Eine interessante Endeckung: Das Blablameter. Guckst Du hier: http://www.blablameter.de/index.php Das Blablameter testet Texte darauf, ob sie – zum Beispiel durch einen übertriebenen „Nominalstil“ – sprachlich gesehen viel „blabla“ enthalten. Leider werden die Kriterien nicht völlig offen gelegt, aber die Idee finde ich nicht schlecht. Der Index zeigt Werte zwischen 0 und 1, wobei 0.00 die beste Wertung („bullshitfrei“) bedeutet, die allerdings nach Angaben der Seite praktisch unerreichbar bzw. auch schon wieder verdächtig ist …

Ein „Selbstversuch“ war ganz interessant: Ich habe eine ganze Reihe Texte aus meinem Blog einmal durch diesen Test gejagt und zu meiner Freude immer positive Werte (immer unter 0.2, oft sogar unter 0.1) erreicht. Den „besten“ unter meinen Texten habe ich aber nicht selbst geschrieben (nur ein wenig bearbeitet) – das ist meine Anspielversion von Tolstois Geschichte „Vom König, der Gott sehen wollte“ (https://kraftwort.wordpress.com/2011/01/15/vom-konig-der-gott-sehen-wollte-ein-kleines-theaterstuck/) – dieser Text bekam die praktisch nicht mehr zu toppende „de-facto-Bestnote“ von 0.01!

Zum Vergleich: Ein Ausschnitt aus einer Regierungserklärung bekam den Wert 0.44, was das Blablameter so interpretiert: „0.44 Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft – Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken.“ 

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Warum gratuliere ich dem Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow? Er hat einen Preis bekommen – zwar undotiert, aber sinnvoll. Guckst Du hier:

http://www.evangelisch.de/themen/medien/tagesthemen-moderator-erh%C3%A4lt-preis-gute-sprache23421

Stell dir eine Welt vor ohne Sport;

Es gäbe keine Dopingskandale – es gäbe keine Schlägereien von Hooligans – vermutlich gäbe es auch keine Soldaten und keine Kriege mehr, denn oft dient der Sport der „körperlichen Ertüchtigung“ und damit der Wehrfähigkeit – und schließlich würde unsere sozialen Sicherungssysteme entlastet: die Menschen würden früher sterben, so dass die Ausgaben von Rentenkassen und Gesundheitswesen zurückgingen, auch die zahlreichen Sportverletzungen vom Tennisarm bis zu Knochenbrüchen fallen weg – die öffentliche Verschuldung würde zurückgehen: der Staat und Kommunen würden die Mittel für den Bau von Sportstätten und die Zuschüsse für Sportvereine einsparen also: Nur eine Welt ohne Sport hat Zukunft!

Stell dir eine Welt vor ohne Sprache:

Die Menschen könnten sich nicht mehr beleidigen, was der Anfang aller Kriege ist – Es gäbe keine Missverständnisse mehr – Wir könnten die Kosten für den Bau von Schulen und Theatern sparen Also: Nur eine Welt ohne Sprache hat Zukunft

Stell dir eine Welt vor ohne Häuser:

Erdbeben würden kaum noch Schaden anrichten, weil niemand mehr unter den Trümmern begraben werden könnte – Kriege wären sinnlos, weil es kaum etwas zum Zerstören gibt – Gibt es keine Häuser, braucht man sie auch nicht zu heizen und die Klimakatatrophe wäre abgewendet Also: Nur eine Welt ohne Häuser hat Zukunft

