Hier ist die Fortsetzung der Zitate-Reihe zum Karl-Barth- und Coca-Cola Jahr (2011: 125 Jahre …):

„Wir fassen das Besondere, das Gott vom Menschen … haben will, zunächst ins Auge unter dem Begriff des dem Menschen gebotenen Feiertages …: Gott beansprucht nicht die ganze, sondern, weil die ganze, darum auch eine besondere Zeit – nicht nur das ganze, sondern, weil das ganze, darum auch ein besonderes Tun des Menschen. …

„Gedenke des Sabbath-Tages, daß du ihn heilig haltest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun; aber der siebente Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht …“ (Ex.20,8-11) …

(Der Feiertag) gehört in besonderer Weise Gott und nicht dem Menschen, und eben dies soll der Mensch in der Weise akzeptieren, daß er ihn nicht für sich in Anspruch nimmt. Das Tun des Menschen an diesem Tag soll zwar kein Nichtstun, wohl aber im Verhältnis zu dem, was er anden anderen Tagen tut, ein Nicht-tun sein. Er soll in seiner Arbeit – nicht etwa um seinet- sondern um Gottes willen, aber gerade so zu seinem eigenen Heil – innehalten, um dann erst, am nächsten Tag, seine Arbeit wieder aufzunehmen. Er soll an diesem Tag zur Ehre Gottes feiern, sich freuen, frei sein. In dieser Feier, Freude und Freiheit wird er gehorsam sein. Sich ihr unter irgend einem Vorwand zu entziehen, wäre Ungehorsam. Das sagt das Gebot des Feiertages“

(Kirchliche Dogmatik Bd. III,4 S. 53f.)

Mit dem Nachdenken über das Sabbatgebot beginnt Karl Barth sein ethisches Nachdenken überhaupt. Er behandelt also die Unterbrechung der Arbeit, bevor er überhaupt von der Arbeit spricht. Die naheliegende Frage „Kann man den Feiertag verstehen, bevor man den Werktag verstanden hat?“ kehrt er um: „Kann man den Werktag, den Tag der Arbeit in seiner Beziehung zum Mitmenschen, kann man irgendeines seiner Gebote verstehen, bevor man den Feiertag verstanden hat?“ Schließlich wird deutlich, dass diese zunächst ungewohnte Reihenfolge mit seiner Umkehrung der klassischen Reihenfolge von Gesetz und Evangelium zur Formulierung „Evangelium und Gesetz“ zusammenhängt: „Kann man das Gesetz hören, bevor man das Evangelium gehört hat?“ (a.a.O. S. 55).

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Wenn meine Großmutter ihre Mutter besuchen wollte, brauchte sie dazu drei Tage:

Am ersten Tag fuhr sie hin – mit der Kutsche.

Am zweiten Tag war sie da. Sie half in Haus und Garten und beide erzählten sich das Neueste.

Am dritten Tag ging es wieder nachhause.

Wenn meine Mutter ihre Mutter besuchen wollte, brauchte sie dazu zwei Tage. Sie fuhr mit dem Zug. Am ersten Tag fuhr sie hin. Abends saßen beide lange zusammen und erzählten sich das Neueste. Am nächsten Tag ging es wieder nachhause.

Wenn wir meine Mutter besuchen wollen, dann brauchen wir dazu eine halbe Stunde. Mehr Zeit haben wir nicht, denn wir müssen noch die alte Standuhr vom Uhrmacher abholen, das Auto muss zum Tanken und die Kinder müssen wir rechtzeitig zur Gymnastik bringen.

Manchmal frage ich mich: Was ist eigentlich, wenn meine Kinder mich besuchen wollen?

Diesen Tagebucheintrag habe ich bereits vor 25 Jahren geschrieben. Inzwischen kann ich meine Frage beantworten:
Meine Tochter ruft einmal im Jahr aus Australien an, meistens drei Tage nach meinem Geburtstag. Den Schwiegersohn habe ich nie kennengelernt, inzwischen sind sie geschieden. Von meinem Enkel in downunder habe ich immerhin mal ein Foto bekommen, es steht auf meinem Nachttisch und neulich quäkte er auf Englisch „Hello Grandma“ ins Telefon. Mein Sohn lebt zwar nicht weit entfernt, aber auch er besucht mich überhaupt nicht, sondern ich besuche ab und zu ihn – in der Psychiatrie, er ist durch seinen Haschischkonsum schizophren geworden, dabei war er bis kurz vorm Abitur der Klassenbeste …
 
 

 

 

Das vierte Gebot richtet sich übrigens nicht an Kinder, sondern an Erwachsene:

„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden“

P.S.: Die Geschichte ist natürlich fiktiv,  Ähnlichkeiten mit real existierenden Familien sind zufällig. Sie geht im ersten Teil auf ein tatsächlich vor ca. 20 Jahren im Umlauf  befindliches Predigtbeispiel zurück, dessen Autor mir nicht bekannt ist.