Einen interessanten Adventskalender – garantiert ohne Schokolade, Teebeutel, Coladosen oder Lovetoys – haben norddeutsche Vikarinnen und Vikare zusammengestellt: HIER kann man täglich einen Besinnungsimpuls zur Adventszeit lesen oder hören. (Besonders lohnend: das Türchen vom 2. Dezember!)

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Atheismus ist eine Religion wie jede andere. Manche entscheiden sich dafür – viele aber auch nicht, sondern brauchen sie zunächst einmal als „Gruppenidentifikation“. Dieser Artikel bedenkenswerte Artikel macht das sehr deutlich:

http://www.zeit.de/campus/2017-11/atheismus-ostdeutschland-ddr-identifikation-jung-und-gott/seite-2

Leider erst jetzt entdeckt – ein tolles Chorprojekt mit dem Gesangscoach Patrick Bach – „Auch du kannst singen“ (hat 2016 einen Fernsehpreis bekommen!).

Patrick Bach vereint Stimmen und setzt Zeichen für Respekt und gute Musik

Folge eins von „Bach! Auch du kannst singen!“ führt Chorcoach Patrick Bach nach Stuttgart zu Christen und Muslimen. Patrick will sie dazu bringen, gemeinsam zu singen. Wo verbindet Religion Menschen und wo bringt sie sie auseinander? Zusammen mit Menschen verschiedener Glaubensrichtungen interpretiert er das Lied „Über den Wolken“. Gemeinsam setzen sie ein Zeichen für Respekt und Toleranz. Im Pflegeheim „Glück im Winkel“ in Neunkirchen trifft Patrick Bach in Folge zwei auf Senioren, Pfleger und Familien. Besuch bekommen die Bewohner eher selten. Dabei leben viele Familien mit Kindern in der Neubausiedlung direkt vor der Tür. Patrick weiß: Singen verbindet und hält jung – auch über die Generationen hinweg. Folge drei führt Chorcoach Patrick Bach in den schönen Schwarzwald. Dort trifft er auf Wanderer, Mountainbiker, Mitarbeiter des Nationalparks und hartgesottene Motorradfahrer. Mit einem Schwarzwaldmedley will Patrick alle Gruppen zusammenbringen – trotz aller Unterschiede. Gelingt ihm der Spagat zwischen „Highway to Hell“ und „Schwarzwaldmarie“? In Freiburg bekommt Patrick Bach in der vierten Folge einen Einblick in die Lebenswelt der ambulanten Kinderhospizarbeit und trifft betroffene Kinder und ihre Familien. Er besucht sie zu Hause, begegnet ehrenamtlichen Helfern und Unterstützern. Für Patrick wird schnell deutlich: Es geht hier vielmehr um das Leben als um den Tod. Zusammen entsteht ein Chor, der „Hinterm Horizont“ von Udo Lindenberg singt.

Diese beiden Folgen stehen noch aus:

Teil 3: „Bach! Auch du kannst singen – Ein Schwarzwaldmedley“ am 3.12.17, 14:30 Uhr
Teil 4: „Bach! Auch du kannst singen – Ein Chor für das Leben“ am 10.12.17, 14:30 Uhr
(jeweils im SWR-Fernsehen)

Eine Rundfunkandacht von Nick Baines in der BBC – absolut lesenswert (und in einem Englisch, das sogar ich verstehe …):

https://nickbaines.wordpress.com/2017/11/29/nothing-wednesday/

„Nicht wir vollbringen Rettung dem Land“

(Jesaja 26,18 in der Übersetzung von Rabbiner Ludwig Philippson)

Warum schmiert die SPD im Bund ab und gewinnt in Niedersachsen? Warum waren die Reformationsgottesdienste so gut besucht? Aber auch: Warum wählen Menschen AfD oder Herrn Kurz in Österreich?

Das Trend-Schlüsselwort heißt „Selbstwirksamkeit“. Psychologen sagen uns, dass es extrem wichtig ist für Menschen, dass sie die Erfahrung machen, selbst etwas bewirken zu können. Der Trendscout sagt, dass diese Erfahrung für viele Menschen immer schwieriger wird – vor allem in prekären Lebensverhältnissen, in „abgehängten“ Regionen wie Meck-Pomm, aber auch allgemein. Alles ist geregelt, alles ist vorgegeben und wen ich im Bund wähle ist fast egal, weil in jedem Fall Merkel weiterregiert.