Absurd? Natürlich. Aber es gibt Menschen, die sich oft sogar für besonders vernünftig halten, die fordern mit analogen Argumenten allen Ernstes eine „Welt ohne Religion“ und meinen, die wäre dann automatisch friedlicher. (siehe: http://www.bfg-bayern.de/aktuelles/imagine_no_religion.htm) Niemand kann und soll zum Sport, zum Sprechen oder zum Häuserbauen gezwungen werden, und auch nicht zu irgendeinem Glauben – und schon gar nicht zu einer bestimmten Sportart, dem Erlernen einer bestimmten Sprache, zu einer bestimmten Art des Häuserbauens oder zu einer bestimmten Religion. Aber Bewegung, Sprechen, Häuserbauen und einen Glauben religiös auszudrücken sind Formen des Menschseins. Sie alle können missbraucht werden, aber sie dürfen niemals deshalb verboten werden. Was sollte an ihrem Verbot oder auch nur an ihrem wie immer herbeigeführten Verschwinden vernünftig sein oder gar human? Im  o.g. Text (übrigens von Richard Dawkins, der schon als „Guru des atheistischen Fundamentalismus“ bezeichnet wurde) wird es besonders zynisch – denn da wird behauptet, in einer Welt ohne Religion gäbe es keine Judenverfolgungen, ja, nicht einmal mehr Juden – was doch sehr den Eindruck erweckt, als ob nach seiner Auffassung das größere Übel nicht die Verfolgung der Juden, sondern ihre Existenz sei … – Danke, das genügt!

Mehr zum Thema:

https://kraftwort.wordpress.com/2010/01/30/ein-bedeutender-wissenschaftler-zur-gottesfrage/

https://kraftwort.wordpress.com/2010/01/20/glauben-und-denken-sind-wir-feuer-und-wasser/

https://kraftwort.wordpress.com/2010/01/28/der-wichtigste-schritt-der-vernunft/

https://kraftwort.wordpress.com/2009/07/25/95-thesen-zur-gegenwartigen-und-kunftigen-religiositat/

https://kraftwort.wordpress.com/2010/03/04/heinrich-boll-eine-welt-ohne-christus/

… gibt es hier:

http://www.evangelisch.de/community/blog/barnabas/die-kirche-ist-nicht-der-mediamarkt-bitte-um-sorgfalt-in-der-sprache

Ein paar andere Gedanken zur Bedeutung von Englisch und Denglisch in unserer Sprache und Erfahrung

Wer sich mit Sprache beschäftigt und dazu etwas Kluges sagen will, den verpflichtet die „political correctness“ heutigen Tages, sich auch einmal über den ausufernden Gebrauch englischer Begriffe in unserer Sprache aufzuregen. Und wer sich damit auskennt, hat zum Beispiel längst erkannt, dass die englischen Begriffe in der Überschrift alle gar keine englischen Wörter sind: Der Showmaster“ heißt im Englischen „Entertainer“, „Public Viewing“ gibt es zwar im Englischen, bedeutet aber „Leichenschau“ und keineswegs ein öffentliches Fernsehgucken, das Wort Handy ist eine deutsche Wortschöpfung und müsste daher Händi geschrieben werden und den Servicepoint hat die Deutsche Bahn erfunden, weil ein englischer Begriff  doch immer kürzer und knackiger ist als ein deutscher, also auch als die gute alte „Auskunft“ … – Hoppla: das mit dem kürzer stimmt ja gar nicht, der Servicepoint hat ja sogar eine Silbe mehr! (Übrigens wurde der „Servicepont“ von der Bahn 2010 still und heimlich abgeschafft – guckst Du hier: http://blog.wissen.de/wissen/ressort/sprachspione/nachruf-auf-den-service-point/)
Soweit diese Form des Denglischen kritisiert wird, gebe ich den Kritikern uneingeschränkt recht. Englisch klingende Begriffe zu erfinden, die es gar nicht gibt, ist einfach albern.
Ansonsten möchte ich mir es aber nicht so leicht machen. Bevor die Präsenz des Englischen in der deutschen Sprache kritisiert wird, muss die Frage erlaubt sein, woher das kommt? Und es ist sehr genau abzuwägen, welche Trends (sorry: welche Entwicklungen) tatsächlich als Verfall von Kultur und Sprache anzusehen sind und welche nicht.
Warum also lieben wir Deutschen das Englische? Oder „hasslieben“ es zwar, benutzen es aber?

Eine einfache Beobachtung: Der Satz „I love you“ hat drei Silben. Der Satz „Ich liebe dich“ hat vier Silben, ihn auszusprechen dauert also 33% länger als die englische Version. Wir leben aber in einer schnelllebigen Zeit und das Englische ermöglicht es, bei der Informationsübermittlung Zeit zu sparen. Nun kann man zwar die Beschleunigung unserer Lebensvollzüge als Kulturverfall beklagen, das ist aber ein anderes Thema, daran ist das Englische nicht schuld. Sein Gebrauch hilft uns nur, damit zurechtzukommen. Umgekehrt kann natürlich eine bewusste Entschleunigung des Lebens mit einem bewussteren Gebrauch der deutschen Sprache einhergehen.

