Das Thema „Reformation und Toleranz“  soll 2013 im Mittelpunkt der Reformationsdekade stehen – das Themenjahr wurde bereits am zurückliegenden Reformationsfest eröffnet. Mein Beitrag dazu: Das Anlegen einer kleinen theologischen Zitate-Sammlung – wobei das Thema bei mir „Theologie und Toleranz“ lauten soll; denn es geht mir einerseits um eine theologisch fundierte Toleranz (und nicht um das Nachplappern der wohlfeilen These, Toleranz sei eigentlich erst ein Produkt der Aufklärung und als solches einer eigentlich intoleranten Theologie nachträglich von außen eingepropft worden … – siehe https://kraftwort.wordpress.com/2012/10/30/nachdenklicher-brief-an-einen-vordenker/) – andererseits will ich offen dafür bleiben, auch Belege theologischer Toleranz auch außerhalb der reformatorischen Theologie bzw. vor und nach der Reformationszeit zu finden. Natürlich sollen auch die unrühmlichen Intoleranz-Traditionen nicht geleugnet werden – aber der Ansatzpunkt für ihre Kritik muss in der Theologie gefunden werden (und da liegt er ja auch). Deshalb ist die Suche nach den theologischen Toleranztraditionen von der Bibel bis heute das entscheidende Anliegen dabei.

Zum Auftakt aber erst einmal ein Lutherzitat. Er schreibt (bzw. sagt) in einer seiner Invokavitpredigten  (mit denen Luther nach seinem Wartburg-Aufenthalt die intoleranten Bilderstürmer um Karlstadt in Wittenberg gestoppt hat):

„Ich kann nicht weiter kommen als bis zu den Ohren. Ins Herz kann ich nicht kommen. Weil ich denn den Glauben nichts ins Herz geben kann, so kann und soll ich niemanden dazu zwingen oder dringen; denn Gott tut das alleine und macht, dass das Wort im Herzen sei.“

(Karin Bornkamm [Hg] Martin Luther Ausgewählte Schriften Insel-Verlag Frankfurt, 1983²  S. 278)

P.S. Update 2016: Einen ähnlichen, ausführlicheren Luthertext zum Thema gibt es übrigens hier

Advertisements

„Kennen Sie Schnipp-Schnapp?“ „Dann hab ich was eigenes“ – „Sie lassen sofort die Ente zu Wasser!“ – „Das Ei ist hart“ – „In Bozen sind die Waschräume separat“ „Dafür hatten wir im Mai ein paar schöne Tage“ „Abgezapft und Original-verkorkt von Pahlhuber und Söhne“ … oder schlicht „Ein Klavier, ein Klavier!“ – das sind nur ein paar Zitate, bei denen in meiner Familie und in meiner Umgebung bei jedem ganze Bilder und Geschichten sofort präsent sind und die sich bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten anbringen lassen – und verstanden werden. Erstaunlich, dass der, der darauf spezialisiert war, Kommunikationsstörungen humorvoll bewusst zu machen, gerade dazu beiträgt, dass Kommunikation zwischen Menschen verschiedenster Generationen, Szenen und Milieus gelingt – im Zitieren von Loriot haben oft ganz unterschiedliche Menschen plötzlich – nein, nicht mehr „etwas eigenes“, sondern gerade etwas Gemeinsames.

Inzwischen gab es schon eine Menge Nachrufe auf Vicco von Bülow. Was mir in den Fernseh- und Zeitungsnachrufen allerdings fehlte: Loriot war auch abseits der Komik künstlerisch tätig – als Dirigent, Opernregisseur und als Schauspieler. Und er hat sich im Alter engagiert für den kirchlichen Denkmalschutz – und zwar für den Wiederaufbau des Doms seiner Heimatstadt Brandenburg. Ich erinnere mich noch gut an eine diesbezügliche Spendenbitte von ihm, die irgendwann nach der Wende in unser Pfarrhaus flatterte …

Schließlich finde ich folgendes Zitat von ihm erwähnenswert: In einem Interview wurde er gefragt, ob er im Zweiten Weltkrieg ein guter Offizier gewesen sei.  Seine Antwort lautete: „Nicht gut genug, sonst hätte ich am  20. Juli 1944 zum Widerstand gehört. Aber für den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich schämen bis an mein Lebensende.“

