Auch wenn das Argumentieren bei vielen Verblendeten wenig hilft – vielleicht kann man mit diesen guten Argumenten doch den einen oder die andere ins Nachdenken bringen und Vorurteile über Flüchtlinge beseitigen. Hier gibt es eine gute Zusammenstellung von „pro asyl“:

http://www.proasyl.de/de/home/gemeinsam-gegen-rassismus/fakten-gegen-vorurteile/

Advertisements

„Kennen Sie Schnipp-Schnapp?“ „Dann hab ich was eigenes“ – „Sie lassen sofort die Ente zu Wasser!“ – „Das Ei ist hart“ – „In Bozen sind die Waschräume separat“ „Dafür hatten wir im Mai ein paar schöne Tage“ „Abgezapft und Original-verkorkt von Pahlhuber und Söhne“ … oder schlicht „Ein Klavier, ein Klavier!“ – das sind nur ein paar Zitate, bei denen in meiner Familie und in meiner Umgebung bei jedem ganze Bilder und Geschichten sofort präsent sind und die sich bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten anbringen lassen – und verstanden werden. Erstaunlich, dass der, der darauf spezialisiert war, Kommunikationsstörungen humorvoll bewusst zu machen, gerade dazu beiträgt, dass Kommunikation zwischen Menschen verschiedenster Generationen, Szenen und Milieus gelingt – im Zitieren von Loriot haben oft ganz unterschiedliche Menschen plötzlich – nein, nicht mehr „etwas eigenes“, sondern gerade etwas Gemeinsames.

Inzwischen gab es schon eine Menge Nachrufe auf Vicco von Bülow. Was mir in den Fernseh- und Zeitungsnachrufen allerdings fehlte: Loriot war auch abseits der Komik künstlerisch tätig – als Dirigent, Opernregisseur und als Schauspieler. Und er hat sich im Alter engagiert für den kirchlichen Denkmalschutz – und zwar für den Wiederaufbau des Doms seiner Heimatstadt Brandenburg. Ich erinnere mich noch gut an eine diesbezügliche Spendenbitte von ihm, die irgendwann nach der Wende in unser Pfarrhaus flatterte …

Schließlich finde ich folgendes Zitat von ihm erwähnenswert: In einem Interview wurde er gefragt, ob er im Zweiten Weltkrieg ein guter Offizier gewesen sei.  Seine Antwort lautete: „Nicht gut genug, sonst hätte ich am  20. Juli 1944 zum Widerstand gehört. Aber für den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich schämen bis an mein Lebensende.“

Zum Schluss zwei Lesetipps für die, die sich weiter mit den Seiten von Loriot befassen wollen, die in den üblichen Nachrufen fehlen:

1. Lohnend ist der Wikipedia-Artikel „Loriot“, aus dem ich auch das Interview-Zitat übernommen habe

2. Ein Interview, das die „Zeit“ mit Loriot geführt hat, findet man hier:

http://www.a-e-m-gmbh.com/andremuller/interview%20mit%20loriot.html

P.S.: Zwei dringende Fragen habe ich noch:

1. Warum fehlt eigentlich auf der nahezu kompletten DVD-Sammlung der Sketch mit der Konversationsschulung, aus dem die berühmten Bozener Waschräume stammen?

2. Gibt es eigentlich ein Rezept für den „Kosakenzipfel“?

Fragen, die zeigen: Deutschlands Geschichte mit Loriot ist noch nicht zu Ende …

P.P.S.  Einen Loriot-Test für Fans gibt es hier: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/unterhaltung/film/loriot/index,page=4502924.html

Ich bin ja ein Fan von Entschleunigung und davon, alles mit etwas Abstand zu betrachten (zur Begründung siehe https://kraftwort.wordpress.com/2009/07/25/95-thesen-zur-gegenwartigen-und-kunftigen-religiositat/ vor allem Thesen 3 und 4).

