Erzähler: Das ist Egon, genauer: Egon Neugier. Egon geht spazieren. Plötzlich sieht er auf der anderen Straßenseite etwas ungewöhnliches. Er bleibt stehen.
Egon: Was ist das? Tatsächlich! Ein Mann mit einem Nilpferd! Und jetzt versucht er, das Nilpferd in sein Auto zu laden! Ob das wohl gutgeht?
Nilpferdbesitzer („NPB“): Hallo, Sie da! Ja Sie! Können Sie mir freundlicherweise mal helfen? Ich bekomme das Nilpferd nicht in den Wagen!
Egon: Ja, wenn Sie meinen …
Beide: Hau – ruck; hau – ruck …
NPB: Na, das wäre geschafft, schönen Dank.
Egon (zögernd): Ja, dann, hmm, auf Wiedersehen …
NPB: Entschuldigen Sie, wenn ich Sie noch weiter belästige – aber, könnten Sie nicht mitkommen, zu mir nach Hause? Ich muss das Nilpferd ja auch wieder herausbekommen aus dem Wagen – es ist nur zwei Straßen weiter; ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar.
Egon: Ja, wenn Sie meinen …
Erzähler: Gesagt, getan. Die beiden fahren zwei Straßen weiter und laden unter großen Mühen das Nilpferd wieder aus. Gerade will sich Egon wieder verabschieden, da hat sein neuer Bekannter gleich noch eine Bitte:
NPB: Entschuldigen Sie, wenn ich Sie noch einmal belästige – aber das Nilpferd müßte ja noch in meine Wohnung, in die Badewanne, es braucht nämlich Wasser, es ist ja ein Nilpferd, Sie verstehen …
Egon: natürlich …
NPB:   … ob Sie da freundlicherweise noch einmal mit anfassen könnten?
Egon: Ja, wenn Sie meinen …
Erzähler: Gesagt, getan. Die beiden tragen das Nilpferd in die Wohnung und legen es in die Badewanne. Endlich können sie sich verabschieden.
NPB: Auf Wiedersehen und ganz, ganz herzlichen Dank; Sie haben mir wirklich sehr geholfen – aber jetzt komme ich wohl alleine zurecht, Sie können jetzt endlich Ihren Abendspaziergang fortsetzen.
Egon: Ja, wenn Sie meinen … oder nein, ich hätte da doch noch eine Frage.
NPB: Ja?
Egon: Ich habe Ihnen geholfen, das Nilpferd ins Auto zu laden. ich habe Ihnen geholfen das Nilpferd wieder auszuladen. Ich habe Ihnen geholfen, das Nilpferd in die Wohnung zu bringen und es in die Badewanne zu heben. Ich will ja nicht neugierig sein. Aber ich möchte doch eines wissen: Wozu brauchen Sie dieses Nilpferd?
NPB: Ach so ja. Also wissen Sie, das ist so: Ich habe eine Freundin, mit der ist es komisch. Man kann ihr gar nichts recht machen. Wir sitzen abends am Meer und betrachten einen herrlichen Sonnenuntergang – sie sagt nur ganz cool: Na und? Ich habe Sie ins teuerste Nobelrestaurant zum Essen eingeladen – und sie sagt nur: Na und? Ich habe ihr einen Diamantring geschenkt, das kostbarste, was ich bekommen konnte – sie sagt wieder nur: Na und? Gestern habe ich uns Tickets für eine Weltreise besorgt –  und was meinen Sie, was sie gesagt hat?
Egon: Hmm … Na und?
NPB: Genau. ich schenke ihr eine Weltreise und sie sagt einfach: Na und. – Und heute abend, da kommt sie mich besuchen, in einer halben Stunde. Wir wollen zusammen essen. Dann wird sie vorher ins Bad gehen und sich die Hände waschen und ich sehe es schon vor mir, wie sie dann kreischend aus dem Badezimmer kommt und ruft:  „Liebster, du hast ja ein Nilpferd in der Badewanne!“ Und dann stelle ich mich mal ganz cool hin und sage: Na und?

P.S.: Mehr vom Nilpferd (in diesem Falle von dem, das auf meiner Seite zu sehen ist und das sich nicht in meiner Badewanne befindet) gibt es hier: https://kraftwort.wordpress.com/2009/11/05/warum-ziert-diese-seite-ein-nilpferd/

P.P.S. Und außerdem gibt es noch ein weiteres Anspiel in diesem Blog, das sich für Gottesdienste oder Konfirmanden- und Religionsunterricht eignet – guckst Du hier:

https://kraftwort.wordpress.com/2011/01/15/vom-konig-der-gott-sehen-wollte-ein-kleines-theaterstuck/


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Einem Ondit zufolge fragt sich der geneigte Leser, warum er auf der Kraftwortseite von einem Nilpferd angesehen wird?

Der Grund ist einfach: Ich kenne dieses Nilpferd persönlich, habe ihm aus nächster Nähe im Shire-River in die Augen geschaut und wir haben uns sofort verstanden. Es hatte deshalb auch nichts dagegen, dass ich es fotografiere.

Zweitens habe ich gelernt, dass Nilpferde zwar sehr friedliche, aber auch sehr kraftvolle Tiere sind – trotz ihrer friedlichen Absichten sind sie die gefährlichsten Tiere Afrikas. Wer einem Krokodil zu nahe kommt, hat noch durch Flucht eine Chance. Oder er verliert nur die Hand, die es ihm abbeißt. Wer sich jedoch mit einem Nilpferd anlegt, hat definitiv keine Chance …

Drittens erinnert es mich an Albert Schweitzer. Von ihm wird berichtet, dass er einmal auf einer Bootsfahrt auf einem afrikanischen Fluss zwischen Nilpferden entlangfuhr. Und genau in diesem Moment fuhr ihm der Satz in den Sinn: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ – und aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte er das Konzept der „Ehrfurcht vor dem Leben“. M.E. ist das eine Schlüsselerkenntnis, die auch in den ethischen Diskussionen unserer Tage (z.B. in der Frage der Tötung auf Verlangen, euphemistisch aktive Sterbe-„Hilfe“ genannt)  noch nicht mit allen Konsequenzen berücksichtigt worden ist.