„Jahresendflügelfiguren“ hießen sie in der DDR, die Weihnachtsengel, die man einfach nicht los wurde … Jetzt begegnet man ihnen wieder und natürlich haben sie ihren Platz in der Weihnachtsgeschichte. Doch gerade heute scheinen Engel nicht nur als Figuren, sondern auch als Glaubens- und Meditationsgegenstand (und Verehrungsgegenstand?) Hochkonjunktur zu haben. Da ist Karl Barths Hinweis sicher nicht verkehrt, dass sie nur Anzeiger sind für das „Eigentliche“, für das was Gott selbst tut.

Karl Barth schreibt also in unserem letzten Zitatbeitrag zum Jubiläumsjahr „125 Jahre Karl Barth und Coca Cola“ über die Engel in den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums und besonders in der Weihnachtsgeschichte:

KD I,3 § 51 (S. 592f)

„Die Anweisung, in der der Engel die Hirten von sich selbst weg zu dem Kind in der Krippe schickt, ist der entscheidende Dienst, den er als Engel leisten darf und muss. … (Am) Ereignis selbst und als solchem haben die Engel keinen Anteil. Sie können es nicht vorwegnehmen, sie können nur  anzeigen, dass es von Gott her geschehen wird. Sie sind unsichtbar und unhörbar indem es geschieht. Und sie können auch, nachdem es geschehen ist, nur von sich selbst wegweisen auf Gott selbst und seine vollbrachte Tat: Sie fahren wieder gen Himmel … Sie haben vorher und nachher gerade nur als Anzeiger gedient. Sie haben als solche auch keine Berufungen vollzogen… Sie haben es auch nicht geschafft, dass die Hirten sich auf den Weg nach Bethlehem machten, sondern es heißt mit merkwürdiger Ausdrücklichkeit,  daß die Hirten untereinander übereinkamen, daß sie das tun wollten … Die Engel wollen beachtet, aber auf keinen Fall sytematisch in den Vordergrund des Interesses geschoben sein.“

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Karl Barth und Coca Cola werden 125 Jahre alt. (siehe https://kraftwort.wordpress.com/2010/12/29/karl-barth-und-coca-cola-werden-125/) Deshalb besteht auch dieses Mal das „Zitat des Monats“ aus einigen Sätzen von Karl Barth, gefunden im zweiten Band seiner Kirchlichen Dogmatik, im § 35 „Die Erwählung des Einzelnen“ 

Die Bestimmung des Erwählten besteht darin, sich von Gott lieb haben zu lassen – als ein solcher zu leben, von dem Gott in seiner unbegreiflichen und unverdienten Güte von Ewigkeit her nicht lassen wollte und darum auch in Ewigkeit nicht lassen will. Das ist ja die Bestimmung Jesu Christi selbst: in unserem Fleische der von Ewigkeit her und in die Ewigkeit hinein von Gott Geliebte zu sein. Das ist Israels und der Kirche Bestimmung: sie sind das Volk und die Versammlung der in Jesus Christus von Gott Geliebten. …

(Der erwählte Mensch) darf und soll als Partner des Bundes existieren, den Gott von sich aus gewollt und begründet, dessen Herr und Garant Gott selber, dessen Bestand durch Gottes allmächtige Treue gesichert ist. Was das auch bedeute, es bedeutet Liebe. Strenge, zornige, brennende Liebe, aber Liebe! Und ewige, an die Schranken der Geschöpflichkeit nicht gebundene, seine Sünde vergebende, das Geschöpf an der Herrlichkeit des Schöpfers beteiligende Liebe. … Sie ist das Eine, das ihm wirklich not tut, das ihm aber auch völlig genügt“.

Kichliche Dogmatik II/2 (S. 455)