Schon mehrfach habe ich hier und andernorts den Begriff „Fundamentalistische Atheisten“ gebraucht und auf Parallelen zwischen der Intoleranz von religiösen Fundis und der von atheistischen Fundis hingewiesen. In den letzten Ttagen bin ich selbst (und mit mir „Hal“, ein atheistischer Gesprächspartner, der gerne mit mir diskutiert hätte) ein Opfer der Zensur auf dem Atheist Media Blog geworden. Ich dokumentiere das hier mal in den wesentlichen Auszügen:

Auszug aus: https://blasphemieblog2.wordpress.com/2015/08/31/tv-tipp-die-akte-galilei-wissenschaft-und-glaube/
– Hervorhebungen und kursiv geschrieben Anmerkung von mir –

„Hal“ am 6.9.2015:
(im Rahmen einer Diskussion über eine Fernsehsendung zu Glaube und Wissenschaft):


Ich bin verdammt neugierig und würde einen ernsthaft Gläubigen gerne ein paar Fragen stellen, ich möchte meinen völlig verschlossenen Horizont erweitern, denn es gibt einige Dinge die ich nicht verstehe. Spiritualität ist eines dieser Dinge oder Begriffe die ich nicht verstehe, obwohl ich tiefe emotionelle Erlebnisse gehabt habe, könnte Beethovens 9. mit Chor und Live ein solches sein? Ein Punkkonzert? Naturerlebnisse? Oder sind spirituelle Erlebnisse per Definition überunnatürlich?

kraftwort am 9.9.:
@hal (22 / 24) Sorry, dass ich erst jetzt antworte. Ich habe Deine Frage zum Anlass genommen, mal zu versuchen, meinen Glauben so verständlich zu machen, dass ich ihn in Verbindung mit eigenen Erfahrungen erkläre. Einen ersten Teil dieses Versuchs habe ich auf meinem Blog auf einer Extra-Seite veröffentlicht https:// – Ich würde mich freuen, wenn wir die Diskussion dorthin verlegen könnten (hier hätte ich bei meinen zweifellos angreifbaren, weil persönlichen Äußerungen vermutlich mit zuvielen “Verquirlte Scheiße”-Kommentaren und ähnlichem zu rechnen). Mich würde interessieren, was Du von meinem Versuch hältst (Teil 2 und 3 sind in Vorbereitung, aber auch schon Teil 1 gibt m.E. genug Diskusisonsstoff)
Freundliche Grüße
Barnabas
(den Namen habe ich übrigens gewählt, weil Barnabas in der biblischen Apostelgeshcichte wohl noch vor Paulus der erste Christ war, der die Gedanken derer, die man “Anhänger des neuen Weges” und später Christen nannte, auch für Nichtjuden verständlich machen konnte und so der erste “Heidenmissionar” war. Paulus war anfangs nur sein Mitarbeiter, hat sich dann mit ihm überworden und die größere Wirkung entfaltet. Aber ohne Barnabas wäre auch Paulus nicht das geworden, was er geworden ist. Zweiter Grund für den Namen: Es gibt ein tolles Karikaturenbuch “Die Bibel des Bruder Barnabas”, das Bibel, Glaube und Kirche in humorvollen Karikaturen verarbeitet – eiens meiner Lieblingsbücher. Auch das übrigens für mich ein glaubensargument: Ich kenne keine atheistischen Karikaturisten, die ihre Weltanschauung und sich selber auch mal auf die Schippe nehmen oder humorvoll betrachten …)
Wichtige Anmerkung: . wie zu erkennen ist,  hat „Charlie“ (der Betreiber des AMB)  den Link zu meinem Blog gelöscht –

„Charlie“ am 9.9.
@Kraftwort    „Ich würde mich freuen, wenn wir die Diskusison dorthin verlegen könnten“

So nicht!!! Entweder du diskutierst hier mit uns oder lässt es bleiben. Auf die eigene Seite verlinken, Off-Topic diskutieren und Leser abwerben ist hier nicht gern gesehen!!

„Ich kenne keine atheistischen Karikaturisten, die ihre Weltanschauung und sich selber auch mal auf die Schippe nehmen oder humorvoll betrachten …)“

Atheismus bietet keine Vorlage für eine Karikatur!! Wir haben weder ein heiliges Buch, Glaubensvorschriften oder was uns sonst von Religion unterscheidet! Atheismus ist auch keine Weltanschauung. Eine atheistische Weltanschauung ist der Naturalismus!

