Die Reihe „Liederbuch des Monats“ geht (wie das „Jahr der Kirchenmusik“)  zu Ende. Manche der bisherigen Empfehlungen besprachen Bücher, die schon vergriffen sind. Heute, als Ausblick, bespreche ich ein Buch, das noch gar nicht erschienen ist, dessen Inhalt mir aber zum großen Teil aus persönlichen Gründen bereits bekannt ist und auf dessen Erscheinen ich mich freue. (Diese Besprechung erhebt auf Grund der persönlichen Beziehungen also noch weniger als die bisherigen einen irgendwie gearteten Anspruch auf „Objektivität“!) Es ist auch kein Liederbuch im klassischen Sinn, sondern ein Buch über das Gospelsingen und über Gospelgottesdienste. Allerdings soll es auch einen Liederteil enthalten, der mit m.W. fast dreißig Stücken schon mit manchem Liederheft vergleichbar ist. Hier zunächst einmal die Angaben:

Wolfgang M. Richter – GOSPELIMPULS Gospelgottesdienste, Gospelandachten und Anregungen für die Gemeindearbeit Mit CD-ROM ISBN: 978-3-579-05866-5 € 16,99 Verlag: Gütersloher Verlagshaus

Es enthält fertige Entwürfe für Gospelgottesdienste durchs Kirchenjahr, Liedandachten zu einzelnen Gospelsongs, ein „homiletisches“ Kapitel über das Predigen im Gospelgottesdienst, einen Workshop zum Thema „Starten mit Gospel“ (der nach meiner Erfahrung gut funktioniert) und einen „Spaziergang durch die Liturgie“, der die „normale“ Gottesdienstordnung nicht nur verständlich macht, sondern auch „kompatibel“ ist mit dem, was Gospelchöre so singen – ein wichtiges Anliegen, da Pfarrer oft mit Gospel nicht so viel anfangen können, Gospelchorleiter aber wenig mit der liturgischen Tradition. Das beste wäre also, wenn der Pfarrer das Buch seiner Gospelchorleiterin zu Weihnachten schenkt, oder der gospelbegeitserte Kirchenvorsteher schenkt es seiner Pastorin …

Bei den abgedruckten musikalischen Stücken handelt es sich zum einen um liturgisch verwendbare gut singbare Lieder (Kumbayah, diverse „Hallelujas“ und Kyrie-Vertonungen), aber auch um Gospels, die zum Beispiel im (in meinem Blog schon an anderer Stelle besprochenen) „Gospelliederbuch“ noch gefehlt haben – dort gibt es ja z.B. leider kein Passionslied, hier sind gleich mehrere enthalten, z.B. das Spiritual „Calvary“. Reizvoll ist die gelegentliche Kombination von ganz alten Liedern mit einem entsprechenden Gospelmotiv – auf dieses Weise haben auch das gregorianische „In paradisum“, das früher oft bei Beerdigungen gesungen wurde und das ebenfalls gregorianische „Komm, heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen“ Eingang in den Liederteil gefunden …

Die Gottesdienste decken fast das ganze Kirchenjahr ab – leider nur fast. Schön wäre es gewesen, auch einen Ostergottesdienst zu finden. Vertreten sind Advent / Weihnachten, Passionszeit mit Gründonnerstag und Karfreitag, Pfingsten / Gemeindefest, Reformation und sogar der Ewigkeitssonntag und einiges mehr.

Trotz der kleinen kritischen Einschränkung ist es sicher ein Buch, dem es gut gelingt, eine Lücke zu füllen – ich wüsste jedenfalls nicht, dass es schon etwas vergleichbares gibt. Viele Teile des Buches – zum Beispiel der mit vielen praktischen Anregungen gefüllte „Spaziergang durch die Liturgie“ oder auch viele Texte und Predigtanregungen – lassen sich nicht nur in Gospelgottesdiensten, sondern auch in Jugendgottesdiensten, Thomasmessen und anderen „besonderen“ Gottesdienst- und Andachtsformen verwenden.