Zum Schluss zwei Lesetipps für die, die sich weiter mit den Seiten von Loriot befassen wollen, die in den üblichen Nachrufen fehlen:

1. Lohnend ist der Wikipedia-Artikel „Loriot“, aus dem ich auch das Interview-Zitat übernommen habe

2. Ein Interview, das die „Zeit“ mit Loriot geführt hat, findet man hier:

http://www.a-e-m-gmbh.com/andremuller/interview%20mit%20loriot.html

P.S.: Zwei dringende Fragen habe ich noch:

1. Warum fehlt eigentlich auf der nahezu kompletten DVD-Sammlung der Sketch mit der Konversationsschulung, aus dem die berühmten Bozener Waschräume stammen?

2. Gibt es eigentlich ein Rezept für den „Kosakenzipfel“?

Fragen, die zeigen: Deutschlands Geschichte mit Loriot ist noch nicht zu Ende …

P.P.S.  Einen Loriot-Test für Fans gibt es hier: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/unterhaltung/film/loriot/index,page=4502924.html

Karl Barth und Coca Cola werden 125 – an anderer Stelle habe ich schon darauf hingewiesen (https://kraftwort.wordpress.com/2010/12/29/karl-barth-und-coca-cola-werden-125/) und es ist schwer zu erraten, welches der beiden Jubiläen ich für wichtiger halte… . Im Theologiestudium habe ich als Lutheraner Karl Barth leider weitgehend ignoriert. In diesem Jahr möchte ich diesen Teil meines Theologiestudiums nachholen – und um mich ein wenig dazu zu „zwingen“, gibt es in diesem Jahr für jeden Monat ein Zitat von ihm. Hier ist das Zitat für den Januar:

Der Ruf in die Nachfolge bindet den Menschen an den, der da ruft. Nicht eine Christusidee, nicht eine Christologie, nicht ein christozentrisches Gedankensystem, geschweige denn die angeblich christliche Vorstellung eines Vatergottes ruft in die Nachfolge. Wie könnten sie das auch? Sie haben ja kein Wort und keine Stimme! Sie können auch keinen binden. So ist die Nachfolge auch nicht die Übernahme eines Programms, eines Ideals, eines Gesetzes, nicht der Versuch, ein solches zu verwirklichen. Das Gebot der Nachfolge fällt praktisch mit dem Gebot des Glaubens zusammen.

(Kirchliche Dogmatik Bd IV/2 S. 606f. Der Ruf in die Nachfolge Christi)

Vor 125 Jahren wurde Karl Barth geboren (der Vater der Dialektischen Theologie) – im gleichen Jahr, als die erste Coca-Cola als Medizin verkauft wurde. Deshalb heute ein Zitat dieses großen Theologen:

„Wir sollen als Theologen von Gott reden. Wir sind aber Menschen und können als solche nicht von Gott reden. Wir sollen Beides, unser Sollen und unser Nicht-können, wissen und eben damit Gott die Ehre geben.“

(zitiert nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Barth)

„In jedem Menschen ist ein Abgrund; den kann man nur mit Gott füllen.“  (Blaise Pascal)

„Der wichtigste Schritt der Vernunft ist es, anzuerkennen, dass es eine Unzahl von Dingen gibt, die über sie hinausgehen. Sie ist nur dann stark, wenn sie dies erkennt. Und wenn die natürlichen Dinge über sie hinausgehen, was soll man dann von den übernatürlichen sagen?

Jesus hat die großen Dinge so einfach gesagt. Diese Klarheit ist wunderbar.“

Blaise Pascal
 
P.S.: Dieses Zitat steht auch im Hintergrund meiner 9,5 Thesen zur Religion, siehe https://kraftwort.wordpress.com/2009/07/25/95-thesen-zur-gegenwartigen-und-kunftigen-religiositat/ 
 
P.P.S.: Pascal ist natürlich nicht der einzige Denker, der gerade durch sein Nachdenken auch bei „Gott“ landet – guckst Du hier: https://kraftwort.wordpress.com/2010/01/30/ein-bedeutender-wissenschaftler-zur-gottesfrage/