Ärgern Sie sich auch ständig über die Hünd*innenhaufen auf dem Bürger*innensteig? Es wäre doch viel freund*innenlicher, sie gleich zu beseitigen!

Wieder gibt es bei der „Kirchenmusikliste“ verschiedene Kanons zur Jahresloung 2020 „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist“. Sie sind alle drei nicht schwer zu lernen. Sucht Euch den aus, der Euch am besten gefällt!

4stimmiger Kanon zur Jahreslosung 2021 von Wolfgang Richter
4stimmiger Kanon zur Jahreslosung 2021 von Martin Häupler
4stimmiger Kanon zur Jahreslosung 2021 von Patrick Heinemann

Der achtfache Pfad nach dem Apostel Petrus
Nicht nur im Buddhismus gibt es einen „achtfachen Pfad“, auf dem der Mensch zum Guten gelangt. Auch Petrus beschreibt in seinem 2. Brief )2. Petr. 1,5) einen Weg mit acht Stationen, der zum erfüllten Leben führt.
Seine acht Schritte sind:

  1. Glauben
  2. Tugend
  3. Erkenntnis
  4. Mäßigkeit
  5. Geduld
  6. Frömmigkeit
  7. geschwisterliche Liebe
  8. Liebe zu allen Menschen

Wie hängen sie zusammen? Was geschieht zwischen den einzelnen Stufen?

  1. Glauben
    Wer Gott vertraut, der möchte auch nach seinen Geboten leben – nicht, weil ihn das in den Himmel bringt, aber weil er Gott liebt und ernstnimmt.
    Die Gewöhnung, die in diesem Bemühen eintritt, ist die
  2. Tugend
    Das alltägliche Leben mit den Geboten Gottes macht Erfahrungen in zweierlei Hinsicht: Die Gebote bewähren sich als hilfreich, realistisch, praktikabel. Aber sie führen den Menschen auch an Grenzen. Gerade der Tugendhafte, der den Wert der Gebote verinnerlicht hat, bleibt immer wieder hinter seinen Vorsätzen zurück. Die Praxis führt also zur
  3. Erkenntnis, dass Gott und sein Wort gut und volllkommen sind, ich aber unvollkommen und Sünder bin. Das macht bescheiden, mit anderen Worten, es führt zur
  4. Mäßigkeit
    In dieser Mäßgkeit werden der natürliche Anlagen des Menschen wie Zorn, Missgunst und Ungeduld gemildert. Ich werde barmherzig mit mir und den anderen und muss nicht mehr alles selbst erreichen. Das heißt, ich lerne
  5. Geduld
    Weil ich in dieser Geduld immer mehr spüre, dass ich das Gelingen meines Lebens nicht selbst in der Hand habe, frage ich konkreter nach Gott, strecke mich aus nach seiner Kraft. Dieses konkrete „im-Alltag-mit Gott-leben“ nennt man
  6. Frömmigkeit
    Sie ist nach Bezzel „der Entschluss, die Abhängigkeit von Gott als Glück zu bezeichnen“. Weil ich mich darin selber nicht mehr so wichtig nehme, fällt es mir leicht, auch die anderen anzunehmen, die ja genauso abhängig sind von Gott wie ich – ich weiß ja von mir selbst, dass ich durch meinen Glauben kein „besserer Mensch“ bin als andere und erwarte das auch nicht mehr von meinen Mitchristen. Das ist die alllmählichh selbstverständlich werdende
  7. geschwisterliche Liebe
    Weil die Liebe der Christen untereinander keinen Hochmut kennt, weitet sie sich von alleine aus auf alle Menschen, die ja die Liebe Gottes genauso nötig haben wie ich. So wie der Pfad meinen eigenen Egoismus überwindet, so passt auch, anders als in der Welt, zur engen Verbundenheit der Christen untereinander kein „Gruppen-Egoismus“. Es ist kein „Hier wir – dort die anderen“ Sondern ein „Wir – für und mit den anderen“. Das heißt, es wächst die
  8. Liebe zu allen Menschen, deren vornehmste Sehnsucht es ist, dass alle Menschen zu dem Glauben kommen, der den achtfachen Pfad in Gang bringt …

„Warum darf der Frisör öffnen, aber nicht das Nagelstudio?“ „Warum darf der Gottesdienst stattfinden, aber nicht die Theateraufführung?“ Und, noch dramatischer: „Warum wird die Gedenkveranstaltung zum 9. November abgesagt, aber nicht die Querdenker-Demo?“ Der November ist nicht, wie Herr Spahn wollte, zum „Monat der Entschleunigung“ geworden, sondern zu dem des Vergleichens. Sicher kann man, solange man nicht wieder einen totalen Lockdown möchte (was nicht nur wirtschaftlich, sozial und emotional katastrophal, sondern vermutlich auch wenig erfolgfreich wäre), keine wirklich „gerechte“ Lösung finden. Aber vielleicht kann man doch mal um die Ecke denken (das ist was anderes als quer) und deshalb mache ich hier mal ein paar mehr oder weniger ernst gemeinte Vorschläge – als Denkrichtung nur …

