https://blasphemieblog2.wordpress.com/2017/03/20/10-jahre-verboten-jetzt-erlaubt-heidenspass-party-in-muenchen/

In diesem Jahr wurde trotz des eigentlichen Tanzverbots am Karfreitag eine Tanzveranstaltung mit dem Titel „Heidenspaß“ in München genehmigt. Begründung: Sie dürfe nicht verboten werden, wenn der Tanz eine bewusste religiöse Abgrenzung gegen das Christentum darstellt, was die Veranstalter auch tatsächlich beabsichtigen (Sie nutzen damit also nicht nur den freien Tag, der ihnen, wenn sie den Todestag Jesu nicht für wichtig halten, eigentlich gar nicht zusteht, sondern auch die Religionsfreiheit, die sie ansonsten bekämpfen). Besonders pikant: Während die Atheistenfundis in aller Regel für sich in Anspruch nehmen, Hüter der Toleranz zu sein (im Gegensatz zu den von ihnen egrne so genannten „Religioten“) schlägt in diesem Zusammenhang auf dem AMB einer der Diskutanten vor, man solle doch auf dieser Veranstaltung ein Bild von Jesus mit  Füßen treten … Soll das ein Beweis für die tolerante Haltung von Atheisten sein?

 

Schon mehrfach habe ich hier und andernorts den Begriff „Fundamentalistische Atheisten“ gebraucht und auf Parallelen zwischen der Intoleranz von religiösen Fundis und der von atheistischen Fundis hingewiesen. In den letzten Ttagen bin ich selbst (und mit mir „Hal“, ein atheistischer Gesprächspartner, der gerne mit mir diskutiert hätte) ein Opfer der Zensur auf dem Atheist Media Blog geworden. Ich dokumentiere das hier mal in den wesentlichen Auszügen:

Auszug aus: https://blasphemieblog2.wordpress.com/2015/08/31/tv-tipp-die-akte-galilei-wissenschaft-und-glaube/
– Hervorhebungen und kursiv geschrieben Anmerkung von mir –

„Hal“ am 6.9.2015:
(im Rahmen einer Diskussion über eine Fernsehsendung zu Glaube und Wissenschaft):


Ich bin verdammt neugierig und würde einen ernsthaft Gläubigen gerne ein paar Fragen stellen, ich möchte meinen völlig verschlossenen Horizont erweitern, denn es gibt einige Dinge die ich nicht verstehe. Spiritualität ist eines dieser Dinge oder Begriffe die ich nicht verstehe, obwohl ich tiefe emotionelle Erlebnisse gehabt habe, könnte Beethovens 9. mit Chor und Live ein solches sein? Ein Punkkonzert? Naturerlebnisse? Oder sind spirituelle Erlebnisse per Definition überunnatürlich?

kraftwort am 9.9.:
@hal (22 / 24) Sorry, dass ich erst jetzt antworte. Ich habe Deine Frage zum Anlass genommen, mal zu versuchen, meinen Glauben so verständlich zu machen, dass ich ihn in Verbindung mit eigenen Erfahrungen erkläre. Einen ersten Teil dieses Versuchs habe ich auf meinem Blog auf einer Extra-Seite veröffentlicht https:// – Ich würde mich freuen, wenn wir die Diskussion dorthin verlegen könnten (hier hätte ich bei meinen zweifellos angreifbaren, weil persönlichen Äußerungen vermutlich mit zuvielen “Verquirlte Scheiße”-Kommentaren und ähnlichem zu rechnen). Mich würde interessieren, was Du von meinem Versuch hältst (Teil 2 und 3 sind in Vorbereitung, aber auch schon Teil 1 gibt m.E. genug Diskusisonsstoff)
Freundliche Grüße
Barnabas
(den Namen habe ich übrigens gewählt, weil Barnabas in der biblischen Apostelgeshcichte wohl noch vor Paulus der erste Christ war, der die Gedanken derer, die man “Anhänger des neuen Weges” und später Christen nannte, auch für Nichtjuden verständlich machen konnte und so der erste “Heidenmissionar” war. Paulus war anfangs nur sein Mitarbeiter, hat sich dann mit ihm überworden und die größere Wirkung entfaltet. Aber ohne Barnabas wäre auch Paulus nicht das geworden, was er geworden ist. Zweiter Grund für den Namen: Es gibt ein tolles Karikaturenbuch “Die Bibel des Bruder Barnabas”, das Bibel, Glaube und Kirche in humorvollen Karikaturen verarbeitet – eiens meiner Lieblingsbücher. Auch das übrigens für mich ein glaubensargument: Ich kenne keine atheistischen Karikaturisten, die ihre Weltanschauung und sich selber auch mal auf die Schippe nehmen oder humorvoll betrachten …)
Wichtige Anmerkung: . wie zu erkennen ist,  hat „Charlie“ (der Betreiber des AMB)  den Link zu meinem Blog gelöscht –

