Eine interessante Endeckung: Das Blablameter. Guckst Du hier: http://www.blablameter.de/index.php Das Blablameter testet Texte darauf, ob sie – zum Beispiel durch einen übertriebenen „Nominalstil“ – sprachlich gesehen viel „blabla“ enthalten. Leider werden die Kriterien nicht völlig offen gelegt, aber die Idee finde ich nicht schlecht. Der Index zeigt Werte zwischen 0 und 1, wobei 0.00 die beste Wertung („bullshitfrei“) bedeutet, die allerdings nach Angaben der Seite praktisch unerreichbar bzw. auch schon wieder verdächtig ist …

Ein „Selbstversuch“ war ganz interessant: Ich habe eine ganze Reihe Texte aus meinem Blog einmal durch diesen Test gejagt und zu meiner Freude immer positive Werte (immer unter 0.2, oft sogar unter 0.1) erreicht. Den „besten“ unter meinen Texten habe ich aber nicht selbst geschrieben (nur ein wenig bearbeitet) – das ist meine Anspielversion von Tolstois Geschichte „Vom König, der Gott sehen wollte“ (https://kraftwort.wordpress.com/2011/01/15/vom-konig-der-gott-sehen-wollte-ein-kleines-theaterstuck/) – dieser Text bekam die praktisch nicht mehr zu toppende „de-facto-Bestnote“ von 0.01!

Zum Vergleich: Ein Ausschnitt aus einer Regierungserklärung bekam den Wert 0.44, was das Blablameter so interpretiert: „0.44 Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft – Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken.“ 

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Ein Anspiel nach einer Geschichte von Lew Tolstoi – zum Beispiel für Konfirmandenunterricht oder Familiengottesdienst

Erzähler: Einst lebte ein mächtiger König. Eines Tages rief er seine Priester und seine Weisen zu sich, weil er einen besonderen Wunsch hatte.
König: Ihr Priester! Sagt mir: Bin ich der mächtigste König, den es gibt?
Priester: Ja, ihr seid der Mächtigste, Majestät!
König: Ihr weisen Männer! Sagt mir: Kann ich alles bekommen, was ich möchte?
Weise: Ja, das könnt ihr, Majestät!
König: Dann möchte ich Gott sehen. Wenn es Gott gibt, dann muss ich diese Macht kennenlernen. Ich will Gott sehen. Ihr, Priester und Weise, müsst ihn mir zeigen. Ihr habt dafür eine Woche Zeit. Sonst kostet es euch euren Kopf!
Erzähler: Die Priester und die Weisen erschraken. Wie sollten sie ihr Leben retten? Die Woche verging, und sie hatten keine Idee. Im ganzen Land sprachen die Menschen über den Wunsch des Königs, und alle warteten ängstlich daruf, ob er tatsächlich seine Priester und Weisen töten würde, wenn es ihnen nicht gelingt. Nach einer Woche rief er seinen Hofstaat wieder zusammen.
König: Nun, meine Priester? Nun, meine Weisen? Wer von euch wird mir Gott zeigen?
Erzähler: In diesem Augenblick klopfte es an die Schlosstür. Herein kam ein armer Mann in Lumpen, ein Hirte.
Hirte: Ich bin zwar kein Weiser und auch kein Priester, mächtiger König. Aber wenn du es erlaubst, will ich dir deinen Wunsch erfüllen. Ich werde dir Gott zeigen.
König: Nun gut – so soll es sein. Aber bedenke: es geht um deinen Kopf!
Erzähler: Der Hirte nahm den König mit auf ein Feld. Dort hob er seine Hand und zeigte zum Himmel:
Hirte: Sieh in die Sonne, großer König!
Erzähler: Der König blinzelte in die Sonne, hielt sich die Hand an die Stirn und sagte
König: Willst du, dass ich erblinde?
Hirte: Aber, König, das ist doch nur ein Ding der Schöpfung, ein schwacher Abglanz der Größe Gottes, ein kleines Fünkchen eines flammenden Feuers. Wie willst du mit deinen schwachen, trägen Augen Gott sehen? Suche ihn mit anderen Augen!
Erzähler: Der Einfall gefiel dem König. Er sagte zu dem Hirten:
König: Ich erkenne deinen Geist und sehe die Größe deiner Seele. Beantworte mir deshalb auch folgende Frage: Was war vor Gott?
Erzähler: Der Hirte muss eine Weile nachdenken. Doch dann wendet er sich an den König:
Hirte: Sei nicht zornig wegen meiner Bitte, aber: zähle!
König: Eins, zwei, drei, vier …
Hirte: Nein, nein, nicht so. Fang mit dem an, was vor eins kommt.
König: Wie kann ich denn? Vor eins gibt es doch nichts.
Hirte: Sehr weise gesprochen! Auch vor Gott gibt es nichts.
Erzähler: Diese Antwort gefiel dem König noch besser als die vorhergehende.
König: Ich werde dich reich beschenken. Vorher aber antworte noch auf eine dritte Frage: Was tut Gott?
Erzähler: Der Hirte sah, dass das Herz des Königs weich geworden war und er antwortete ihm wieder mit einem Vorschlag:
Hirte: Gut, auch darauf will ich dir antworten. Nur um eines bitte ich dich: Lass uns die Kleider einen kurzen Augenblick tauschen.
Erzähler: Der König ging darauf ein und sie tauschten die Kleider.
Hirte: Genau das macht Gott: Er tauscht die Kleider mit uns. Er stieg vom Thron seiner Erhabenheit und wurde einer von uns. Er gibt uns, was er hat und nimmt das an, was wir haben und sind.
(WR nach Leo Tolstoi)

Noch ein Anspiel in diesem Blog, das für Gottesdienste und Unterricht geeignet ist, gibt’s hier:

https://kraftwort.wordpress.com/2009/11/11/das-nilpferd-ein-kleines-theaterstuck-fur-einen-erzahler-und-zwei-schauspieler-fur-ein-nilpferd-naturlich-sowie-fur-ein-auto-und-eine-badewanne/

Im Jahr 1910 starb Leo Tolstoi. Zum Gedenkjahr an dieser Stelle ein Link und ein Zitat:

Leo Tolstois Volkserzählung „Wieviel Erde braucht der Mensch“  findet man im Wortlaut unter

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=2888&kapitel=1&cHash=ea6de6a39cchap01#gb_found

Außerdem gibt es zahlreiche weitere Werke von ihm im Spiegel-Gutenberg-Projekt.

Und zum „Sofort-Lesen“ ein kurzes Zitat von ihm, gefunden im Losungsbuch dieses Jahres:

„Wenn du nicht mehr an den Gott glauben kannst, an den du früher geglaubt hast, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du musst dich besser bemühen zu begreifen, was du Gott nennst.

Wenn einer an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass der wahre Gott nicht aus Holz ist.“