„Christus erkennen, heißt seine Wohltaten erkennen“

„Gottes Geheimnisse soll man anbeten und nicht zerpflücken“

„Über himmlische Dinge muss man sich sein Urteil nach Gottes Wort und nicht nach der Geometrie bilden“

„O Unvernunft! O Finsternis! Irgendwo anders Trost zu suchen als von Christus!“

„Der Glaubensartikel von der Rechtfertigung ist es, der in die ganze Bibel hinein die Tür auftut“

„Der Glaube ist nicht allein dieses, dass ich wisse die Historien, wie Christus geboren und gelitten usw., sondern der Glaube ist die Gewissheit und das Vertrauen im Herzen, da ich die Zusage Gottes für gewiss und wahr halte, durch welche mir angeboten wird Vergebung, Gnade und alles Heil durch Christus“

„Alles, was du brauchst, erlangst du mit Bitten von Christus“

„Zum wechselseitigen Gespräch sind wir geboren“

„Das Gespräch ist die Mutter des Segens“

Kurz vor seinem Tod schrieb Melanchthon auf ein kleines Blatt, warum er den Tod nicht fürchte: „Du wirst von der Sünde erlöst, von den Sorgen befreit und von der Wut der Theologen … Du kommst zum Licht, du wirst Gott schauen und seinen Sohn, du wirst die wunderbaren Geheimnisse erkennen, die du in diesem Leben nicht begreifen konntest: warum wir so geschaffen sind und nicht anders und worin die Vereinigung der beiden Naturen in Christus besteht.“
 

 

Wir haben bei einem Elternabend zusammengetragen, was die Eltern der Konfirmanden den Jugendlichen wünschen. In alphabetischer Reihenfolge wurden genannt:

Abschluss

gute Ausbildung

Bodenständigkeit

Christliches Fundament

Ehrlichkeit

Erfolg
beruflichen Erfolg

schulischen Erfolg

Familie

Familiären Halt

eigene Fehler eingestehen

Freiheit

Freude

Freunde
wirkliche Freunde

Freunde fürs Leben

Frieden
Geborgenheit

Geborgenheit in Familie und Glaube

Gesundheit
Glauben
Glück
 
 
 
 
 

 

Gottvertrauen

Herausforderungen annehmen

Hoffnung

Kampfgeist

Kompromissbereitschaft

Kraft

Liebe
Nächstenliebe

Offenheit

Perspektiven

Rückgrat

Selbständigkeit

Selbstbewusstsein
gute Selbsteinschätzung
Selbstvertrauen
Sorgenfreie Zukunft

Soziale Sicherheit

Träume

Unabhängigkeit

Verständnis

Vertrauen

Vertrauen in andere

Verwirklichung der Wünsche, soweit das möglich ist (Beruf, Lebensplanung)

Viel Liebe

auf dem geraden Weg bleiben

eigenen Weg finden

Ziele

Zielstrebigkeit

Zufriedenheit
Zuhören können

Zuversicht

Am häufigsten genannt wurden Zufriedenheit, Gesundheit, Glaube und Glück. Aus den Wünschen wurde das Fürbittgebet formuliert, das Eltern im Konfirmationsgottesdienst gesprochen haben.

P.S.: Mehr zum Thema Konfirmation in diesem Blog: https://kraftwort.wordpress.com/2010/05/17/ein-gesprach-uber-die-frage-warum-lasse-ich-mich-mich-konfirmieren/

Geeignete Konfirmationssprüche sind hier zu finden:

https://kraftwort.wordpress.com/2010/05/20/eine-auswahl-an-schonen-bibelspruchen-zum-beispiel-zur-taufe-zur-konfirmation-oder-zur-trauung/

„Der wichtigste Schritt der Vernunft ist es, anzuerkennen, dass es eine Unzahl von Dingen gibt, die über sie hinausgehen. Sie ist nur dann stark, wenn sie dies erkennt. Und wenn die natürlichen Dinge über sie hinausgehen, was soll man dann von den übernatürlichen sagen?

