Es gehört in diesem Jahr in der EKD leider zum guten Ton, ständig hervorzuheben, wie wenig tolerant die Christen lange Zeit gewesen seien. Nikolaus Schneider und Thies Gundlach sind die prominentesten Vertreter dieser Argumentationslinie. Dass das ein unsinniger Ansatz ist – ohne damit die Fehlentwicklungen und Defizite in der Kirchengeschichte beschönigen zu wollen – habe ich prinzipiell schon mal hier dargelegt:  https://kraftwort.wordpress.com/2012/10/30/nachdenklicher-brief-an-einen-vordenker/

Zum Nachdenken sollte deshalb in diesem Zusammenhang anregen, dass die Gegner des Christentums am Christentum genau das kritisieren, was es nach Schneiders und Gundlanchs Meinung zu wenig hat – nämlich seine Toleranz (auf deutsch: Duldsamkeit). Einer der prominentesten Christenhasser hat das so ausgedrückt:

„Wir Deutschen haben überhaupt das Unglück, die falsche Religion zu besitzen. Warum haben wir nicht die der Japaner, die das Opfer für das Vaterland als das höchste ansieht? Auch die mohammedanische Religion wäre für uns viel geeigneter als ausgerechnet das Christentum mit seiner schlappen Duldsamkeit …“ (Adolf Hitler, übermittelt von Albert Speer in „Erinnerungen“ Berlin 2005 S. 110)

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Ich bin u.a. auch an der Ausbildung von Vikarinnen und Vikaren beteiligt.

Drei Sätze aus „Erstgesprächen“ über die Erwartungen an das Gemeindevikariat:

1. Erster Satz eines Vikars vor ca. 15 Jahren: „Ich weiß, das ist etwas altmodisch – aber ich bin Barthianer und möchte herausfinden, wie Karl Barths Theologie in der Gemeinde funktioniert“

2. Erster Satz einer Vikarin vor ca. 10 Jahren: „Ich bin knapp dreißig Jahre alte und merke, dass in meinem Alter außer mir niemand am Gottesdienst teilnimmt. Ich möchte herausfinden, woran das liegt und Menschen meiner Generation einen Zugang zur Kirche öffnen“

3. Erster Satz eines Vikars vor kurzem: „Bevor wir über andere Dinge reden: Kann ich vom 1. bis 24. August Urlaub haben?“