Zeitgeist


Der Film stammt zwar schona us dem letzten Oktober – aber auch jetzt noch ist Karoline Preisler, negaierte Christin und Kommunalpolitikerin in Mecklenburg-Vorpommern als Aufklärerin und Demokratie-Botschafterin auf nahezu allen Demos der Coronaleugner unterwegs. „Hut ab“ würde ich sagen, wenn ich einen tragen würde …

Wenn die Aktion #allesdichtmachen und die Empörung darüber eines deutlich gemacht haben, dann ist es dies: Der Trend, dass wir einander gar nicht mehr verstehen, ist weit fortgeschritten. jede Szene bewegt sich in ihrer „Blase“, ihrem selbstreferentiellen System und weiß oft gar nicht mehr, wie eigene Selbstverständlichkeiten auf andere wirken oder wie Menschen dazu kommen können, etwas zu sagen, was man selbst für „selbstverständlich unmöglich“ hält.

Konkret: Ich habe mich sehr gewundert, dass ausgerechnet von mir so geschätzte Schauspieler wie Jan-Josef Liefers und Ulrich Tukur an der Aktion #allesdichtmachen beteiligt haben. Aber statt mich an einer vorschnellen Empörung zu beteiligen, möchte ich genauer wissen, wie es dazu kommen konnte. Gerade Liefers und Tukur sind ja Schauspieler, die auch Musiker sind. Ich gestehe ihnen von daher zu, dass sie besser als manche anderen Schauspieler auch die Nöte der Künstler kennen, die nicht die Privilegien der TV-Darsteller genießen, auch in Coronazeiten weiterarbeiten zu können. Praktisch seit einem Jahr wird Künstlerinnen und Künstlern vermittelt: Ihr seid überhaupt nicht wichtig. Es gab wenige Ausnahmen davon, zum Beispiel durch Konzerte, die der Bundespräsident Künstlern in Schloss Bellevue ermöglichste und die dann in den sozialen Medien übertragen wurden. Dass diese Demütigung eines Tages eruptiv zu Verwerfungen führt, ist eigentlich nicht erstaunlich, dass diese Enttäuschung überhaupt nur sichtbar wird, wenn Promis ihr Sprache verleihen, und zwar oftmals ausgesprochen unangenehm, ist traurig und offenbart ein tatsächliches Defizit unserer medialen Kommunikationskultur (an deren Problematik aber nicht eine „Gleichschaltung“ von Medien schuld ist, sondern vor allem das Rezeptionsverhalten: Nur Krawall ist wirklich interessant und findet Aufmerksamkeit …) .

Was also ist zu tun?

  1. Die Kritik, zynismusbefreit, nüchtern prüfen.
  2. Künstlern Ausdrucks- und Arbeitsmöglichkeiten schaffen, auch unter Coronabedingungen und ihnen Anerkennung und Unterstützung zukommen lassen, die sich nicht auf Materielles beschränken darf!

zu 1:

Kritikpunkt Lockdown: In der Tat sind die Einschränkungen ungerecht verteilt: Ein Tag Arbeit im Homeoffice hat nach Berechnungen der Charite einen R-Wert von 8,0 (d.h.: befindet sich ein Infizierter im Büro, steckt er durchschnittlich acht weitere an). Ein Einkauf im Supermarkt hat einen R-Wert von 1,0 (bei Anwesenheit eiens Infizierten wird ein weiterer angesteckt). Eine Theateraufführung hat einen R-Wert von 0,5. Es ist also in der Tat nicht einzusehen, warum Theateraufführungen auch unter Einschränkungen und mit Hygienekonzept völlig ausgeschlossen sind, es aber bis zur immer noch halbherzigen Hime-Office-Pflicht so lange gedauert hat. Dass wir uns immer noch in dem Lockdown befinden, der im Dezember für drei Wochen angekündigt wurde, „damit wir dann wieder Weihnachten feiern können“ zeigt die Fragwürdigkeit des Konzepts. Auch der Ländervergleich zeigt: Nicht die Länder mit dem strengsten Lockdown haben die niedrigsten Inzidenzen. Deutschland steht besser da als Frankreich, obwohl dort die Maßnahmen die meiste Zeit strenger waren und die geringere Bevölkerungsdichte in Frankreich eigentlich ein Vorteil sein müsste. Sicher muss es Einschränkungen geben, um (gefährliche) Kontakte zu reduzieren – aber sie müssen intelligent sein und nicht aktionistisch oder aus wirtschaftlichen falsche Rücksichten nehmen und gleichzeitig Grundrechte wie z.B. die Freiheit von Kunst und Kultur in möglicherweise kontraproduktiver Art und Weise einschränken. Welches Maß wofür richig ist, wage ich nicht zu beurteilen. Aber dass es in der Kritik der Schauspieler Punkte gibt, über die man weiter diskutieren kann und muss, statt sich nur zu empören: das zu sehen, wäre ein wichtiger Schritt!

zu 2:

Modellversuche (die durch das Infektionsschutzgesetz leider ohnehin schwieriger geworden sind) sollten nicht nur „Einkaufen für Getestete“ u.ä. vorsehen, sondern auch die Öffnung von Theatern, Konzerte, öffentliche Lesungen und vieles mehr.

Und vielleicht sollten öffentliche Institutionen auch Preise ausschreiben für künstlerische Werke, die speziell die Coronasituation bearbeiten – außer dem Roman von Thea Dorn gibt es da ja m.E. bisher wenig, aktuelle TV-Produktionen beachten zwar beim Dreh Coronaregeln, die gezeigten inhalte tun aber immer noch so, als gäbe es die Pandemie gar nicht und spielen in einem 2020 oder 2021, das es so nie gegeben hat bzw. gar nicht gibt.