Hal am 9.9.
@charlie
“ … Off-Topic diskutieren und Leser abwerben ist hier nicht gern gesehen!!“

Ist ersteres bei einen “in der Zeit versunkenen Thread” nicht gang und gebe? Eigentlich kann ich nicht “abgeworben” werden und würde es ganz klar vorziehen hier weiter zu diskutieren, welches auch nicht völlig off-topic wäre, its going off a tangent. 😉

@kraftwort/Barnabas

Kannst Du nicht einfach den ersten Teil auch hier veröffentlichen? (Charlie hat die Verlinkung entfernt;)

Irgendwie kommt es mir spanisch vor, wenn Du es ungemütlich findest von einen Rudel blutrünstigen Atheisten verbal überfallen zu werden und dennoch wiederholt im AMB kommentierst, wenn auch nur zaghaft, das passt doch nicht zusammen!
Gibt Dein Glaube Dir nicht eine gewisse Leidensfähigkeit, bzw. fordert Dein persönliches Martyrium, auch wenn es, wie hier, nur virtuell ist? Leidensfähigkeit ist für extrovertierte Atheisten eine Voraussetzung, denn es kommen immer wieder die selben Sprüche oder Apologien (Entschuldigungen(für den persönlichen Glauben)) die schon gefühlte tausendmal von anderen zu Felde geführt wurden.
Deswegen würden Deine Antworten vielleicht meine unersättliche Neugier befriedigen.
ps: Wenn Du Evangelikal oder sonst wie missionärrisch unterwegs bist, können wir uns die Mühe ersparen.
Kraftwort am 10. 9.:
@Charlie:
Schade, dass Du solche Zensur nötig hast. Die gibt es auf meinem Blog übrigens nicht. Wenn dort jemand im Rahmen einer Diskussion auf seine eigene Seite hinweist, lasse ich das natürlich stehen, auch wenn er eine andere Meinung vertritt als ich.. Warum denn auch nicht?

– Anmerkung: Diese Antwort wurde von Charlie zensiert. Im Original stand: „auf meinem „Kraftwort-Blog“ gibt es das nicht … –

„Charlie“ am 11. 9.:
@kraftwort
Hier verlinken andere auch auf ihre Blogs, das ist nicht das Problem. Trotzdem erlaube ich keine Verlinkung auf christliche Seiten. Punkt! Akzeptpieres wie alle anderen Christen die mit dieser Masche gekommen sind! Christen spielen ungern auswärts, gelle. 😉

Ich weiß nicht welches Ziel du hier verfolgst, aber man kann hier nur spielen, wenn man die Spielregeln einhält.

Die Antwort von „Kraftwort“, die daraufhin gepostet wurde, wurde überhaupt nicht mehr freigeschaltet …

Ergebnis: Hal kann meine Antwort nicht bekommen – Charlie zensiert meine Beiträge oder veröffentlicht sie gar nicht, also kann ich Hal nicht verlässlich auf dem AMB antworten, der Hinweis auf den Ort meines Textes zum Thema Glauben wird entfernt, selbst der Blog-Name, damit man ihn auch mit Googeln auf keinen Fall findet; Charlie verteidigt sogar sein eigens Kontaktsperregesetz noch. Trotzdem wimmelt sein Blog von Posts, die den Eindruck erwecken sollen, Religionen seien per se und immer intolerant und der Atheismus sei der Hort der Toleranz …

Auch interessant: Nebenbei ist ehrausgekommen, dass Charlie jedenfalls tatsächlich humorlos ist und das auch noch gut findet (was IMHO wiederum dem Wesen einer fundamentalistischen Anschauung entspricht)

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„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ – dieses Wort Jesu an Paulus ist die Jahreslosung für 2012. In der von mir zu solchen Gelegenheiten gern frequentierten „Kirchenmusikliste“ gibt’s dieses Mal erst einen Kanon zur neuen Jahreslosung – den Link gebe ich hier aber gerne schon mal weiter. Sollten dort weitere Versionen folgen (wie in den vergangenen Jahren) weise ich darauf später noch einmal hin.

http://www.kirchenmusikliste.de/dl/comment.php?dlid=1714&ENGINEsessID=6b3593797f584ccba6f9ece19da3dbdb

Der Kanon hat ein leichtes „gospel-Feeling“, ist aber, glaube ich, auch mit der Gemeinde „machbar“. Er betont mehr die Kraft als die Schwachheit- „Gospel“ heißt ja „gutes Kraftwort“, wie ich an anderer Stelle einmal ausgeführt habe (guckst Du hier: https://kraftwort.wordpress.com/2009/08/03/was-bedeutet-gospel/).

