Der Mensch fiel, aber Gott stieg herab.
Erbärmlich ist der Mensch,
aber voll Erbarmen kam Gott hernieder.
Der Mensch fiel durch Stolz.
Gott kam herab in Gnaden
Aurelius Augustinus

Was steht wirklich in der Weihnachtsgeschichte?
Einige der folgenden Begriffe kommen in der biblischen Weihnachtsgeschichte wörtlich oder der Sache nach vor, andere nicht. Grundlage ist die „eigentliche“ Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2,1-20. Dieser Text wird auch alljährlich am Heiligabend in den Kirchen als Weihnachtsevangelium gelesen. Außerdem ist berücksichtigt die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland (Matthäus 2,1-12) Dieser Text ist das Evamgelium zum Erscheinungsfest (6. Januar) und gehört so im weiteren Sinn zur Weihnachtsgeschichte dazu. Hier nun die Liste:
1 Kaiser Augustus
2 Lametta
3 Weihnachtsmann
4 Schätzung (Volkszählung)
5 Lebkuchen
6 Statthalter / Gouverneur
7 Bundestag / Parlament
8 Bethlehem
9 Geburt
10 Stall
11 Tannenbaum
12 Krippe
13 Ochse und Esel
14 Kerzen
15 Windeln
16 kein Platz
17 Wirt
18 Hirten
19 Nachtarbeit
20 Schafe
21 Furcht / Angst
22 Wut / Trauer
23 Verkündigung der guten Nachricht
24 Freude
25 Heiland
26 Lob Gottes
27 Ehre
28 Äpfel und Nüsse
29 Friede auf Erden
30 Schnee
31 Einkaufen
32 Eile
33 Herz
34 Plätzchen backen
35 Herodes
36 Heilige drei Könige
37 Stern
38 Glöckchen
39 Anbetung
40 Prophet
41 Sternsinger
42 Caspar
43 Melchior
44 Emil
45 Heimlichkeit
46 Schätze
47 Geschenke
48 Geschenkpapier
49 Kamele
50 Orgelmusik
51 Weihrauch
Richtig sind: gemäß Lukas 2: 1 – 4 – 6 – 8 – 9 -12 – 15 (Konfirmanden meinen oft, Windel seien immer „Pampers“, die es damals natürlich nicht gab. Aber gekackt haben Kinder damals auch schon und wurden deshalb auch gewindelt) – 16 – 18 -19 („sie hüteten des Nachts ihre Herde!“) – 21 – 23 – 24 – 25 -26 – 27 – 29 – 32 („sie kamen eilend“!) – 33 („Maria bewahrte diese Worte in ihrem Herzen“) – gemäß Matthäus 2: 35 – 37 – 39 – 40 – 45 (Herodes erforschte „heimlich“ von den Weisen, wann der Stern erschienen ist) – 46 – 47 – 51
Falsch sind: 2 – 3 – 5 – 7 – 10 (erwähnt wird nur die Krippe. Ob sie in einem Stall gestanden hat, oder in einer Höhle oder im Freien – das bleibt offen! Es gibt allerdings Übersetzungen – die „Gute Nachricht“ zum Beispiel – die den Stall einfach dazugeschrieben haben. Im Urtext und beim hier korrekten Luther kommt er aber nicht vor!) – 11 – 13 (auch Ochs und Esel sind nirgends erwähnt. Sie sind aber „aus theologischen Gründen“ eingewandert: In Jesaja 1,3 sagt der Prophet: „Ein Ochse kennt sienen Herrn und ein Esel kennt die Krippe seines Herrn, aber mein Volk kennt seinen Herrn nicht“) – 14 – 17 (zwar wird erwähnt, sie hatten „keinen Raum in der Herberge“ Ein Wirt, der Maria und Josef wegschickt, kommt aber nicht vor) – 20 (Ob die „Herde“, die die Hirten hüteten aus Schafen bestand oder aus anderen Tieren wissen wir nicht) – 22 – 28 – 30 – 31 – 34 – 36 (Die Weisen aus dem Morgenland werden nirgends als Könige bezeichnet. Wahrscheinlich waren sie heidnische Priester bzw. Astrologen – „Magier“ müsste man das Wort wörtlich übersetzen. Von daher waren sie auch nicht besonders heilig. Und ihre Zahl wird auch nicht erwähnt: Es gibt alte Darstellungen, auf denen zwei oder vier oder sogar vierzehn Weise zu sehen sind … Das heißt: Die „heiligen drei Könige“ gibt es nicht, denn die Weisen waren weder heilig, noch waren sie Könige, noch waren es notwendig drei …) – 38 – 41 – 42 (Die Namen der Weisen werden nicht erwähnt. Wenn Sternsinger an die Haustüren mit Kreide „C-M-B“ schreiben, bedeutet das übrigens auch nicht „Caspar, Melchior und Balthasar waren hier“ sondern es ist eine Abkürzung für „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“) – 43 – 44 – 48 – 49 – 50
Verblüfft? Nun: Bibellesen lohnt sich. Man sollte allerdings wirklich genau hinschauen!