Jesus hat die großen Dinge so einfach gesagt. Diese Klarheit ist wunderbar.“

Blaise Pascal
 
P.S.: Dieses Zitat steht auch im Hintergrund meiner 9,5 Thesen zur Religion, siehe https://kraftwort.wordpress.com/2009/07/25/95-thesen-zur-gegenwartigen-und-kunftigen-religiositat/ 
 
P.P.S.: Pascal ist natürlich nicht der einzige Denker, der gerade durch sein Nachdenken auch bei „Gott“ landet – guckst Du hier: https://kraftwort.wordpress.com/2010/01/30/ein-bedeutender-wissenschaftler-zur-gottesfrage/

Ehrenamtliche:  Der populäre Irrtum lautet: „Man kann die Wirkung kirchlicher Sparmaßnahmen wenigstens teilweise dadurch abmildern, dass mehr Aufgaben von Ehrenamtlichen übernommen werden.“

Im Bild gesprochen bleiben dann die „Angebote“ der Kirche gleich, sie werden nur nicht mehr von bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern von unbezahlten durchgeführt. Gottesdienste werden nicht mehr von Pfarrern, sondern von Laienpredigern gehalten, Jugendgruppen nicht mehr vom Gemeindepädagogen oder der Diakonin geleitet, sondern von einigen älteren Jugendlichen, die eine „Juleica“ haben. All das ist gut und schön und all das gibt es ja auch – gab es auch schon vor Einsetzen der ständigen Sparrunden bei der Kirche.  Nur: das Verhältnis von ehrenamtlicher zu hauptamtlicher Arbeit ist nicht beliebig veränderbar, schon gar nicht unter dem Druck eines Personallabbaus. „Ehrenamtliche machen Arbeit“: Dieser Satz ist doppeldeutig. Ehrenamtliche arbeiten und leisten viel Gutes in unserer Kirche, schon jetzt. Aber sie brauchen auch Betreuung, Anleitung, Fortbildung und – nicht zuletzt! – Seelsorge. Sie verursachen also auch Arbeit für die Hauptamtlichen und reduzieren deren Arbeit nicht (nur). Vermutlich gibt es einen „Schlüssel“ im Verhältnis von Haupt- und Ehrenamtlichen, der – je nachdem, was man alles zur ehrenamtlichen Arbeit dazuzählt – in der Größenordnung 1 zu 30 bis 1 zu 50 (wenn man nur „verantwortlich leitende“ Ehrenamtliche rechnet) oder bei 1 zu 100 bis 1 zu 150 liegen dürfte (wenn auch Gemeindebriefverteiler u.ä. mitgezählt werden). Das bedeutet: Sinkt die Zahl der Hauptamtlichen in einer Gemeinde, einem Dekanat, einem Kirchenkreis usw., so wird auch die Zahl der Ehrenamtlichen in diesem Bereich zurückgehen.

Sicher wird nicht in allen Bereichen das optimale mögliche Verhältnis von Ehrenamtlichen zu Hauptamtlichen erreicht und es ist wichtig, in die Ausbildung von Pfarrern und anderen kirchlichen Mitarbeitern die Gewinnung und Betreuung von Ehrenamtlichen und die Kompetenz zur Zusammenarbeit mit ihnen stärker zu berücksichtigen, um den ehrenamtlichen Bereich zu stärken. Aber die Hoffnung, Einsparungen durch das Ehrenamt aufzufangen, wird trügerisch bleiben und sowohl auf Haupt- und Ehrenamtliche einen unzulässigen und demotivierenden Druck ausüben, der alles noch schlimmer macht. Wenn gespart wird, müssen sich alle auf schmerzhafte Abschiede einstellen, alles andere ist Augenwischerei.

Verschärft wird die Problematik durch ein weiteres Problem: Auch die Menschen, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren, und die es auch tun, erleben ja in ihrem jeweiligen Beruf ebenfalls Personalabbau und Arbeitsverdichtung und sind oft dazu gezwungen, den Umfang ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit eher zu reduzieren als ihn auszubauen. Das bedeutet: Auch die ehrenamtliche Arbeit, die schon geschieht, muss künftig auf viel mehr Schultern verteilt werden. Das macht tendenziell eher mehr Hauptamtliche zu deren Betreuung notwendig als weniger.

Die Beziehungen, in denen Menschen leben, lassen sich grundsätzlich in zwei fundamental unterschiedliche Kategorien einteilen:

Es gibt Beziehungen, in denen ich lebe, ohne, dass ich mir den / die anderen selber ausgesucht haben – vorgegebene Beziehungen, die ich kurz „V“-Beziehungen nenne

Und es gibt Beziehungen, in denen ich lebe, weil ich sie mir selbst ausgesucht habe – die Wahlbeziehungen oder kurz „W“-Beziehungen.

