Segnen heißt:
Die Hand auf etwas legen und sagen:
Du gehörst trotz allem Gott.
So tun wir es mit der Welt,
die uns solches Leid zufügt
Wir verlassen sie nicht.
Wir verwerfen, verachten, verdammen sie nicht,
sondern wir rufen sie zu Gott.
Wir geben ihr Hoffnung,
wir legen die Hand auf sie und sagen:
Gottes Segen komme über dich.

Wir haben Gottes Segen empfangen
im Glück und im Leiden.
Wer aber selbst gesegnet wurde,
der kann nicht mehr anders
als diesen Segen weitergeben,
ja, er muss dort, wo er ist,
ein Segen sein.
Nur aus dem Unmöglichen
kann die Welt erneuert werden,
dieses Unmögliche ist der Segen Gottes.

Dietrich Bonhoeffer am 8.6.1944 DBW 8, 675
zit nach Jochen Arnold, Ralph Kunz, Christine Tergau-Harms Behütet auf dem Weg Sendung und Segen im Kirchenjahr

(EIne kurze Vorstellung dieses Buches, in dem ich den Text gefunden habe, gibt es hier: http://gospelimpuls.wordpress.com/2014/04/07/segnen-heist-die-hand-auf-etwas-legen/)

Ein netter Trend: In vielen Orten stellen Menschen ihre Heimatstadt tanzend zur Musik des Hits “Happiness” vor – auch einer meiner Studienorte ist dabei, die geliebte Hansestadt Greifswald. (und das Greifswald-Video ist allemal um Längen besser als das von Berlin. nicht weil der Berliner Tänzer schlecht wäre, aber das Berliner Einkaufszentrum, in dem er tanzt, könnte auch in Bruchsal oder Bielefeld zu finden sein )…

Leider habe ich sie erst am heutigen Faschingsdienstag entdeckt: Eine Narrenpredigt über die Hochzeit zu Kana von Wolfgang Vögele (ein auch sonst geschätzter Mitblogger in der Theo-Blog-Szene). Und hier ist die Predigt zu finden: http://predigten.evangelisch.de/predigt/glauben-und-lachen-predigt-zu-johannes-2-1-12-beim-oekumenischen-gottesdienst-fuer-narren oder – in Auszügen, dafür bebildert http://wolfgangvoegele.wordpress.com/2012/02/11/vom-gramen-zum-lachen-vom-zogern-zum-machen/

Das “Zentrum für Predigtkultur” in Wittenberg hat eine ungewöhnliche Fastenaktion vorgeschlagen – “Sieben Wochen ohne Große Worte”. Interessierte Pfarrerinnen und Pfarrer (also auch ich) konnten sich eine Postkarte mit 49 Begriffen zusenden lassen, auf die – so die Empfehlung – in den Predigten der Fastenzeit verzichtet werden soll. Das schlug ziemliche Wellen, zumal unter den 49 Begriffen auch die Worte “Gott” und “Jesus” sind. Auf evangelisch.de gab es jetzt eine Diskussion mit der Initiatorin, Kathrin Oxen (guckst Du hier: http://aktuell.evangelisch.de/artikel/92606/haben-sie-fragen-zur-predigtaktion-ohne-grosse-worte). Meinen dortigen Diskussionsbeitrag übernehme ich hier an dieser Stelle

