Welches Internet wollen wir? Eines, das Austausch ermöglicht, Kommunikation und das so auch die Schranke überwindet, die die Mattscheibe bisher zwischen „denen da oben“ und den „Menschen draußen im Lande“ (wie eine verräterische Politikerfloskel lautet) gezogen hat?

Oder wollen wir immer mehr „Verlautbarungsjournalismus“ einzelner Unternehmen und Institutionen?

Die EKD, bzw. ihr Internet-Portal „evangelisch.de“ hat sich leider anscheinend inzwischen für Variante 2 entscheiden – und produziert selbigen Verlautbarungsjournalismus auch noch völlig unübersichtlich und in mangelhafter Qualität. Die Community, schon bisher ungeliebtes und ziemlich verstecktes Kind der Seite, wurde abgeschafft. Die Spalten „Meistgelesen“ und „Meistkommentert“, die auch eine Einladung zum Mitdiskutieren darstellten, gibt’s nicht mehr. Gerade mal Fragen darf man noch stellen (und selbst da findet man nicht so leicht hin).

Welch ein Abstieg! Ich kenne  noch das allererste EKD-Forum, in dem ohne jede thematische Unterteilung wirklich über Gott und die Welt diskutiert wurde (auch mit Nichtchristen, Kirchenkritikern, Agnostikern udn Suchenden, die sich allesamt heute kaum noch auf die Seite verirren dürften – zum Glück, muss man sagen …). Damals war man zwar fälschlicherweise so naiv zu glauben, dass so ein Forum auch völlig unmoderiert funktionieren könnte, so dass leider bisweilen dort auch „Müll abgeladen“ wurde. Und dennoch: Damals gab es noch theologisch qalifizierte Debatten und persönliche Diskussionen, an deren Ende ein Teilnehmer dem anderen bestätigte, dass seine quasi-seelsorgerlichen und informativen Antworten einen längst geplanten Kirchenaustritt doch noch verhindert haben…

Aber wer soll dieses Portal eigentlich noch nutzen?

Die Community, wie sie zuletzt noch existierte, hatte schon von der Redaktion ein idiotisches Motto verpasst bekommen: „Du sollst dich mitteilen!“ stand über der Seite, auf der man Blogeinträge verfassen konnte. Das hat mich schon jedes Mal geärgert. Aber dass das jetzige (ungeschriebene) Motto lautet: „Du hast hier überhaupt nichts mehr mitzuteilen“ finde ich noch weitaus ärgerlicher.

Ja, es gibt genug andere Möglichkeiten – zum Beispiel das Bloggen hier auf wordpress zum Beispiel. Aber auf evangelisch.de hatte man doch immer einige Leser, die genug gemeinsame Interessen mit einem hatten, dass man den einen oder anderen guten Kommentar erwarten oder loswerden konnte. Gleichzeitig waren die Mitblogger aber auch so verschieden, dass man noch einige unerwartetet Anregungen mitnehmen konnte. Dieses Pflänzchen hätte man besser aus seinem Mauerblümchendasein herausgeholt und auf den Balkon gestellt, statt es, wie jetzt geschehen, auf den Kompost zu werfen …

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„Kennen Sie Schnipp-Schnapp?“ „Dann hab ich was eigenes“ – „Sie lassen sofort die Ente zu Wasser!“ – „Das Ei ist hart“ – „In Bozen sind die Waschräume separat“ „Dafür hatten wir im Mai ein paar schöne Tage“ „Abgezapft und Original-verkorkt von Pahlhuber und Söhne“ … oder schlicht „Ein Klavier, ein Klavier!“ – das sind nur ein paar Zitate, bei denen in meiner Familie und in meiner Umgebung bei jedem ganze Bilder und Geschichten sofort präsent sind und die sich bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten anbringen lassen – und verstanden werden. Erstaunlich, dass der, der darauf spezialisiert war, Kommunikationsstörungen humorvoll bewusst zu machen, gerade dazu beiträgt, dass Kommunikation zwischen Menschen verschiedenster Generationen, Szenen und Milieus gelingt – im Zitieren von Loriot haben oft ganz unterschiedliche Menschen plötzlich – nein, nicht mehr „etwas eigenes“, sondern gerade etwas Gemeinsames.