Weitere Infos gibt es auf der Seite des Gütersloher Verlagshauses: http://www.randomhouse.de/Paperback/GOSPELIMPULS/Wolfgang-M-Richter/e414914.rhd – und (2014 ergänzt) neuerdings auch in einem Blog zum Buch: http://gospelimpuls.wordpress.com

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Das Evangelische Gesangbuch wurde am 1. Advent 1994 eingeführt (in manchen Landeskirchen auch später) und wird daher Ende dieses Monats „volljährig“. Deshalb bekommt es in diesem Monat auch den Titel „Liederbuch des Monats“ – wobei auch hier ein paar kritische Bemerkungen (über die der Wise Guys hinaus) erlaubt seien:

1. Viele Landeskirchen-Ausgaben gibt es bis heute noch nicht mit Gitarrengriffen (vorbildlich hier jedoch: die Ausgabe für Bayern!)

2. Die Auswahl der Psalmen und ihre Textfassung ist leider nicht abgestimmt auf die Psalmauswahl der Perikopenordnung, so dass man in vielen Fällen nicht den vorgeschlagenen Sonntagspsalm mit der Gemeinde aus dem Gesangbuch beten kann, was ja sehr sinnvoll wäre.

3. Dass Gebete und Lieder zur Mittagszeit sich zum großen Teil auf das Essen und Trinken beziehen, spiegelt die schon 1994, erst recht heute, anachronistische (und sehr deutsche) Anschauung, dass die meisten Menschen sich in der Mittagszeit um den Mittagstisch versammeln …

4. Die PC-Version des EG ist leider sehr unübersichtlich und enthält nicht einmal das Inhaltsverzeichnis – die Lieder über die Stichwortsuchfunktion zu finden, ist manchmal sehr mühsam, weil nicht nur viele Lieder mit „Herr“ anfangen, sondern noch viel mehr Lieder irgendwo im Text das Wort „Herr“ enthalten – und wenn ich denn doch „Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ suche, dann muss ich am besten „Gras“ eingeben in der Hoffnung, dass es nicht so viele Lieder gibt, die dieses Stichwort enthalten …

Trotzdem: Es ist gut, dass wir das EG haben, dass es sich auf dem inzwischen entstandenen „Markt“ der Liederbücher, also nach Verlust der Monopolstellung, die der Vorgänger EKG noch lange Zeit hatte, so gut behauptet hat, dass es gute und durch die Nummerierung auch auffindbare Textteile enthält … In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zum 18. Geburtstag!

Es ist das einzige Liederbuch, das in meiner ehemaligen Gemeinde sowohl vom Kirchenchor als auch vom Gospelchor benutzt wurde – deutsche Lieder mit teilweise durchaus anspruchsvollem Text, in Sätzen und teilweise mit Begleitungen, die auch Gospelchören entgegenkommen (auch wenn sie vergleichsweise konventionell sind – aber das sind viele Gospel- und Spiritualsätze in der Gospelchorliteratur auch). Beliebt bei Konfirmanden und Jugendlichen ist zum Beispiel „Jesus lebt, das Grab ist leer“ (das ist leider auf der dazu erhältlichen CD gar nicht drauf) Ansprechend vom Text her (der auf mittelalterliche Mystik zurückgeht) finde ich „Wirst du nicht wie ein Kind“. Und die Vertonung von Bonhoeffers „Von guten Mächten“ finde ich einen gelungenen Kompromiss für diejenigen, denen die Fietz-Melodie zu seicht und die EG-Melodie zu kompliziert oder zu „streng“ ist. Manche Lieder (wie das ursprünglich jüdische Lied zu Psalm 121 „Ich erhebe meine Augen“) haben von diesem Chorheft aus den Weg in weiter verbreitete Liederbücher gefunden (in diesem Fall „Feiert Jesus 2“) – andere hätten das zumindest verdient gehabt.

