Wo die FAZ recht hat, hat sie recht. Hier zum Beispiel: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/evangelischer-kirchentag-genderwahn-verunstaltet-liederbuch-15036612.html

Ich war leider nicht auf dem Kirchentag. Wurden die Liedfassungen in „gerechter Sprache“ (bzw. „sehrschlechter Sprache“) wirklich gesungen?

Immer wieder werden kommunale Zuschüsse für Kirchentage in Frage gestellt („Das 11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen“ – mit erhobenem Zeigefinger stellen sich die Atheismus-Fundis der Giordano-Bruno-Stiftung regelmäßig vor die zentralen Veranstaltungsorte …) – dass das populistische Argument, „man könne sich so etwas nicht leisten“ Humbug ist, zeigt dieser interessante Artikel:

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/katholikentag-bringt-leipzig-millionengewinn

„Gott neu entdecken – aufrecht vor den Menschen“: Das ist doch mal ein gutes Thema für einen Kirchentag. Unter diesem Motto gibt es am 10. Dezember 2016 einen „kleinen Kirchentag“ in Worms – als Teil des „Europäischen Stationenweges“ zum Reformationsjubiläum, auf dem verschiedene Städte angesteuert werden, die für einen Teil des reformatorischen Erbes verantwortlich sind. Worms gehört natürlich dazu, hat Martin Luther doch hier sein berühmtes „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ gesagt! Näheres zum Kleinen Kirchentag in Worms gibt es hier

Gauck, Schäuble und Kofi Annan standen oft genug in der Presse – aber der Kirchentag war viel mehr als die Anwesenheit von Politikern und Promis – und für die meisten auch anderes; denn selbst wenn fast 10 % der Kirchentagsbesucher Margot Käßmanns Bibelarbeit besuchten, waren imemr noch 90 % eben dort nicht.

Hier also ein paar völlig subjektive EIndrücke:

– Noch nirgends habe ich soviele Menschen mit „Free hugs“-Schildern gesehen

– Eine schöne Idee: Nach dem Abend der Begegnung steckten viele ihre brennenden Kerzen in den Sand der Blumenkübel in der Fußgängerzone

– Die „historischen Adventisten“ versuchen Menschen zu überzeugen, dass die böse Kirche sich untersteht „Zeiten und Gesetz zu ändern“, indem sie den Katechismus-Wortlaut der Gebote dem biblischen Wortlaut tabellarisch gegenüberstellen und böswillige Entstellungen „entlarven“; die Atheisten-Fundis formulieren mit erhobenem Zeigefinger ein 11. Gebot (womit sie ja eigentlich die Geltung der ersten zehn Gebote ebenfalls anerkennen …). Beide haben nur mäßigen Zulauf an Diskutanten, sind aber sicher (hoffentlich?) dankbar, dass es den Kirchentag gibt und damit eine Plattform für ihre eigenwilligen Ideen. Auch sonst stehen noch ein paar Leute auf der Straße, die Pamphlete verteilen, in denen die ach so böse Kirchen angeprangert  und die wahren Lehren (meist in Gebotsform) erklärt werden. Auf dem eigentlichen Kirchentag stehen aber zum Glück nichtg Gebote, sondern das Evangelium im Vordergrund

– Salomos hörendes, weises Herz wird sehr gut im Erölffnungsgottesdienst des Gospelzentrums ausgelegt. Etwas weniger deutlich dann leider in der Predigt des großen Abschlusgottesdienstes – da wird das hörende Herz nur so interpretiert, dass Salomo „auf sein Volk“ gehört habe – dabei geht es doch in erster Linie darum, dass Salomo auf Gott gehört hat …IMG_1422

… jedenfalls nicht in der Suchfunktion! Aber von vorn:

Endlich: Dieses Jahr fahre ich mal wieder zum Kirchentag. Dieses Mal findet er Stuttgart statt. Im Internet kann man das ganze Programm durchsuchen – heißt es. Ich wusste, dass Nadia Bolz-Weber eine Bibelarbeit halten wird – sie ist Leiterin eines erstaunlichen Projektes, eines „Zentrums für alle Sünder und Heiligen“ in Denver und ich wollte diese Bibelarbeit in der Datenbank finden. Also habe ich „Bibelarbeit“ eingegeben – da meinte die Suchfunktion, so etwas gäbe es nicht. Unter den Namen „Bolz-Weber“ oder auch „Nadia“ ergab die Suche auch nichts. Also half doch nur Blättern im Buch: Die Bibelarbeit findet am Samstag, um 9.30 Uhr in den Gloria-Lichtspielen Kino 1 statt … (Beim Blättern ganz hinten angekommen habe übrigens gemerkT: Die Duchfunktion im Buch ist besser – da gibt es ein Register, in dem Nadia Bolz Weber aufgeführt ist mit Seitenzahl ihrer Veranstaltung!)

