Mit einem herzlichen Dank an Jürgen Trumann gebe ich hier sein jüngstes Gedicht weiter. Er hat es in einem Kommentar zu meiner Buchbesprechung „Schräger Einfall bringt ins Lot“ (guckst Du hier: https://kraftwort.wordpress.com/2011/07/04/schrager-einfall-bringt-ins-lot-buchbesprechung/) mitgeteilt. Aber an dieser Stelle war es mir zu versteckt. Es gefällt mir nämlich mal wieder ausgesprochen gut – ich hoffe euch auch:

Dank an die Vor-Tragenden

Ich komme in wärmenden wollenen Socken
dem bald zu erwartenden Winter zuvor
und danke dem Schaf oder Bocke die Locken,
die man ihm zwecks meines Zehenkleids schor.

Ich trete der kommenden Kälte entgegen
dankbaren Sinns für das Schaf nicht allein.
Des schützenden ledernen Schuhwerkes wegen:
nachträglich Dank auch dem Rind und dem Schwein.

Jürgen Trumann

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Im November erwartet uns das Ende des Kirchenjahres mit Totengedenken und Sonntagen, die an die „letzten Dinge“ – Sterben, Auferstehung, Gericht, Wiederkunft Christis erinnern. Zum November des Jubiläumsjahres „125 Jahre Karl Barth und Coca Cola“ soll es deshalb auch  ein Zitat zu den „letzten Dingen“, zur christlichen Hoffnung sein. Im § 73 der Kirchlichen Dogmatik spricht Karl Barth davon, dass „die große konstantinische Illusion“ in Auflösung begriffen sei – die Erwartung also, innerhalb der Menschheitsgeschichte alle Menschen durch Mission (oder, im schlimmeren Falle durch Zwang und weltliche Herrschaft) zu Christen zu machen. Damit wird die christliche Hoffnung einerseits angefochten und in Frage gestellt, andererseits aber auch um so wichtiger. Barth schreibt:

Was ist und bedeutet des Christen Hoffnung, der sich … der übrigen Menschheit gegenüber in eine verschwindende – muß man nicht sagen: hoffnungslose? – Minderheit versetzt findet? … Was sollen und wollen denn die paar christlichen Leutlein, was soll und will denn das Häuflein der christlichen Gemeinde da und dort mit seinem Zeugnis von Jesus Christus? Was … erwarten diese Menschen damit auf dem großen Jahrmarkt … auszurichten?
Was sollen wir übrigens von den Unzähligen halten, die ante oder  post   Christum  natum   gar keine Gelegenheit hatten, dieses Zeugnis zu hören? Es hieße offenbar den Kopf in den Sand stecken, wenn der Christ .. durch das alles nicht angefochten … würde. … Es ist ihm aber erlaubt und geboten … unverzagt zu  hoffen, d.h. … unbedingt damit zu rechnen, daß derselbe Heilige Geist, der unbegreiflicherweise mächtig genug war sein, des Christen eigenes finsteres Herz zu erleuchten, mit jenen anderen samt und sonders eines Tages vielleicht noch geringere Mühe als mit ihm haben möchte. Und weiter: unbedingt und nun entscheidend damit zu rechnen, daß der Tag des Kommens Christi … ganz bestimmt der Tag sein wird, da – nicht er, der Christ, aber der, den er als Christ erwartet, auch alle die anderen zu erreichen wissen wird, daß sie, die Toten und die Lebenden, die ante und die post Christum natum kamen und gingen – was das dann auch für sie bedeuten möge – seine Stimme hören werden.

(KD IV,3 S. 1053f. . § 73 Der heilige Geist und die christliche Hoffnung)