Manchmal wird – völlig zu Unrecht – behauptet, den Drehbuchautoren von TV-Krimis fiele nichts neues mehr ein. Das ist natürlich eine böswillige Unterstellung. Auch die uralte Behauptung, Derrick habe in jeder Folge „Harry, fahr schon mal den Wagen vor“ gesagt, war ja bekanntermaßen schlicht falsch, weil er das in Wahrheit nie gesagt hat. Selbst dass Derrick genau zweimal in jeder Folge ins Haus der Millionärin gekommen sei, ist maßlos übertrieben und ein böswilliges Klischee.

Trotzdem habe ich einmal ein paar Ideen zusammengetragen, mit welchen besonders originellen Motiven ein Fernsehkrimi vielleicht einmal den besonderen Pepp bekommen könnte:

Der Kommissar will gerade in Urlaub fahren, als der neue Fall ihm den Plan verhagelt

Die Kollegen von der Sitte oder vom Drogendezernat machen mit den Kriminellen gemeinsame Sache. Die Mordkommission hingegen ist natürlich sauber.

„Der Todeszeitpunkt lag wahrscheinlich zwischen …. und … Uhr. Genaueres kann ich erst nach der Obduktion sagen.“ (Origineller Satz für den obligatorischen Gerichtsmediziner, der sich durch Kompetenz und einen Schuss Arroganz auszeichnen könnte)

Der Staatsanwalt / die Staatsanwältin ist doof, legt den Ermittlern Steine in den Weg, muss sich aber zum Schluss bei ihnen bedanken, weil sie doch recht hatten

Einer der beiden Ermittler wird wegen eigenmächtiger Ermittlungsmethoden vom Dienst suspendiert, löst den Fall aber ohne Waffe und Dienstausweis trotzdem.

Der Ermittler verliebt sich in eine Angehörige des Opfers / eine wichtige Zeugin. Später stellt sich heraus, dass sie die Täterin ist.

Der verdächtige Unternehmer, gerne Bordellbesitzer, schweigt beharrlich, bis die Ermittler beim Abschied andeuten, dass sie den Kollegen der Steuerfahndung Bescheid sagen, hier mal die Bude auf denn Kopf zu stellen – das macht den widerborstigen gesprächig.

Die Ermittler besuchen den Verdächtigen ein zweites Mal, weil sie ihn der Lüge überführen können, zB was sein Alibi angeht. Daraufhin gesteht der Verdächtige ihnen sein Verhältnis mit … (z.B. seiner Sekretärin, der Frau des Opfers oder ähnlichem) und bittet: „Aber bitte (Pause, flehentlicher Blick) kein Wort davon zu meiner Frau!“

Der Ermittler hat sich eigentlich schon verabschiedet, dreht sich aber in der Wohnungstür noch einmal um, weil ihm noch eine Frage eingefallen ist (wegen der er möglicherweise in Wahrheit aber überhaupt gekommen ist) Sie hat scheinbar nichts mit Fall zu tun, ist dem Befragten, vielleicht auch dem Zuschauer unverständlich und könnte zum Beispiel lauten: „Ach ja, eine Frage habe ich noch: Spielen Sie eigentlich Golf?“

Die Ermittler fragen den Verdächtigen nach seinem Alibi. Bevor er antworten kann, sagt seine Frau: „Mein Mann war den ganzen Abend hier“ (was sich – o Wunder – im weiteren Verlauf als gelogen herausstellt)

Eine/r der (beiden bzw. vier) Ermittler/innen hat ein persönliches Problem, das mit der Problematik der vom Fall betroffenen korreliert (Beziehungsproblem, Erziehungsproblem, Mietauseinandersetzung usw.)

Die Ermittlerin und die Täterin stehen am Schluss des Krimis auf einem Dach. Wahlweise will die Täterin die Ermittlerin erschießen, eine Geisel töten oder sich selbst über die Brüstung in den Tod stürzen. Die Ermittlerin verhindert dies durch psychologisch einfühlsame Gesprächsführung. Oder: In der „Suizid“-Variante kann der Versuch auch scheitern. (Dann aber besser einen männlichen Ermittler vorsehen)

Der/Die Ermittler/in kümmert sich auch privat um das Kind oder den Hund des Verdächtigen während dessen U-Haft und stößt damit bei Kollegen auf Unverständnis bzw. ist auf die Hilfe der Sekretärin angewiesen.

Einer der Ermittler hat Geburtstag.

Kaum hat der Ermittler das Haus verlassen, greift der soeben Befragte zum Telefon, schaut dabei aus dem Fenster um sich zu vergewissern, dass der Ermittler nicht zurückkommt (Variation: Er schaut dummerweise nicht aus dem Fenster und der Ermittler kommt tatsächlich zurück um ihn zu ertappen)

Bei der Zu-Fuß-Verfolgung des Verdächtigen klettern Verfolgter und Verfolger ausgesprochen behende über ein Drahttor, das fast doppelt so hoch ist wie sie selbst.

Der eigenmächtige Ermittler begibt sich in Gefahr, im letzten Moment bekommt der Kollege, der anderer Meinung war als er, eine Erleuchtung, weiß, wo er und der Täter sich befinden müssen („Dass ich das nicht früher kapiert habe!“), packt seine unverständig guckende Kollegin, fährt los und kommt gerade noch rechtzeitig um dem einsamen Helden das Leben zu retten.