„Charlie“ am 9.9.
@Kraftwort    „Ich würde mich freuen, wenn wir die Diskusison dorthin verlegen könnten“

So nicht!!! Entweder du diskutierst hier mit uns oder lässt es bleiben. Auf die eigene Seite verlinken, Off-Topic diskutieren und Leser abwerben ist hier nicht gern gesehen!!

„Ich kenne keine atheistischen Karikaturisten, die ihre Weltanschauung und sich selber auch mal auf die Schippe nehmen oder humorvoll betrachten …)“

Atheismus bietet keine Vorlage für eine Karikatur!! Wir haben weder ein heiliges Buch, Glaubensvorschriften oder was uns sonst von Religion unterscheidet! Atheismus ist auch keine Weltanschauung. Eine atheistische Weltanschauung ist der Naturalismus!

Hal am 9.9.
@charlie
“ … Off-Topic diskutieren und Leser abwerben ist hier nicht gern gesehen!!“

Ist ersteres bei einen “in der Zeit versunkenen Thread” nicht gang und gebe? Eigentlich kann ich nicht “abgeworben” werden und würde es ganz klar vorziehen hier weiter zu diskutieren, welches auch nicht völlig off-topic wäre, its going off a tangent. 😉

@kraftwort/Barnabas

Kannst Du nicht einfach den ersten Teil auch hier veröffentlichen? (Charlie hat die Verlinkung entfernt;)

Irgendwie kommt es mir spanisch vor, wenn Du es ungemütlich findest von einen Rudel blutrünstigen Atheisten verbal überfallen zu werden und dennoch wiederholt im AMB kommentierst, wenn auch nur zaghaft, das passt doch nicht zusammen!
Gibt Dein Glaube Dir nicht eine gewisse Leidensfähigkeit, bzw. fordert Dein persönliches Martyrium, auch wenn es, wie hier, nur virtuell ist? Leidensfähigkeit ist für extrovertierte Atheisten eine Voraussetzung, denn es kommen immer wieder die selben Sprüche oder Apologien (Entschuldigungen(für den persönlichen Glauben)) die schon gefühlte tausendmal von anderen zu Felde geführt wurden.
Deswegen würden Deine Antworten vielleicht meine unersättliche Neugier befriedigen.
ps: Wenn Du Evangelikal oder sonst wie missionärrisch unterwegs bist, können wir uns die Mühe ersparen.
Kraftwort am 10. 9.:
@Charlie:
Schade, dass Du solche Zensur nötig hast. Die gibt es auf meinem Blog übrigens nicht. Wenn dort jemand im Rahmen einer Diskussion auf seine eigene Seite hinweist, lasse ich das natürlich stehen, auch wenn er eine andere Meinung vertritt als ich.. Warum denn auch nicht?

– Anmerkung: Diese Antwort wurde von Charlie zensiert. Im Original stand: „auf meinem „Kraftwort-Blog“ gibt es das nicht … –

„Charlie“ am 11. 9.:
@kraftwort
Hier verlinken andere auch auf ihre Blogs, das ist nicht das Problem. Trotzdem erlaube ich keine Verlinkung auf christliche Seiten. Punkt! Akzeptpieres wie alle anderen Christen die mit dieser Masche gekommen sind! Christen spielen ungern auswärts, gelle. 😉

Ich weiß nicht welches Ziel du hier verfolgst, aber man kann hier nur spielen, wenn man die Spielregeln einhält.