Die Bischöfe der evangelischen Kirchen in Niedersachsen haben gemeinsam mit ihren dortigen römisch-katholischen Kollegen eine Erklärung zum Feiern von Gottesdiensten an den Osterfeiertagen abgegeben. HIER kann man sie nachlesen!

Ärgern Sie sich auch ständig über die Hünd*innenhaufen auf dem Bürger*innensteig? Es wäre doch viel freund*innenlicher, sie gleich zu beseitigen!

„Warum darf der Frisör öffnen, aber nicht das Nagelstudio?“ „Warum darf der Gottesdienst stattfinden, aber nicht die Theateraufführung?“ Und, noch dramatischer: „Warum wird die Gedenkveranstaltung zum 9. November abgesagt, aber nicht die Querdenker-Demo?“ Der November ist nicht, wie Herr Spahn wollte, zum „Monat der Entschleunigung“ geworden, sondern zu dem des Vergleichens. Sicher kann man, solange man nicht wieder einen totalen Lockdown möchte (was nicht nur wirtschaftlich, sozial und emotional katastrophal, sondern vermutlich auch wenig erfolgfreich wäre), keine wirklich „gerechte“ Lösung finden. Aber vielleicht kann man doch mal um die Ecke denken (das ist was anderes als quer) und deshalb mache ich hier mal ein paar mehr oder weniger ernst gemeinte Vorschläge – als Denkrichtung nur …

  1. Eine andere Teststrategie: Bisher laufen wir den gewesenen Infektionen hinterher, testen fast nur Menschen mit Symptomen und finden damit Menschen, die bis zum Vorliegen des Testergebnisses schon viele angesteckt haben. Und das Nachverfolgen von Infektionsketten macht ja nur nachträglich deutlich, wo das Virus herkam, aber nicht, wo es hinwill. Deshalb mein Vorschlag: Stichprobenartige Tests überall, vor allem dort, wo Menschen zusammenkommen. Also: An jeder Schule fünf bis zehn Prozent der Lehrkräfte (je nach Testkapazitäten), die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden, außerdem auch einen gewisssen Prozentsatz der Schüler, ähnliches in Betrieben, bei Berufsgruppen wie Busfahrern, Pastoren, Schauspielern usw. Dort, wo sich Häufungen ergeben, werden die Tests sofort ausgeweitet – bis hin zum Testen einer ganzen Schule, wenn dort die Positivqote in der Zufallsgruppe besonders hoch ist.
  2. Statt Theater usw. für einen Monat zu schließen: alle Schlachthöfe (zumindest ab einer gewissen Größe) einen Monat schließen. Oder sogar (unrealistisch aber vermutlich effektiv) einen ganzen Monat „Veggie-Days“ für Deutschland.
  3. Wiederbelebung der Zwergschulen auf den Dörfern: Der Grundschulunterricht wird in jedem Dorf z.B. im Dorfgemeinschaftshaus, in der (vermutlich längst geschlossenen) Dorfkneipe oder im Gemeindehaus erteilt, auch klassenübergreifend, wenn aus den Klassen 1 bis 4 (oder sogar 1 bis 6) vielleicht insgesamt nur acht oder zehn Kinder im Dorf wohnen. Das verkleinert die Klassen, verringert Kontakte (1000 Schüler auf dem Pausenhof und an der Bushaltestelle sind selbst bei vermeintlicher räumlicher Trennung der „Kohorten“ viel gefährlicher) und, vor allem: es fällt der Transport im Schulbus weg
  4. Und wenn der Staat gerade schon jede Menge Geld ausgibt, was er gar nicht hat, um die wirtschaftlichen Folgen seiner Coronamaßnahmen abzufedern: Warum kann der Staat nicht jedem, der sich bis zum Mai 2021 NICHT mit Corona infiziert hat, 2000 € zahlen? Dann würden auch die Muffel gerne ihre Masken aufsetzen …

Nach „Deutschland betet gemeinsam“ gibt es am Donnerstag vor Pfingsten wieder einen ökumenischen Gebetsaufruf – „Gemeinsam vor Pfingsten“, initiiert vom Gebetshaus Ausgburg. Der alte Gebetsruf „Komm, Schöpfer Geist“ („Veni Creator Spiritus) soll für die Zeit, in der die Corona-Pandemie Angst und Zerrissenheit hervorruft, neu aktualisiert werden.

Logo_Taube_V3 Gemeinsam vor Pfingsten

Alle näheren Infos gibt es auf der website https://gemeinsamvorpfingsten.org/

… und gutes Material dazu gibt es hier: klimafasten.deKlimafastenWebsiteBanner

Leider kommt es immer wieder vor, dass Geflüchteten die Abschiebung droht, obwohl sie auf Grund ihrer Konversion zum christlichen Glauben bei Rückkehr zum Beispiel in ihr muslimisches Heimatland noch größeren Repressalien ausgesetzt sein dürften als ohnehin schon. Deswegen hat die Menschenrechtsorganisation „open doors“ sehr vernünftige Forderungen an die Politik gerichtet, die man HIER nachlesen kann

https://www.opendoors.de/hilfe-weltweit/im-fokus/christliche-fluechtlinge-in-deutschland/schutz-fuer-konvertiten-vor-abschiebung-in-laender-mit-christenverfolgung/handlungsempfehlungen-und-forderungen

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