Der eigenmächtige Ermittler will nicht auf den Durchsuchungsbefehl warten, bricht nachts in die Wohnung des Verdächtigen ein (Variation: Er bricht das Siegel an der Wohnung des Opfers um den USB-Stick zu suchen, hinter dem die Täter offensichtlich herwaren), wird dort von einem Einbrecher überrascht, den er niederschlägt um daraufhin festzustellen, dass der andere sein Kollege ist, der die gleiche Idee hatte. „Was machst du denn hier?“

Der Krimi packt ein „Heißes Eisen“ aus der Sozial- oder Umweltpolitik an, aber von den bösen Kapitalisten, Menschenhändlern, Umweltsündern, Steuerhinterziehern, Miethaien, Pharmalobbyisten, Tierquälern ist trotzdem keiner der Mörder, denn es handelt sich – trotz jeder Menge Motive bei den zahlreichen Verdächtigen aus dem Milieu – doch wieder um ein gewöhnliches Eifersuchtsdrama…. (Trotzdem kann sich an den Krimi dann gut eine Talkshow über besagtes heißes Eisen anschließen)

Die Verdächtige oder das Opfer ist eine Ex des einen Ermittlers.

Und schließlich, ganz wichtig: Der Ermittler ist entweder notorischer Single, der Ex seiner Kollegin, er hat Probleme mit seiner Freundin oder er ist ein Casanova. Auf keinen Fall aber (!) ist er einigermaßen glücklich verheiratet, es sei denn, er heißt Commissario Brunetti!

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Erzähler: Das ist Egon, genauer: Egon Neugier. Egon geht spazieren. Plötzlich sieht er auf der anderen Straßenseite etwas ungewöhnliches. Er bleibt stehen.
Egon: Was ist das? Tatsächlich! Ein Mann mit einem Nilpferd! Und jetzt versucht er, das Nilpferd in sein Auto zu laden! Ob das wohl gutgeht?
Nilpferdbesitzer („NPB“): Hallo, Sie da! Ja Sie! Können Sie mir freundlicherweise mal helfen? Ich bekomme das Nilpferd nicht in den Wagen!
Egon: Ja, wenn Sie meinen …
Beide: Hau – ruck; hau – ruck …
NPB: Na, das wäre geschafft, schönen Dank.
Egon (zögernd): Ja, dann, hmm, auf Wiedersehen …
NPB: Entschuldigen Sie, wenn ich Sie noch weiter belästige – aber, könnten Sie nicht mitkommen, zu mir nach Hause? Ich muss das Nilpferd ja auch wieder herausbekommen aus dem Wagen – es ist nur zwei Straßen weiter; ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar.
Egon: Ja, wenn Sie meinen …
Erzähler: Gesagt, getan. Die beiden fahren zwei Straßen weiter und laden unter großen Mühen das Nilpferd wieder aus. Gerade will sich Egon wieder verabschieden, da hat sein neuer Bekannter gleich noch eine Bitte:
NPB: Entschuldigen Sie, wenn ich Sie noch einmal belästige – aber das Nilpferd müßte ja noch in meine Wohnung, in die Badewanne, es braucht nämlich Wasser, es ist ja ein Nilpferd, Sie verstehen …
Egon: natürlich …
NPB:   … ob Sie da freundlicherweise noch einmal mit anfassen könnten?
Egon: Ja, wenn Sie meinen …
Erzähler: Gesagt, getan. Die beiden tragen das Nilpferd in die Wohnung und legen es in die Badewanne. Endlich können sie sich verabschieden.
NPB: Auf Wiedersehen und ganz, ganz herzlichen Dank; Sie haben mir wirklich sehr geholfen – aber jetzt komme ich wohl alleine zurecht, Sie können jetzt endlich Ihren Abendspaziergang fortsetzen.
Egon: Ja, wenn Sie meinen … oder nein, ich hätte da doch noch eine Frage.
NPB: Ja?
Egon: Ich habe Ihnen geholfen, das Nilpferd ins Auto zu laden. ich habe Ihnen geholfen das Nilpferd wieder auszuladen. Ich habe Ihnen geholfen, das Nilpferd in die Wohnung zu bringen und es in die Badewanne zu heben. Ich will ja nicht neugierig sein. Aber ich möchte doch eines wissen: Wozu brauchen Sie dieses Nilpferd?
NPB: Ach so ja. Also wissen Sie, das ist so: Ich habe eine Freundin, mit der ist es komisch. Man kann ihr gar nichts recht machen. Wir sitzen abends am Meer und betrachten einen herrlichen Sonnenuntergang – sie sagt nur ganz cool: Na und? Ich habe Sie ins teuerste Nobelrestaurant zum Essen eingeladen – und sie sagt nur: Na und? Ich habe ihr einen Diamantring geschenkt, das kostbarste, was ich bekommen konnte – sie sagt wieder nur: Na und? Gestern habe ich uns Tickets für eine Weltreise besorgt –  und was meinen Sie, was sie gesagt hat?
Egon: Hmm … Na und?
NPB: Genau. ich schenke ihr eine Weltreise und sie sagt einfach: Na und. – Und heute abend, da kommt sie mich besuchen, in einer halben Stunde. Wir wollen zusammen essen. Dann wird sie vorher ins Bad gehen und sich die Hände waschen und ich sehe es schon vor mir, wie sie dann kreischend aus dem Badezimmer kommt und ruft:  „Liebster, du hast ja ein Nilpferd in der Badewanne!“ Und dann stelle ich mich mal ganz cool hin und sage: Na und?

P.S.: Mehr vom Nilpferd (in diesem Falle von dem, das auf meiner Seite zu sehen ist und das sich nicht in meiner Badewanne befindet) gibt es hier: https://kraftwort.wordpress.com/2009/11/05/warum-ziert-diese-seite-ein-nilpferd/

P.P.S. Und außerdem gibt es noch ein weiteres Anspiel in diesem Blog, das sich für Gottesdienste oder Konfirmanden- und Religionsunterricht eignet – guckst Du hier:

https://kraftwort.wordpress.com/2011/01/15/vom-konig-der-gott-sehen-wollte-ein-kleines-theaterstuck/