Die Antwort von „Kraftwort“, die daraufhin gepostet wurde, wurde überhaupt nicht mehr freigeschaltet …

Ergebnis: Hal kann meine Antwort nicht bekommen – Charlie zensiert meine Beiträge oder veröffentlicht sie gar nicht, also kann ich Hal nicht verlässlich auf dem AMB antworten, der Hinweis auf den Ort meines Textes zum Thema Glauben wird entfernt, selbst der Blog-Name, damit man ihn auch mit Googeln auf keinen Fall findet; Charlie verteidigt sogar sein eigens Kontaktsperregesetz noch. Trotzdem wimmelt sein Blog von Posts, die den Eindruck erwecken sollen, Religionen seien per se und immer intolerant und der Atheismus sei der Hort der Toleranz …

Auch interessant: Nebenbei ist ehrausgekommen, dass Charlie jedenfalls tatsächlich humorlos ist und das auch noch gut findet (was IMHO wiederum dem Wesen einer fundamentalistischen Anschauung entspricht)

Die „offizielle Linie“ der EKD zum Themenjahr Reformation und Toleranz habe ich mehrfach kritisiert – weil ich nicht der Meinung war (und bin), man könne oder müsse sich dafür entschuldigen, dass Luther nicht offensiv den Toleranzbegriff der Aufklärung gepredigt hat. (Meine Kritik findet man hier: https://kraftwort.wordpress.com/2012/10/30/nachdenklicher-brief-an-einen-vordenker/)

Schön, dass auch weit kompetentere Theologen als ich in ähnlicher Weise das EKD-Themenheft kritisieren. Der Berliner Historiker Heinz Schilling, Auor einer lesenswerten neuen Lutherbiografie, sagt in einem Interview:

„Luther kann nicht am Toleranzbegriff des 21. Jahrhunderts gemessen werden. Der Toleranzbegriff nach der Aufklärung ist ein anderer als zur Zeit Luthers. Die Religion war damals die Zentralachse des öffentlichen wie des privaten Lebens. Da war Toleranz im heutigen Sinne nicht möglich. Es ist daher völlig unhistorisch – wie es in einer Broschüre der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geschieht – die Untoleranz Luthers herauszustellen oder sich gar für diese historische Position Luthers zu entschuldigen. Es geht vielmehr darum herauszuarbeiten, warum Luther hier eine andere Einstellung hatte als wir heute und wie er dennoch mit dazu beigetragen hat, dass sich der moderne Toleranzbegriff entfalten konnte.“

(Fundort: http://www.petrus-giesensdorf.de/themen/2013/03/luther-toleranz.htm, abgerufen am 10.12.2013)

Es gehört in diesem Jahr in der EKD leider zum guten Ton, ständig hervorzuheben, wie wenig tolerant die Christen lange Zeit gewesen seien. Nikolaus Schneider und Thies Gundlach sind die prominentesten Vertreter dieser Argumentationslinie. Dass das ein unsinniger Ansatz ist – ohne damit die Fehlentwicklungen und Defizite in der Kirchengeschichte beschönigen zu wollen – habe ich prinzipiell schon mal hier dargelegt:  https://kraftwort.wordpress.com/2012/10/30/nachdenklicher-brief-an-einen-vordenker/

Zum Nachdenken sollte deshalb in diesem Zusammenhang anregen, dass die Gegner des Christentums am Christentum genau das kritisieren, was es nach Schneiders und Gundlanchs Meinung zu wenig hat – nämlich seine Toleranz (auf deutsch: Duldsamkeit). Einer der prominentesten Christenhasser hat das so ausgedrückt:

„Wir Deutschen haben überhaupt das Unglück, die falsche Religion zu besitzen. Warum haben wir nicht die der Japaner, die das Opfer für das Vaterland als das höchste ansieht? Auch die mohammedanische Religion wäre für uns viel geeigneter als ausgerechnet das Christentum mit seiner schlappen Duldsamkeit …“ (Adolf Hitler, übermittelt von Albert Speer in „Erinnerungen“ Berlin 2005 S. 110)

Das Thema „Reformation und Toleranz“  soll 2013 im Mittelpunkt der Reformationsdekade stehen – das Themenjahr wurde bereits am zurückliegenden Reformationsfest eröffnet. Mein Beitrag dazu: Das Anlegen einer kleinen theologischen Zitate-Sammlung – wobei das Thema bei mir „Theologie und Toleranz“ lauten soll; denn es geht mir einerseits um eine theologisch fundierte Toleranz (und nicht um das Nachplappern der wohlfeilen These, Toleranz sei eigentlich erst ein Produkt der Aufklärung und als solches einer eigentlich intoleranten Theologie nachträglich von außen eingepropft worden … – siehe https://kraftwort.wordpress.com/2012/10/30/nachdenklicher-brief-an-einen-vordenker/) – andererseits will ich offen dafür bleiben, auch Belege theologischer Toleranz auch außerhalb der reformatorischen Theologie bzw. vor und nach der Reformationszeit zu finden. Natürlich sollen auch die unrühmlichen Intoleranz-Traditionen nicht geleugnet werden – aber der Ansatzpunkt für ihre Kritik muss in der Theologie gefunden werden (und da liegt er ja auch). Deshalb ist die Suche nach den theologischen Toleranztraditionen von der Bibel bis heute das entscheidende Anliegen dabei.