Heute wird viel davon gesprochen, man müsse das Evangelium milieusensibel in bestimmte Kontexte hineinsprechen. Solche Versuche gab es auch schon vor über 1000 Jahren: Der „Heliand“ versuchte das Evangelium den Germanen verständlich zu machen.  Hier, passend zur Jahreszeit, ein Beispiel:

Die Weihnachtsgeschichte aus dem Epos „Heliand“ aus dem 9. Jahrhundert

Da kam an der Menschen Licht. Da ward das alles wahr,
Was spähende Männer vordem gesprochen, Wie er in
Niedrigkeit hernieder auf Erden durch Seine einige Kraft
Zu kommen gedächte, der Menschen Mundherr.

                        Da Ihn
Die Mutter nahm, mit Gewand bewand Ihn der Weiber
Schönste, zierlichen Zeugen, und mit den zweien Händen
Legte sie liebreich den lieben kleinen Mann, das Kind,
In eine Krippe, das doch Gottes Kraft besaß,
Der Menschen Mächtigster.

        Da ward es manchem kund über die weite
Welt. Wächter erst erfuhren’s, die bei den Pferden im
Freien waren, hütende Hirten, die bei den Rossen hielten
Und dem Vieh auf dem Felde. Die sahn, wie die
Finsternis in der Luft sich zerließ und das Licht Gottes
Brach wonnig durch die Wolken, die Wärter dort im
Felde befangend. Da fürchteten sich in ihrem Mut die
Männer. Sie sahen den mächtigen Gottesengel kommen,
Und gegen sie gewandt, befahl er den Feldhirten:
»Fürchtet nicht für euch ein Leid von dem Lichte!
Liebes«, sprach er, »soll ich euch in Wahrheit sagen und
Sehr Erwünschtes künden, von mächtiger Kraft:

Christ ist geboren in dieser selben Nacht, der selige
Gottessohn, hier in Davids Burg, der Herr der gute, des
Mag sich freuen das Menschengeschlecht; es frommt
Allen Völkern. Dort mögt ihr Ihn finden in der
Bethlehemsburg, der Geborenen Mächtigsten.« Die
Wärter hörten, wie der Engel Schar den allmächtigen
Gott mit wahrhaften Worten priesen: »Lob sei«, lautete
Das Lied, »dem Herrn hoch im höchsten Reiche der
Himmel und Friede auf Erden den Völkern allen, den
Gutwilligen, die Gott erkennen mit lauterm Herzen.«

Hieronymus, einer der Kirchenväter der lateinischen Kirche, wurde im Jahre 331 geboren. Er lebte die  letzten 35 Jahre seines Lebens in Bethlehem in der Nähe der Geburtsgrotte und starb in Bethlehem im Jahre 421.

