Interessante Diskussion in der Zeit: Steht der Staat über der Religion?

http://www.zeit.de/2016/21/gesetze-staat-religion-richtlinien/komplettansicht

Meine Sicht dazu:

Was unterscheidet einen freiheitlichen Staat von einem totalitären? Der freiheitliche lässt zu, dass seinen Bürgerinnen und Bürgern etwas anderes (und durchaus unterschiedliches) wichtiger ist als er. Deshalb ist und bleibt die Religionsfreiheit (die negative UND die positive) der Prüfstein dafür, ob ein Staat freiheitlich ist. Denn das, was einem Menschen unvergleichlich wichtig ist, das ist seine Religion. (Luthers Definition “Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott” ist auch von der säkularen Religionswissenschaft als brauchbare Definition rezipiert worden) So einfach ist das, und deshalb haben sowohl Kauder als auch Leitlein auf ihre Weise recht.

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In der SPD wollen Mitglieder der Partei einen „Laizistischen Arbeitskreis“ gründen. (siehe http://www.evangelisch.de/themen/religion/laizisten-wollen-arbeitskreis-in-der-spd-gr%C3%BCnden21833) –

Hier ein paar Gedanken dazu, warum ich das nicht gut finde:
Es gibt Christen in der SPD und m.W. auch Juden in der SPD, die sich als solche organisieren. Ich fände es auch gut, falls Muslime in der SPD aktiv sind, wenn sie sich ebenfalls zusammentun. Es gibt AGs für Frauen und Senioren und AG’s für Arbeitnehmerfragen usw. und natürlich die Jusos. Immer verstehe ich das so, dass hier Brücken gebaut werden sollen zwischen der Partei und einzelnen Gruppen der Gesellschaft. Das ist immer im beiderseitigen Interesse: Die Partei will Jugendliche, Senioren, Christen usw. für ihre Ziele gewinnen und dafür die „Schnittmengen“ der Interessen und Auffassungen ausloten bzw. deutlich machen. Und bestimmte Gruppen, Verbände, Generationen usw. wollen ihre Anliegen in die politische Willensbildung (für die eine Partei ja da ist) einbringen. Der Laizistische AK ist aber kein AK „Freidenker in der SPD“ – das wäre evtl. noch analog zu den anderen Gruppen zu verstehen – sondern hat das Ziel, die Partei als Ganze auf eine bestimmte Linie zu bringen. Hier kann ich keinen Brückenbau erkennen, sondern eher den Abbruch von Brücken. Das steht einer Volkspartei m.E nicht an.