Die Anschaffung lohnt sich vor allem für Gospelchöre, die auch mal deutsch singen möchten und für Kirchenchöre, die nicht gleich zum Gospelchor mutieren, aber trotzdem mal was „Flottes“ singen möchten.

Hier die Daten: Hoffnung atmen – Das Chorliederbuch – 30 vierstimmige Chorsätze, teilweise mit Instrumentalbegleitung hg. von Gerhard Schnitter, Hänssler-Verlag Holzgerlingen, 5,95 € (!)

P.S. (Nachtrag im Dezember 2012): Das Buch scheint leider vergriffen zu sein. Aber vielleicht ist es ja noch gebraucht erhältlich. Als Ausgleich dafür, dass ich hier ein Liederbuich empfehle, das nicht mehr im Handel erhältlich ist, habe ich in diesem Monat (Dezember 2012) auch mal ein Buch empfohlen, das noch nicht zu kaufen ist – guckst Du hier: https://kraftwort.wordpress.com/2012/12/02/liederbuch-des-monats-gospelimpuls/

Liederbuch des Monats September: „Menschenskinderlieder“ vom Gottesdienstinstitut Frankfurt
Das Liederbuch des Monats sind dieses Mal zwei Liederbücher, die vor allem für die Arbeit mit Kindern (kindergruppen, kiindergottesdienst, Kinderkirche, Jungschar, Kinderfreizeiten, Familiengottesdienste, Familienfreizeiten ….) nahezuunentbehrlich sind: Die „Menschenskinderlieder“ gab es (den ersten Band) schon 1994 in der 15. (in Worten fünfzehnten) Auflage (die habe ich gerade vor mir) und es ist heute immer noch erhältlich und wird – so meine Erfahrung – nach wie vor kräftig genutzt. Einen zweiten band gibt’s inzwischen auch. Für die Entscheidung, beide Bände, gerne auch in größerer Stückzahl anzuschaffen sprechen eine Menge Gründe:

Grund 1: Die Super-Liedauswahl von Lobe den Herren über das „Kindermutmachlied“ bis zu einem tatsächlich singbaren Passionslied für Kinder („Als Jesus gestorben war“) und dem genial-witzigen „wir werden immer größer“ („Große bleiben gleich groß oder schrumpeln ein, wir werden immer größer, ganz von allein“) (alle Beispiele aus dem ersten Band). Die Inhaltsverzeichnisse beider Bände kann man sch hier ansehen:

http://www.gottesdienstinstitut.org/upload_sr11_alless05/Inhalt%20MKL%201_6483.pdf
http://www.gottesdienstinstitut.org/upload_sr11_alless05/Inhalt%20MKL%202_6484.pdf

Grund 2: Die nette Aufmachung und das praktische Kleinformat (Man muss keine schweren Kisten schleppen, wenn man sie zur Freizeit oder zum Freiluftgottesdienst mitnimmt)

Grund 3: der unschlagbar günstige Preis.

Herausgeber ist die Beratungsstelle für Gestaltung von Gotetsdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen in Frankfurt (www.gottesdienstinstitut.org)

Es ist kein Liederbuch und kann deshalb auch im Rahmen meiner Aktion zum Jahr der Kirchenmusik auch kein „Liederbuch des Monats“ werden. Aber es ist ein Buch, das viel mit Liedern zu tun hat und das man gut gemeinsam mit dem „Gospelliederbuch“ verwenden, das ich in meiner Reihe bereits vorgestellt habe (siehe https://kraftwort.wordpress.com/2012/06/29/oh-happy-day-und-etwas-in-mir-mein-gospelliederbuch-liederbuch-des-monats-juli-28/).

Ich spreche von einem Buch, das zum Sprechen über Lieder und damit zum Sprechen über den Glauben einlädt: „GospelTalk – Chormitglieder sprechen über ihren Glauben“, herausgegeben von Hermann Brünjes, unter Mitarbeit von Peter Hamburger, Lars-Uwe Kremer und Christine Tergau-Harms, erschienen im Gütersloher Verlagshaus.

