Man kann vieles feiern. Ich kann sogar den „Weltfischbrötchentag“ feiern, denn das Fischbrötchen ist eine tolle Erfindung und ich genieße es jedesmal, wenn ich mir eines gönne (Einzige Ausnahme vor vielen Jahren: Am Fähranleger zu einer Nordseeinsel bekam ich eines, das war leider nur grammatisch ein „richtiges“ Fischbrötchen – der Händler hatte zwar richtig erkannt, dass in der Zusammensetzung Fisch-Brötchen „Brötchen“ das Hauptwort ist, aber daraus die inhaltlich falschen Konsequenzen gezogen …)

Was ich aber nicht mitfeiern kann, ist der zehnte Geburtstag des Impulspapiers „Kirche der  Freiheit“, und wahrscheinlich kann das niemand, der oder die an der „kirchlichen Basis“ arbeitet, soweit es die noch gibt.

Die Kritik an der Missachtung von Orts- und Kerngemeinde,an  der Hierarchisierung und Einführung von Top-Down-Strategien, an Entmündigung, Demokratieverlust, neoliberalem Aberglauben und blauäugigen Zukunftsprognosen, bei denen eine vermeintlich künftige Macht des Faktischen zur Norm erhoben wurde – all das ist an anderer Stelle schon super gut aufgedröselt und entlarvt worden, sogar im Deutschlandradio (wobei im Deutschlandradio selbst Thies Gundlach viel kritischer zitiert wird als in der Hofberichterstattung von „evangelisch.de“). Deshalb hier nur ein paar Links zu den besten Kritiken:

Die vielleicht beste Kritik gibt es hier.

Weitere kritische Berichte und gute Kommentare auf evenglisch.de:

http://www.deutschlandradiokultur.de/zehn-jahre-impulspapier-kirche-der-freiheit-mit-viel-pathos.1278.de.html?dram:article_id=358310

http://www.evangelisch.de/comment/63026#comment-63026

http://www.evangelisch.de/comment/63037#comment-63037

http://www.evangelisch.de/comment/63054#comment-63054

Immer noch aktuell ist natürlich auch die schon zu einem früheren Zeitpunkt veröffentlichte Petition „Wormser Wort“:

Ach ja: Vielleicht ist das mangelhafte (Fisch-)BRÖTCHEN von der Nordseeküste ein ganz gutes Bild: Auch in unserer Kirche wird vieles (zB das erwähnte Impulspapier) fabriziert, was nach irgendwelchen formalen – quasi „grammatischen“ Kriterien (zB den Dogmen des Neoliberalismus) sogar richtig ist. Nur der Fisch ist darin kaum noch zu finden; es schmeckt nicht, es macht nicht satt, ist letztlich eben doch ein Etikettenschwindel und ist für das, was es bietet einfach viel zu teuer.

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Die derzeitige Gestaltung von evangelisch.de finde ich immer noch ziemlich misslungen. Trotzdem wage ich mich gelegentlich in den dortigen Meldungs- Artikel und Notizwust – und muss die Kritik, es handele sich bei dieser halboffiziellen Kirchenseite nur noch um obrigkeitskirchlichen Verlautbarungsjournalismus wohl erst einmal zurücknehmen: Ich bin dort auf einen Artikel gestoßen, der die derzeitige obrigkeitliche Kirchenpolitik (Top-down-Strategie sagt man heute dazu und meint, dann wäre das akzeptabler …) in Form und Inhalt sehr deutlich kritisiert: Guckst Du hier:

http://aktuell.evangelisch.de/artikel/7970/kein-weg-aus-dem-musterkirchenkreis?destination=node/7970

In weniger krasser Form passiert Ähnliches zur Zeit landauf landab. Gemeinden werden zu unsinnigen Strukturveränderungen, Fusionen, Gremienvermehrungen, undurchsichtigen Finanzstrukturen usw. gezwungen und wer eine andere Meinung vertritt als die von oben diktierte  Parteilinie  wird ausgebootet. Engegaierte Ehrenamtliche schmeißen ihre Tätigkeit frustriert hin, engagierte Hauptamtliche gehen in die „innere Kündigung“ oder finden sich plötzlich als angebliche „Querulanten“ diskreditiert (ich übertreibe vielleicht. Es gibt vielerorts auch nach wie vor in der Kirche auch andere Erfahrungen. Aber leider zunehmend auch die genannten negativen)

Deshalb verdient es dieser Artikel, noch eine Weile unter „Meistgelesen“ aufzutauchen (auch wenn selbst diese Rubrik inzwischen etwas versteckt ist) und auf diese Weise vielleicht ein wenig Gehör und evtl. auch ein paar gute Kommentatoren zu finden. Die Parole „Vernetzung statt Regionalisierung“ (Überschrift des z.Zt. vorletzten Kommentars dort) bringt übrigens sehr gut auf den Punkt, was ich selbst zu diesem Thema denke …