1. Ein Bundespräsident, über den wir sprechen (anstatt ggf. von ihm zu sprechen) kann nicht wirkungsvoll zu uns sprechen. Das wäre aber seine Hauptaufgabe.

2. „Dafür entschuldige mich und habe es bereits getan“. Ein solcher Satz geht gar nicht – aus zwei Gründen:

- Keiner kann sich selbst entschuldigen. Ich kann ja auch nicht zur Bank gehen und sagen: „Ich entschuldige mich“ und – schwupps -  brauche ich meinen Kredit nicht mehr zu bezahlen. Allenfalls könnte die Bank auf ihre Forderung verzichten und sie mir erlassen, weil ich um Entschuld(ig)ung gebeten habe …

- Wenn eine Entschuldigung wirksam geschehen ist, kann sie nicht andauernd wieder passieren …

„Jahresendflügelfiguren“ hießen sie in der DDR, die Weihnachtsengel, die man einfach nicht los wurde … Jetzt begegnet man ihnen wieder und natürlich haben sie ihren Platz in der Weihnachtsgeschichte. Doch gerade heute scheinen Engel nicht nur als Figuren, sondenr auch als Glaubens- und Meditationsgegenstand (und Verehrungsgegenstand?) Hochkonjunktur zu haben. Da ist Karl Barths Hinweis sicher nicht verkehrt, dass sie nur Anzeiger sind für das „Eigentliche“, für das was Gott selbst tut.

Karl Barth schreibt also in unserem letzten Zitatbeitrag zum Jubiläumsjahr „125 Jahre Karl Barth und Coca Cola“ über die Engel in den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums und besonders in der Weihnachtsgeschichte:

KD I,3 § 51 (S. 592f)

„Die Anweisung, in der der Engel die Hirten von sich selbst weg zu dem Kind in der Krippe schickt, ist der entscheidende Dienst, den er als Engel leisten darf und muss. … (Am) Ereignis selbst und als solchem haben die Engel keinen Anteil. Sie können es nicht vorwegnehmen, sie können nur  anzeigen, dass es von Gott her geschehen wird. Sie sind unsichtbar und unhörbar indem es geschieht. Und sie können auch, nachdem es geschehen ist, nur von sich selbst wegweisen auf Gott selbst und seine vollbrachte Tat: Sie fahren wieder gen Himmel … Sie haben vorher und nachher gerade nur als Anzeiger gedient. Sie haben als solche auch keine Berufungen vollzogen… Sie haben es auch nicht geschafft, dass die Hirten sich auf den Weg nach Bethlehem machten, sondern es heißt mit merkwürdiger Ausdrücklichkeit,  daß die Hirten untereinander übereinkamen, daß sie das tun wollten … Die Engel wollen beachtet, aber auf keinen Fall sytematisch in den Vordergrund des Interesses geschoben sein.“

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ – dieses Wort Jesu an Paulus ist die Jahreslosung für 2012. In der von mir zu solchen Gelegenheiten gern frequentierten „Kirchenmusikliste“ gibt’s dieses Mal erst einen Kanon zur neuen Jahreslosung – den Link gebe ich hier aber gerne schon mal weiter. Sollten dort weitere Versionen folgen (wie in den vergangenen Jahren) weise ich darauf später noch einmal hin.

http://www.kirchenmusikliste.de/dl/comment.php?dlid=1714&ENGINEsessID=6b3593797f584ccba6f9ece19da3dbdb

Der Kanon hat ein leichtes „gospel-Feeling“, ist aber, glaube ich, auch mit der Gemeinde „machbar“. Er betont mehr die Kraft als die Schwachheit- „Gospel“ heißt ja „gutes Kraftwort“, wie ich an anderer Stelle einmal ausgeführt habe (guckst Du hier: http://kraftwort.wordpress.com/2009/08/03/was-bedeutet-gospel/).

