Wieder einmal wurde die Diakonisse verhaftet. Der SS-Offizier schreit sie an: „Gott ist tot! Kapieren Sie das doch endlich!“

Die Diakonisse sagt mit gesenktem Blick: „Oh, das ist aber schnell gegangen. Vor einer halben Stunde habe ich noch mit ihm gesprochen!“

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Ein Mann lässt sich seine Haare schneiden und seinen Bart trimmen. Der Friseur spricht während seiner Arbeit mit dem Kunden über viele Dinge, wie Friseure es so tun. Auch das Thema Gott wird berührt.

„Ich glaube nicht, dass Gott existiert!“, meint der Friseur.

„Warum?“ fragt der Kunde.

„Sie müssen nur auf die Straße gehen. Wenn Gott existierte, gäbe es dann so viele kranke Leute? Würde es so viele Kinder geben, die verlassen wurden? Würde es so viel Leid und Schmerzen geben? Gäbe es einen Gott, würde er alle diese Dinge nicht zulassen!“

Der Kunde antwortet nicht. Schließlich sind die Haare geschnitten. Der Bart ist gestutzt und der Friseur entlohnt.

Auf der Straße begegnet der Kunde einem Mann mit langen, schmutzigen Haaren und ungepflegtem Bart. Er geht zurück und sagt zum Friseur: „Friseure existieren nicht! Es gibt keine Friseure!“

„Wie kommen Sie darauf? Ich habe ich Ihnen doch gerade eben die Haare geschnitten und den Bart getrimmt!“

Der Kunde wiederholt: „Friseure existieren nicht, denn wenn sie existierten, gäbe es nicht so viele Menschen mit schmutzigem, langem, ungepflegtem Haar und ungetrimmtem Bart. Sehen Sie jenen Mann auf der Straße? Gäbe es Sie, würden Sie so etwas nicht zulassen!“

„Ach was! Ich existiere! Nur – die Leute kommen nicht zu mir!“

Der Kunde erwidert: „Eben! Auch Gott existiert. Nur kommen die Menschen nicht zu ihm und suchen ihn nicht. Auch deswegen gibt es so viel Schmerz und Leid in der Welt.“

(Autor unbekannt)

Kurzer Kommentar: Die Geschichte stellt nicht nur den Atheismus in Frage, der sich ja tatsächlich oft dieses Argumentes bedient, Gott „dürfe“ etwas nicht zulassen (nebenbei: Das ist eine sogenannte „Konvenienz-Theologie“, die per se unzulässig ist. Denn wenn Gott Gott ist, dann gehört es zu seinem Wesen als Gott, dass ich, der ich nur Mensch bin, ihm nicht vorschreiben kann, was er „darf“ oder „nicht darf“ …).

Sondern diese Geschichte stellt auch die in Frage, die an Gott „glauben“ in dem Sinne, dass sie seine Existenz akzeptieren. Das nützt nämlich nichts, solange ich mich trotzdem nicht um Gott kümmere, ihn nicht suche, nicht nach ihm frage und nicht seine Hilfe und Nähe erbitte – so wie mir der Friseur gegenüber nichts nützt, solange ich gar nicht hingehe …

„Es gibt nur zwei Arten von Menschen, die man vernünftig nennen kann: die die Gott von ganzem Herzen lieben, weil sie ihn kennen, und die, die ihn von ganzem Herzen suchen, weil sie ihn nicht kennen.“ (Blaise Pascal)

These 1. „Der Mensch ist unheilbar religiös“ (Nikolai Berdjajew) – und das ist gut so

These 2. Entgegen der landläufigen Gegenüberstellung von Religion einerseits und Wissenschaft andererseits ist festzuhalten: Wissenschaft und Glauben haben ihren gemeinsamen Ursprung in der menschlichen Fähigkeit zu staunen, also aus der Selbstverständlichkeit des instinktiven Lebensvollzuges herauszutreten und Fragen zu stellen.

These 3. Das Wort „Religio“ heißt nicht, wie oft behauptet wird, „Rückbindung an Gott“, sondern „Zurückweichen, Zögern, Schaudern“ und meint das Gefühl, das Menschen z.B. haben, bevor sie eine Schwelle überschreiten oder eine Tür öffnen, wenn sie einen Augenblick innehalten und sich fragen: Was tue ich da eigentlich?

These 4. Religion ist also im Wesenskern eine (prinzipiell positive) Selbst-Distanzierung und Selbst-Infragestellung des Menschen und das Bewusstsein, nicht selbstverständlich, nicht zufällig und nicht aus sich selbst heraus zu existieren.

These 5. Jeder Mensch hat eine angeborene Ahnung des Heiligen und kann Erfahrungen des Heiligen als „Faszinosum et Tremendum“ (das Faszinierende und zugleich Erschreckende) machen

These 6. Wo diese ekstatischen Erfahrungen nicht mehr im Kontext einer Religion (d.h. in einem überindividuellen Deutungszusammenhang) gemacht werden, tritt an die Stelle der religiösen Erfahrung die Suche nach dem „ultimativen Kick“ , die Selbstinszenierung in Kosmetik bzw. in Fitness als Körperkult oder die religiöse Aufladung von Sexualität und Erotik.

These 7. Der „Gotteskomplex“ (Horst-Eberhard Richter), der Allmachtswahn, also die Selbstüberschätzung des neuzeitlichen Menschen ist die Ursache für den Raubbau an der Schöpfung, für die totalitären Ideologien von Nationalsozialismus und Stalinismus und für die unheilvolle Totalökonomisierung aller Lebensbereiche. Deshalb ist das in jüngster Zeit wieder stärkere Bewusstsein für die religiöse Dimension des Menschen ein hoffnungsvolles Zeichen

These 8. Gerade die religiös und weltanschaulich neutrale Demokratie braucht, als Wurzel einer echten Toleranz, die in allen Religionen gelehrte religiöse Tugend der Demut – d.h. der Bereitschaft zur Selbstbeschränkung und damit der Akzeptanz der in der Demokratie aus gutem Grund essentiellen Begrenzung menschlicher Macht. Zu den Gegenwartsaufgaben der Menschheit gehört es, Mechanismen der Machtbegrenzung auch für den Bereich der Wirtschaft zu organisieren

These 9. Es ist nicht förderlich, Religion um der Exzesse einer religiös begründeten Gewalt oder um des Fundamentalismus willen, prinzipiell misstrauisch zu betrachten. Natürlich sind Gewalt und Terrorismus aufs Schärfste abzulehnen, ob religiös begründet oder nicht, Menschen werden aber nicht deshalb gewalttätig, weil sie religiös sind. Sondern Menschen werden gewalttätig, weil sie (theologisch gesprochen) Sünder sind. Die Überwindung dieser Sünde ist aber gerade nicht möglich ohne Religion. Genauso wie es religiösen Fundamentalismus gibt, gibt es auch einen fundamentalistischen Atheismus. Vielleicht ist die Versuchung des Atheismus, intolerant zu werden, sogar besonders groß, weil er sich gerne (zu Unrecht) für „wissenschaftlich“ hält und als einzige Religion die Tugend der Demut nicht kennt.

These 9 ½: Religion ist keine Sache von gestern, sondern eine Sache von morgen!

P.S. Eine Erfahrung, die mich auf die Spur von These 3 gebracht hat, ist hier nachzulesen: https://kraftwort.wordpress.com/2009/06/07/sprache-ist-der-ort-der-erfahrung-1/