Aus diesen beiden Abkürzungen ergibt sich er Begriff „VW-Modell“.

Das VW-Modell untersucht den unterschiedlichen Charakter dieser beiden Beziehungsarten und ermöglicht interessante Einblicke und Erklärungen für alltägliche Kommunkationsprobleme.

V-Beziehungen sind zum Beispiel Eltern-Kind-Beziehungen, die Beziehungen am Arbeitsplatz oder in der Schule, Nachbarschaft usw.

W-Beziehungen sind vor allem Liebesbeziehungen und Freundschaften.

Der Unterschied von V- und W-Beziehungen entspricht der Spannung von Sicherheit und Freiheit. In V-Beziehungen können Menschen Sicherheit erfahren , in W-Beziehungen wird Freiheit verwirklicht. Die „Tugend“ einer V-Beziehung ist die Treue, die Tugend der W-Beziehung die Liebe. In der V-Beziehung folgt aus der Nähe im Idealfall die Akzeptanz und Wertschätzung des anderen; in der W-Beziehung folgt aus der Wertschätzung des anderen die Nähe.

Wenn Menschen sich bei der Hochzeit versprechen, einander treu zu bleiben, bis der Tod sie scheidet, dann machen sie aus freien Stücken aus einer W-Beziehung auch eine V-Beziehung. Vermutlich folgen viele Probleme, die Ehepartner miteinander haben, genau aus diesem Wechsel – und daraus, dass sich die Beteiligten nicht klar machen, welchen hohen Anspruch sie mit diesem Schritt an sich selbst stellen; nämlich in ein und derselben Beziehung Freiheit und Sicherheit zu verwirklichen, Liebe und Treue zu üben.

Das VW-Modell macht auch deutlich, dass Liebe und Hass bzw. Freundschaft und Feindschaft keine symmetrischen Gegensätze sind: Liebe bzw. Freundschaft kennzeichnen eine positiv qualifizierte W-Beziehung, Hass bzw. Feindschaft kennzeichnen eine negativ qualifizierte V-Beziehung. Anders ausgedrückt: Menschen haben das Bedürfnis nach Liebe und Freundschaft und suchen sich Menschen, mit denen sie dies erleben und verwirklichen können. Einen Freund sucht man sich aus. Einen Feind sucht man sich aber nicht aus. Ein Feind ist ein Mensch, der schon da ist, zu dem bereits eine V-Beziehung besteht (zB der Kollege, mit dem man um einen Aufstieg konkurriert, der Nachbar, der andere Vorstellungen von Gartengestaltung oder Nachtruhe hat als man selbst usw.). Diese V-Beziehung wird auf Grund von objektiven Interessenskonflikten und / oder persönlicher Abneigung zu Feindschaft; aber eben nur, weil man sich nicht aus dem Wege gehen kann. Der Gegensatz zur Liebe (der andere ist mir wichtig und wertvoll) ist daher eigentlich die Gleichgültigkeit (der andere bedeutet mir nichts). Wird Hass als aktive Ablehnung verstanden, dann ist er letztlich das Gegenteil von Annahme bzw. von Treue (die ja die V-Beziehung positiv qualifiziert).

Heute:

D wie Deutschland

Der populäre Irrtum lautet: „Deutschland ist kein christliches Land mehr“
Warum ist dies ein Irrtum?
Der Satz setzt voraus, dass Deutschland früher ein „christliches Land“ war. Aber wann soll das denn gewesen sein? Als zwischen 1933 und 1945 Juden und andere in Konzentrationslagern umgebracht wurden – war da Deutschland etwa ein „christliches Land“? Als im dreißigjährigen Krieg sich die Deutschen untereinander bekriegten, unter Berufung auf die angeblich jeweils wahre Gestalt des Christentum, war das etwa im Sinne Jesu Christi? Und als in Deutschland Menschen als angebliche „Hexen“ verbrannt wurden, war Deutschland da im Kern vom Geist Christi geprägt? Wann, bitte, soll Deutschland ein „christliches Land“ gewesen sein? Sicher: Christen gab und gibt es in diesem Land seit über tausend Jahren, manchmal hatten sie Einfluss, manchmal nicht, manchmal haben sie geirrt, manchmal waren sie in der Wahrheit – und vielleicht ist ihre Zahl und ihre Glaubwürdigkeit heute eher größer als in manchen anderen Epochen der deutschen Geschichte Aber ein „christliches Land?“ Vielleicht werden wir’s eines Tages. Aber dann müsste der Satz heißen: „Deutschland ist noch kein christliches Land“.

