„Nicht wir vollbringen Rettung dem Land“

(Jesaja 26,18 in der Übersetzung von Rabbiner Ludwig Philippson)

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Hieronymus, einer der Kirchenväter der lateinischen Kirche, wurde im Jahre 331 geboren. Er lebte die  letzten 35 Jahre seines Lebens in Bethlehem in der Nähe der Geburtsgrotte und starb in Bethlehem im Jahre 421.

So oft ich diesen Ort anschaue, hat mein Herz ein süßes Gespräch mit dem Kindlein Jesus.
Ich sage: „Ach, mein HERR JESUS, wie zitterst du, wie hart liegst du um meiner Seligkeit willen! Wie soll ich dies vergelten!“
Da dünkt mich, wie mir das Kindlein antworte: „Nichts begehr ich, lieber Hieronymus, als singe: EHRE sei GOTT in der Höhe! Laß dir’s nur lieb sein: Ich will noch dürftiger werden im Ölgarten und am heiligen Kreuz.“
Ich spreche weiter: „Liebes Jesulein, ich will dir was geben, ich will dir all mein Geld geben.“
Das Kindlein antwortet: „Ist doch zuvor Himmel und Erde mein. Ich bedarf’s nicht, gib’s armen Leuten. Das will ich annehmen, als wäre mir’s selber widerfahren.“
Ich rede weiter: „Liebes Jesulein, ich will’s gerne tun, aber ich muss dir auch für deine Person etwas geben oder muß vor Leid sterben.“
Das Kindlein antwortet: „Lieber Hieronymus, weil du ja so kostfrei bist, so will ich dir sagen, was du mir sollst geben. Gib her deine Sünde, dein böses Gewissen und deine Verdammnis.“
Ich spreche: „Was willst du damit machen?“ Das Jesuskind sagt: „Ich will’s auf meine Schultern nehmen, das soll meine Herrschaft und herrliche Tat sein, wie Jesaja vorzeiten geredet hat, daß ich deine Sünde will tragen und wegtragen.“
Da fange ich an bitterlich zu weinen und sage: „Kindlein, liebes Kindlein, wie hast du mir das Herz gerührt! Ich dachte, du wolltest was Gutes haben, so willst du alles, was bei mir böse ist haben. Nimm hin, was mein ist! Gib mir, was dein ist! So bin ich der Sünde los und des ewigen Lebens gewiss!“

P.S.: Hier gibt es eine Version dieses Textes, die sprachlich behutsam modernisiert ist: https://kraftwort.wordpress.com/2013/12/21/das-suse-gesprach-des-hieronymus-mit-dem-kind-in-der-krippe-sprachlich-leicht-geglattete-fassung/

Jesaja 19,19-23:

Zu der Zeit wird für den HERRN ein Altar mitten in Ägyptenland sein und ein Steinmal für den HERRN an seiner Grenze; das wird ein Zeichen und Zeugnis sein für den HERRN Zebaoth in Ägyptenland. Wenn sie zum HERRN schreien vor den Bedrängern, so wird er ihnen einen Retter senden; der wird ihre Sache führen und sie erretten. Denn der HERR wird den Ägyptern bekannt werden, und die Ägypter werden den HERRN erkennen zu der Zeit und werden ihm dienen mit Schlachtopfern und Speisopfern und werden dem HERRN Gelübde tun und sie halten. Und der HERR wird die Ägypter schlagen und heilen; und sie werden sich bekehren zum HERRN, und er wird sich erbitten lassen und sie heilen. Zu der Zeit wird eine Straße sein von Ägypten nach Assyrien, dass die Assyrer nach Ägypten und die Ägypter nach Assyrien kommen und die Ägypter samt den Assyrern Gott dienen. Zu der Zeit wird Israel der Dritte sein mit den Ägyptern und Assyrern, ein Segen mitten auf Erden; denn der HERR Zebaoth wird sie segnen und sprechen: Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du, Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbe!

Was mir diese Worte in diesen Tagen bedeuten:

Ägypten war für die Israeliten in biblischer Zeit das Land ihrer Unterdrückung, aus dem sie durch Mose befreit und herausgeführt wurden. Dennoch wird von Ägypten in der hebräischen Bibel aufs Ganze gesehen erstaunlich positiv gesprochen – bis hin zu dieser Verheißung, dass eines Tages Ägypten, Israel und Assyrien (Irak) gemeinsam ein Segen für die Erde sein werden …

Ich glaube, Gott liebt Ägypten. Das sollten wir auch tun,  für einen friedlichen Ausgang der dortigen Revolution beten und auch unsere Politiker dazu drängen, sich konsequent auf die Seite der protestierenden Bevölkerung zu stellen. Das taktisch scheinbar so kluge Unterstützen von Diktatoren hat sich letztlich noch nie ausgezahlt. Beim Schah ist es sogar im Endergebnis ganz fürchterlich schief gegangen, auch Saddam Hussein war lange ein Freund des Westens, und, solange es die Sowjetunion noch gab, unterstützte man aus dem Westen auch gerne die Taliban … Die „westlichen Werte“ kann man nur dadurch verteidigen, dass man sich dran hält.

Zurück zum Bibeltext: Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, dass sich diese Verheißung aus Jesaja 19 nun gerade heute erfüllt oder in naher Zukunft erfüllen muss – die Worte der biblischen Propheten verstehe ich ohnehin nicht einfach als „vorweggenommene Geschichtsschreibung“, wie es vielleicht in biblizistischen Kreisen üblich ist.

Aber dass Propheten Mut machen, auch das scheinbar Unmögliche für möglich zu halten – das, finde ich, gilt auch heute.

Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.