Karl Barth war Mozart-Fan. Zu Karl Barths heutigem 125. Geburtstag deshalb ein paar Sätze von ihm, in denen er diese Mozart-Bewunderung theologisch begründet – fast könnte man diese Worte als  Barths „Heiligsprechung“ von Wolfgang Amadeus Mozart bezeichnen … :

„Warum kann man dafür halten, dass Wolfgang Amadeus Mozart in die Theologie (speziell in die Lehre von der Schöpfung und dann wieder in die Eschatologie) gehört, obwohl er kein Kirchenvater, … nicht einmal ein besonders beflissener Christ – und überdies auch noch katholisch! – gewesen ist …? Man kann darum dafür halten, weil er … hinsichtlich der in ihrer Totalität guten Schöpfung etwas gewusst hat, was die wirklichen Kirchenväter samt unserer Reformatoren so nicht gewusst oder auszusprechen gewusst haben. Er war in dieser Sache reinen Herzens, haushoch über den Optimisten wie den Pessimisten. 1756 – 1791! Es war die Zeit, in der man den lieben Gott wegen des Erdbebens in Lissabon in Anklagezustand versetzte und in der die Theologen und andere brave Leute ihn deswegen mühsam genug zu verteidigen hatten. Mozart aber hatte hinsichtlich des Theodizeeproblems den Frieden Gottes, der höher ist als alle lobende, tadelnde, kritische oder spekulative Vernunft. Es lag kampflos hinter ihm. Er hatte eben das gehört und lässt den, der Ohren hat zu hören, bis auf diesen Tag eben das hören, was wir am Ende der Tage einmal sehen werden: die Schickung im Zusammenhang. Er hat von diesem Ende her den Einklang der Schöpfung gehört, zu der auch das Dunkel gehört, in der aber auch das Dunkel keine Finsternis ist. … – das Leben, das das Sterben nicht fürchtet, aber sehr wohl kennt.“

KD III / 3 S. 337f.

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Ein Mann lässt sich seine Haare schneiden und seinen Bart trimmen. Der Friseur spricht während seiner Arbeit mit dem Kunden über viele Dinge, wie Friseure es so tun. Auch das Thema Gott wird berührt.

„Ich glaube nicht, dass Gott existiert!“, meint der Friseur.

„Warum?“ fragt der Kunde.

„Sie müssen nur auf die Straße gehen. Wenn Gott existierte, gäbe es dann so viele kranke Leute? Würde es so viele Kinder geben, die verlassen wurden? Würde es so viel Leid und Schmerzen geben? Gäbe es einen Gott, würde er alle diese Dinge nicht zulassen!“

Der Kunde antwortet nicht. Schließlich sind die Haare geschnitten. Der Bart ist gestutzt und der Friseur entlohnt.

Auf der Straße begegnet der Kunde einem Mann mit langen, schmutzigen Haaren und ungepflegtem Bart. Er geht zurück und sagt zum Friseur: „Friseure existieren nicht! Es gibt keine Friseure!“

„Wie kommen Sie darauf? Ich habe ich Ihnen doch gerade eben die Haare geschnitten und den Bart getrimmt!“

Der Kunde wiederholt: „Friseure existieren nicht, denn wenn sie existierten, gäbe es nicht so viele Menschen mit schmutzigem, langem, ungepflegtem Haar und ungetrimmtem Bart. Sehen Sie jenen Mann auf der Straße? Gäbe es Sie, würden Sie so etwas nicht zulassen!“

„Ach was! Ich existiere! Nur – die Leute kommen nicht zu mir!“

Der Kunde erwidert: „Eben! Auch Gott existiert. Nur kommen die Menschen nicht zu ihm und suchen ihn nicht. Auch deswegen gibt es so viel Schmerz und Leid in der Welt.“

(Autor unbekannt)

Kurzer Kommentar: Die Geschichte stellt nicht nur den Atheismus in Frage, der sich ja tatsächlich oft dieses Argumentes bedient, Gott „dürfe“ etwas nicht zulassen (nebenbei: Das ist eine sogenannte „Konvenienz-Theologie“, die per se unzulässig ist. Denn wenn Gott Gott ist, dann gehört es zu seinem Wesen als Gott, dass ich, der ich nur Mensch bin, ihm nicht vorschreiben kann, was er „darf“ oder „nicht darf“ …).

Sondern diese Geschichte stellt auch die in Frage, die an Gott „glauben“ in dem Sinne, dass sie seine Existenz akzeptieren. Das nützt nämlich nichts, solange ich mich trotzdem nicht um Gott kümmere, ihn nicht suche, nicht nach ihm frage und nicht seine Hilfe und Nähe erbitte – so wie mir der Friseur gegenüber nichts nützt, solange ich gar nicht hingehe …