… wenn auch ein Jahr zu spät!

England begeht in einem Gottesdienst das Ende des zweiten Weltkriegs mit einem Gottesdienst (was haben wir da eigentlich gemacht?) – und womit beginnt der Gottesdienst? Mit dem vermutlich bekanntesten deutschen Choral „Lobe den Herren …“ – guckst (und hörst) Du hier:

Im Jahr 2012 wurde von der EKD zum 5. Mal eine Kirchenmitgliedschaftsstudie durchgeführt, Kommentierte Ergebnisse wurden 2014 veröffentlicht unter dem Titel „Engagement und Indifferenz“ (Guckst Du hier: http://www.ekd.de/download/ekd_v_kmu2014.pdf). Dort leider nicht enthalten: Die äußerst interessanten Antworten auf die Frage, was die evangelischen Kirchenmitglieder eigentlich von einem Gottesdienst erwarten. „Sehr wichtig“ oder „wichtig“ fanden die Befragten folgendes in einem Gottesdienst:

Nennungen unter „sehr wichtig“ oder „wichtig“ in Prozent

Der Gottesdienst soll

vor allem eine gute Predigt enthalten            81
Themen der Gegenwart verhandeln            77
mir ein Gefühl der Gemeinschaft mit anderen geben    72    (neu)
von einer zeitgemäßen Sprache geprägt sein        70    (neu)
Zum Nachdenken anregen                69
Jesus Christus im Mittelpunkt haben            63
In einer schönen Kirche stattfinden            61    (neu)
mit Abendmahl gefeiert werden            59
Mich etwas vom Heiligen erfahren lassen        58    (neu)
Mir helfen, mein Leben zu meistern            55    (neu)
Vor allem klassische Kirchenmusik beinhalten        52
Moderne Kirchenlieder, auch Gospel, enthalten        40

So ganz traue ich dem Ergebnis allerdings nicht. Die neu hinzugekommenen Antworten sind deshalb neu, weil sie in der vorigen Studie gar nicht als Antwortmöglichkeiten angeboten wurden. Dass niemand gesagt hat  „Gottesdienste sollen fröhlich sein“ (oder auch „erntshaft“) hängt damit zsuammen, dass solche Antworten eben gar nicht vorgegeben wurden. Vielleicht sind die Antworten auch – da ja auch die vielen Distanzierten befragt wurden, die kaum Gottesdienste besuchen – von dem bestimmt, was tatsächlich oder dem Image nach derzeit einen Gottesdienst ausmacht und nicht von tatsächlichen Wünschen (Warum soll ich mri einen „anderen“ Gottesdienst wünschen, wenn ich sowieso nicht hingehe / hingehen will?). Trotzdem: Die Anregung, die Predigtarbeit ernstzunehmen und die offensichtlich und Gott sei Dank wichtige Erwartung einer guten Predigt möglichst oft zu erfüllen, will ich mir gerne zu Herzen nehmen. Auch dass vielen Menschen die Abendmahlsfeier wichtig ist (Evangelischen!) finde ich erfreulich und bedenkenswert.

Was ich mir auch kaum vorstellen kann ist, dass Gospel tatsächlich so schlecht wegkommt, gerade auch im Vergleich mit der klassischen Kirchenmusik. Gegen die habe ich ja gar nichts! – aber dass die Menschen davon mehr erwarten als vom Neuen, entspricht ncht meiner Primärerfahrung und während klassische Kirchenchöre oft ein hohes Duchschnittsalter haben, manche auch ihren Betrieb ganz einstellen, boomen m.W die Gospelchöre nach wie vor.  Das sagt ja auch etwas darüber aus, welche Musik, die Menschen in der Kirche haben wollen.

… wird nach einer alten Sitte jeden Sonntag im Fürbittgebet besonders für diejenigen gebetet, die in diesem Jahr konfirmiert werden. Heute ist Septuagesimä und wir werden das heute im Gottesdienst tun. Da diese Tradition kaum noch jemand kennt und da die Jugendlichen von heute nichts nötiger haben als dass wir für sie beten, möchte ich das zur Nachahmung empfehlen – nicht nur für die Gottesdienste in der Gemeinde, sondern auch für das persönliche Gebet.