So oft ich diesen Ort anschaue, hat mein Herz ein süßes Gespräch mit dem Kindlein Jesus.
Ich sage: „Ach, mein HERR JESUS, wie zitterst du, wie hart liegst du um meiner Seligkeit willen! Wie soll ich dies vergelten!“
Da dünkt mich, wie mir das Kindlein antworte: „Nichts begehr ich, lieber Hieronymus, als singe: EHRE sei GOTT in der Höhe! Laß dir’s nur lieb sein: Ich will noch dürftiger werden im Ölgarten und am heiligen Kreuz.“
Ich spreche weiter: „Liebes Jesulein, ich will dir was geben, ich will dir all mein Geld geben.“
Das Kindlein antwortet: „Ist doch zuvor Himmel und Erde mein. Ich bedarf’s nicht, gib’s armen Leuten. Das will ich annehmen, als wäre mir’s selber widerfahren.“
Ich rede weiter: „Liebes Jesulein, ich will’s gerne tun, aber ich muss dir auch für deine Person etwas geben oder muß vor Leid sterben.“
Das Kindlein antwortet: „Lieber Hieronymus, weil du ja so kostfrei bist, so will ich dir sagen, was du mir sollst geben. Gib her deine Sünde, dein böses Gewissen und deine Verdammnis.“
Ich spreche: „Was willst du damit machen?“ Das Jesuskind sagt: „Ich will’s auf meine Schultern nehmen, das soll meine Herrschaft und herrliche Tat sein, wie Jesaja vorzeiten geredet hat, daß ich deine Sünde will tragen und wegtragen.“
Da fange ich an bitterlich zu weinen und sage: „Kindlein, liebes Kindlein, wie hast du mir das Herz gerührt! Ich dachte, du wolltest was Gutes haben, so willst du alles, was bei mir böse ist haben. Nimm hin, was mein ist! Gib mir, was dein ist! So bin ich der Sünde los und des ewigen Lebens gewiss!“

P.S.: Hier gibt es eine Version dieses Textes, die sprachlich behutsam modernisiert ist: https://kraftwort.wordpress.com/2013/12/21/das-suse-gesprach-des-hieronymus-mit-dem-kind-in-der-krippe-sprachlich-leicht-geglattete-fassung/

Die Reihe „Liederbuch des Monats“ geht (wie das „Jahr der Kirchenmusik“)  zu Ende. Manche der bisherigen Empfehlungen besprachen Bücher, die schon vergriffen sind. Heute, als Ausblick, bespreche ich ein Buch, das noch gar nicht erschienen ist, dessen Inhalt mir aber zum großen Teil aus persönlichen Gründen bereits bekannt ist und auf dessen Erscheinen ich mich freue. (Diese Besprechung erhebt auf Grund der persönlichen Beziehungen also noch weniger als die bisherigen einen irgendwie gearteten Anspruch auf „Objektivität“!) Es ist auch kein Liederbuch im klassischen Sinn, sondern ein Buch über das Gospelsingen und über Gospelgottesdienste. Allerdings soll es auch einen Liederteil enthalten, der mit m.W. fast dreißig Stücken schon mit manchem Liederheft vergleichbar ist. Hier zunächst einmal die Angaben:

Wolfgang M. Richter – GOSPELIMPULS Gospelgottesdienste, Gospelandachten und Anregungen für die Gemeindearbeit Mit CD-ROM ISBN: 978-3-579-05866-5 € 16,99 Verlag: Gütersloher Verlagshaus

Es enthält fertige Entwürfe für Gospelgottesdienste durchs Kirchenjahr, Liedandachten zu einzelnen Gospelsongs, ein „homiletisches“ Kapitel über das Predigen im Gospelgottesdienst, einen Workshop zum Thema „Starten mit Gospel“ (der nach meiner Erfahrung gut funktioniert) und einen „Spaziergang durch die Liturgie“, der die „normale“ Gottesdienstordnung nicht nur verständlich macht, sondern auch „kompatibel“ ist mit dem, was Gospelchöre so singen – ein wichtiges Anliegen, da Pfarrer oft mit Gospel nicht so viel anfangen können, Gospelchorleiter aber wenig mit der liturgischen Tradition. Das beste wäre also, wenn der Pfarrer das Buch seiner Gospelchorleiterin zu Weihnachten schenkt, oder der gospelbegeitserte Kirchenvorsteher schenkt es seiner Pastorin …

