Heute wird viel davon gesprochen, man müsse das Evangelium milieusensibel in bestimmte Kontexte hineinsprechen. Solche Versuche gab es auch schon vor über 1000 Jahren: Der „Heliand“ versuchte das Evangelium den Germanen verständlich zu machen.  Hier, passend zur Jahreszeit, ein Beispiel:

Die Weihnachtsgeschichte aus dem Epos „Heliand“ aus dem 9. Jahrhundert

Da kam an der Menschen Licht. Da ward das alles wahr,
Was spähende Männer vordem gesprochen, Wie er in
Niedrigkeit hernieder auf Erden durch Seine einige Kraft
Zu kommen gedächte, der Menschen Mundherr.

                        Da Ihn
Die Mutter nahm, mit Gewand bewand Ihn der Weiber
Schönste, zierlichen Zeugen, und mit den zweien Händen
Legte sie liebreich den lieben kleinen Mann, das Kind,
In eine Krippe, das doch Gottes Kraft besaß,
Der Menschen Mächtigster.

        Da ward es manchem kund über die weite
Welt. Wächter erst erfuhren’s, die bei den Pferden im
Freien waren, hütende Hirten, die bei den Rossen hielten
Und dem Vieh auf dem Felde. Die sahn, wie die
Finsternis in der Luft sich zerließ und das Licht Gottes
Brach wonnig durch die Wolken, die Wärter dort im
Felde befangend. Da fürchteten sich in ihrem Mut die
Männer. Sie sahen den mächtigen Gottesengel kommen,
Und gegen sie gewandt, befahl er den Feldhirten:
»Fürchtet nicht für euch ein Leid von dem Lichte!
Liebes«, sprach er, »soll ich euch in Wahrheit sagen und
Sehr Erwünschtes künden, von mächtiger Kraft:

Christ ist geboren in dieser selben Nacht, der selige
Gottessohn, hier in Davids Burg, der Herr der gute, des
Mag sich freuen das Menschengeschlecht; es frommt
Allen Völkern. Dort mögt ihr Ihn finden in der
Bethlehemsburg, der Geborenen Mächtigsten.« Die
Wärter hörten, wie der Engel Schar den allmächtigen
Gott mit wahrhaften Worten priesen: »Lob sei«, lautete
Das Lied, »dem Herrn hoch im höchsten Reiche der
Himmel und Friede auf Erden den Völkern allen, den
Gutwilligen, die Gott erkennen mit lauterm Herzen.«

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„Jahresendflügelfiguren“ hießen sie in der DDR, die Weihnachtsengel, die man einfach nicht los wurde … Jetzt begegnet man ihnen wieder und natürlich haben sie ihren Platz in der Weihnachtsgeschichte. Doch gerade heute scheinen Engel nicht nur als Figuren, sondern auch als Glaubens- und Meditationsgegenstand (und Verehrungsgegenstand?) Hochkonjunktur zu haben. Da ist Karl Barths Hinweis sicher nicht verkehrt, dass sie nur Anzeiger sind für das „Eigentliche“, für das was Gott selbst tut.

Karl Barth schreibt also in unserem letzten Zitatbeitrag zum Jubiläumsjahr „125 Jahre Karl Barth und Coca Cola“ über die Engel in den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums und besonders in der Weihnachtsgeschichte:

KD I,3 § 51 (S. 592f)

„Die Anweisung, in der der Engel die Hirten von sich selbst weg zu dem Kind in der Krippe schickt, ist der entscheidende Dienst, den er als Engel leisten darf und muss. … (Am) Ereignis selbst und als solchem haben die Engel keinen Anteil. Sie können es nicht vorwegnehmen, sie können nur  anzeigen, dass es von Gott her geschehen wird. Sie sind unsichtbar und unhörbar indem es geschieht. Und sie können auch, nachdem es geschehen ist, nur von sich selbst wegweisen auf Gott selbst und seine vollbrachte Tat: Sie fahren wieder gen Himmel … Sie haben vorher und nachher gerade nur als Anzeiger gedient. Sie haben als solche auch keine Berufungen vollzogen… Sie haben es auch nicht geschafft, dass die Hirten sich auf den Weg nach Bethlehem machten, sondern es heißt mit merkwürdiger Ausdrücklichkeit,  daß die Hirten untereinander übereinkamen, daß sie das tun wollten … Die Engel wollen beachtet, aber auf keinen Fall sytematisch in den Vordergrund des Interesses geschoben sein.“