Viele wissen es nicht: die Beatles haben mehrere ihrer Lieder auch auf deutsch eingespielt – als erstes haben sie im Januar 1964 „I want to hold your hand“ auf deutsch gesungen. Den deutschen Text hat Camillo Velgen (Schlagersänger und Radio-Luxemburg-Moderator) noch in der Nacht vor der Aufnahme fabriziert, nachdem eine erste deutsche Textfassung eines anderen Autors den Beatles nicht gut genug war.

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In diesem Blog habe ich schon auf die bei vielen Sprachinteresssierten verbreitete Abneigung vor allem gegen englische Fremdwörter im Deutschen reagiert. (Siehe https://kraftwort.wordpress.com/2009/06/17/der-showmaster-des-public-viewing-steht-mit-seinem-handy-am-servicepoint/ )  Ich habe dafür plädiert, hier nicht übertrieben ängstlich zu sein. Vielleicht können die Ängste vor dem Fremden in der deutschen Sprache auch gemildert werden, wenn man sich klar macht, dass es auch deutsche Wörter gibt, die in anderen Sprachen heimisch geworden sind, ohne dass wir das wissen. Zum Beispiel spricht man in Polen von jemand Trägem als „Slafmyza“ (Schlafmütze) und jemand fleißigem als „Streber“. In Israel heißen Scheibenwischer ebenfalls „Wischer“ bzw. sie werden mit der hebräischen Plural-Endung versehen und heißen deshalb „Wischerim“. In Schweden schwärmt man für deutsches „Fingerspitzengefühl“ und sogar in Nigeria fragt man „Is das so?“ Sogar die Franzosen, die sehr stolz auf ihre Muttersprache sind (und deshalb in allen Radiosendern eine Mindestquote französischsprachiger Lieder vorschreiben) sagen „Le schnaps“ Jutta Limbach (ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und bis 2008 Vorsitzende des Goethe-Instituts) hat darüber ein ganzes Buch geschrieben: „Ausgewanderte Wörter“, entstanden aus einem Wettbewerb des Deutschen Sprachrats. Nähere Infos zu diesem Buch:

http://www.hueber.de/ausgewanderte-woerter/

Die Gospelbewegung boomt. Häufig ist der Satz zu hören, „Gospel heißt auf deutsch Evangelium“. Das ist natürlich schon deshalb Unsinn, weil „Evangelium“ gar kein deutsches, sondern ein griechisches Wort ist. Das Wort Gospel stammt vom altenglischen „Gode spell“, was soviel wie „Gutes Kraftwort“ bedeutet. Und genau darum geht es auch in der Gospelmusik: Dass das Wort Gottes nicht nur Information über Sachverhalte ist, die außerhalb dieses Wortes liegen, sondern, dass es ein wirkendes, kraftvolles Wort ist, das Menschen die Erfahrung der Nähe Gottes machen lässt und ihr Leben verändert.

P.S.: Damit ist die Gospelmusik auch besonders nahe am biblischen, vor allem hebräischen Denken und Sprachverständnis. Wer dazu mehr wissen will, findet das hier: https://kraftwort.wordpress.com/2009/06/04/dabar-und-logos/

Ähnliche Gedanken, etwas ausführlicher als hier finden sich übrigens in dem Buch „GOSPEL-IM-PULS“, das ich hier besprochen habe: https://kraftwort.wordpress.com/2012/12/02/liederbuch-des-monats-gospelimpuls (Blog zum Buch: http://gospelimpuls.wordpress.com)