Inzwischen gab es schon eine Menge Nachrufe auf Vicco von Bülow. Was mir in den Fernseh- und Zeitungsnachrufen allerdings fehlte: Loriot war auch abseits der Komik künstlerisch tätig – als Dirigent, Opernregisseur und als Schauspieler. Und er hat sich im Alter engagiert für den kirchlichen Denkmalschutz – und zwar für den Wiederaufbau des Doms seiner Heimatstadt Brandenburg. Ich erinnere mich noch gut an eine diesbezügliche Spendenbitte von ihm, die irgendwann nach der Wende in unser Pfarrhaus flatterte …

Schließlich finde ich folgendes Zitat von ihm erwähnenswert: In einem Interview wurde er gefragt, ob er im Zweiten Weltkrieg ein guter Offizier gewesen sei.  Seine Antwort lautete: „Nicht gut genug, sonst hätte ich am  20. Juli 1944 zum Widerstand gehört. Aber für den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich schämen bis an mein Lebensende.“

Zum Schluss zwei Lesetipps für die, die sich weiter mit den Seiten von Loriot befassen wollen, die in den üblichen Nachrufen fehlen:

1. Lohnend ist der Wikipedia-Artikel „Loriot“, aus dem ich auch das Interview-Zitat übernommen habe

2. Ein Interview, das die „Zeit“ mit Loriot geführt hat, findet man hier:

http://www.a-e-m-gmbh.com/andremuller/interview%20mit%20loriot.html

P.S.: Zwei dringende Fragen habe ich noch:

1. Warum fehlt eigentlich auf der nahezu kompletten DVD-Sammlung der Sketch mit der Konversationsschulung, aus dem die berühmten Bozener Waschräume stammen?

2. Gibt es eigentlich ein Rezept für den „Kosakenzipfel“?

Fragen, die zeigen: Deutschlands Geschichte mit Loriot ist noch nicht zu Ende …

P.P.S.  Einen Loriot-Test für Fans gibt es hier: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/unterhaltung/film/loriot/index,page=4502924.html

Gnade und Friede zuvor!
– Ein merkwürdiger Anfang? Aber wie beginnt man einen Blog? (oder heißt es „ein Blog“ als Neutrum?)
Ein Appell auf dem Kasernenhof beginnt mit dem Befehl „Stillgestanden“. Der „Tatort“ beginnt seit Jahrzehnten mit der gleichen Titelmusik, einem laufenden Menschen, Augen, die sich in das Wort „Tatort“ verwandeln, unsere Lateinstunde in der 5. Klasse begann mit dem Aufstehen der Schüler und einem lauten „Salve Magister“ (Sei gegrüßt Lehrer), wenn der Direx reinkam, was dieser mit „Salvete, puellae et pueri“ (Seid gegrüßt Mädchen und Knaben, immerhin schon inklusive Sprache!) beantwortete. Johann Sebastian Bach schrieb über jedes seiner Werke „Soli Deo Gloria“ und die Briefe des Neuen Testaments beginnen in der Regel mit einer Grußformel wie der Meinen – „Gnade sei mit euch und Friede …“
Die ersten Worte eines Briefes, einer Zusammenkunft erwecken einen nahezu unveränderbaren Eindruck, stellen eine Atmosphäre her, in der alle folgende Kommunikation stattfindet.
Worte haben Wirkungen. Sie sind nicht nur Träger einer Information über einen Sachverhalt. Um dieses Thema werden (vermutlich) viele Beiträge in diesem Blog kreisen. Als Pastor (das bin ich wirklich – oder bin ich Pastorin? auf das Thema inklusive Sprache kommen wir sicher nochmal zurück) bin ich ein Mensch des Wortes. Aber es geht hier nicht nur um Theologie. Sondern auch um Kommunikation, um Sprachkultur (Erbarmt euch des Genitivs!), verräterrische Sprachregelungen, Wörter und Unwörter, Meinungsfreiheit und dergleichen.
Worte haben Wirkungen, vielleicht sogar die dieses Blogs, falls ihn (ich bleibe beim Maskulinum „Der Blog“) irgendjemand in den Weiten des virtuellen Raumes tatsächlich entdeckt … Deshalb der Name „Kraftwort“.
Grüßen ist ein erstes Beispiel für die These vom Wirken der Worte. Denn da geht es ganz besonders wenig um Information und besonders viel um Beziehung und ein Hineinwirken in die Beziehung. Wem ich hier ggf. begegne weiß ich noch gar nicht. Aber wer auch immer es ist, ich wünsche ihm, ihr ganz ernsthaft:
„Gnade und Friede zuvor!“
Barnabas, der Blogpastor