Liebe Frau Oxen,
1. Prinzipiell finde ich den Gedanken gut, den eigenen Sprachgebrauch in Fastenüberlegungen einzubeziehen. Ich werde mich an Ihrer Aktion auch in dem Sinne beteiligen, dass ich die Karte bei der Predigtvorbereitung vor mir habe und die Notwendigkeit der Verwendung dieser Worte überprüfe. Ich weiß aber schon jetzt, dass ich die – nicht zufällig in der Debatte sofort aufgestoßenen – Worte “Gott” und “Jesus” nicht unter ein Tabu stellen werde; denn sie sind schlicht nicht ersetzbar und markieren den Ursprung meines Auftrages. Würde man das Wort “Gott” ersetzen wollen, könnte m.E. nur so etwas herauskommen wie in der Erzählung von Heinrich Böll “Dr. Murkes gesammeltes Schweigen”, wo “Gott” immer ersetzt wird durch “jenes höhere Wesen, das wir verehren”. Das ist ja nun nicht weniger “geschwurbelt”, sondern mehr. Frage also: Wie wollen Sie auf “Gott” in der Predigt verzichten, ohne auf Gott zu verzichten? Können so nicht nur Predigten entstehen, die das “Seid nett zueinander” eines 80er-Jahre-Kirchentages transportieren? Wie wollen Sie das vermeiden? (Immer “der Herr” zu sagen, wäre zwar seriöser als das “höhere Wesen”, aber auch nicht verständlicher, wie die überzogene feministische Kritik daran verdeutlicht. “Adonai” oder “JHWH” zu sagen ist erst recht völliger Unfug, da absolutes Insider-Gerede)
2. Ich bin gespannt auf die Erfahrungen, die ich mit meiner “reduzierten Version” Ihres Tabu-Kataloges mache. Auch hier habe ich noch die – offene – Frage, ob Worte beliebig austauschbar, verzichtbar sind. Sprache ist ja der Ort der Erfahrung. Vielleicht können Menschen mit den Worten “Gnade” und “Barmherzigkeit” heute deshalb nichts anfangen, weil ihre Lebenswelt so gnadenlos und unbarmherzig ist und nicht, weil wir Christen gar nicht mehr wissen, was wir meinen. Erster Impuls wäre natürlich: “Wir müssen den Menschen Erfahrungen von Barmherzigkeit vermitteln”. Das ist als Imperativ, absolut genommen, aber eine Überforderung. Wir müssen sehr wohl die Gnade verkündigen, auch wenn sie nicht einfach alltagskompatibel ist, ihre Wahrheit (sorry, auch ein großes Wort) bezeugen gegen die Erfahrung und darauf vertrauen, dass das Wort Kraft hat, sich auch einen Erfahrungsraum zu schaffen, in Erzählungen, im Vertrauen gegen den Augenschein, letztlich dadurch, dass Gott ja tatsächlich wirkt …. Frage also: Ist bei der Aktion wirklich das Wort als “Dabar” im Blick, das Kraft hat, Wirklichkeiten zu schaffen oder wird im Hintergrund, dem theoretischen Background der Aktion das Wort doch nur als austauschbare Bezeichnung für eine Sache verstanden, die außerhalb von ihr liegt? (was mehr griechisches als biblisches Denken wäre) vgl. dazu: http://kraftwort.wordpress.com/2009/06/04/dabar-und-logos/
3. Könnte ein “Sprach-Fasten” nicht auch ganz andere Formen annehmen? Zwei Erfahrungen von mir:
- Meine erste Sprachfastenaktion hieß “Vielleicht sollte man niemals ‘vielleicht’, ‘man’ und ‘niemals’ sagen”, bestand also im (weitgehenden) Verzicht auf diese drei Begriffe. Das bringt schon eine Menge Konkretion und weniger Vollmundigkeit.
- Ein besonders interessanter Versuch bezog sich zunächst gar nicht auf die Predigt, sondern gerade primär auf den alltäglichen Sprachgebrauch. Mir fiel auf, dass unsere Alltagssprache oft “gewaltgetränkt” ist. Da ist irgendetwas “eine schallende Ohrfeige” oder ein “Schlag ins Gesicht”, jemand (vielleicht sogar man selbst) bräuchte mal “einen Tritt in den Hintern”, man setzt jemandem “die Pistole auf die Brust” oder eine Aktion wird als “Harakiri”, irgendetwas (vielelicht sogar nur das Wetter) als “mörderisch” bezeichnet. Ich hatte mir also vorgenommen, einmal in der Passionszeit auf alle Gewaltbegriffe zu verzichten. Und dann kam die erste Predigtvorbereitung und ich merkte, dass das gar nicht geht, weil die Passionsgeschichte natürlich eine Geschichte voller realer Gewalt ist. Ich habe mein Fasten dann dahingehend modifiziert, dass Bibelzitate und -paraphrasen erlaubt sind, aber nur die. Und das brachte eine ganze Reihe spannender Entdeckungen mit sich, auch eine ganz neue Sensibilität für die reale Gewalt …
4. Geht es vielleicht hauptsächlich, und ganz schlicht darum, Substantive durch Verben zu ersetzen? Das ist ein löbliches Unterfangen und lohnt sich bestimmt. Wenn das aber der Grundsatz ist, dann wird auch deutlich, warum “Gott” und “Jesus” gerade wieder nicht in die Liste passen. Oder wie lautet das Verb für Gott?