Zweite Beobachtung: Es gibt sehr wohl englische Fremdworte, die wir brauchen, weil sie besser passen als ein ähnliches deutsches Wort. Das oben benutzte Wort „Trend“ gehört dazu. Es ist nicht gleichbedeutend durch das Wort „Entwicklung“ zu ersetzen. Eine „Entwicklung“ ist sowohl allmählich als auch zielgerichtet, bis zu einem gewissen Grade also auch, wenn sie einmal begonnen hat,. prognostizierbar. Ein „Trend“ ist schnell und sprunghaft und, wenn ein Trend einmal begonnen hat, dann ist er nicht im weiteren Verlauf vorhersehbar, sondern fast schon wieder vorbei.

Eine philosophische Bemerkung: Die englische Sprache ist die Sprache des Empirismus und der Induktion, also der Erfahrungsorientierung. Die deutsche Sprache ist die der Deduktion, der Ableitung des Konkreten vom Allgemeinen. Immanuel Kant war in diesem Sinn der typischste Deutsche: Er brauchte Königsberg nicht zu verlassen, um die Welt zu verstehen. Hat man die richtigen Allgemeinbegriffe, kann man alles Wissen daraus ableiten und braucht keine sinnliche Anschauung oder Erfahrung davon – das war seine Auffassung und sein Lebensgefühl und er hat damit die Deutschen vermutlich stärker geprägt als dies den meisten bewusst ist.

Die These, dass die beiden Sprachen mit bestimmten in ihren Ursprungsländern vertretenen Philosophien korrelieren, kann man übrigens an der Schreibweise von Adressen erkennen:
Die bis vor wenigen Jahren übliche deutsche Schreibweise war: „Max Mustermann – 12345 Hintertupfingen – Hauptstraße 67″: Der zu bestimmende Einwohner wird definiert durch die Stadt (das Allgemeinste) danach wird die Straße genannt und am Schluss die Hausnummer. Man geht also gedanklich vom Großen zum Kleinen, vom Allgemeinen zum Besonderen. „Englisch“ ist es, vom direkt sichtbaren, erfahrbaren auszugehen – das ist die Hausnummer, danach kommt die Straße, danach die Stadt und ggf noch die Grafschaft (man wohnt in „No. 10, Downing Street in London“ – vom Konkreten, Kleineren, zum Größeren, Allgemeinen)
Dass wir unsere Adressschreibweise dem englischen Modell zumindest teilweise angepasst haben (das Voranstellen der Hausnummer haben wir noch nicht, aber die Straße kommt inzwischen auch in Deutschland vor der Stadt), hat damit zu tun, dass auch unser Lebensgefühl längst vom Empirismus, von der Erfahrungssuche bestimmt ist. Kein Deutscher würde mehr in Königsberg wohnen bleiben und meinen, Nachdenken genügt, um die Welt zu kennen – nicht nur weil Königsberg gar nicht mehr deutsch ist. Die Deutschen sind längst Reiseweltmeister und haben die angelsächsische Welt vermutlich in der Erfahrungs- oder besser: Erlebnis-Sucht längst überrundet. Auch diese Beobachtung ist wertfrei und soll zunächst nur erklären, warum der verstärkte Gebrauch des Englischen in unsere Zeit und unsere Gesellschaft passt – so wie in andere Zeiten ein starker und manchmal ebenfalls übertriebener Gebrauch des Lateinischen oder des Französischen gepasst hat.

