Karl Barth, der in diesem Jahr gemeinsam mit dem Automobil und Coca Cola seinen 125. Geburtstag hat, schreibt zur Frage der Erkennbarkeit des Wortes Gottes:

Das Wort Gottes wird erkennbar, indem es sich erkennbar macht … Die Möglichkeit, das Wort Gottes zu erkennen ist Gottes Wunder an uns, so gut wie das Wort und sein Gesprochenwerden selber … Es geht .. hier nicht um die Behauptung einer Passivität des Menschen, die seine Freiheit beseitigen oder einschränken würde. Es geht …  um die Einsicht, dass jenes Beieinandersein … des Erkennens des Menschen und seines Erkanntwerdens von Gott in der Freiheit des Menschen Ereignis ist und doch in keinem Sinn als deren Produkt, also als Ergebnis einer … Vertiefung oder Erhöhung des menschlichen Seelenlebens verstanden werden darf. …Auch die Vorstellung vom sacrificium intellectus ist nur ein letzter verzweifelter Versuch, aus der Erkenntnis Gottes ein Werk des Menschen zu machen. …

Christus bleibt nicht draußen. Und es ist wohl wahr, dass der Mensch ihm die Tür auftun muss (Apok. 3,20), aber eben, dass dies geschieht ist … das Werk des draußenstehenden Christus. So dass auch das andere vorbehaltlos wahr bleibt: der auferstandene Christus geht durch verschlossene Türen (Joh. 20,19f.)

Kirchliche Dogmatik (KD) I,1, S. 260f.

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Schon das ganze Jahr lang gratuliere ich  als eingefleischter Lutheraner dem (mit Coca Cola und dem Automobil gleichalten) reformierten Karl Barth zum 125. Geburtstag. (guckst Du z.B. hier: https://kraftwort.wordpress.com/2011/05/10/zitat-des-monats-karl-barth-uber-mozart/ oder klickst in der Stichwortwolke auf Karl Barth)

Heute ist nun ein Glückwunsch an einen römisch-katholischen Theologen fällig – einen anderen Karl, der 50 Jahre jünger ist: Kardinal Karl Lehmann, langjähriger Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, feiert heute seinen 75. Geburtstag. Er verbindet für mich vorbildlich Nüchternheit und Leidenschaft mit ökumenischer Offenheit und einem gleichwohl  selbstverständlichen Verwurzeltsein im römischen Katholizismus – also: Herzliche Glück- und Segenswünsche! – Und schließlich will ich ihn auch mit einem Zitat aus dem Jahr 2002 selbst zu Wort kommen lassen, mit Worten, die sowohl zur Nüchternheit als auch zur Begeisterung einladen und die deshalb für ihn typisch sind und mir gut gefallen:

Eintreten für den Frieden ist eine harte Sache. Der Friede ist nicht irgendein Werbeartikel, mit dem man sich jederzeit anbiedern kann. Dafür ist er zu empfindlich, denn er hat mit moralischer Herausforderung zu tun. Die Bedrohung der Versöhnung geht dabei von allen aus; sie wohnt im eigenen Herzen. Man darf nicht nur auf den anderen, den „Feind“ zeigen. Darum ist auch die Angst des anderen verständlich. Das Evangelium vom Frieden braucht die mühsame, stets durch ein kaum zu durchdringendes Dickicht von Interessen begleitete und so immer umstrittene Durchsetzung in den widerborstigen Strukturen der Welt. Darum kann die Versöhnung in den weltweiten Zusammenhängen unseres Lebens nicht gelingen ohne das mühsame, oft auch zweideutige Handwerk der Politik. So gehört auch das Angewiesensein auf begrenzte Mittel zum Kreuz der Wirklichkeit. …

Man könnte vor lauter Nüchternheit und Realismus den Mut zum Frieden und zur Versöhnung verlieren. Christliche Hoffnung zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie Hoffnung gegen alle Hoffnungslosigkeit ist und bleibt. Darum darf sie sich bei allem Wissen über ihre Misserfolge nicht die Flügel der Begeisterung stutzen lassen! …

(Karl Kardinal Lehmann in: Mut zum Umdenken Freiburg 2002, S. 52 und 53)