  1. Eine andere Teststrategie: Bisher laufen wir den gewesenen Infektionen hinterher, testen fast nur Menschen mit Symptomen und finden damit Menschen, die bis zum Vorliegen des Testergebnisses schon viele angesteckt haben. Und das Nachverfolgen von Infektionsketten macht ja nur nachträglich deutlich, wo das Virus herkam, aber nicht, wo es hinwill. Deshalb mein Vorschlag: Stichprobenartige Tests überall, vor allem dort, wo Menschen zusammenkommen. Also: An jeder Schule fünf bis zehn Prozent der Lehrkräfte (je nach Testkapazitäten), die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden, außerdem auch einen gewisssen Prozentsatz der Schüler, ähnliches in Betrieben, bei Berufsgruppen wie Busfahrern, Pastoren, Schauspielern usw. Dort, wo sich Häufungen ergeben, werden die Tests sofort ausgeweitet – bis hin zum Testen einer ganzen Schule, wenn dort die Positivqote in der Zufallsgruppe besonders hoch ist.
  2. Statt Theater usw. für einen Monat zu schließen: alle Schlachthöfe (zumindest ab einer gewissen Größe) einen Monat schließen. Oder sogar (unrealistisch aber vermutlich effektiv) einen ganzen Monat „Veggie-Days“ für Deutschland.
  3. Wiederbelebung der Zwergschulen auf den Dörfern: Der Grundschulunterricht wird in jedem Dorf z.B. im Dorfgemeinschaftshaus, in der (vermutlich längst geschlossenen) Dorfkneipe oder im Gemeindehaus erteilt, auch klassenübergreifend, wenn aus den Klassen 1 bis 4 (oder sogar 1 bis 6) vielleicht insgesamt nur acht oder zehn Kinder im Dorf wohnen. Das verkleinert die Klassen, verringert Kontakte (1000 Schüler auf dem Pausenhof und an der Bushaltestelle sind selbst bei vermeintlicher räumlicher Trennung der „Kohorten“ viel gefährlicher) und, vor allem: es fällt der Transport im Schulbus weg
  4. Und wenn der Staat gerade schon jede Menge Geld ausgibt, was er gar nicht hat, um die wirtschaftlichen Folgen seiner Coronamaßnahmen abzufedern: Warum kann der Staat nicht jedem, der sich bis zum Mai 2021 NICHT mit Corona infiziert hat, 2000 € zahlen? Dann würden auch die Muffel gerne ihre Masken aufsetzen …

Samuel Rodigast, Gymnasiallehrer aus dem 17. Jahrhundert, hat das Lied „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ gedichtet. In der folgenden Bearbeitung kann man seinen Text auch auf eine heute sehr populäre „Halleluja“- Melodie singen – und so passt „das Halleluja“ auch für einen Gottesdienst oder sogar auf eine Beerdigung: Was Gott tut, das ist wohlgetan.wie […]

„Das Halleluja“, das man auch auf einer Beerdigung singen kann — gospelIMpuls

Was soll man zu Corona schon Neues sagen? Bisher habe ich an dieser Stelle dazu geschwiegen. Eines fällt mir aber inzwischen doch auf: Bei allem Streit um die richtigen Maßnahmen betonen fast alle Politiker – von Grün bis CSU – dass die Maßnahmen und Regelungen doch bitte etwas „einheitlicher“ sein sollen, was (vor allem bei Herrn Söder) in aller Regel heißt, alle sollen es so machen wie man selber. Hochkonjunktur hat dann das Wort „Flickenteppich“, der lauthals beklagt oder, im schlimmsten Fall, sogar für steigende Infektionszahlen verantwortlich gemacht wird. Dabei ist IMHO das Gegenteil der Fall.

Ich stelle die These auf, dass gerade der herrlich chaotische Provinzialismus dazu beigetragen hat, dass wir bisher so gut durch die Krise gekommen sind. Markantestes Beispiel aus der Zeit der „ersten Welle“: Die Maskenpflicht. Im Frühjahr wollte erst keiner ran und wenn man sie, nachdem die Virologen sich gerade einig waren, dass die Maske doch hilft, zentralistisch (wie in Frankreich) durchgesetzt hätte, wäre die Akzenptanz wahrscheinlich überhaupt nicht gegeben gewesen. Deutsches Vorgehen: eine einzelne Stadt (Jena) macht es verbindlich und hat prompt eine Woche lang keine Neuinfektionen mehr. Das war vielleicht kein nach allen Seiten wissenschaftlich abgesicherter Beweis für die Nätzlichkeit der Masken, aber eine beeindruckende und überzeugende Erfahrung der Plausibilität einer solchen Maßnahme und damit ein vergleichsweise schneller und unkomplizierter rasanter Anstieg der Akzeptanz. Auch sonst gilt: Was lokal entschieden wird, kann mehr Akzeptanz erwarten, selbst als inhaltlich richtige Top-Down-Entscheidungen. Und was im Hin und Her verschiedenster Entscheider ausprobiert und vielleicht auch wieder verworfen wird, führt letztlich zu besseren Gesamtergebnissen, als wenn Herr Söder oder wer auch immer sich top-down zentralistisch mit seinen vielleicht meist guten, aber doch begrenzten Erkenntnissen ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten und regionale Besonderheiten durchsetzen würde.