Gegen eine andere Kritik muss ich den Kirchentag in Schutz nehmen: Die Atheisten-Fundis ziehen ja gerade mächtig gegen die öffentlichen Zuschüsse für ein solches Event zu Felde. 7 Millionen (wenn ich es richtig weiß) sind ja auch nicht wenig. Aber, was sie verschweigen: Für das deutsche Turnfest, eine Veranstaltung ähnlicher Größenordnung fließt mehr als das Dreifache (25 Millionen) Ich gönne das den Turnern – und bin überzeugt, dass das Geld für den Kirchentag eine superlohnende Investition in unsere Demokratie und – nebenbei – auch in die Wirtschaftsförderung der jeweiligen Region ist.

Lange war das kirchliche Singen gespalten:
Auf der einen Seite gab es Gemeindehäuser, da stapelten sich die Liederbücher aus dem Hänssler-Verlag im Schrank („Jesu Name nie verklinget“ Bände 1 bis 6 – oder gab es noch mehr? und heute „Feiert Jesus“ 1-4 und „Feiert Jesus To Go“)
Andere brauchten weniger Platz – denn die Kirchentagsliederhefte sind gewöhnlich sehr viel dünner. Entweder „erwecklich-missionarisches“ Singen mit Fietz, Heizmann und Strauch und  (für Kinderlieder) Daniel Kallauch. Oder Baltruweit und Edelkötter mit Liedern, in denen zwar die Worte Gott und Jesus selten vorkommen, dafür aber gerne „Hoffnung“ und „Vertrauen“
Überschneidungen gab es in den verschiedenen Liederbüchern, wenn es hoch kam, gerade mal bei „Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ oder „Ins Wasser fällt ein Stein“.  Ansonsten musste man sich jahrzehntelang bei der Liederbuchauswahl entscheiden, ob man „Kleines Senfkorn Hoffnung“ oder „Meine Zeit steht in deinen Händen“ singen wollte. Inzwischen haben sich, Gott sei Dank, die Fronten etwas aufgeweicht.
Ein Liederbuch, das aus beiden Traditionssträngen das Beste enthält, und dazu auch noch ein paar Gesagbuchlieder, einige Gospels (Wo findet man schon Andrae Crouchs „I’m gonna keep on singing“?!!) und Spirituals sowie Taizegesänge, möchte ich als Liederbuch des Monats dieses Mal empfehlen: „Das Liederbuch – Lieder zwischen Himmel und Erde“ aus dem tvd-Verlag. 2009 bereits in der 4. Auflkage erschienen, insgesamt 460 Lieder, außerdem 38 Andachtsvorschläge, die man z.B. als Morgen- und Abendandachten auf Konfirmandenfreizeiten unverändert übernehmen kann (die deshalb auch gut von Teamern durchgeführt werden können).
Hier lohnt sich die Anschaffung auch in größerer Stückzahl – für Konfer und Jugendgruppe, evtl. sogar so, dass sie im Gottesdienst verwendet werden können. Die Kosten sind nicht unerheblich (17 € pro Stück) – aber es erspart einem auf Jahre hinaus eine Menge Liederzettel und lässt immer wieder neues entdecken – zum Beispiel die wunderbare „Moritat vom Nutzen der Seefahrt“ (zur Jona-Geschichte) oder das „Dino-Lied“, die man in kaum einem anderen Liederbuch bekommt und die sich beide als attraktiv für das Singen in Konfergruppen erwiesen haben.
Zu den positiven „Kleinigkeiten“ gehören auch die verschiedenen Inhaltsverzeichnisse – ein Verzeichnis der Texte, ein Verzeichnis der Lieder nach Kapiteln und, natürlich, alphabetisch nach Liedanfängen / Titeln, ein Inhaltsverzeichnis nach Stichworten und schließlich eines nach Bibelstellen. Und – auch nicht unwichtig, es ist vergleichsweise stabil. Wir benutzen es seit Jahren und natürlich werfen es Jugendliche auch mal durch den Raum – aber bis jetzt ist noch keines wirklich kaputtgegangen oder aus dem Leim geraten (Eselsohren gibt es natürlich zuhauf und wie bei allen guten Büchern auch schon einen gewissen Schwund …)