Praktisch finde ich den Vorschlag für eine Begleitung mit Tasteninstrument (wobei das, um den Rhythmus zu betonen, mit Klavier besser klingt als mit Orgel). Textlich entspricht er nicht genau der Jahreslosuing, weil er den Vers komplett wiedergibt: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“

Die einen ärgern sich über 30.000 – obwohl es Euro sind. Am Wochenenden, sow ar zu elsen, wuirde der Lotto-Jackpot geknackt. Aber da gleich 78 Tipper sechs Richtige hatten, bekam jeder „nur“ 30.000 Euro.

Ich hingegen freue mich dieser Tage über 30.000 – obwohl es sich bei diesen 30.000 nicht um Euro, sondern „nur“ um „Views“ auf mein Blog handelt. Die habe ich nämlich inzwischen überschritten. Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich gerade die 10.000 erreicht (guckst Du hier: http://kraftwort.wordpress.com/?s=Selbstgratulation) – und da war das Blog schon zwei Jahre alt. Dass nun innerhalb eines Jahres die doppelte Anzahl dazugekommen ist, freut mich und ich bedanke mich herzlich bei allen Leserinnen und Lesern und Kommentierenden!

Allen eine schöne Adventszeit!

Mit einem herzlichen Dank an Jürgen Trumann gebe ich hier sein jüngstes Gedicht weiter. Er hat es in einem Kommentar zu meiner Buchbesprechung „Schräger Einfall bringt ins Lot“ (guckst Du hier: http://kraftwort.wordpress.com/2011/07/04/schrager-einfall-bringt-ins-lot-buchbesprechung/) mitgeteilt. Aber an dieser Stelle war es mir zu versteckt. Es gefällt mir nämlich mal wieder ausgesprochen gut – ich hoffe euch auch:

Dank an die Vor-Tragenden

Ich komme in wärmenden wollenen Socken
dem bald zu erwartenden Winter zuvor
und danke dem Schaf oder Bocke die Locken,
die man ihm zwecks meines Zehenkleids schor.

Ich trete der kommenden Kälte entgegen
dankbaren Sinns für das Schaf nicht allein.
Des schützenden ledernen Schuhwerkes wegen:
nachträglich Dank auch dem Rind und dem Schwein.

Jürgen Trumann

Trost ist nicht in den Dingen,
ist nicht in Ehre und Macht,
und keiner kann Trost erzwingen,
Trost ist wie Licht in der Nacht.

Die Dinge sind fremd und schweigen,
und die Macht, sie ist hart und ist kalt,
und die Welt ist keinem zu eigen,
und nichtig ist alle Gewalt.

Trost ist nur in dem Einen,
der unser Verderben gewandt,
und selig sind, die da weinen:
Gott hat uns den Tröster gesandt.

(Lindolfo Weingärtner)

Dieses und weitere lohnende Gedichte dieses brasilianisches Dichters gibt es hier:  http://www.lindolfow.com/04.htm

Im November erwartet uns das Ende des Kirchenjahres mit Totengedenken und Sonntagen, die an die „letzten Dinge“ – Sterben, Auferstehung, Gericht, Wiederkunft Christis erinnern. Zum November des Jubiläumsjahres „125 Jahre Karl Barth und Coca Cola“ soll es deshalb auch  ein Zitat zu den „letzten Dingen“, zur christlichen Hoffnung sein. Im § 73 der Kirchlichen Dogmatik spricht Karl Barth davon, dass „die große konstantinische Illusion“ in Auflösung begriffen sei – die Erwartung also, innerhalb der Menschheitsgeschichte alle Menschen durch Mission (oder, im schlimmeren Falle durch Zwang und weltliche Herrschaft) zu Christen zu machen. Damit wird die christliche Hoffnung einerseits angefochten und in Frage gestellt, andererseits aber auch um so wichtiger. Barth schreibt:

Was ist und bedeutet des Christen Hoffnung, der sich … der übrigen Menschheit gegenüber in eine verschwindende – muß man nicht sagen: hoffnungslose? – Minderheit versetzt findet? … Was sollen und wollen denn die paar christlichen Leutlein, was soll und will denn das Häuflein der christlichen Gemeinde da und dort mit seinem Zeugnis von Jesus Christus? Was … erwarten diese Menschen damit auf dem großen Jahrmarkt … auszurichten?
Was sollen wir übrigens von den Unzähligen halten, die ante oder  post   Christum  natum   gar keine Gelegenheit hatten, dieses Zeugnis zu hören? Es hieße offenbar den Kopf in den Sand stecken, wenn der Christ .. durch das alles nicht angefochten … würde. … Es ist ihm aber erlaubt und geboten … unverzagt zu  hoffen, d.h. … unbedingt damit zu rechnen, daß derselbe Heilige Geist, der unbegreiflicherweise mächtig genug war sein, des Christen eigenes finsteres Herz zu erleuchten, mit jenen anderen samt und sonders eines Tages vielleicht noch geringere Mühe als mit ihm haben möchte. Und weiter: unbedingt und nun entscheidend damit zu rechnen, daß der Tag des Kommens Christi … ganz bestimmt der Tag sein wird, da – nicht er, der Christ, aber der, den er als Christ erwartet, auch alle die anderen zu erreichen wissen wird, daß sie, die Toten und die Lebenden, die ante und die post Christum natum kamen und gingen – was das dann auch für sie bedeuten möge – seine Stimme hören werden.

(KD IV,3 S. 1053f. . § 73 Der heilige Geist und die christliche Hoffnung)

Nun zitiere ich (als Lutheraner) schon das ganze Jahr Karl Barth – da ist es an der Zeit, wenigstens auf eine gute Sammlung von Lutherzitaten hinzuweisen. Guckst Du hier:

http://www.sprengel-ostfriesland.de/luthers-wochensprueche/

Allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Reformationsfest!

„Nun freut euch lieben Christen g’mein und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen …“ Martin Luther, EG 341)

Wer außerdem auch etwas zu Hällowiin lesen möchte, ist nach wie vor hier richtig:

http://kraftwort.wordpress.com/2010/10/26/31-oktober-das-%E2%80%9Ehallowinseln-steht-bevor-was-kann-man-tun/

Karl Barth über das „Geschriebene Wort Gottes“
(KD I,1 S. 110 und 111 – § 4 Das Wort Gottes in seiner dreifachen Gestalt)

Immer noch ist das „Jubiläumsjahr 125 Jahre Karl Barth und Coca Cola“, und deshalb gibt es auch in diesem Monat ein paar Gedanken von Barth zum Nach-denken. Ausgesucht habe ich diesen Abschnitt, weil der Oktober der Monat ist, der auf das Reformationsfest zuläuft. Zugegeben: Barths langer und komplizierter Satzbau ist hier besonders stark ausgeprägt. Langsam und laut lesen hilft!

Warum muss die Erinnerung der Kirche an Gottes geschehene Offenbarung immer wieder gerade die Bibel zum konkreten Gegenstand haben? … Die Bibel macht sich selbst zum Kanon. Die Bibel ist Kanon, weil sie sich als solcher der Kirche imponiert hat und immer wieder imponiert. … Wir müssen hier schon im Voraus auf den Inhalt der Heiligen Schrift verweisen. Das prophetisch-apostolische Wort  ist Wort, Zeugnis, Verkündigung und Predigt von  Jesus  Christus … Kraft dieses Inhalts imponiert sich die Schrift. …
Das große geschichtliche Paradigma für diese Entdeckung des in der Bibel kraft ihres Inhalts der Kirche gegebenen Kanons  ist die Anfangszeit der Reformation. Was sich in Wittenberg und Zürich in den zwanziger, in Genf in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts abgespielt hat, ist wie ein Bilderbuch zu dem eben Ausgeführten: Die Kirche sieht wieder, daß sie Christus mit seinen Gaben nicht in sich selbst hat, sondern von seinem, von außen zu ihr kommenden Wort gefunden werden muß. Sie sieht dies aber darum, weil sein Wort und eben in seinem Wort er selber sie schon gefunden hat, weil sie schon nicht mehr allein gelassen ist, weil Christus als ihr Gegenspieler und Widerpart eben im biblischen Wort bereits richtend und tröstend auf den Plan getreten ist. D.h. aber konkret: weil das Alte und das Neue Testament bereits zu ihr gesprochen, sich ihr bereits als „Kanon der Wahrheit“ aufgedrängt hat.

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