Es gibt ja zu denken, dass „strenge“ Länder wie Frankreich und Spanien viel höhere Inzidenzwerte und Reproduktionsziffern haben als Deutschland und sogar als Schweden, das immer wegen seiner laschen Haltung als böser Bube galt. Will sagen: Wichtiger und zur Eindämmung des Virus effektiver als die „Strenge“ der Maßnahmen („Raus nur noch zum EInkaufen!“) ist ihre Akzeptanz und ihre Verhältnismäßigkeit. Und die erreicht man mit etwas Chaos und Flickenteppich und Gewaltenteilung ganz offensichtlich leichter als mit Zentralismus oder gar Diktatur. Deshalb ein ermutigendes „Weiter so, Deutschland“ an alle Landesfürsten, Bürgermeister/innen und Stadträte. „Small is beautiful“ – die alte Weisheit, die in den letzten Jahren vom Gigantismus, Fusionitis usw in Gesellschaft und auch der Kirche viel zu sehr mit Füßen getreten wurde, kommt in diesen Zeiten ohnehin IMHO zu neuen Ehren. Gut so. (Das wäre noch mal ein eigenes Thema wert)

Immer noch aktuell, auch wenn schon vor fünf Jahren geschrieben (von mir aber eben erst entdeckt) – und nicht nur im zusammenhang des Themas „Reformationstag / Halloween interessant:

https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/kuerbis-statt-kirche-id11075081.html

… so wie ja auch die Radioaktivität aus Tschernobyl, AIDS, die Mauer / der Ost-West-Gegensatz / der kalte Krieg verschwunden ist und Faschismus und Antisemitismus aus deutschen Köpfen, Herzen und Parlamenten inzwischen verschwunden sind. Oder?

In der Corona-Zeit ist es fast untergegangen, dass wir ja 2020 das Beethovenjahr begehen (wollten …). Hier ist das Gedicht, das Beethoven zu seiner berühmten Sonate inspiriert hat, die später als „Mondscheinsonate“ bekannt geworden ist. Es stammt von Johann Gottfried Seume und heißt: „Die Beterin“

Die Beterin
Auf des Hochaltares Stufen kniet
Lina, im Gebet ihr Antlitz glühet
Von der Seele Angst hingerissen
Zu des hochgebenedeiten Füßen

Ihre heißgerungnen Hände beben,
Ihre bangen, nassen Blicke schweben
Um des Welterlösers Dornenkrone
Gnade flehend von des Vaters Throne

Gnade ihrem Vater, dessen Schmerzen
Ihrem lieben kummervollen Herzen
In des Lebens schönsten Blütetagen
Bitter jeder Freude Keim zernagen

Rettung für den Vater ihrer Tugend
Für den einz’gen Führer ihrer Jugend
Dem allein sie nur ihr Leben lebet
Über dem der Hauch des Todes schwebet

Ihre tiefgebrochnen Seufzer wehen
Ihrer Andacht heißes, heißes Flehen
Hin zum Opfer-Weihrauch, Cherubinen
Stehn bereit, der Flehenden zu dienen

Tragt, ihr Engel, ihre Engeltränen
Betend hin, den Vater zu versöhnen
Frömmer weinte um die Dornenkrone
Nicht Maria bei dem toten Sohne

Siehe, Freund, in den Verklärungsblicken
Strahlet stilles, seliges Entzücken
Lina streicht die Träne von den Wangen
Ist voll süßer Hoffnung weggegangen

Eine Träne netzt auch meine Augenlider
Vater, gib ihr ihren Vater wieder!
Gern wollt‘ ich dem Tode nahetreten
Könnte sie für mich so glühend beten.

… und hier ist der erste Satz der Sonate zum „Dazuhören“:

Nach „Deutschland betet gemeinsam“ gibt es am Donnerstag vor Pfingsten wieder einen ökumenischen Gebetsaufruf – „Gemeinsam vor Pfingsten“, initiiert vom Gebetshaus Ausgburg. Der alte Gebetsruf „Komm, Schöpfer Geist“ („Veni Creator Spiritus) soll für die Zeit, in der die Corona-Pandemie Angst und Zerrissenheit hervorruft, neu aktualisiert werden.

Logo_Taube_V3 Gemeinsam vor Pfingsten

Alle näheren Infos gibt es auf der website https://gemeinsamvorpfingsten.org/