Was Coca Cola vor Weihnachten kann, kann die Evangelische Kirche auch: als „Festbvorbereitunge“ einen Truck durch die Lande schicken …

Eine interessante Aktion zum Reformationsjubiläum ist der „europäische Stationenweg“, eine Tour durch zahlreiche Städte Europas, die mit der Geschcihte der Reformation  mehr (Genf als Ausgangspunkt, Wittenberg als Ziel) oder weniger stark (Liverpool zum Beispiel, auch wenn die Beatles auf irher ersten Schallplatte auch „O when the saints go marching in“ gesungen haben …) verbunden sind. Eine Übersicht über die beteiligten Städte mit interessanten Kurzinformationen gibt es hier.

Manchmal sind die Infos aber auch zu kurz – oder in der Kürze schlecht ausgewählt. So fehlt bei der Stadt Straßburg jeder Hinweis auf den dortigen Reformator Martin Bucer (der immerhin die Konfirmation erfunden hat …)

Man kann vieles feiern. Ich kann sogar den „Weltfischbrötchentag“ feiern, denn das Fischbrötchen ist eine tolle Erfindung und ich genieße es jedesmal, wenn ich mir eines gönne (Einzige Ausnahme vor vielen Jahren: Am Fähranleger zu einer Nordseeinsel bekam ich eines, das war leider nur grammatisch ein „richtiges“ Fischbrötchen – der Händler hatte zwar richtig erkannt, dass in der Zusammensetzung Fisch-Brötchen „Brötchen“ das Hauptwort ist, aber daraus die inhaltlich falschen Konsequenzen gezogen …)

Was ich aber nicht mitfeiern kann, ist der zehnte Geburtstag des Impulspapiers „Kirche der  Freiheit“, und wahrscheinlich kann das niemand, der oder die an der „kirchlichen Basis“ arbeitet, soweit es die noch gibt.

Die Kritik an der Missachtung von Orts- und Kerngemeinde,an  der Hierarchisierung und Einführung von Top-Down-Strategien, an Entmündigung, Demokratieverlust, neoliberalem Aberglauben und blauäugigen Zukunftsprognosen, bei denen eine vermeintlich künftige Macht des Faktischen zur Norm erhoben wurde – all das ist an anderer Stelle schon super gut aufgedröselt und entlarvt worden, sogar im Deutschlandradio (wobei im Deutschlandradio selbst Thies Gundlach viel kritischer zitiert wird als in der Hofberichterstattung von „evangelisch.de“). Deshalb hier nur ein paar Links zu den besten Kritiken:

Die vielleicht beste Kritik gibt es hier.

Weitere kritische Berichte und gute Kommentare auf evenglisch.de:

http://www.deutschlandradiokultur.de/zehn-jahre-impulspapier-kirche-der-freiheit-mit-viel-pathos.1278.de.html?dram:article_id=358310

http://www.evangelisch.de/comment/63026#comment-63026

http://www.evangelisch.de/comment/63037#comment-63037

http://www.evangelisch.de/comment/63054#comment-63054

Immer noch aktuell ist natürlich auch die schon zu einem früheren Zeitpunkt veröffentlichte Petition „Wormser Wort“:

Ach ja: Vielleicht ist das mangelhafte (Fisch-)BRÖTCHEN von der Nordseeküste ein ganz gutes Bild: Auch in unserer Kirche wird vieles (zB das erwähnte Impulspapier) fabriziert, was nach irgendwelchen formalen – quasi „grammatischen“ Kriterien (zB den Dogmen des Neoliberalismus) sogar richtig ist. Nur der Fisch ist darin kaum noch zu finden; es schmeckt nicht, es macht nicht satt, ist letztlich eben doch ein Etikettenschwindel und ist für das, was es bietet einfach viel zu teuer.

„Gott neu entdecken – aufrecht vor den Menschen“: Das ist doch mal ein gutes Thema für einen Kirchentag. Unter diesem Motto gibt es am 10. Dezember 2016 einen „kleinen Kirchentag“ in Worms – als Teil des „Europäischen Stationenweges“ zum Reformationsjubiläum, auf dem verschiedene Städte angesteuert werden, die für einen Teil des reformatorischen Erbes verantwortlich sind. Worms gehört natürlich dazu, hat Martin Luther doch hier sein berühmtes „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ gesagt! Näheres zum Kleinen Kirchentag in Worms gibt es hier

Es gibt eine Petition, Margot Käßmann als nächste Bundespräsidentin vorzuschlagen – guckst Du hier