 

 

These 1. „Der Mensch ist unheilbar religiös“ (Nikolai Berdjajew) – und das ist gut so

These 2. Entgegen der landläufigen Gegenüberstellung von Religion einerseits und Wissenschaft andererseits ist festzuhalten: Wissenschaft und Glauben haben ihren gemeinsamen Ursprung in der menschlichen Fähigkeit zu staunen, also aus der Selbstverständlichkeit des instinktiven Lebensvollzuges herauszutreten und Fragen zu stellen.

These 3. Das Wort „Religio“ heißt nicht, wie oft behauptet wird, „Rückbindung an Gott“, sondern „Zurückweichen, Zögern, Schaudern“ und meint das Gefühl, das Menschen z.B. haben, bevor sie eine Schwelle überschreiten oder eine Tür öffnen, wenn sie einen Augenblick innehalten und sich fragen: Was tue ich da eigentlich?

These 4. Religion ist also im Wesenskern eine (prinzipiell positive) Selbst-Distanzierung und Selbst-Infragestellung des Menschen und das Bewusstsein, nicht selbstverständlich, nicht zufällig und nicht aus sich selbst heraus zu existieren.

These 5. Jeder Mensch hat eine angeborene Ahnung des Heiligen und kann Erfahrungen des Heiligen als „Faszinosum et Tremendum“ (das Faszinierende und zugleich Erschreckende) machen

These 6. Wo diese ekstatischen Erfahrungen nicht mehr im Kontext einer Religion (d.h. in einem überindividuellen Deutungszusammenhang) gemacht werden, tritt an die Stelle der religiösen Erfahrung die Suche nach dem „ultimativen Kick“ , die Selbstinszenierung in Kosmetik bzw. in Fitness als Körperkult oder die religiöse Aufladung von Sexualität und Erotik.

These 7. Der „Gotteskomplex“ (Horst-Eberhard Richter), der Allmachtswahn, also die Selbstüberschätzung des neuzeitlichen Menschen ist die Ursache für den Raubbau an der Schöpfung, für die totalitären Ideologien von Nationalsozialismus und Stalinismus und für die unheilvolle Totalökonomisierung aller Lebensbereiche. Deshalb ist das in jüngster Zeit wieder stärkere Bewusstsein für die religiöse Dimension des Menschen ein hoffnungsvolles Zeichen

These 8. Gerade die religiös und weltanschaulich neutrale Demokratie braucht, als Wurzel einer echten Toleranz, die in allen Religionen gelehrte religiöse Tugend der Demut – d.h. der Bereitschaft zur Selbstbeschränkung und damit der Akzeptanz der in der Demokratie aus gutem Grund essentiellen Begrenzung menschlicher Macht. Zu den Gegenwartsaufgaben der Menschheit gehört es, Mechanismen der Machtbegrenzung auch für den Bereich der Wirtschaft zu organisieren

These 9. Es ist nicht förderlich, Religion um der Exzesse einer religiös begründeten Gewalt oder um des Fundamentalismus willen, prinzipiell misstrauisch zu betrachten. Natürlich sind Gewalt und Terrorismus aufs Schärfste abzulehnen, ob religiös begründet oder nicht, Menschen werden aber nicht deshalb gewalttätig, weil sie religiös sind. Sondern Menschen werden gewalttätig, weil sie (theologisch gesprochen) Sünder sind. Die Überwindung dieser Sünde ist aber gerade nicht möglich ohne Religion. Genauso wie es religiösen Fundamentalismus gibt, gibt es auch einen fundamentalistischen Atheismus. Vielleicht ist die Versuchung des Atheismus, intolerant zu werden, sogar besonders groß, weil er sich gerne (zu Unrecht) für „wissenschaftlich“ hält und als einzige Religion die Tugend der Demut nicht kennt.

These 9 ½: Religion ist keine Sache von gestern, sondern eine Sache von morgen!

P.S. Eine Erfahrung, die mich auf die Spur von These 3 gebracht hat, ist hier nachzulesen: https://kraftwort.wordpress.com/2009/06/07/sprache-ist-der-ort-der-erfahrung-1/