Einen gesegneten Sonntag!

Die Reihe „Liederbuch des Monats“ geht (wie das „Jahr der Kirchenmusik“)  zu Ende. Manche der bisherigen Empfehlungen besprachen Bücher, die schon vergriffen sind. Heute, als Ausblick, bespreche ich ein Buch, das noch gar nicht erschienen ist, dessen Inhalt mir aber zum großen Teil aus persönlichen Gründen bereits bekannt ist und auf dessen Erscheinen ich mich freue. (Diese Besprechung erhebt auf Grund der persönlichen Beziehungen also noch weniger als die bisherigen einen irgendwie gearteten Anspruch auf „Objektivität“!) Es ist auch kein Liederbuch im klassischen Sinn, sondern ein Buch über das Gospelsingen und über Gospelgottesdienste. Allerdings soll es auch einen Liederteil enthalten, der mit m.W. fast dreißig Stücken schon mit manchem Liederheft vergleichbar ist. Hier zunächst einmal die Angaben:

Wolfgang M. Richter – GOSPELIMPULS Gospelgottesdienste, Gospelandachten und Anregungen für die Gemeindearbeit Mit CD-ROM ISBN: 978-3-579-05866-5 € 16,99 Verlag: Gütersloher Verlagshaus

Es enthält fertige Entwürfe für Gospelgottesdienste durchs Kirchenjahr, Liedandachten zu einzelnen Gospelsongs, ein „homiletisches“ Kapitel über das Predigen im Gospelgottesdienst, einen Workshop zum Thema „Starten mit Gospel“ (der nach meiner Erfahrung gut funktioniert) und einen „Spaziergang durch die Liturgie“, der die „normale“ Gottesdienstordnung nicht nur verständlich macht, sondern auch „kompatibel“ ist mit dem, was Gospelchöre so singen – ein wichtiges Anliegen, da Pfarrer oft mit Gospel nicht so viel anfangen können, Gospelchorleiter aber wenig mit der liturgischen Tradition. Das beste wäre also, wenn der Pfarrer das Buch seiner Gospelchorleiterin zu Weihnachten schenkt, oder der gospelbegeitserte Kirchenvorsteher schenkt es seiner Pastorin …

Bei den abgedruckten musikalischen Stücken handelt es sich zum einen um liturgisch verwendbare gut singbare Lieder (Kumbayah, diverse „Hallelujas“ und Kyrie-Vertonungen), aber auch um Gospels, die zum Beispiel im (in meinem Blog schon an anderer Stelle besprochenen) „Gospelliederbuch“ noch gefehlt haben – dort gibt es ja z.B. leider kein Passionslied, hier sind gleich mehrere enthalten, z.B. das Spiritual „Calvary“. Reizvoll ist die gelegentliche Kombination von ganz alten Liedern mit einem entsprechenden Gospelmotiv – auf dieses Weise haben auch das gregorianische „In paradisum“, das früher oft bei Beerdigungen gesungen wurde und das ebenfalls gregorianische „Komm, heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen“ Eingang in den Liederteil gefunden …

Die Gottesdienste decken fast das ganze Kirchenjahr ab – leider nur fast. Schön wäre es gewesen, auch einen Ostergottesdienst zu finden. Vertreten sind Advent / Weihnachten, Passionszeit mit Gründonnerstag und Karfreitag, Pfingsten / Gemeindefest, Reformation und sogar der Ewigkeitssonntag und einiges mehr.

Trotz der kleinen kritischen Einschränkung ist es sicher ein Buch, dem es gut gelingt, eine Lücke zu füllen – ich wüsste jedenfalls nicht, dass es schon etwas vergleichbares gibt. Viele Teile des Buches – zum Beispiel der mit vielen praktischen Anregungen gefüllte „Spaziergang durch die Liturgie“ oder auch viele Texte und Predigtanregungen – lassen sich nicht nur in Gospelgottesdiensten, sondern auch in Jugendgottesdiensten, Thomasmessen und anderen „besonderen“ Gottesdienst- und Andachtsformen verwenden.