Zum Auftakt aber erst einmal ein Lutherzitat. Er schreibt (bzw. sagt) in einer seiner Invokavitpredigten  (mit denen Luther nach seinem Wartburg-Aufenthalt die intoleranten Bilderstürmer um Karlstadt in Wittenberg gestoppt hat):

„Ich kann nicht weiter kommen als bis zu den Ohren. Ins Herz kann ich nicht kommen. Weil ich denn den Glauben nichts ins Herz geben kann, so kann und soll ich niemanden dazu zwingen oder dringen; denn Gott tut das alleine und macht, dass das Wort im Herzen sei.“

(Karin Bornkamm [Hg] Martin Luther Ausgewählte Schriften Insel-Verlag Frankfurt, 1983²  S. 278)

P.S. Update 2016: Einen ähnlichen, ausführlicheren Luthertext zum Thema gibt es übrigens hier

„Toleranz war kein Kernthema der Reformation. Der Gedanke, andere Haltungen anzuerkennen, kam erst mit der Aufklärung“ – behauptet der „EKD-Vordenker“ Thies Gundlach auf evangelisch.de und in einem Heft zum Themenjahr „Reformation und Toleranz“. Zu lesen ist das Ganze hier:

http://aktuell.evangelisch.de/artikel/21945/toleranz-mussten-die-evangelischen-erst-lernen

Ich denke, das kann man so nicht stehen lassen und habe deshalb darauf folgendes geantwortet:

Lieber Herr Gundlach, das ist mir zu einfach: „Die Reformation hat das mit der Toleranz nicht geschafft und die Kirchen mussten erst von der Aufklärung dazu gezwungen werden.“ (So habe ich den Duktus Ihres Artikels verstanden). Warum ist das zu einfach, ja sogar falsch?
1. Es geht beim Reformationsgedenken doch ohnehin nicht um das „Feiern von Helden“, sondern um die dankbare Erinnerung an die Wiederentdeckung der biblischen Quellen. Das heißt: das Thema Toleranz muss zuerst biblisch durchdacht werden – und dann müssen wir einsetzen mit dem „Dulden“ (Tolerare) das Jesus auf seinem Leidenweg praktiziert hat. Zu erinnern ist auch daran, dass Jesus niemanden zum Glauben gezwungen hat. Im Gegenteil: er hat das als Versuchung des Teufels sogar ausdrücklich zurückgewiesen (Matth 4 und Lukas 4). Jesus hat das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen erzählt und vor dem fanatischen Ausraufen des Unkrauts gewarnt (Matth 13). Und Paulus hat mit seinem genialen Satz „Jeder sei seiner Meinung gewiss“ und dem anschließenden „Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat“ ein Toleranzmodell entwickelt, das weit tragfähiger ist als das neuzeitlich-aufgeklärte „Das muss jeder selber wissen“ oder ein Ausklammern der wichtigsten Fragen, die Menschen bewegen, unter dem hilflosen Motto „Religion ist Privatsache“
2. Martin Luther hat mit der Zwei-Reiche-Lehre sehr wohl bereits die Basis für eine theologisch reflektierte Toleranz gelegt; denn hier wird streng unterschieden zwischen dem, was mit staatlicher Macht und Gewalt geregelt werden kann, darf, oder sogar muss und was nicht – Glaubensangelegenheiten nämlich. Auch Luthers berühmter Satz „Lasst die Geister aufeinanderplatzen“ darf hier erwähnt werden. Und dass er in der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ es als albernen Unfug bezeichnet hat, wenn Prediger, statt das Wort Gottes zu verkündigen, auf die Juden schimpfen … – Dass in der Kirchengeschichte sowohl von den biblischen als auch von den reformatorischen Grundlagen immer wieder abgewichen wurde (auch schon von Luther selbst, als der Altersstarrsinn ausbrach), braucht man deshalb nicht zu verschweigen. Aber es ist grundfalsch, das als den „Normalfall“ hinzustellen, von dem sich dann alles, was sich Aufklärung nennt, rein und unschuldig abhebt …
3. Dass die Aufklärung nun den eigentlich entscheidenden und unumkehrbaren Impuls zur Toleranz gebracht hätte. stimmt so einlinig schon deshalb nicht, weil auch die Aufklärungsideale längst nicht von allen, die sich darauf berufen haben, verwirklicht wurden – in der Französischen Revolution wurde die Guillotine erfunden, und die kommunistischen Diktaturen haben sich natürlich als konsequente Verwirklichung der Aufklärung verstanden. Das ist strukturell nichts anderes als das, was – trotz anderer Grundlegung – in der Kirchengeschichte an Versagen zu beklagen ist. Es geht nicht an, die Aufklärung nur nach der hehren Theorie, die Reformation (ohne die es auch keine Aufklärung gegeben hätte) aber nur nach der Praxis – und da auch nur nach den Versagensaspekten derselben – zu beurteilen …
Warum fehlt all das in Ihrem Artikel?