Die einfachste Art, fehlende „Selbstwirksamkeit“ zurückzugewinnen ist die Destruktion, etwas kaputtmachen geht immer.
Und wer sein Kreuzchen bei der AfD macht, macht wenigstens das traditionelle „Lager-Parteiensystem“ kaputt. bekommt Aufmerksamkeit in Form von Aufregung in den Medien, und hat also ein bisschen etwas mit-„bewirkt“.
Was ist zu tun? Abwarten, bis sich dieser Effekt abnutzt? Das wird er so schnell nicht tun, es sei denn, die AfD würde tatsächlich eines Tages als konservative Partei ins System integriert – aber dann würde eine neue „Bäh“-Partei an ihre Stelle treten können.
Besser ist es, zu überlegen, wie in unserer Gesellschaft wieder mehr (positive) Selbstwirksamkeitserfahrungen möglich werden. Dazu könnten m.E. beitragen:
Eine Wiederentdeckung des Subsidiaritätsprinzips, des „Small is beautiful“ und ein Ende der Gigantomanie und der Fusionitis auf allen Ebenenen (auch in der Kirche übrigens!). Die Flüchtlingshilfe funktioniert übrigens genau so und hat gerade deshalb dazu beigetragen, dass sich Merkels „Wir schaffen das“ ja weitgehend erfüllt hat! Da arbeiten viele einzelne, kleine Initiativen, Vereine, Kirchengemeinden gemeinsam und die „Offiziellen“ machen nur das Nötigste (manhcmal leider nicht mal dass …) – mehr könnte der Staat auch gar nicht bezahlen.
Auch meine Uralt-Idee einer Abschaffung (oder wenigstens Absenkung) der Fünf-Prozent-Hürde muss ich hier noch einmal einbringen. Sie schützt ja, wenn’s hart kommt sowieso nicht vor Nazis. Dann ist es doch besser, man kann als Protestwähler auch mit „Wirksamkeitschance“ eine nicht-extremistische Kleinpartei wählen. Oder hat dem Europaparlament etwa bisher die Tatsache geschadet, dass dort auf Grund der für Europa abgeschafften Hürde jetzt auch Piraten und ÖDP vertreten sind? Wohl kaum. (Übrigens ist auch die FDP nur aus diesem Grund im EP vertreten …)

Positive Selbstwirksamkeit war wohl auch zumindest ein Motiv dafür, dass in diesem Jahr so viele Menschen die Reformationsgottesdienste mitgefeiert haben. Selbsst (oder gerade?) Kirchenleitende waren darüber sehr erstaunt, nachdem bei den Großveranstaltungen die Zahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Aber ist das so erstaunlich? Bei einem Großereignis (das vielleicht ja sogar Ziel von Terrorattacken werden könnte) – da gehe ich als Einzelner unter, da kommt es auf mich nicht an. Trotzdem hat ja der plötzlich vorhandene staatliche Feiertag am 31.10. den Protestanten das Gefühl gegeben, dass sie doch eine eigene gesellschaftswirksame Kraft sein könnten. Und da es ohnehin keine anderen feiertagsspezifischen Sitten am Reformationstag gibt (das gutgemeinte „Reformationsbrötchen“ der Bäckerinnung mit ökumenischer Charity-Komponente: 20 ct für das katholische misereor und die evangelische Aktion „Brot für dei Welt“ – war ja eher ein Flop), erschien der Gottesdienstbesuch an diesem Tag plötzlich als der naheliegende „Normalfall“ – mit dem man sogar dazu beitragen konnte, dass in diesem Jahr das Derby „Reformation“ gegen „Halloween“ endlich mal die Reformation für sich entscheiden konnte: positive Selbstwirksamkeit also!

Warum hat aber nun die SPD kurz nach der BTW in Niedersachsen plötzlich gewonnen? Hier ist der bundesrepublikanische Normalfall eingetreten:
Der deutsche Michel will nicht, dass eine Regierung „durchregieren“ kann. Regiert im Bund die CDU, müssen im Bundesrat SPD-geführte Länder die Mehrheit haben, regiert die SPD im Bund, müssen unionsgeführte Länder den Bundesrat bestimmen; so will das „der Wähler“ traditionell, das ist zwar manchmal doof (und spült manchen Ländern Extra-Geld in die Kasse, weil die Zustimmung im Bundesrat ja manchmal „erkauft“ wird …) kommt aber dem harmoniesüchtigen und „Absolute-Mehrheit-feindlichen“ Deutschen sehr entgegen. In Wahrheit will er nämlich (und hatte er fast immer!) eine „Große Koalition“ – und das Gleichgewicht zwischen Bundestag und -rat ist eben eine „Groko der höheren Ordnung“ …
Ein weiterer Grund für Weills Sieg ist natürlich Weill selbst. Auch er ist, wie Laschet und Kramp-Karrenbauer, die anderen Wahlsieger dieses Jahres, vergleichsweise „langweilig“, gerade nicht „laut“ und polternd wie Seehofer oder manchmal auch Schulz. Und er ist gerade kein bundespolitischer Promi, sondern – ebenso wie Laschet – „provinziell“ (was beim Deutschen Michel eben positiv besetzt ist, aus Gründen der vermuteten oder tatsächlichen größeren Selbstwirksamkeit in der kleinen Einheit!) Insofern bestätigen sich auch die Trends, die der Trendscout im vorigen entsprechenden Beitrag entdeckt hat!

Unglaublich: Es liegt schon 110 Jahre zurück, dass Astrid Lindgren geboren wurde – aber wenn Kinder heute ihre Geschichten lesen (das tun sie!), dann sind die genauso frisch wie immer. Bei  mir steht „Astrid“ jedenfalls im persönlichen „Heiligenkalender“ …

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