Und noch eine Beobachtung: Die deutsche Sprache wird durch das Englische weit weniger zerstört als viele Anti-Denglisch-Kolumnenschreiber behaupten. Erkennbar ist das an einer Beobachtung, die bisher m.W. noch in keiner „Denglisch-Kolumne“ Platz gefunden hat:

Das Englische, das wir übernehmen, zwängen wir bisweilen geradezu gnadenlos in die deutsche Grammatik hinein. Wir sagen zum Beispiel „das Girl“, analog zum deutschen Wort „Das Mädchen“, obwohl „Girl“ im englischen natürlich (der Erfahrung entsprechend) weiblich ist – wir müssten also „Die Girl“ sagen. Das deutsche Wort „Mädchen“ gilt ja nur deshalb als Neutrum , weil wir das allgemeine Prinzip „Verkleinerungen sind sächlich“ anwenden und „Mädchen“ die Verkleinerungsform von „Maid“ ist („Die Maid“ ist natürlich auch im deutschen weiblich, ist nur leider aus dem Sprachgebrauch fast gänzlich verschwunden). Wir deklinieren und konjugieren englische Worte auch ganz und gar deutsch – Wir „relax-en“ und setzen dabei die übliche Endung für die 1. Person Plural ans Ende. Noch heftiger: Wer etwas aus dem Internet heruntergeladen hat, sagt bisweilen, er habe es down-ge-loadet – denkt also so sehr deutsch, dass er selbst beim englischen Wort noch eine Vorsilbe erkennt, die bei der Bildung des Partizips ganz vorne stehen bleiben muss, genau wie bei „herunter-ge-laden“. Solange die deutsche Grammatik so gut funktioniert, kann ich im vermehrten Auftauchen von englischen Fremdworten zwar einen manchmal albernen Spleen – und manchmal auch, wie oben dargelegt, eine sinnvolle Ergänzung unseres Wortschatzes – erkennen; aber ich sehe damit nicht die Sterbestunde der deutschen Sprache eingeleitet. Unsere Sprache ist von ihrer Struktur her viel stärker als wir meinen – und im Grammatischen ja oft auch logischer und einfacher als das englische : Warum soll ich beim Verneinen oder Fragen immer ein überflüssiges Hilfwort einschalten? Diese Verrenkungen, die das englische manchmal macht, „tun nicht helfen der Verständlichkeit“ und werden sich deshalb bestimmt nicht durchsetzen, „werden sie?“

P.S.: Unter http://humanlanguages.com/rlerfeng.htm gibt es eine Auflistung „erfundener englischer Wörter“ im Deutschen. Neu für mich z.B.: auch „Longseller“ oder „Beamer“ gehören dazu.

Ich gehe mit meinem Hund spazieren. Es ist ein heller Abend, denn es ist Vollmond. Der Mond wirft ein faszinierendes Licht auf das Feld, an dem wir entlanggehen. Ich bleibe stehen und schaue gebannt auf die riesige silbrig-graue Mondscheibe. Plötzlich entdecke ich, dass mein Hund genauso dasteht wie ich, genauso gebannt ist von diesem Licht und genauso schräg nach oben schaut wie ich es tue. Blitzartig wird mir klar: So also „denkt“ ein Tier; letztlich bin ich nicht so viel anders als mein Hund; ich fühle mich ihm als Teil der Schöpfung verbunden. Und während mir das klar wird, während ich das in Gedanken formuliere, wird mir zugleich das andere klar: Diesen Gedankenschritt macht mein Hund nicht. Er tritt nicht neben die Situation und denkt über die Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier nach. Er kann und wird das, was wir in einem Augenblick ganz ähnlich erlebt haben, nicht reflektieren, nicht festhalten, nicht in Worte fassen. Erlebt haben wir das gleiche. Eine Erfahrung gemacht habe nur ich.
Sprache macht aus Erlebnissen Erfahrungen, Sprache ermöglicht Erfahrungen, Erfahrungen erschaffen die Sprache.
Diese ganz einfache Erkenntnis hat für viele Dinge Bedeutung – nicht nur für das Nachdenken über die Unterschiede zwischen Mensch und Tier. Sondern auch für die Frage, warum Menschen Abkürzungen erfinden, warum Wörter aussterben, warum so etwas wie „Denglisch“ entstehen konnte (oder musste?) und letztlich auch für die Frage, wie religiöser Glaube und Erfahrung zusammengehören und welche Rolle Missverständnisse in unserem Leben spielen. Genug Themen also für die nächsten Wochen!