr Konkretes gesagt hätte. Aber eine deutlichere Profilbildung hätte evtl. den Hoffnungsmodus verlängert). Wenn nichts aufsehenerregendes mehr passiert, wird das Bundestagswahlergebnis so ähnlich aussehen wie das nordrhein-westfäische. Wenn irgendetwas passiert, was den Wähler wieder in den Bestrafungsmodus versetzt, dann ist vieles möglich. Eine Umweltkatastrophe würde den Grünen nützen können (und zu Schwarz-Grün führen, weil die SPD davon nicht profitieren würde), ein Terror-Anschlag der AfD. „Sozialkatastrophen“ passieren schleichend und bewirken selten eine breite gesamtgesellschaftliche Gefühlswallung, jedenfalls fiele mir dazu kein Beispiel ein. Sonst wäre das etwas, was der SPD und der Linkspartei Stimmen zutreiben würde. Ein „Hoffnungsprojekt“. mit dem Schulz die Menschen begeistern könnte, sehe ich im Moment nicht, auch wenn Macron in Frankreich das erstaunlicherweise mit einer positiven Besetzung des Themas Europa gelungen ist (was eigentlich auch Schulz könnte). Wäre ich sein Berater, würd eich troitzdem am ehesten auf dieses Pferd setzen – „Make Europe great again“ …

Ob es wirklich eine Predigt ist, weiß ich nicht – aber jedenfalls ein toller Text, und allemal predigttauglich:

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