Beim ersten Durchblättern kann man den Eindruck bekommen, das Buch sei chaotisch gegliedert. Da findet man auf Seite 59 Erläuterungen zum Lied „Amazing grace“, auf Seite 124 noch einmal und kurze Hinweise zum gleichen Lied auch noch einmal auf Seite 173. Deshalb lohnt es sich, das Buch erst einmal ganz ruhig von vorne an zu lesen, auch wenn man beim späteren Benutzen, evtl. sogar durchführen des vorgestellten Gospel-Talk-Projektes auch kreuz und quer benutzen muss und benutzen wird. Das Projekt selbst jedenfalls scheint mir interessant und lohnend zu sein „ein Glaubenskurs, der keiner ist“ heißt es auf Seite 13. Ein „Glaubenskurs“, der zwar (wie im letzten Teil deutlich wird) ganz klassisch die Themen des Glaubensbekenntnisses abhandeln soll (alternativ kann man sich auch am Gotetsdienstablauf orientieren), der aber auf einen „Star-Referenten“ verzichtet, sondern von Anfang an darauf abzielt, Menschen selbst über ihren Glauben (auch ihren unfertigen Glauben oder ihre Zweifel) sprechen zu lassen – spannend, wenn man weiß, dass Mitglieder von Gospelchören ja keineswegs immer Menschen sind, die im Glauben und in der Kirche zuhause sind. Nach der Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD über die Gospelbewegung kommen sie oft gerade aus dem weitgehend unkirchlichen „Selbstverwirklichungsmilieu“ und damit aus der in anderen kirchlichen Gruppen unterrepräsentierten Generation des „Mittelalters“. Deshalb ist ein solches Projekt wie „GospelTalk“ besonders wichtig und besonders spannend.

Wer das Buch von vorne liest, dem erschließt sich auch die Gliederung des Buches, bei der zunächst das Projekt als Ganzes vorgestellt wird, dann die aus dem Gospelliederbuch vorgestellt werden (mit Übersetzung und Gesprächsanregungen). Dann gibt es Beispiele für einführende Liedandachten („Intros“) genannt, was manche Doppelungen erklärt. Und schließlich gibt es Anregungen für den konkreten Aufbau eines „Kurses“ inklusive ausführlicherer theologischer Anmerkungen zu den Themen (was die Vermutung nahelegt oder die Möglichkeit eröffnet, dass es doch sinnvoll sein kann, einen „Referenten“ oder „theologischen Profi“ an irgendeiner Stelle einzubeziehen …)

Zwei Wünsche habe ich für eine zweite Auflage des Buches (die ich dem Buch auf alle Fälle wünsche):

– ein besseres Inhaltsverzeichnis (zum Beispiel ein Register nach den Liedanfängen, das mich sofort an alle Stellen führt, an denen das Lied erwähnt, erklärt oder für einen bestimmten Zusammenhang empfohlen wird)

– evtl. auch einen Erfahrungsbericht aus einem Gospelchor, der kurz darstellt, wie er es wirklich gemacht und durchgeführt hat (es gibt zwar schon viele Andeutungen von Möglichkeiten – „Man könnte auf einem Wochenende, man könnte eine solchen Gottesdienst …usw.) aber gerade deshalb wäre ein möglichst konkreter, aber trotzdem nicht allzu langer Beispiel-Bericht eine sinnvolle Anregung (wobei solche Berichte natürlich auch auf der Internetseite Gospeltalk.de sinnvoll sind. Aber ein Beispiel im Buch wäre m.E. nicht verkehrt).