Schöne Grüße!
Barnabas

Die Antwort von Kathrin Oxen war zwar positiv, aber leider recht kurz und weitgehend ohen konkretes Eingehen auf die konkreten Fragen. Wer sie nachlesen möchte, findet sie unter dem o.g. Link.

Viele wissen es nicht: die Beatles haben mehrere ihrer Lieder auch auf deutsch eingespielt – als erstes haben sie im Januar 1964 “I want to hold your hand” auf deutsch gesungen. Den deutschen Text hat Camillo Velgen (Schlagersänger und Radio-Luxemburg-Moderator) noch in der Nacht vor der Aufnahme fabriziert, nachdem eine erste deutsche Textfassung eines anderen Autors den Beatles nicht gut genug war.

Eine erstaunliche Erfahrung: Wenn ich Konfirmandinnen und Konfirmanden, also Jugendliche von ca 14 Jahren frage, welches der Zehn Gebote sie am Wichtigsten finden, dann kommt erstaunlicherweise häufig das vierte Gebot auf Platz eins – zur Erinnerung: Es lautet “Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden”. Das fiel mir wieder ein, als ich auf dieses Video der “Kult-Slammerin” Julia Engelmann gestoßen bin.
BTW: An der Diskussion, ob ihre Texte “Ihr Leben verändern können” (Der Stern über ihr Video “One day” http://www.youtube.com/watch?v=DoxqZWvt7g8) oder “Kitsch” sind, beteilige ich mich mal nicht. Die Frage ist m.E. falsch gestellt. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es (leider) nichts uncooleres gab als Gedichte und finde es gut, dass es heute so etwas wie “Pop-Poesie” gibt. Und dafür ist Julia Engelmann sicher eine gute Protagonistin.

Ich zitiere zunächst aus der Evangelischen Zeitung vom 5. Januar 2014:

Gelöschte Göttinnen
Von Jochen Rudolphsen (Redakteur der Evangelischen Zeitung)

“Ich bin Göttin”
Köln “I am God” – “Ich bin Gott” hatte die Femen-Protestlerin Josephine Witt auf ihrem Körper stehen, als sie in einer umstrittenen Aktion barbusig den Weihnachtsgottesdienst im Kölner Dom störte. Tatsächlich gab es einmal eine Göttin. Doch die ist wie vieles andere weibliche in der Religionsgeschichte verdrängt worden.

Wie hieß sie doch gleich, die Frau Gottes? Vergessen? – Nein, grübeln Sie nicht weiter, Sie sind nicht vergesslich. Vor mehr als 2600 Jahren haben andere dafür gesorgt, dass Sie den Namen der Gattin des JHWH nicht parat haben. Aschera, der Name der Ehefrau des Herrn, war über Jahrhunderte hinweg im alten Israel jedem geläufig, bis sich im siebten vorchristlichen Jahrhundert eine Gruppe schriftkundiger Priester daran machte, die alten Geschichten auf- und damit umzuschreiben. Nach dem Motto: ein Volk, ein Gott! erklärten sie den Volksglauben für obsolet, machten JHWH zum Single und kehrten Aschera gleich mit aus. …”

(Es folgen Hinweise auf diverse biblische Frauen, deren Name verschwiegen oder deren Rolle lange vergessen wurde)

Junia, die in Römer 16,7 erwähnt wird … war, darin sind sich noch tausend Jahre lang alle Kirchenväter einig, eine Apostelin. Erst der Augustiner-Mönch Aegidius Romanus machte aus ihr im 13. Jahrhundert einen Mann. Augustiner-Kollege Martin Luther tat es ihm 300 Jahre später gleich – und schrieb Junia zu Junias um. …”

(Es folgt eine pauschale Abrechnung mit den Männern, die – in Nachfolge des Römers Cato – Frauen stets mit Gewalt oder unter Zuhilfenahme des „Rechts” unterdrückt hätten. Einziger Lichtblick war anscheinend John Stuart Mill, der schon 1869 gesagt hat, die Unterdrückung der Frau habe keine natürliche Ursache …)

