Atheismus ist eine Religion wie jede andere. Manche entscheiden sich dafür – viele aber auch nicht, sondern brauchen sie zunächst einmal als „Gruppenidentifikation“. Dieser Artikel bedenkenswerte Artikel macht das sehr deutlich:

http://www.zeit.de/campus/2017-11/atheismus-ostdeutschland-ddr-identifikation-jung-und-gott/seite-2

Er hob die DDR aus den Angeln

Christian Führer, langjähriger Pfarrer der Nicolaikirche in Leipzig, ist tot. Er ist der Vater der Leipziger Friedensgebete und der daraus entstandenen Montagsdemonstrationen und damit der Bewegung, die zum Ende der DDR führte.
Ich verneige mich in Dankbarkeit und bin traurig, dass wir von solchen Menschen viel zu wenige haben. Außerdem bedauere ich sehr, dass evangelisch.de zu Christian Führers Tod (wenn ich es in der unübersichtlichen Struktur der Seite nicht übersehen habe) bisher noch kein Wort verloren (bzw. gefunden) hat.
Einen guten Artikel dazu gibt es aber bei der Deutschen Welle, guckst Du hier: http://www.dw.de/der-die-ddr-aus-den-angeln-hob-zum-tod-von-pfarrer-christian-f%C3%BChrer/a-17748850

Es ist kurz nach der Wende. Eine junge Familie aus der gerade noch existierenden DDR besucht zum ersten mal ihre Verwandten im Westen. Beim Dorfrundgang treffen sie mich, den Dorfpfarrer und fragen mich, ob sie einmal in die Kirche schauen können. Ich gehe mit ihnen hinein. Der Junge ist fünf oder sechs Jahre alt und schaut sich neugierig um. „Er ist noch nie in einer Kirche gewesen“ sagen mir die Eltern.

Er schaut auf das Altarbild. Jesus am Kreuz hat einen großen goldenen Heiligenschein. Der Junge zeigt darauf und sagt: „Oh, da ist ja ein König“
Er will wissen, wer das ist und ich erzähle ihm etwas von Jesus.
Jetzt erst bemerkt er, dass Jesus Nägel in den  Händen und Füßen hat. Und er sagt: „Ih, die haben ihm wehgetan!“
Er möchte wissen, wie das kam und ich erzähle ihm etwas von Jesu Passion.
Er staunt und sagt: „Und er hat sich überhaupt nicht gewehrt?“
Ich bestätige ihm das und er meint: „Dann muss er die Menschen ja liebgehabt haben!“
(aus: Wolfgang M. Richter Gospelimpuls Gütersloher Verlagshaus – siehe http://www.randomhouse.de/Paperback/GOSPELIMPULS/Wolfgang-M-Richter/e414914.rhd)

Als „Feierabendschwester“ hat die Diakonisse tatsächlich noch ihren Führerschein gemacht und fährt mit ihrem Auto in die inzwischen existierende sowjetische Besatzungszone.

Der Grenzbeamte fragt sie: „Haben Sie Waffen, Munition, Sprengstoff oder Drogen dabei?“

Schuldbewusst senkt die Diakonisse den Blick und sagt: „Oh, da habe ich wohl einen Fehler gemacht – ich wusste doch nicht, dass man so etwas hier braucht!“

Täuscht mein Eindruck, dass der Literaturnobelpreis für Herta Müller gar nicht richtig wahrgenommen wird. Hat sie recht mit ihrer Kritik an den Literaturkritikern, die von ihr verlangen, in der Gegenwart anzukommen, weil das Ceaucescu-Rumänien Vergangenheit sei. Während Romane über die DDR oder die Nachkriegszeit in Deuschland als Beschreibung der „Gegenwart“ gelten. Will man vom Leiden der Rumäniendeutschen nichts wissen.

Andere Frage: Warum verwendet Herta Müller nie Fragezeichen. Wirkt das nicht wie eine Mischung aus unfertig und abgeschlossen. Sind Fragen vielleicht die eigentlichen Antworten.

Wie dem auch sei: Ich gönne es Herta Müller, die ich nach wie vor schätze (obwohl ihre Kritik am Kirchentag vermutlich unberechtigt ist), dass es doch Menschen gibt, die mit ihr und für sie feiern. Und auch wenn ich selber nicht dabei sein werde (Berlin, die Nicht-Aprikosengegend, is bisschen weit von hier aus), gebe ich gerne eine Veranstaltungsankündigung aus http://lyrikzeitung.wordpress.com/ weiter

Am 10. Dezember wird Herta Müller in Stockholm mit dem Literaturnobelpreis 2009 ausgezeichnet. Wenige Tage nach ihrer Rückkehr wird sie im Haus der Berliner Festspiele von ihren Freunden, Weggefährten und Lesern mit einem abendfüllenden Programm – an dem sich die Preisträgerin auch selbst beteiligt – in einer öffentlichen Veranstaltung geehrt und gefeiert.

Ein Fest für Herta Müller
ausgerichtet von ihren Freunden
am Freitag, dem 18. Dezember 2009 um 20.00 Uhr im
Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, 10179 Berlin

Musik, Laudatio, Lesung und Performance mit Herta Müller, Michael Krüger, Joachim Sartorius, Ulrich Matthes, Aydar Gainullin, Andrei Plesu – und Überraschungsgästen

Eintritt 10,- € (erm. 6,- €). Karten unter: http://www.berlinerfestspiele.de. Info: (030) 25489-100

Veranstaltet von: Berliner Festspiele, internationales literaturfestival berlin, Literaturhaus Berlin, Literarisches Colloquium Berlin, Literaturwerkstatt Berlin, Literaturforum im Brechthaus, Stiftung Preußische Seehandlung, Robert Bosch Stiftung und Carl Hanser Verlag.