Die Idee, das Projekt „gottesdienstlich“ zu verankern, finde ich interessant. Hier könnte man aber sicher noch viel weiter denken. Insgesamt scheint mir bei den Autoren doch der klassische Glaubenskurs als Ausgangspunkt (von dem man sich dann auch sehr sinnvoll unterscheidet) im Hintergrund zu stehen. Das Thema Gospel und Gottesdienst ist auf alle Fälle noch einmal eine eigene Behandlung, z.B. ein eigenes Buch wert. Das oben bereits angeregte Liedregister wäre jedoch schon mal eine Hilfe, das Buch auch über das Projekt hinaus, zum Beispiel für Gospel-Liedpredigten, zu benutzen.

Im Buch erzählt eine „Intro-Autorin“, auf ihrer Hochzeitskarte habe der Satz gestanden „Wenn du etwas erleben willst, was du noch nie erlebt hast, dann tu etwas, was du noch nie getan hast“ – das kann auch eine gute Aufforderung sein, einmal dieses Projekt, einen „GospelTalk -Kursus“, durchzuführen …

Lange war das kirchliche Singen gespalten:
Auf der einen Seite gab es Gemeindehäuser, da stapelten sich die Liederbücher aus dem Hänssler-Verlag im Schrank („Jesu Name nie verklinget“ Bände 1 bis 6 – oder gab es noch mehr? und heute „Feiert Jesus“ 1-4 und „Feiert Jesus To Go“)
Andere brauchten weniger Platz – denn die Kirchentagsliederhefte sind gewöhnlich sehr viel dünner. Entweder „erwecklich-missionarisches“ Singen mit Fietz, Heizmann und Strauch und  (für Kinderlieder) Daniel Kallauch. Oder Baltruweit und Edelkötter mit Liedern, in denen zwar die Worte Gott und Jesus selten vorkommen, dafür aber gerne „Hoffnung“ und „Vertrauen“
Überschneidungen gab es in den verschiedenen Liederbüchern, wenn es hoch kam, gerade mal bei „Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ oder „Ins Wasser fällt ein Stein“.  Ansonsten musste man sich jahrzehntelang bei der Liederbuchauswahl entscheiden, ob man „Kleines Senfkorn Hoffnung“ oder „Meine Zeit steht in deinen Händen“ singen wollte. Inzwischen haben sich, Gott sei Dank, die Fronten etwas aufgeweicht.
Ein Liederbuch, das aus beiden Traditionssträngen das Beste enthält, und dazu auch noch ein paar Gesagbuchlieder, einige Gospels (Wo findet man schon Andrae Crouchs „I’m gonna keep on singing“?!!) und Spirituals sowie Taizegesänge, möchte ich als Liederbuch des Monats dieses Mal empfehlen: „Das Liederbuch – Lieder zwischen Himmel und Erde“ aus dem tvd-Verlag. 2009 bereits in der 4. Auflkage erschienen, insgesamt 460 Lieder, außerdem 38 Andachtsvorschläge, die man z.B. als Morgen- und Abendandachten auf Konfirmandenfreizeiten unverändert übernehmen kann (die deshalb auch gut von Teamern durchgeführt werden können).
Hier lohnt sich die Anschaffung auch in größerer Stückzahl – für Konfer und Jugendgruppe, evtl. sogar so, dass sie im Gottesdienst verwendet werden können. Die Kosten sind nicht unerheblich (17 € pro Stück) – aber es erspart einem auf Jahre hinaus eine Menge Liederzettel und lässt immer wieder neues entdecken – zum Beispiel die wunderbare „Moritat vom Nutzen der Seefahrt“ (zur Jona-Geschichte) oder das „Dino-Lied“, die man in kaum einem anderen Liederbuch bekommt und die sich beide als attraktiv für das Singen in Konfergruppen erwiesen haben.
Zu den positiven „Kleinigkeiten“ gehören auch die verschiedenen Inhaltsverzeichnisse – ein Verzeichnis der Texte, ein Verzeichnis der Lieder nach Kapiteln und, natürlich, alphabetisch nach Liedanfängen / Titeln, ein Inhaltsverzeichnis nach Stichworten und schließlich eines nach Bibelstellen. Und – auch nicht unwichtig, es ist vergleichsweise stabil. Wir benutzen es seit Jahren und natürlich werfen es Jugendliche auch mal durch den Raum – aber bis jetzt ist noch keines wirklich kaputtgegangen oder aus dem Leim geraten (Eselsohren gibt es natürlich zuhauf und wie bei allen guten Büchern auch schon einen gewissen Schwund …)