Was würde Junia dazu sagen?
Vielleicht dies:
“Lieber Herr Rudolphsen,
es ist ja nett, dass Sie mich erwähnen und in Erinnerung rufen, dass ich Apostelin war.
Aber davon abgesehen tun Sie mir mit Ihrem Artikel – ehrlich gesagt – keinen Gefallen.
Wissen Sie, was ich als Apostelin getan habe?
Ich habe – genauso wie Petrus, Priska, Paulus, Phöbe und viele andere – verkündigt, dass Jesus der Herr ist. Denn das ist der Kern des Glaubensbekenntnisses, das in Ihrer Zeit (und schon seit dem 4. Jahrhundert nach dem Kommen Jesu) noch um einiges länger geworden ist. Aber dieser eine Satz – der steht von Anfang an fest: Jesus ist der Herr. Von dem, was mir am Wichtigsten war, schreiben Sie leider überhaupt nichts, ja, der Name Jesus kommt kein einziges Mal vor, und deshalb fühle ich mich als Apostelin Jesu Christi  auch nicht so wirklich ernst genommen.
Wie meinen Sie das eigentlich, wenn Sie sagen, Gott habe eine Frau, die sei nur von Priestern zum Verschwinden gebracht worden? Kann man eine Gottheit zum Verschwinden bringen, die es gibt? Heißt das, dass es sie einmal gab, aber nicht mehr gibt? Oder heißt es dass sie nur vergessen wurde, aber eigentlich lebt? Wenn das so ist – und nur so gibt es einen Sinn – beten Sie dann eigentlich zu Aschera? Und was antwortet sie Ihnen dann?
Ich verstehe das ganz anders. In meiner Bibel heißt es ganz am Anfang, Gott hat den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen – als Mann und Frau. Wenn aber Mann und Frau, beide, gemeinsam, Gottes Ebenbild sind, dann ist Gott selber doch sowohl Mann als auch Frau bzw. keines von beiden. Dann kann “er” doch keine Frau haben, wenn “er” das Weibliche doch genauso in sich hat wie das Männliche. Und auch noch an viel späterer Stelle der Bibel, am Schluss des Jesajabuches  (als die von ihnen behaupteten bösen frauenfreindlichen Priester schon längst am Werk gewesen sein müssten) sagt Gott: “Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet”. Gott hat und hatte keine Frau – dazu ist er selber Frau genug! (Vielleicht wissen Sie, dass das hebräishe Wort “Ruach” meistens weiblich ist – es heißt übersetzt “Geist”. Gottes Geist ist also weiblich, wenn Sie darauf Wert legen …)
Löblich finde ich, dass Sie in der Online-Version Ihres Artikels die Einleitung der Printversion weggelassen haben. offensichtlich haben Sie selber schon gemerkt,. dass es eine Verniedlichung ist, von einer “umstrittenen Aktion” zu sprechen, wenn ein Mensch sich selbst auf einen Altar stellt und behauptet “Ich bin Gott”. Selbst Jesus, der einzige Mensch, der das von sich hätte sagen dürfen, hat das nie selber gesagt, sondern gewartet, bis Menschen von selbst auf die Idee kommen, er könnte es sein. (Übrigens gab es nur zwei Menschen, die schon vor Jesu Auferstehung dieses Bekenntnis abgelegt haben: “Du bist der Christus”: Simon Petrus und meine Freundin Martha, die Sie in Ihrer Aufzählung biblischer Frauen leider vergessen haben …). Da steht eine keifende Person auf dem Altar und viel weiter unten liegt Jesus. der Gottessohn, als Kind in der Krippe und er trägt stolz die Aufschrift “Ich bin Mensch”. Ich stehe auf der Seite von Jesus und seiner Mutter Maria, die im Herzen bewahrte, was ihr von Jesus gesagt war – und Josefine Witt kann ich nur wünschen, dass sie sich bekehrt von ihrem Götzendienst zu dem wahren Gott. Das wäre jedenfalls mein Bestreben und meine apostolische Aufgabe. Helfen Sie mir dabei?

Freundliche Grüße
Junia, Apostelin”

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.