Weitere Infos gibt es auf der Seite des Gütersloher Verlagshauses: http://www.randomhouse.de/Paperback/GOSPELIMPULS/Wolfgang-M-Richter/e414914.rhd – und (2014 ergänzt) neuerdings auch in einem Blog zum Buch: http://gospelimpuls.wordpress.com

In vielen Gemeinden gibt es internationale Begegnungen. Plötzlich hilft das kleine gelbe Wörterbuch nicht mehr weiter, weil es die speifischen Kirchen-Begriffe gar nicht enthält. Deshalb hier eine aus der Erfahrung mit solchen Begegnungen erwachsene Zusammenstellung wichtiger Vokabeld in „Kirchen-Englisch“. In dieser ersten Folge geht es um Begriffe aus dem christlichen Gottesdienst

Gottesdienst    service
den Gottesdienst besuchen to go to church Gottesdienst feiern    to hold a service, to worship
Gottesdienst halten to conduct a service, to lead a service
Abkündigungen            notices (read in church)
Altar                altar
Beichte                confession
Choral                anthem, hymn
Fürbitte                intercession
Glaubensbekenntnis        creed
Gottesdienstordnung        order of  service
Heiliges Abendmahl        Holy Communion
das Hl. Abendmahl feiern – to hold (or: to celebrate) Holy Communion
das Abendmahl empfangen – to take Communion
Kanzel                pulpit
Kollekte            collection
Leib Christi            the Body of Christ
„Christi Leib für dich gegeben“ – the Body of Christ, broken for you
Lektionar            lectionary
liturgisch            liturgical
Liturgie                liturgy
Orgel                organ
Predigt                sermon  eine Predigt halten – to give a sermon, to deliver a sermon, to preach
Schriftlesung            reading
Segen                (allg.:) blessing (Schlusssegen im Gd:) benediction
Taufbecken            font
Taufe                baptism (bei Kleinkindern auch:) christening
taufen                to baptise
Täufling            person (or: child) to be baptised
Vaterunser            The Lord’s prayer

Folge 2 zum Thema „Gemeindeleben“ folgt in Kürze

„Gut gemeint und schlecht gemacht“ scheint mir derzeit die Hauptkrankheit in unserer Kirche zu sein. Mein Hinweis unter „Reformation oder Rückzug“ (https://kraftwort.wordpress.com/2010/09/23/reformation-oder-ruckzug/) von gestern kann man unter diese Kategorie fassen. Aber auch – aus einem ganz anderen Bereich – den Erfahrungsbericht, den man hier nachlesen kann:  

http://alzheimerblog.wordpress.com/2010/09/22/gottesdienstfrust-am-weltalzheimertag-2010/

Jammerschade, sowas!

Im Prinzip schätze ich die Arbeit der Evangelischen Akademien sehr. Tutzing, Bad Boll, Arnoldshain, Meißen, Wittenberg, Loccum – ihre Namen haben zu Recht über den Bereich der Kirche hinaus einen guten Klang. In manchen kirchlichen Erwachsenenbildungseinrichtungen war ich auch selbst schon als Referent oder Workshopleiter für Gospelmusik tätig – wirklich super, dass es die Evangelische Erwachsenenbildung und die Akademiearbeit gibt!

Aber ein Tagungsprogramm zum Thema „Kirche im ländlichen Raum“, das mir da gerade ins Netz gegangen ist, gab mir doch zu denken:

Zitat aus http://www.loccum.de/programm/p1065.html :

„Sonntag, 31. Oktober 2010
09:30 Uhr Berichte aus den Arbeitsgruppen vom Samstagnachmittag
11:00 Uhr Geordneter Rückzug – oder was sonst? (folgt Nennung der Referenten)

12:30 Uhr Ende der Tagung mit dem Mittagessen“

Der 31. Oktober ist Reformationstag. Und in diesem Jahr auch noch ein Sonntag. Vielerorts werden am Sonntagvormittag Gottesdienste gefeiert – an diesem Tag sicher Reformationsgottesdienste . Aber in einer angesehenen Evangelischen Akademie wird zur gleichen Zeit am Reformationstag kein Gottesdienst gefeiert, auch nicht wenigstens in Seminarform  über den Sinn und die Möglichkeiten von Reformation nachgedacht, sondern der „geordnete Rückzug“ der Kirche aus dem ländlichen Raum besprochen…  Was würde Martin Luther dazu sagen?