Zum „Jahr der Kirchenmusik“ stelle ich jeweils ein „Liederbuch des Monats“ vor – für Juli eines, das auf alle Fälle leicht erhältlich ist, da die zweite Auflage gerade erst vor wenigen Wochen herausgekommen ist.

Als ich zum ersten Mal von dem Projekt gehört habe, ein „Gesangbuch“ für die Gospelszene herauszubringen, war ich skeptisch: Ist der Bereich der neuen Musik in der Kirche nicht viel zu schnelllebig und sind die Arrangements und Variationen der Gospelsongs nicht viel zu vielfältig?

Aber nun gibt es dieses  „Gospelgesangbuch“, auch wenn es letztendlich den Titel „Mein Gospel-Liederbuch“ bekommen hat; es wird in manchen Gospelkirchen (ja, so etwas gibt es schon mehrfach in Deutschland!) tatsächlich als Gemeindegesangbuch benutzt und die zweite Auflage ist gerade herausgekommen. Grund genug, es sich etwas näher anzusehen.

Tatsächlich ist ein breiter Querschnitt von dem enthalten, was in der Gospelszene, in Gospelgottesdiensten und in den Gospelchören derzeit so gesungen wird. Das sind, wenn man es musikstilistisch streng betrachtet, ja längst nicht alles Gospels, selbst wenn man die Spirituals als Vorläufer und Ursprung der Gospelmusik mit unter diesen Begriff fassen will. Deshalb trägt das Buch zu Recht auch den Untertitel „Gospel-, Praise- und Worshipsongs für Gospelchor, Gemeinde und zuhause“  So sind neben den unvermeidlichen  „Oh happy day“, „He’s got the whole world“ und „Amazing grace“ und moderneren Gospels wie Kirk Franklins „My life is in your hands“ auch Anbetungslieder (oft deutschsprachig) wie „Etwas in mir“, „Bist zu uns wie ein Vater“ oder „Mercy is falling / Herr deine Gnade“ enthalten, außerdem african songs wie „Masithi“ oder „Nkosi sikhelele Africa“. Der Trend, auch Gospels bisweilen auf deutsch zu singen, ist an etlichen Stellen berücksichtigt – so ist Andrae Crouchs Klassiker „Jesus is the answer“ auch mit deutschem Text vertreten und Helmut Jost und Ruthild Wilson haben viele ihrer Lieder (wie das bekannte „May the Lord send angels“) inzwischen auch mit deutschen Texten versehen. Das ist m.E: auch gut gelungen (englische Lieder deutsch zu textieren hat ja immer mit dem Problem zu kämpfen, dass das Deustche meistens mehr Silben für den gleichen Satz benötigt. Eine möglichst wörtliche Übersetzung ist meistens unsingbar)

Für die Verwendung im Gottesdienst ist erfreulich, dass viele Lieder zu den liturgischen Stücken passen oder sogar ausdrücklich liturgische Stücke vertonen – hier sind vor allem die Kompositionen von Marc Nelson, Joachim Dierks und Christine Hamburger aus der Gospelkirche Hannover zu nennen oder die Stücke von Reinhard Pikora, aber auch Lieder wie das Spiritual „If we ever need the Lord before“ (zum Glaubensbekenntnis) oder „Holy is the lamb“ als „Agnus Dei“ (Christe du Lamm Gottes). Auch aus der Gospelmnesse von Helmut Jost / Ruthild Wilson sind eine ganze Reihe Lieder enthalten (wegen der alphabetischen Anordnung der Lieder übers Buch verteilt).