So ist es auch nicht verwunderlich, dass mein Fußballkommentar anlässlich der WM erst jetzt kommt, wo sich fast niemand mehr für Fußball interessiert (Die Menschen reden tatsächlich schon über andere Themen, z.B. über das Wetter – fast 40 Grad bei uns im Odenwald …). Und natürlich ist der Kommentar auch kein sportlicher, davon habe ich nämlich fast keine Ahnung. Also: eine Alltagserfahrung aus der Zeit der WM.

Bevor’s losging in Südafrika habe ich mir bei meinem VW-Fritzen einen WM-Planer mitgenommen und ihn dazu benutzt, Ergebnisse zu tippen. Ich ließ mich dabei von meinen – wenn auch geringen – Kenntnissen leiten und wollte „so objektiv wie möglich“ tippen. Ich überlegte also Spiel für Spiel, welches Ergebnis wahrscheinlich sein könnte, errechnete daraus, wer weiterkommt und tippte dann auch die von mir erwarteten Viertel- und Halbfinalbegegnungen. Und siehe da: Das „völlig objektiv“ vermutete Endspiel lautete „Deutschland gegen Südafrika“. Als ich bei diesem Finale angekommen war, wurde mir klar, dass aller angestrebten Objektivität zum Trotz der Wunsch der Vater des Gedankens war. Was mich zu der Vermutung führt, dass wir Menschen auch sonst wahrscheinlich uns sehr viel öfter als wir es wahrhaben wollen, von unseren Wünschen leiten lassen. Vielleicht (wahrscheinlich) gilt das sogar für den Bereich des Glaubens und Unglaubens. Der Religiöse glaubt an Gott, weil er will, dass ein Gott ist und glaubt ihn auch so, wie er ihn sich wünscht. Der Atheist glaubt nicht an Gott, weil, er sich wünscht, dass da niemand ist, der ihm vielleicht reinredet, der seine (ohnehin nur scheinbar vollkommene) Autonomie in Frage stellt.

Was schützt uns davor, unser Wunschdenken für Erkenntnis zu halten? Zum einen sicher schon einmal die Einsicht in diesen Zusammenhang (übrigens eigentlich eine Alltagsversion von Jürgen Habermas‘ „Erkenntnis und Interesse“) Zum anderen die Überprüfung unserer „Erkenntnisse“ (auch derer ohne Anführungsstriche) an der Erfahrung. Und die Anerkennung von Kriterien außerhalb von mir, das In-Distanz-treten zum eigenen Ich, womit ich wieder bei meinen o.g. Thesen bin – oder, wenn man es anders ausdrücken wollte: Das Gebet „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ …

Heute:

D wie Deutschland

Der populäre Irrtum lautet: „Deutschland ist kein christliches Land mehr“
Warum ist dies ein Irrtum?
Der Satz setzt voraus, dass Deutschland früher ein „christliches Land“ war. Aber wann soll das denn gewesen sein? Als zwischen 1933 und 1945 Juden und andere in Konzentrationslagern umgebracht wurden – war da Deutschland etwa ein „christliches Land“? Als im dreißigjährigen Krieg sich die Deutschen untereinander bekriegten, unter Berufung auf die angeblich jeweils wahre Gestalt des Christentum, war das etwa im Sinne Jesu Christi? Und als in Deutschland Menschen als angebliche „Hexen“ verbrannt wurden, war Deutschland da im Kern vom Geist Christi geprägt? Wann, bitte, soll Deutschland ein „christliches Land“ gewesen sein? Sicher: Christen gab und gibt es in diesem Land seit über tausend Jahren, manchmal hatten sie Einfluss, manchmal nicht, manchmal haben sie geirrt, manchmal waren sie in der Wahrheit – und vielleicht ist ihre Zahl und ihre Glaubwürdigkeit heute eher größer als in manchen anderen Epochen der deutschen Geschichte Aber ein „christliches Land?“ Vielleicht werden wir’s eines Tages. Aber dann müsste der Satz heißen: „Deutschland ist noch kein christliches Land“.