Bei den abgedruckten musikalischen Stücken handelt es sich zum einen um liturgisch verwendbare gut singbare Lieder (Kumbayah, diverse „Hallelujas“ und Kyrie-Vertonungen), aber auch um Gospels, die zum Beispiel im (in meinem Blog schon an anderer Stelle besprochenen) „Gospelliederbuch“ noch gefehlt haben – dort gibt es ja z.B. leider kein Passionslied, hier sind gleich mehrere enthalten, z.B. das Spiritual „Calvary“. Reizvoll ist die gelegentliche Kombination von ganz alten Liedern mit einem entsprechenden Gospelmotiv – auf dieses Weise haben auch das gregorianische „In paradisum“, das früher oft bei Beerdigungen gesungen wurde und das ebenfalls gregorianische „Komm, heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen“ Eingang in den Liederteil gefunden …

Die Gottesdienste decken fast das ganze Kirchenjahr ab – leider nur fast. Schön wäre es gewesen, auch einen Ostergottesdienst zu finden. Vertreten sind Advent / Weihnachten, Passionszeit mit Gründonnerstag und Karfreitag, Pfingsten / Gemeindefest, Reformation und sogar der Ewigkeitssonntag und einiges mehr.

Trotz der kleinen kritischen Einschränkung ist es sicher ein Buch, dem es gut gelingt, eine Lücke zu füllen – ich wüsste jedenfalls nicht, dass es schon etwas vergleichbares gibt. Viele Teile des Buches – zum Beispiel der mit vielen praktischen Anregungen gefüllte „Spaziergang durch die Liturgie“ oder auch viele Texte und Predigtanregungen – lassen sich nicht nur in Gospelgottesdiensten, sondern auch in Jugendgottesdiensten, Thomasmessen und anderen „besonderen“ Gottesdienst- und Andachtsformen verwenden.

Weitere Infos gibt es auf der Seite des Gütersloher Verlagshauses: http://www.randomhouse.de/Paperback/GOSPELIMPULS/Wolfgang-M-Richter/e414914.rhd – und (2014 ergänzt) neuerdings auch in einem Blog zum Buch: http://gospelimpuls.wordpress.com

Weihnachten kommt immer so plötzlich – und wer allmählich ans Stollenbacken denkt, findet hier ein Rezept von 1916 (Vorsicht: die hier vorgesehene Menge wird sicher nicht in jedem Haushalt benötigt – das Rezept ergibt, wenn ich es richtig sehe gleich vier große Christstollen …)

http://lesebaecker.wordpress.com/2012/11/02/weihnachtsstollen-historisches-rezept-von-1916/

„Jahresendflügelfiguren“ hießen sie in der DDR, die Weihnachtsengel, die man einfach nicht los wurde … Jetzt begegnet man ihnen wieder und natürlich haben sie ihren Platz in der Weihnachtsgeschichte. Doch gerade heute scheinen Engel nicht nur als Figuren, sondern auch als Glaubens- und Meditationsgegenstand (und Verehrungsgegenstand?) Hochkonjunktur zu haben. Da ist Karl Barths Hinweis sicher nicht verkehrt, dass sie nur Anzeiger sind für das „Eigentliche“, für das was Gott selbst tut.

Karl Barth schreibt also in unserem letzten Zitatbeitrag zum Jubiläumsjahr „125 Jahre Karl Barth und Coca Cola“ über die Engel in den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums und besonders in der Weihnachtsgeschichte:

KD I,3 § 51 (S. 592f)

„Die Anweisung, in der der Engel die Hirten von sich selbst weg zu dem Kind in der Krippe schickt, ist der entscheidende Dienst, den er als Engel leisten darf und muss. … (Am) Ereignis selbst und als solchem haben die Engel keinen Anteil. Sie können es nicht vorwegnehmen, sie können nur  anzeigen, dass es von Gott her geschehen wird. Sie sind unsichtbar und unhörbar indem es geschieht. Und sie können auch, nachdem es geschehen ist, nur von sich selbst wegweisen auf Gott selbst und seine vollbrachte Tat: Sie fahren wieder gen Himmel … Sie haben vorher und nachher gerade nur als Anzeiger gedient. Sie haben als solche auch keine Berufungen vollzogen… Sie haben es auch nicht geschafft, dass die Hirten sich auf den Weg nach Bethlehem machten, sondern es heißt mit merkwürdiger Ausdrücklichkeit,  daß die Hirten untereinander übereinkamen, daß sie das tun wollten … Die Engel wollen beachtet, aber auf keinen Fall sytematisch in den Vordergrund des Interesses geschoben sein.“