Schade, dass es nur die alphabetische Anordnung der Lieder und ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis gibt, aber kein Verzeichnis zum Beispiel nach liturgischer Verwendung, nach  thematischen Stichworten und Bibelstellen oder auch nach den Autoren. Das könnte man in der dritten Auflage (die vermutlich auch nur eine Frage der Zeit sein wird) vielleicht noch verbessern.

Und wenn wir damit dann auch bei den kritischen Anmerkungen angekommen sind: Wenn Deutsche englische Texte schreiben, gibt es nach meinem Eindruck ein paar Fallen, in die auch die im Gospelliederbuch vertretenen Autoren bisweilen hineingetappt sind. So sprechen Deutsche das englische Wörtchen „Our“ oft „Auer“ aus, machen daraus also zwei Silben. Für native speakers hat es aber nur eine. In mehreren Liedern ist spürbar, dass die Autoren das so „deutsch“ empfunden haben (Bei „Ou- r Father“ steht das r sogar unter einem eigenen Ton – wobei hier nicht völlig auszuschließen ist, dass es bei diesem african song in Namibia tatsächlich so ähnlich klingt – afrikanisches Englisch unterscheidet sich vom Original ja bisweilen). Ähnliches ist auch beim Umgang mit dem Wort „Power“ zu beobachten.

Bei der  Liedauswahl gibt es für mich nur ein einziges Defizit – das ist aber inhaltlich m.E. gravierend: Es ist kein einziges „Passionslied“ enthalten. Das ist vermutlich weniger den Herausgebern vorzuwerfen, denn als Anfrage an die Gospelbewegung insgesamt und an die kirchlich-theologische Zeitsituation zu sehen. Allerdings hätte man m.E. schon das Spiritual „Were you there“ aufnehmen können oder auch Peter Strauchs „Jesus Christus starb für mich“ Und dass es bei den neueren Gospelmusikern überhaupt keine Berücksictigung des Kreuzes Jesu gibt, stimmt so auch nicht; Tore W. Aas, der ja ohnehin mit einigen Liedern vertreten ist, hat z.B. „On the cross of Calvary“ sowie „He loves me“ (mit der Textzeile „Jesus died for me“) – diese beide Lieder hätte man mit aufehmen können, um diese Lücke ebenfalls ein wenig zu füllen.

Bisweilen wird kritisiert, es sei nicht erkennbar, nach welchen Kriterien Lieder mit oder ohne Chorsatz also mehrstimmig oder einstimmig abgedruckt sind:  man hätte doch eine durchgängige Mehrstimmigkeit vorsehen können  –  z.B. im contemporary-gospel-typischen dreistimmigen Satz, den man gut auch in einem Notensystem notieren kann, so dass das Buch nicht dicker geworden wäre. Diese Kritik kann ich zwar nachvollziehen, finde sie aber nicht sehr gravierend. Die Arbeit des „Arrangements“ bleibt der Band oder dem Kirchenmusiker / Pianisten gerade für die Verwendung für den Gemeindegesang ohnehin nicht erspart.

Insgesamt also ist das Buch eine lohnende Anschaffung sowohl für Chöre als auch für Gemeinden. Zum Schluss deshalb die bibliographischen Angaben:

Mein Gospelliederbuch hg. von Martin Barthelworth Gütersloher Verlagshaus 2. Auflage 2012

P.S.: Nachtrag 2014: Die ideale Ergänzung zum Gospelliederbuch für alle, die mit Gospels Gemeindearbeit machen wollen (und die zB auch die fehlenden Passionslieder ergänzen wollen) ist das Buch „GOSPELIMPULS“, zu dem es inzwische sogar ein eigenes Blog gibt – guckst Du hier: http://gospelimpuls.wordpress.com.
Hier in diesem Blog ist es vorgestellt unter
https://kraftwort.wordpress.com/2012/12/02/liederbuch-des-monats-gospelimpuls/