„Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht“ Das ist die „Moral“ eines Kinderbuches, das als „atheistische Kinderbibel“ in Kreisen des missionarischen Atheismus Kultstatus genießt und vom Verfasser schon mal selbst in aller Bescheidenheit als „weltweit einzigartig“ bezeichnet wird: „Wo bitte geht’s zu Gott, fragte das kleine Ferkel“  (http://www.schmidt-salomon.de/ferkel.htm – die Behauptung der Einzigartikeit findet sich dort unter dem FAQ-Link).

Man könnte eine Menge dazu sagen, manche haben das auch schon getan. Dass der Jude dort natürlich mal wieder eine Hakennase hat, dass die Vertreter der Religionen Judentum, Christentum und Islam ständig geifernde Sprüche absondern und hässliche Fratzengesichter haben ist nur das eine und lässt mich fragen, wie die genannte Seite eigentlich ausgerechnet zu der Behauptung kommt, das Buch sei „liebevoll (sic!) illustriert“? Atheisten tragen gerne die Behauptung vor sich her, sie würden zur Toleranz erziehen und unterstellen religiösen Eltern gerne das Gegenteil. Diese Behauptung wird durch dieses Buch bestimmt nicht untermauert …

Am wichtigsten finde ich aber die Auseinandersetzung mit dem genannten letzten Satz des Buches: „Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht“  Ich habe Atheisten erlebt, die darob in Verzückung geraten, wenn sie diese Worte zitieren, weil sie sie so furchtbar genial finden. Dabei sind sie völlig nichtssagend. In der Zeit, in der die Menschen keine Autos kannten, brauchte auch keiner eines. Tiere, die keine Beine haben – wie Fische zum Beispiel, brauchen auch keine. Jedes Lebewesen kann nur etwas nur brauchen, also benötigen und / oder benutzen (oder auf die Idee kommen, es zu brauchen), wenn es das, was es evtl. brauchen könnte auch gibt und wenn es davon weiß, es also kennt. „Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht“ ist also eine nahezu tautologische Banalität. Das ist das eine.

Das andere ist allerdings eine sich daran anschließende Kritik, die sich nicht nur Atheisten, sondern auch viele fromme Christen gefallen lassen müssen: Dass nämlich oft Nützlichkeit und Wahrheit verwechselt oder in einen Topf geworden werden.  Meister Eckhart sagt völlig zu Recht:

„Etliche Leute wollen Gott mit Augen schauen, so, wie sie eine Kuh betrachten, und wollen Gott genauso minnen, wie sie eine Kuh liebhaben. Die Kuh, die minnest du um die Milch und um den Käs‘, um deinen eigenen Nutz. So tun alle jene Leute, die Gott minnen um auswendigen Reichtums oder um einwendigen Trostes willen. Solche Leute minnen Gott nicht auf rechte Weise, sondern sie minnen ihren eigenen Nutzen. Und wahrlich, solches Minnen wird dir zum Hindernis auf dem Weg zur allernächsten Wahrheit.“ (zit. nach: http://www.evlka.de/extern/rinteln/choralschola/zu_Meister_Eckhart.htm)

Wir können den Schlusssatz des Ferkelbuches also umformulieren und ihn – in Anlehnung an Eckarts Kuh-Diktum – sowohl Christen wie Atheisten ins Stammbuch schreiben: „Wer Gott nur braucht, der kennt ihn nicht“

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Kann Faust darüber nachdenken, ob es Goethe gibt?

„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“ sagt Martin Luther.

Das Herz der meisten Menschen, und vor allem der meisten Gemeinwesen (Gemein-Wesen …) und Organisationen hängt heute am Geld. Die Totalökonomisierung ist der eigentliche Götze von heute und der eigentliche Gegner des Christentums. Die Waldbrände in Russland eskalieren, weil die Forstverwaltung aus ökonomischen Gründen privatisiert wurde. Die ICE’s werden aus ökonomischen Gründen zu selten gewartet – defekte Klimaanlagen, aber auch gebrochene Achsen und andere Schäden gehen vermutlich darauf zurück. Eine Stadt will unbedingt eine Großveranstaltung als Imagegewinn (der sicher einen ökonomischen Aufschwung unterstützen würde) und ein Veranstalter dieses Events will vor allem Geld verdienen und spart deshalb vermutlich an der Sicherheit. Und auch der Wahnwitz, auf das Fallen von Aktienkursen spekulieren zu dürfen und ohne jeden Bezug zu Arbeit und Produkten alleine mit Geld Geld verdienen zu wollen ist eine Anbetung des Mammons, der wir entgegentreten müssen. Wenn wir zum Glauben an Gott und Jesus Christus einladen – die Beispiele zeigen: das ist heute nötiger denn je – dann laden wir dazu ein, eben nicht mehr dem Geld zu vertrauen, sondern dem, der unser Vertrauen wirklich verdient, dem Gott, der die Liebe ist.