P.S. Das Thema wird fortgesetzt – und zwar hier: https://kraftwort.wordpress.com/2012/11/18/zitate-theologie-und-toleranz-luther-niemanden-zum-glauben-zwingen – und im Anschluss daran mit einer das ganze Toleranzjahr fortlaufenden Zitatensammlung zum Thema. Wer möchte, ist zum Mitdiskutieren herzlich eingeladen!

„Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht“ Das ist die „Moral“ eines Kinderbuches, das als „atheistische Kinderbibel“ in Kreisen des missionarischen Atheismus Kultstatus genießt und vom Verfasser schon mal selbst in aller Bescheidenheit als „weltweit einzigartig“ bezeichnet wird: „Wo bitte geht’s zu Gott, fragte das kleine Ferkel“  (http://www.schmidt-salomon.de/ferkel.htm – die Behauptung der Einzigartikeit findet sich dort unter dem FAQ-Link).

Man könnte eine Menge dazu sagen, manche haben das auch schon getan. Dass der Jude dort natürlich mal wieder eine Hakennase hat, dass die Vertreter der Religionen Judentum, Christentum und Islam ständig geifernde Sprüche absondern und hässliche Fratzengesichter haben ist nur das eine und lässt mich fragen, wie die genannte Seite eigentlich ausgerechnet zu der Behauptung kommt, das Buch sei „liebevoll (sic!) illustriert“? Atheisten tragen gerne die Behauptung vor sich her, sie würden zur Toleranz erziehen und unterstellen religiösen Eltern gerne das Gegenteil. Diese Behauptung wird durch dieses Buch bestimmt nicht untermauert …

Am wichtigsten finde ich aber die Auseinandersetzung mit dem genannten letzten Satz des Buches: „Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht“  Ich habe Atheisten erlebt, die darob in Verzückung geraten, wenn sie diese Worte zitieren, weil sie sie so furchtbar genial finden. Dabei sind sie völlig nichtssagend. In der Zeit, in der die Menschen keine Autos kannten, brauchte auch keiner eines. Tiere, die keine Beine haben – wie Fische zum Beispiel, brauchen auch keine. Jedes Lebewesen kann nur etwas nur brauchen, also benötigen und / oder benutzen (oder auf die Idee kommen, es zu brauchen), wenn es das, was es evtl. brauchen könnte auch gibt und wenn es davon weiß, es also kennt. „Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht“ ist also eine nahezu tautologische Banalität. Das ist das eine.

Das andere ist allerdings eine sich daran anschließende Kritik, die sich nicht nur Atheisten, sondern auch viele fromme Christen gefallen lassen müssen: Dass nämlich oft Nützlichkeit und Wahrheit verwechselt oder in einen Topf geworden werden.  Meister Eckhart sagt völlig zu Recht:

„Etliche Leute wollen Gott mit Augen schauen, so, wie sie eine Kuh betrachten, und wollen Gott genauso minnen, wie sie eine Kuh liebhaben. Die Kuh, die minnest du um die Milch und um den Käs‘, um deinen eigenen Nutz. So tun alle jene Leute, die Gott minnen um auswendigen Reichtums oder um einwendigen Trostes willen. Solche Leute minnen Gott nicht auf rechte Weise, sondern sie minnen ihren eigenen Nutzen. Und wahrlich, solches Minnen wird dir zum Hindernis auf dem Weg zur allernächsten Wahrheit.“ (zit. nach: http://www.evlka.de/extern/rinteln/choralschola/zu_Meister_Eckhart.htm)

Wir können den Schlusssatz des Ferkelbuches also umformulieren und ihn – in Anlehnung an Eckarts Kuh-Diktum – sowohl Christen wie Atheisten ins Stammbuch schreiben: „Wer Gott nur braucht, der kennt ihn nicht“