Praktisch finde ich den Vorschlag für eine Begleitung mit Tasteninstrument (wobei das, um den Rhythmus zu betonen, mit Klavier besser klingt als mit Orgel). Textlich entspricht er nicht genau der Jahreslosuing, weil er den Vers komplett wiedergibt: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“

Karl Barth und Coca Cola werden 125 – an anderer Stelle habe ich schon darauf hingewiesen (https://kraftwort.wordpress.com/2010/12/29/karl-barth-und-coca-cola-werden-125/) und es ist schwer zu erraten, welches der beiden Jubiläen ich für wichtiger halte… . Im Theologiestudium habe ich als Lutheraner Karl Barth leider weitgehend ignoriert. In diesem Jahr möchte ich diesen Teil meines Theologiestudiums nachholen – und um mich ein wenig dazu zu „zwingen“, gibt es in diesem Jahr für jeden Monat ein Zitat von ihm. Hier ist das Zitat für den Januar:

Der Ruf in die Nachfolge bindet den Menschen an den, der da ruft. Nicht eine Christusidee, nicht eine Christologie, nicht ein christozentrisches Gedankensystem, geschweige denn die angeblich christliche Vorstellung eines Vatergottes ruft in die Nachfolge. Wie könnten sie das auch? Sie haben ja kein Wort und keine Stimme! Sie können auch keinen binden. So ist die Nachfolge auch nicht die Übernahme eines Programms, eines Ideals, eines Gesetzes, nicht der Versuch, ein solches zu verwirklichen. Das Gebot der Nachfolge fällt praktisch mit dem Gebot des Glaubens zusammen.

(Kirchliche Dogmatik Bd IV/2 S. 606f. Der Ruf in die Nachfolge Christi)

Gott sagt: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein! 1. Mose 12,2

Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht! Josua 1,5

Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben! Psalm 5,9

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Psalm 23,1

Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Psalm 27,1

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen Psalm 37,5

Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all sein Tun. Psalm 73,28

Gott der Herr ist Sonne und Schild, der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Psalm 84,12

Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit: erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte. Psalm 86,11

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Psalm 103,2

Der Herr denkt an uns und segnet uns. Psalm 115,12

Ich bin dein, Herr; hilf mir! Psalm 119,94

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege Psalm 119,105

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Psalm 139,5

Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind. Psalm 146,8

Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. Psalm 143,10 

Ein jegliches hat seine Zeit – weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit, klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit. Pred.3,4

So spricht der Herr, der dich erschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Jesaja 43,1

Du sollst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen des Herrn Mund nennen wird. Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des Herrn und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes. Jesaja 62,2.3

Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen! Matthäus 5,8

Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen! Matthäus 5,9

Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Lukas 10,20

Christus spricht: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Johannes 16,33

Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben. Römer 1,16

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. 2.Korinther 3,17

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2.Korinther 5,17

Seht, welche eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! 1. Johannes 3,1

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1. Johannes 4,16

P.S. Wenn Du für jeden Tag einen Bibelvers lesen möchtest, hier ein Linktipp: www.losungen.de

Nichts gefunden?
Dann klappt es vielleicht HIER Diese Sammlung von 20 schönen Bibelsprüchen enthält vor allem Verheißungen und Zusagen aus der Bibel.
Oder: Bei bibleserver.com einen Suchbegriff (zB „Freude“ oder „Liebe“) eingeben – und schon erscheinen alle Bibelstellen, in denen das Wort vorkommt. Die Suche kann auch auf Teile der Bibel (zB das Neue Testament oder die Psalmen) eingegrenzt werden.
Speziell für Taufsprüche – mit einer Anleitung, um den richtigen Vers zu finden und mit Erläuterungen: http://www.taufspruch.de
(Die an dieser Stelle früher verlinkte ausführliche thematisch sortierte Spruchsammlung einer Kirchengemeinde ist auf deren Seite leider nicht mehr verfügbar)

 

 

Das Land in deinem Herzen
kannst du nicht selbst bestellen.
Den Weg zu dir selbst
Kannst du nicht selber finden.
Das Wort, das dir hilft,
kannst du nicht selber sagen.

Die Gospelbewegung boomt. Häufig ist der Satz zu hören, „Gospel heißt auf deutsch Evangelium“. Das ist natürlich schon deshalb Unsinn, weil „Evangelium“ gar kein deutsches, sondern ein griechisches Wort ist. Das Wort Gospel stammt vom altenglischen „Gode spell“, was soviel wie „Gutes Kraftwort“ bedeutet. Und genau darum geht es auch in der Gospelmusik: Dass das Wort Gottes nicht nur Information über Sachverhalte ist, die außerhalb dieses Wortes liegen, sondern, dass es ein wirkendes, kraftvolles Wort ist, das Menschen die Erfahrung der Nähe Gottes machen lässt und ihr Leben verändert.

