Gleich zwei Musicals zum Reformationsjubiläum hat die Theologin und Gospelmusikerin Nicole Chibici-Revneanu komponiert. Mit ihrer Musicalcompany „Pommersche Engelspierken“ ist sie damit in Deutschland (vor allem im Norden und Osten) auf Tournee.
Das neue Musical der Gruppe  handelt von Johannes Bugenhagen, Luthers freund udn Beichtvater, dem Stadtpastor von Wittenberg. Seine Bedeutung für die Reformation wurde lange unterschätzt, war er doch der „Organisator“ der neuen Bewegung, ohne den die Reformation kaum nach ganz Europa hätte „exportiert“ werden können. Dieses Musical wird ab Juni zu sehen sein. Hier sind die Termine:
10. Juni 2017, 17 Uhr, Johanneskirche Greifswald
11. Juni 2017, 17 Uhr, Kirche Nehringen
29. Juni 2017, 19.15 Uhr, Stralsund: Nordkirchenschiff am Ozeaneum
30. Juni 2017, 19.00 Uhr, Altefähr/Rambin
15. Oktober 2017, (voraussichtlich) 17.00 Uhr  Kirche Starkow
25. Oktober 2017, 17.00 Uhr, Lukaskirche Hamburg-Fuhlsbüttel
26. Oktober 2017, 17.00, Dom Schleswig
Auch das Musical aus dem Vorjahr, „Katharina Lutherin“ wird die Gruppe in diesem Jahr noch viermal aufführen. Die Termine:
16. September 2017, 13.30 Uhr, Dom Greifswald (im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages)
17. September 2017, voraussichtlich 17.00, Schlosskapelle Griebenow
27. Oktober 2017, 18.00 Uhr, St. Matthäi-Kirche Gronau an der Leine
29. Oktober 2017, 9.30 Uhr, Versöhnungskirche Dresden (Dernière)

Wer das ganze Reformationsjahr über täglich einen reformatorischen Gedenktag feiern möchte, findet hier gute Anregungen dazu: https://gospelimpuls.wordpress.com/2016/10/31/reformationskalender/ – ein Projekt zum Mitmachen übrigens! (Bisher gibt es nur Gedenktage für einen Monat – aber, so ist zu lesen, das Projekt wird fortgesetzt, gerne auch mit Anregungen aus der Community)

„Gott neu entdecken – aufrecht vor den Menschen“: Das ist doch mal ein gutes Thema für einen Kirchentag. Unter diesem Motto gibt es am 10. Dezember 2016 einen „kleinen Kirchentag“ in Worms – als Teil des „Europäischen Stationenweges“ zum Reformationsjubiläum, auf dem verschiedene Städte angesteuert werden, die für einen Teil des reformatorischen Erbes verantwortlich sind. Worms gehört natürlich dazu, hat Martin Luther doch hier sein berühmtes „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ gesagt! Näheres zum Kleinen Kirchentag in Worms gibt es hier

Ein Abendgebet aus dem 4. Jahrhundert, das in manchen Passagen „Luthers Abendsegen“ sehr ähnlich ist:

O Gott, unser Herr,
du bist voller Güte und liebst die Menschen –
so vergib mir alle meine Sünden, die ich heute getan habe
in Gedanken, Worten und Werken.
Schenke mir einen friedlichen und ungestörten Schlaf.Dein heiliger Engel sei mit mir,
er schütze mich vor allem Bösen.
Sei du unser Schutz für unseren Leib und unsere Seele.
Zu dir steige unser Lob auf:
zum Vater, zum Sohn und zum Heiligen Geist,
jetzt und allezeit bis in Ewigkeit.
Amen.

Guckst Du hier – Luther kam ohne Adjektive aus und schreibt spannender und klarer als mancher Krimi. Beeindruckende Beispiele!

Schade, dass umgekehrt in Luthers Kirche Luthers Sprache nicht immer hoch im Kurs steht. So wurde das Thema des Reformationsjubiläum vom starken „Im Anfang war das Wort“ in ein langweiliges „Am Anfang war das Wort“ verdünnflüssigt. Warum?

Die „offizielle Linie“ der EKD zum Themenjahr Reformation und Toleranz habe ich mehrfach kritisiert – weil ich nicht der Meinung war (und bin), man könne oder müsse sich dafür entschuldigen, dass Luther nicht offensiv den Toleranzbegriff der Aufklärung gepredigt hat. (Meine Kritik findet man hier: https://kraftwort.wordpress.com/2012/10/30/nachdenklicher-brief-an-einen-vordenker/)

Schön, dass auch weit kompetentere Theologen als ich in ähnlicher Weise das EKD-Themenheft kritisieren. Der Berliner Historiker Heinz Schilling, Auor einer lesenswerten neuen Lutherbiografie, sagt in einem Interview:

„Luther kann nicht am Toleranzbegriff des 21. Jahrhunderts gemessen werden. Der Toleranzbegriff nach der Aufklärung ist ein anderer als zur Zeit Luthers. Die Religion war damals die Zentralachse des öffentlichen wie des privaten Lebens. Da war Toleranz im heutigen Sinne nicht möglich. Es ist daher völlig unhistorisch – wie es in einer Broschüre der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geschieht – die Untoleranz Luthers herauszustellen oder sich gar für diese historische Position Luthers zu entschuldigen. Es geht vielmehr darum herauszuarbeiten, warum Luther hier eine andere Einstellung hatte als wir heute und wie er dennoch mit dazu beigetragen hat, dass sich der moderne Toleranzbegriff entfalten konnte.“

(Fundort: http://www.petrus-giesensdorf.de/themen/2013/03/luther-toleranz.htm, abgerufen am 10.12.2013)

„Toleranz war kein Kernthema der Reformation. Der Gedanke, andere Haltungen anzuerkennen, kam erst mit der Aufklärung“ – behauptet der „EKD-Vordenker“ Thies Gundlach auf evangelisch.de und in einem Heft zum Themenjahr „Reformation und Toleranz“. Zu lesen ist das Ganze hier:

http://aktuell.evangelisch.de/artikel/21945/toleranz-mussten-die-evangelischen-erst-lernen

Ich denke, das kann man so nicht stehen lassen und habe deshalb darauf folgendes geantwortet:

Lieber Herr Gundlach, das ist mir zu einfach: „Die Reformation hat das mit der Toleranz nicht geschafft und die Kirchen mussten erst von der Aufklärung dazu gezwungen werden.“ (So habe ich den Duktus Ihres Artikels verstanden). Warum ist das zu einfach, ja sogar falsch?
1. Es geht beim Reformationsgedenken doch ohnehin nicht um das „Feiern von Helden“, sondern um die dankbare Erinnerung an die Wiederentdeckung der biblischen Quellen. Das heißt: das Thema Toleranz muss zuerst biblisch durchdacht werden – und dann müssen wir einsetzen mit dem „Dulden“ (Tolerare) das Jesus auf seinem Leidenweg praktiziert hat. Zu erinnern ist auch daran, dass Jesus niemanden zum Glauben gezwungen hat. Im Gegenteil: er hat das als Versuchung des Teufels sogar ausdrücklich zurückgewiesen (Matth 4 und Lukas 4). Jesus hat das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen erzählt und vor dem fanatischen Ausraufen des Unkrauts gewarnt (Matth 13). Und Paulus hat mit seinem genialen Satz „Jeder sei seiner Meinung gewiss“ und dem anschließenden „Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat“ ein Toleranzmodell entwickelt, das weit tragfähiger ist als das neuzeitlich-aufgeklärte „Das muss jeder selber wissen“ oder ein Ausklammern der wichtigsten Fragen, die Menschen bewegen, unter dem hilflosen Motto „Religion ist Privatsache“
2. Martin Luther hat mit der Zwei-Reiche-Lehre sehr wohl bereits die Basis für eine theologisch reflektierte Toleranz gelegt; denn hier wird streng unterschieden zwischen dem, was mit staatlicher Macht und Gewalt geregelt werden kann, darf, oder sogar muss und was nicht – Glaubensangelegenheiten nämlich. Auch Luthers berühmter Satz „Lasst die Geister aufeinanderplatzen“ darf hier erwähnt werden. Und dass er in der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ es als albernen Unfug bezeichnet hat, wenn Prediger, statt das Wort Gottes zu verkündigen, auf die Juden schimpfen … – Dass in der Kirchengeschichte sowohl von den biblischen als auch von den reformatorischen Grundlagen immer wieder abgewichen wurde (auch schon von Luther selbst, als der Altersstarrsinn ausbrach), braucht man deshalb nicht zu verschweigen. Aber es ist grundfalsch, das als den „Normalfall“ hinzustellen, von dem sich dann alles, was sich Aufklärung nennt, rein und unschuldig abhebt …
3. Dass die Aufklärung nun den eigentlich entscheidenden und unumkehrbaren Impuls zur Toleranz gebracht hätte. stimmt so einlinig schon deshalb nicht, weil auch die Aufklärungsideale längst nicht von allen, die sich darauf berufen haben, verwirklicht wurden – in der Französischen Revolution wurde die Guillotine erfunden, und die kommunistischen Diktaturen haben sich natürlich als konsequente Verwirklichung der Aufklärung verstanden. Das ist strukturell nichts anderes als das, was – trotz anderer Grundlegung – in der Kirchengeschichte an Versagen zu beklagen ist. Es geht nicht an, die Aufklärung nur nach der hehren Theorie, die Reformation (ohne die es auch keine Aufklärung gegeben hätte) aber nur nach der Praxis – und da auch nur nach den Versagensaspekten derselben – zu beurteilen …
Warum fehlt all das in Ihrem Artikel?

P.S. Das Thema wird fortgesetzt – und zwar hier: https://kraftwort.wordpress.com/2012/11/18/zitate-theologie-und-toleranz-luther-niemanden-zum-glauben-zwingen – und im Anschluss daran mit einer das ganze Toleranzjahr fortlaufenden Zitatensammlung zum Thema. Wer möchte, ist zum Mitdiskutieren herzlich eingeladen!