Das bedeutet auch: Einladung zum Glauben heißt nicht: „Menschen von der Existenz eines übernatürlichen Wesens zu überzeugen“. Es kommt nach Luther doch gar nicht darauf an, ob ich die Existenz eines Gottes für möglich halte. Es kommt darauf an, was tatsächlich und faktisch mein Gott ist, auf was oder wen ich mich verlasse, woran ich mein Herz hänge. Die Frage ist nicht, „ob es Gott gibt“, sondern welchem Gott ich vertraue.  „Der Glaube macht beide, Gott und Abgott“ sagt Luther ebenfalls.

Ich habe in letzter Zeit im Netz auch ein paar Diskussionen mit Atheisten geführt, am intensivsten im Zusammenhang mit meinem Artikel „Stell dir eine Welt vor …“, (https://kraftwort.wordpress.com/2010/02/)  aber auch auf dem „Atheist Media Blog“, der sich bei WordPress stets mit dem „Big Brother Blog“ um den Rang des am schnellsten wachsenden Blogs streitet. Das war ziemlich anstrengend, weil die meisten meiner Gesprächspartner ziemliche „Atheismus-Fundis“ gewesen sind. Man bekommt, wenn man nicht den Fundi-Atheismus-Mainstream vertritt beim „AMB“ innerhalb weniger Sekunden auch mindestens eine Negativ-Wertung für den eigenen Beitrag, manchmal schneller, als er überhaupt zu Ende gelesen worden sein kann. Wenn dort überhaupt „diskutiert“ wird, dann vielleicht noch über die Frage, ob man eine Umfrage von 2005 so interpretieren muss, dass 35 % der Schweden Atheisten sind oder sogar 80 %. Wobei das für das Thema „Wahrheit von Religion oder Atheismus“ ebenso wie für das Thema „Moralische Qualität von Religion bzw. Atheismus“ ja völlig belanglos ist: Ob 35 % oder 80 % der Schweden Nichtschwimmer sind, sagt weder etwas darüber aus, ob Schwimmen gefährlich und unmoralisch ist, noch etwas darüber, ob es so etwas wie „Wasser“, in dem man schwimmen könnte, überhaupt gibt …

Langer Rede kurzer Sinn: Auch wenn es mir nach wie vor notwendig erscheint, die Ideologie der atheistischen Fundis in Frage zu stellen, nach der sie die Vernunft gepachtet hätten (viele machen erstaunlich dürftigen Gebrauch davon) werde ich mich erst mal aus der Atheismus-Debatte wieder zurückziehen und mich den wichtigen Themen zuwenden – Theologie, Demokratie, Kritik an der Totalökonomisierung, Afrika, hoffentlich endlich mal wieder Sprache und Musik … (Mal sehen, ob’s klappt)

P.S. Kleine Ergänzung zur Kritik an der Totalökonomisierung – guckst Du hier: http://www.evangelisch.de/community/blog/rokokole/f%C3%BChlen-dieses-schn%C3%A4ppchen-von-droben

„Und so sage ich nach meinen Erfahrungen des Atoms folgendes:

Es gibt keine Materie an sich. Jegliche Materie entsteht und besteht einzig nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt, und sie zu dem winzigen Sonnensystem des Atoms zusammenhält. Da es im ganzen Weltall weder eine intelligente noch ewig abstrakte Kraft gibt – es ist der Menschheit nie gelungen, das heiß ersehnte Perpetuum Mobile ( das aus sich selbst bewegte ) zu finden – so müssen wir hinter dieser Kraft bewussten, intelligenten Geist annehmen.

Dieser Geist ist der Urgrund der Materie, nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche ( der Boden ), denn diese Materie bestünde, wie wir es schon gesehen haben, ohne diesen Geist überhaupt nicht, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre. – Weil es aber Geist an sich nicht geben kann, und jeder Geist einem Wesen zugehört, so müssen wir zwingend Geist-Wesen annehmen. Da aber auch Geist-Wesen nicht aus sich selbst sein können, sondern geschaffen sein müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu nennen, wie ihn alle alten Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: GOTT“

(Max Planck, deutscher Physiker geb. 23. April 1858)