P.S.: Damit ist die Gospelmusik auch besonders nahe am biblischen, vor allem hebräischen Denken und Sprachverständnis. Wer dazu mehr wissen will, findet das hier: https://kraftwort.wordpress.com/2009/06/04/dabar-und-logos/

Ähnliche Gedanken, etwas ausführlicher als hier finden sich übrigens in dem Buch „GOSPEL-IM-PULS“, das ich hier besprochen habe: https://kraftwort.wordpress.com/2012/12/02/liederbuch-des-monats-gospelimpuls (Blog zum Buch: http://gospelimpuls.wordpress.com)

 

Auf dem humanistischen Gymnasium, das ich besuchte, war nicht nur Griechisch (Altgriechisch) Hauptfach. Es gab auch Philosophieunterricht, und da er vom gleichen Lehrer wie Griechisch erteilt wurde, spielten die griechischen Philosophen Platon und Aristoteles, aber auch Heraklit und Epikur eine große Rolle. Ich profitiere noch heute davon. Am meisten beeindruckt hat mich aber, dass mir dieser Griechisch- und Philosophielehrer eines Tages ein Buch über den Unterschied zwischen dem griechischen und hebräischen Denken in die Hand drückte – er hatte erfahren, dass ich auch noch das exotischste Angebot der Schule in Anspruch nahm,  den Hebräisch-Unterricht, der montags in der 9. und 10. Stunde stattfand und von sechs, nach einem halben Jahr noch von drei Schülern besucht wurde.

Das griechische Wort für „Wort“ ist „Logos„. Es steht neben, nein, über den Dingen, die es bezeichnet und die Welt des Denkens ist völlig abgehoben und getrennt von der Realität. Das Wort „Stuhl“ zB ist nur über die willkürliche Zuordnung, dass es eben das bezeichnet, was wir als Sitzgelegenheit benutzen, mit dem Gegenstand verbunden.

Ganz anders im Hebräischen. „Dabar“ heißt Wort – und schon der Klang dieses Wortes ist drängender, bewegter, dynamischer als der des Begriffs „Logos“. „Dabar“ ist das wirkende Wort, das nicht abseits der Wirklichkeit steht, sondern selbst eine Wirklichkeit ist und Wirklichkeit schafft. Wenn ein Mensch zu einem anderen sagt: „Ich liebe dich“ dann ist das – sofern es ehrlich ist – nicht nur eine Information über einen Sachverhalt, der sich völlig außerhalb dieser Worte befindet. Sondern indem dieser Satz gesagt wird, geschieht auch etwas von dieser Liebe, sie verwirklicht sich in diesem Sprechakt, teilweise zumindest.

Im Studium habe ich dann gelernt, dass in der Linguistik vom „performativen Sprechakt“ gesprochen wird. Damit ist etwas ähnliches gemeint. Es gibt ein Sprechen, in dem etwas geschieht, Wirklichkeit gesetzt, erschaffen, verändert wird. Die Eltern, die ihr Kind trösten mit den Worten: „Du brauchst keine Angst zu haben“ geben nicht nur eine – jenseits des Gesprochenen erst noch durch Fakten zu verifizierende – Information weiter, sondern bewirken möglicherweise damit genau das, was sie sagen, nämlich dass das Kind keine Angst mehr hat. Liebeserklärungen, Hasstiraden, Segenswünsche, Flüche, Trostworte, Grüße – all diese Formen des Miteinander-Sprechens sind letztlich mehr als „Logos“-Worte, mehr als ein Information oder ein begriffliches In-Worte-Fassen einer außerhalb ihrer selbst liegenden Wirklichkeit. In all diesen Sprechakten besteht zumindest die Möglichkeit, dass etwas von dem geschieht, was sie sagen. Das „Ja“ bei der Eheschließung bzw. der Trauung bewirkt, dass Mann und Frau verheiratet sind. Und letztlich ist auch jede rechtsgültige Unterschrift ja nur eine ins Schriftliche verflüssigte sprachliche Aussage mit Wirkung.

Wenn Paul Tillich zu Recht sagt, man solle nie davon reden, dass etwas ja „nur“ ein Symbol sei, so kann ich sicher mit dem gleichen Recht sagen, dass es falsch ist, zu kritisieren, etwas seien ja „nur“ Worte. Worte sind das wichtigste Element der Kommunikation, sie können Beziehungen aufbauen oder zerstören. Worte tragen Wirklichkeit, haben Wirkungen und wenn sie belanglos sind, dann haben sie auch damit eine (schädliche) Wirkung, indem sie zur Reizüberflutung beitragen, das Hören verstopfen und so im ungünstigsten Fall die Kraft der guten Worte mindern. Auch deshalb kann ich den Wise Guys nur rechtgeben, wenn sie sagen und singen: „Das Leben ist zu kurz für RTL 2 …“

P.S.: Der Nachfrage eines Kommentators (siehe dort) verdanke ich es, dass ich inzwischen auch den Titel des Buches wieder weiß. Es handelt sich um Thorleif Boman „Das hebräische Denken im Vergleich mit dem griechischen“ Göttingen 1965 4. Auflage (Vandenhoeck und Ruprecht)