Das wichtigste Ergebnis der 5. Kirchenmitgliedschaftsstudie in Kurzfassung: „Durch die Sichtbarkeit der Kirche in der Ortsgemeinde gewinnt die Kirche insgesamt ihre Sichtbarkeit“ (Gerhard Wegner, Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD im Deutschen Pfarrerblatt 1/2016 S. 21) Die Zeit des „Ortsgemeinde-Bashing“ in der kirchlichen political correctness sollte also endlich vorbei sein. Noch habe ich aber nichts davon gehört, dass die kirchenleitenden Gremien der EKD sich von dem im Papier „Kirche der Freiheit“ enthaltenen Konzept verabschiedet hätten, nach dem 2030 nur noch ein Drittel der Pfarrstellen Ortsgemeinde-Pfarrstellen sein sollen … Und dass die Zwangsregionalisierung als Irrweg erkannt worden wäre, ist am Vorabend des Reformationsjubiläums leider auch immer noch nicht sichtbar, selbst wenn in der Tat der Regionalisierungsdurck auf die „gallischen Dörfer“  unter den Kirchengemeinden inzwischen abgenommen hat.

Seit gestern ist es eindeutig: Jerome Boateng ist des Deutschen Lieblingsnachbar. (Womit auch bewiesen wäre, dass meine Fußballkommentare sich nicht nur auf „meine Lilien“, den SV Darmstadt 98  beziehen …)

Eine Meldung, die nicht ohne Brisanz ist – aber merkwürdigerweise in meiner Tageszeitung und in den Fernsehnachrichten m.W. nicht vorkam:

Straßburg (kath.net/pm) In einem aktuellen Fall hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGhMR) einstimmig bestätigt, dass der Begriff „Ehe“ einzig die Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau bezeichnet. …
Stéphane Chapin und Bertrand Charpentier aus Frankreich hatten 2004 entgegen der damaligen Rechtslage vor dem Bürgermeister einer französischen Kleinstadt eine sog. „gleichgeschlechtliche Ehe“ geschlossen. Die Ehe wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom zuständigen Gericht in Bordeaux für nichtig erklärt. Chapin und Charpentier sahen in dieser Entscheidung ihr Menschenrecht auf Eheschließung und Familiengründung gem. Artikel 12 sowie ihr Recht auf Achtung ihres Familienlebens gem. Art. 8 der Menschenrechtskonvention verletzt. Der EGhMR wies diesen Antrag diese Woche zurück und bestätigte in seinem Urteil, dass der Begriff „Ehe“ in Artikel 12 eine klare und eindeutige Bedeutung hat: eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau.
(Quelle: http://kath.net/news/55535)

Was bedeutet das für die Kirchen? Der vorauseilende Gehorsam gegenüber einer vermuteten künftigen political correctness, nach der „Ehe“ jede Verbindung von zwei Menschen, unabhängig vom Geschlecht, sein könne, hat in manchen Landeskirchen unter dem Motto „Gleiche Liebe – gleicher Segen“ zu einer Einführung von „kirchlichen Trauungen“ für gleichgeschlechtliche Paare geführt (und dazu, denen, die das ablehnen, „Diskriminierung“ vorzuwerfen.) Und das, obwohl es in Deutschland staatlicherseits zwar eine „eingetragene Lebenspartnerschaft“, aber keine „Eheschließung“ für gleichgeschlechtliche Paare gibt. Vielleicht hilft das europäische Urteil ja dazu, auf dem Teppich zu bleiben: Ich kann sehr wohl für die Toleranz verschiedener Formen des Zusammenlebens eintreten, ohne alles für eioen Ehe zu halten. Soll ich wirklich einem gleichgeschlechtlichen Paar den Satz „Seid fruchtbar und mehret euch“ vorlesen, nur damit ihre Segnung eine „echte Trauung“ ist (zu der gehört er nämlich nach unserer Agende dazu)? Also: Schluss mit der „Diskriminierung!“s-Keule gegen die, die zwischen einer gleichgeschlechtlichen Beziehung und einer Ehe einen Unterschied sehen. Das wünsche ich mir von den Kirchenleitungen. Von manchen frommen Kreisen wünsche ich mir natürlich genauso, dass sie erkennen, dass Homosexualität weder geheilt werden kann, noch geheilt werden muss, weil sie weder als Veranlagung noch als Praxis krankhaft oder sündig ist, auch wenn sie nicht in eine Gemeinschaft führen kann, die die Berufung zur Lebensweitergabe hat.

 

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